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Thema: Ependymom im Rückenmark - erfahrene Klinik gesucht

Ependymom im Rückenmark - erfahrene Klinik gesucht
schmitz628
08.06.2012 20:25:52
Hallo,
bei meinem Lebensgefährten wurde im Mai diesen Jahres durch Zufallsbefund eine Zyste von HWK4 bis BWK9 festgestellt.In dieser Zyste auf Höhe HWK5/6 bis BWK1,2 wurde ein Ependymom entdeckt. Ausfälle oder Empfindungsstörungen hat er bislang nicht.
Die Neurochirurgen bei der Universitätsklinik Bonn empfahlen uns jetzt, den Tumor auf Höhe HWK5/6 operieren zu lassen.
Da mein Lebensgefährte Horror vor Krankenhäusern hat und vor allem befürchtet, nach der OP querschnittsgelähmt wieder aufzuwachen, wenn überhaupt, wollen wir gerne eine Zweitmeinung einholen.
Könnt Ihr uns vielleicht raten, welche Kliniken Erfahrungswerte bei Operationen an Ependymomen im Rückenmark haben, ggf. wo Ihr selbst gute Erfahrungen gemacht habt?
Wir sind für alle Tipps dankbar.
Viele Grüße
Doris
schmitz628
Prof. Mursch
09.06.2012 18:55:11
wie wurde die Diagnose "Ependymom" denn gesichert?

Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
schmitz628
09.06.2012 21:16:04
Guten Abend,
wegen anhaltender Rückenbeschwerden wurde ein MRT der Wirbelsäule/Rückenmark veranlasst. Dabei diagnostizierte der Radiologe "Dringender Verdacht auf Ependymom des zervikalen und thorakalen Rückenmarks mit großen lobulierten zystischen Anteilen und kontrastmittelaufnehmendenAnteilen im zervikothorakalen Übergang."
Auch die Uni Bonn erklärte, es handle sich am wahrscheinlichsten um ein Ependymom.
Eine weitere Abklärung ist nicht erfolgt.
Herzliche Grüße
Doris S.
schmitz628
Carolein1
13.06.2012 15:39:56
Guten Tag,
ich selber bin an einem Ependymom Grad II auf Höhe HWK 3-5 erkrankt. Erstdiagnose hatte ich im November2007, bin dann jährlich zu meinen MRT Kontrollen gegangen. Im september 2009 stellte man dann fest, dass der Herd auf Höhe HWK 3-5 angewachsen ist, ich hatte jedoch bis dahin keine Beschwerden. Mir wurde damals erklärt das man nicht operiere, solange keine Beschwerden vorhanden wären bzw. der Liquorfluss verhindert werde. Denn nach der OP würden aufjedenfall Beschwerden auftretten die sich aber wieder rückbilden könnten. Naja 2 Monate später traten dann erste Taubheitsgefühle in den rechten Fingern auf, dies war dann die Indikation zur OP. Ich bin seit 2007 im Brüder Krankenhaus in Trier bei den Neurochirurgen in Behandlung, habe mich dort auch operieren lassen. Ich kann diese Neurochirurgie nur weiterempfehlen operativ sowie auch in Betreuung etc.

