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Thema: Wie lange geht Bevacizumab gut?

Wie lange geht Bevacizumab gut?
mücke93
14.05.2013 23:06:42
Liebe Forummitglieder,
leider hat sich bei meinem Papa (54) eine Progression eingeschlichen. Nun möchte unser Onkologe meinen Papa mit Bevacizumab weiterbehandeln und hofft auf Erfolg.
Wir alle hoffen natürlich mit auf Erfolg, aber ich habe Angst, dass sich meine Befürchtungen bestätigen.
Ich habe mal gehört/gelesen, dass Avastin für 6 Monate den Tumor in Zaun hält (da Blutzufuhr unterbinden wird), aber danach sich explosionsartig entwickelt (Verästelungen dadurch, dass der Tumor sich andere Quellen zur Weiterbildung sucht und diese mitten im Gehirn findet).
Stimmt diese Aussage oder kann man dagegen wirken?
Kann man dadurch dagegen wirken, dass man die MRTs engmaschig kontrolliert und Avastin absetzt, wenn der Erfolg auf dem höchsten Niveau liegt? Und wieso wirkt danach Temozolomid wieder bzw. wird wieder eingesetzt? Habe was von einer sogenannten Pseudoprogression gelesen, was heißt das genau?
Fragen über Fragen, ich weiß.

Danke schonmal für eure Antworten!
mücke93
alma
15.05.2013 12:53:54
Hallo Mücke,

wahrscheinlich geht es darum, dass das Avastin nicht mehr wirkt, weil der Tumor Resistenzen bildet, und es dann zu rasantem Wachstum kommt. Aber bei 6 möglichen Monaten mit Avastin lebt man vielleicht länger, als wenn man die Sache sich selbst überlässt.
Pseudoprogression ist m.E. ein MRT-Befund, der auf eine Progression schließen lässt (Kontrastmittelaufnahme), aber keine ist. Also kein Tumor-wachstum. Aber ich lasse mich gern korrigieren, wenn jemand im Forum es genauer weiß.

Alma.
alma
mücke93
15.05.2013 13:16:05
Hallo alma,
vielen dank für deine schnelle Antwort.
ist es denn wirklich so, dass sich der Tumor verästelt nach 6 Monaten? oder kann man durch kontrolliertes absetzen dagegen wirken? Vielleicht (hoffentlich) habe ich auch nur falsch gehört.

danke für die Erklärung von pseudoprogression. Sehr wahrscheinlich hat mein Papa dann wohl keine.

Mücke
mücke93
Tessa
15.05.2013 18:02:01
Hallo Mücke,
mein Mann,Betroffener Glio IV,diag.01/2010,hat Avastin fast 1,5Jahre regelmäßig,14 täg. erhalten,es war die Beste Zeit für ihn und auch ohne Nebenwirkungen,die KK hatte leider die Zahlung nach einem Jahr eingestellt und nach 6Monaten war leider unsere Altersvorsorge aufgebraucht......

Wir haben wirklich sehr gute Erfahrungen gemacht....ein Grand Mal mit deutlicher Allgemeinzustansverschlechterung und eine VERMUTUNG im Mrt, Rezidiv, haben dann die Infusionen eingestellt-sehr zu unserem Bedauern,da die Lebensqualität während der Gabe imens gestiegen war.
Für uns war es damals relativ,was evt. danach kommen würde-der Moment hat gezählt,der immerhin 1,5Jahre gedauert hat....du kannst dir nie sicher sein wie sich etwas mit dem Glio entwickeln wird...also wenn ihr das als Chance seht,dann nutzt sie.....
Alles Gute weiterhin
Tessa
Tessa
alma
15.05.2013 18:35:09
Hallo Mücke,

der Tumor verästelt sich nicht. Er sendet Botenstoffe aus, die die Gefäßneubildung fördern, um sich besser mit Blut zu versorgen. Den Vorgang nennt man Angiogenese, übersetzt: Bildung (genese) von Blutgefäßen (angio). Avastin ist ein Angiogenese-Hemmer. Heißt, dass es die Gefäßbildung durch den Tumor hemmt. Wie lange das geht, kann man nicht im Voraus sagen. Siehe der Beitrag von Tessa. Es bleibt ungewiss. Trotzdem würde ich es versuchen, wenn die Krankenkasse mitspielt.

Liebe Grüße, Alma.
alma
mücke93
15.05.2013 18:49:23
Hallo ihr zwei,
danke für eure aufmunternden Worte!
ich fasse es jetzt so auf, dass ich die begrenzte Zeit von 6 Monate wohl falsch aufgefasst hab oder falsch gelesen/gehört habe.
Die Krankenkasse spielt Gott sei dank mit!!

eine frage habe ich noch:
bei wievielen Patienten schlägt die Behandlung an? habe was von 70% gehört, aber auch was von 30%.

liebe tessa, hatte dein Mann auch irinotekan bekommen?

Mücke
mücke93
alma
17.05.2013 10:56:56
Hallo Mücke,

noch mal ich. Es stimmt:Avastin soll im Durchschnitt 6 Monate wirken. Aber mit Betonung auf im Durchschnitt. Das heißt, dass bei 40-50% der Patienten danach noch weiter wirkt. Wie lange, weiß man im Einzelfall nicht. Unter Umständen 1,5 Jahre, wie Tessa schreibt (wobei die Therapie abgebrochen werden musste), und ich habe gerade etwas von 4 Jahren gelesen. Das ist doch einen Versuch wert, oder?

Herzlichst, Alma.
alma
mücke93
17.05.2013 11:02:32
Hallo alma,

vielen lieben dank für deine Bemühungen!
mein Papa wird sowieso avastin nicht ewig bekommen, nur so lange bis der Tumor austrocknet ist und am erfolgreichsten punkt wird dann die Therapie umgestellt. Falls gar nichts funktioniert, ist eine Operation auch noch möglich, aber erstmal wollen wir das mistvieh versuchen so zu vernichten. Ich hoffe, das gelingt.
mein Papa bekommt auch eine geringere Menge avastin, dies soll wohl auch was bezwecken. weiß jemand darüber was genaueres?

liebe grüße
lara
mücke93
alma
18.05.2013 11:04:51
Hallo Lara,

ich kann dir das mit der geringeren Menge Avastin leider nicht beantworten. Das müssten die behandelnden Ärzte tun. Aber du könntest auch beim Krebsinformationsdienst (KID) in Heidelberg anrufen. Da beschäftigt man sich gründlich mit den gestellten Fragen und vielleicht bringt das mehr Klarheit.

Gruß, Alma.
alma
psc 100403
19.05.2013 21:10:11
Hallo miteinander,
ich wußte nicht, dass Avastin nur ca. 6 Monate wirken soll, ich hatte hier von den 1,5 Jahren von Tessa's Mann gelesen und daran dachte ich immer. Aber leider hat bei meinem Mann das Avastin nur 4 Monate gewirkt, jetzt ist der Tumor um 30% gewachsen. Die Therapie wurde abgebrochen und mein Mann ist jetzt zuhause.
Viele Grüße Petra
psc 100403
Harry Bo
02.06.2013 19:34:55
Der Basler Pharmakonzern Roche als Hersteller von Avastin (Wirkstoff Bevacizumab) hat heute Studienergebnisse zu Avastin bei Glioblastom veröffentlich.

"Avastin ist zurzeit in über 60 Ländern weltweit für die Behandlung von Patienten mit fortschreitendem Glioblastom nach einer vorhergehenden Behandlung zugelassen" (nur in Deutschland nicht, komisch)
Die Phase III Studie "AVAglio" hat jetzt gezeigt, das Avastin in der Primärtherapie zusätzlich zu Bestrahlung und TMZ KEINE Verlängerung des Gesamtüberlebes bringt!!!
Allerdings wurde die progressionsfreie Zeit deutlich verlängert.

Man könnte daraus schliessen, dass es tatsächlich das Tumorwachstum hemmt, allerdings nur eine gewisse Zeit lang, wonach der Tumor umso heftiger wieder fortschreitet.

Das haben schon einige hier angenommen und nun bestätigen die Daten diese Wirkweise.
Für die Ersttherapie scheidet Avastin deshalb aus, aber bei Progression nach Standardtherapie ergibt es eine mögliche Aussetzung des Tumorwachstums und damit einige Monate Zeitgewinn.
Harry Bo
Harry Bo
03.06.2013 18:05:14
Heute berichten wieder einige Seiten von der ASCO Konferenz in Chicago, wo gestern die Studienergebnsissse zum Glioblastom bekanntgegeben wurden.

Die einen sehen die Daten negativ, weil Avastin das Gesamtüberleben nicht verlängern kann, die heutigen Meldungen bringen die selben Daten aber positiv in die News. Schließlich sei der Wirkstoff in der Lage das Tumorwachstum länger unter Kontrolle zu halten. Ein Fortschreiten werde verzögert und damit auch die Lebensqualität verbessert.

Da ist auch wieder was wahres dran.
Spätere Rezediv OP, spätere neurologische Ausfälle sprechen für sich.

Die Börsianer haben den Aktienkurs dennoch heute um 3,2% abgestuft.
Harry Bo
BlueGene
03.06.2013 20:58:44
Hallo Harry Bo,
kurzer Kommentar auf Deinen Beitrag von gestern:
Man könnte daraus aber auch schließen, dass Avastin ein sehr kostspieliges antiödematöses Medikament ist.
BlueGene
Harry Bo
03.06.2013 21:48:20
Hallo BlueGene,

dafür gibt es doch günstiges Cortison oder sogar Weihrauch.
Aber 6 Monate ein Ödem verhindern und auf dem MRT den Tumor verstecken oder verkleinern, dass ist schon ne Leistung.
Ich komm einfach nicht drauf, was Du zwischen den Zeilen geschrieben hast.

Gruß Harry
Harry Bo
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