Ich wünsche Euch beiden vorallem Deinem Lebensgefährten alles erdenklich gute

Gruß Carolien
Carolein1
schmitz628
17.06.2012 16:51:10
Hallo Carolien,
leider war ich jetzt selbst krank und konnte mich auf deine Mail nicht melden.
Aber, was du schreibst, interessiert mich sehr. Bei meinem Lebensgefährten ist es bisher nämlich auch so, dass er keine Ausfälle hat und die Sensibilitätsprüfung vor drei Wochen hat auch keinen Befund ergeben.
(Wir hoffen natürlich, dass dieser Zustand noch möglichst lange anhält.)
Dennoch hat die Uniklinik Bonn zur Op geraten, mit der Begründung, je kleiner der Tumor, um so günstiger die Aussichten, den Tumor ohne weitere Schädigungen entfernen zu können. Mein Freund, und das kann ich auch gut nachvollziehen, sieht wiederum nicht ein, warum er sich bei all den Risiken und zu erwartenden Folgen unters Messer legen soll, solange er keine Probleme hat.
Aber was ist jetzt der richtige Weg???
Auch würde mich interessieren, ob du nach der Op Beschwerden hattest, also ob die aufgetretenen Taubheitsgefühle pp. geblieben sind, bzw. ob bei der Op irgendwelche Nerven geschädigt wurden, durch die Lähmungen oä. hervorgerufen wurden.
Ich würde mich freuen, wenn du mir noch einmal antworten würdest!
Übrigens weißt du, ob es auch einen Verein oder eine Selbsthilfegruppe speziell für Menschen mit Rückenmarkstumoren gibt?
Ich vermute allerdings wahrscheinlich nicht, da es sich scheinbar um eine wirklich seltene Erkrankung handelt.
So, vielen Dank noch für deine guten Wünsche und auch dir alles Gute und viel Kraft,
Herzliche Grüße,
Doris
schmitz628
Carolein1
18.06.2012 16:50:53
Hallo Doris,
hoffe Dir gehts wieder besser.
Ich würde mir auf jedenfall eine zweit Meinung einholen. Klar Tumor ist klein, ist evtl. noch nicht stark ja, verwachsen, aber trotzallem, wurde mir damals gesagt, dass man bei der OP zwar Mikrochirurgisch vorgeht, aber es trotzdem zu aller wahrscheinlichkeit zu Reizungen bis hin zu Verletzungen der Nerven/Rückenmark kommen kann. Mein Tumor vor OP hatte eine Größe von ca. 15-16 mm, wo ich den ersten moment gedacht ab, "wie klein" aber auf dem Raum ja ist es rieseig.

Man muss auch bedenken das in dem oberen HWS Bereich die Nervenstränge noch sehr eng aneinander liegen, da sie in der Medulla oblangata( Verlängertes Rückenmark) entspringen und erst nach unten hin sich mehr verteilen und weiter auseinander liegen. Begünstigt glaub ich keine OP.

Ja, nach OP hatte ich Beschwerden die bis heute andauern.
Ich hatte direkt nach OP und noch einige Zeit danach in der kompletten rechten Körperhälfte, Empfindungsstörungen/Missempfinden, in der rechten Flanke hatte ich immer das Gefühl das mir einer ständig rein drückt bzw. gegenpresst.
Die Beschwerde in der Flanke sind komplett weg. Jedoch im rechten Bein Knie abwärts sowie in der rechten Hand habe ich eine leichte Feinmotorikstörung die mich im Alltag nicht sonderlich Beeinträchtigt, jedoch hab ich vermehrt sog. Neuropathischen (Nervenschmerz) Schmerz und Empfindungsstörungen/Missempfinden die mal mehr oder weniger da sind im rechten Bein. Aber gegen die Schmerzen gibts mittlerweile auch ganz gute Möglichkeiten, ich z.B Nehm Gabapentin und Saroten und komm damit super hin.
Ich zu meinem Teil kann nur sagen, solche Beschwerden nimmt man gern aufsicht, solange man seinem Alltag wieder nachgegehn kann. Wenn man bedenkt das man im schlimmsten Fall ab Schulter Querschnittsgelähmt sein kann, (chirurgische Aufklärung).

Ein regionale Patientengruppe nur für Menschen mit Rückenmarkstu hab ich auch noch nicht gefunden, sorry!
Achso, mir wurden damals noch 2 Kliniken empfohlen, für evtl. 2. Meinung oder für den Fall das ich mich nicht dort op lassen wolle( weil ich auch MA im Hause bin) das war einmal die Uniklinik Bonn :-) und die Uniklinik Aachen,
Ich drück Euch die Daumen ;-)
Wenn Ihr noch fragen habt, fragt einfach :-)
Gruß
Carolein

Carolein1
Mäxmax
17.07.2012 15:37:41
Hallo zusammen,
mein Mann leidet auch an einem Tumor im Rückenmark, den die Chirurgen der Uni-Klinik allerdings nicht operieren möchten. Wir haben uns zur Einholung einer Zweitmeinung an Dr. Kothbauernach in Luzern gewendet, der Spezialist für Rückenmarkstumore sein soll. Auf der Homepage des Kantonsspitals Luzern findet man viele Informationen dazu. Unsere Krankenkasse hätte die Operation bei ihm auch bezahlt, aber leider hat mein Mann noch einen Tumor im Hirnstamm, der jetzt weiterwächst. In Deutschland ist meines Wissens in Hamburg ein Spezialist für Rückenmarkstumore.

Viel Glück!
Gruß Mäxmax
Mäxmax
RaWi
26.09.2012 16:40:43
Hallo Doris,
bin per Zufall hier hineingeraten, weil ich selbst betroffen bin und für einen MDK-Widerspruch fachlich relevante Infos suchte.
Zu mir: Zustand nach Extirpation eines intramedullären Subependymoms C1-Th1 im März 2003. Nach Diagnose einer intraspinalen Raumforderung im November 2002 ging alles relativ zügig. Anlass für die Diagnose waren Störungen der Feinmotorik der linken Hand - eigentlich nichts, was einen im ersten Moment Kopfschmerzen machen sollte.
Aber nach dem MRT gab es dann Klarheit, was Lokalisation und Größe der Raumforderung betraf. Die Uni-Klinik Düsseldorf hat eine OP sofort abgelehnt, weil sie sich nicht dafür geeignet sahen. Mir hatte man seitens der Uni-Klinik die Wedau-Klinik in Duisburg empfohlen, da deren Neuro-Chirurgie unter Herrn Prof. Dr. Hassler eine der wenigen Kliniken war/ist, die intraspinale/intramedulläre Tumore operieren.

Alternativen zur OP hatte ich keine, da der Tumor den Spinalkanal abzudrücken drohte, was dann irreversibel zu einer hohen Querschnittslähmung geführt hätte.

Die OP musste demnach gemacht werden und ist von der chirurgischen Leistung aus meiner Sicht bestens durchgeführt worden, obwohl ich postoperativ eine linksbetonte inkomplette Tetraparese zurück behalten habe. (Vorher war alles OK.)

Welche Empfehlungen ergeben sich für mich daraus an Betroffene und deren Angehörige:
1. Zweite Meinung zu Diagnose und Therapie einholen.
2. Zur Begrenzung von "Lateralschäden" so früh wie möglich handeln. Eine kleine Raumforderung beeinflusst/schädigt nunmal weniger Gewebe als ein räumlich ausgedehnter Tumor.
3. Neuro-chirurgischen Spezialisten aufsuchen. (Empfehlung von Fachkollegen, Uniklinik. Referenzen? Pers. Eindruck/Ehrlichkeit im Aufklärungsgespräch und das Gefühl, dem Chirurgen vertrauen zu können, sind wichtig.)
4. Sich Zeit für die Erholung und auch Reha nach der OP lassen. [Alles funktioniert nur Schritt für Schritt - und die Schritte können verdammt klein sein. ;-) Aber der Weg ist das Ziel.]
5. Eine gute Physiotherapie, spezialisiert auf neurologische Reha, im Rücken haben.
6. Verständnis auch für die direkten Angehörigen haben.

Besonders letzteres kommt vielfach zu kurz, da sich alle immer nur um den Betroffenen kümmern und kaum einer daran denkt, dass die Angehörigen gleichermaßen ins Ungewisse sehen und mitleiden.

Sofern Ihr mehr über meine OP und meine persönlichen Folgen/Erfahrungen wissen möchtet, berichte ich das hier gerne.

Euch wünsche ich alles Gute, Erfolg für die weitere Behandlung und Dir Kraft, das durchzustehen. Es ist bestimmt nicht immer leicht, aber man sollte nie vergessen, dass es manchen Patienten noch schlechter geht als einem selber.
Und man darf sich selber nicht aufgeben.

Viele Grüße
RaWi
RaWi