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Thema: ### Breaking News: Fortschritte in der Glioblastombehandlung

### Breaking News: Fortschritte in der Glioblastombehandlung
Max P.
17.09.2017 09:51:17
Neue Therapiekombination und neuer Standard in der Glioblastom-Behandlung?

15.09.2017, synexus,studien.de

Bemerkenswerte Resultate lieferte eine aktuelle Phase-III-Studie bei der Behandlung des Glioblastoms. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Rahmen der Jahrestagung der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft am 15.09.2017 vom Studienleiter Prof. Dr. med. Ulrich Herrlinger aus Bonn vorgestellt. Die Ergänzung der herkömmlichen Behandlung mit einem weiteren Chemotherapeutikum hat zur signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens bei Glioblastompatienten mit methyliertem MGMT-Status geführt.

Die Standardtherapie des Glioblastoms beinhaltete bisher die weitestgehende neurochirurgische Entfernung des Tumors und eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie gefolgt von sechs Zyklen Temozolomid-Chemotherapie.

In einer Phase-II-Studie zeigte sich die Kombinationstherapie CCNU und Temozolomid für MGMT positive Patienten als hocheffektiv und der Temozolomid-Monotherapie weit überlegen (Glas et al., J Clin Oncol 27:1257-1261, 2009). Schon in dieser Veröffentlichung wurde festgestellt, dass die Kombination von Strahlentherapie, CCNU und Temozolomid vielversprechende Langzeitüberlebensdaten bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom lieferte und eine Intensivierung der Chemotherapie durch CCNU mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zusätzlichen Überlebensvorteil aufweisen kann.

Infolgedessen wurde 2011 für neudiagnostizierte MGMT-methylierte Glioblastome eine weiterführende Untersuchung mit der Bezeichnung NOA-09, die sogenannte CeTeG-Studie, gestartet. Dabei wurde die Wirksamkeit der CCNU/Temozolomid-Kombinationstherapie in einer randomisierten multizentrischen Phase-III-Studie ermittelt und von 2011 bis 2014 über 140 Patienten an 17 deutschen Zentren eingeschlossen.

Der schon 2009 vermutete Überlebensvorteil hat sich nun, laut aktueller Auswertung der Daten, für die mittlere Gesamtüberlebenszeit bestätigt. Bei Patienten, die zusätzlich mit CCNU behandelt wurden, zeigte sich ein signifikanter Anstieg des Gesamtüberlebens im Vergleich zur Gruppe nur mit Temozolomid-Monochemotherapie. Die mittlere Überlebenszeit betrug bei Patienten, die zusätzlich CCNU erhielten, 46,9 Monate im Vergleich zu 30,4 Monaten in der Kontrollgruppe mit Monochemotherapie.

In der Stupp-Studie, der historischen Untersuchung ohne MGMT-Unterscheidung, lag die mittlere Überlebenszeit bei 14,6 Monaten.
Max P.
Pittiplatsch
17.09.2017 12:53:50
Das klingt ja Mal vielversprechend! Danke Max für den Artikel!
Pittiplatsch
königin
17.09.2017 18:05:55
Das klingt hoffnungsvoll. Ginge das auch in Kombination mit einer metronomischen Chemotherapie?

Beste Grüße Heike
königin
Klara79
17.09.2017 22:42:23
Ich finde, das hört sich sehr vielversprechend an, aber ich verstehe es leider nur teilweise. Könnt ihr mir bitte helfen? Mein Mann mit Glioblastom (inoperabel) befindet sich gerade in Radio-Chemo (noch 10 Tage Bestrahlung), danach dann weiter Chemo. Soll / muss diese neue Kombination schon während der Bestrahlung eingenommen werden, oder macht es dann auch noch Sinn, das Temodal mit dem CCNU nach der Bestrahlung einzunehmen? Vor drei Jahren hatte mein Mann allerdings schon mal Chemo mit CCNU. Da hatte er allerding noch ein Astrozytom Grad II ... Vielen Dank, vor allem auch für den Artikel!!
Klara79
tomtom0674
18.09.2017 20:09:52
Ich würde hinsichtlich der Nebenwirkungen von Lomustin (=CCNU) eher etwas vorsichtig optimistisch sein.

Lomustin ist ein Nitrosoharnstoff der stark knochenmarkstoxisch sein kann (starker Rückgang der weißen Blutkörperchen). Darüber hinaus kann es Probleme mit der Lunge und/oder Niere geben und bei Langzeitanwendung kann es zu Sekundärmalignomen kommen.

Man wird entsprechend prüfen müssen, ob ein Patient von CCNU profitiert oder ob die Risiken von Nebenwirkungen zu groß sind.
tomtom0674
Neon
18.09.2017 21:17:20
CCNU ist neben den Nitrosoharnstoffderivaten BCNU, ACNU und MCNU sehr gut bekannt. Es ist eines von drei Medikamenten der Chemokombination PCV (Procarbazin+CCNU+Vincristin). Eine Chemotherapiekombination, die seit über 40 Jahren in der Hirntumortherapie eingesetzt wird.
Neon
Tammy
18.09.2017 22:34:20
Hallo, weiß jemand von euch denn warum bei der Studie nur Patienten mit Methylierung des MGMT Promotors untersucht wurden. Kommt die Medikamentenkombination denn bei Nichtmethlierung nicht in Frage? LG Tamy
Tammy
alma
19.09.2017 01:24:09
Es wurde mal gesagt, dass TMZ nur bei Methylierung wirkt. Was andererseits durch die Erfahrung mit Nichtmethylierung widerlegt ist. Ich bin nicht auf dem Laufenden, was jetzt wirklich gilt.
Vielleicht müsste man für diese Gruppe auch eine Studie machen, was wahrscheinlich noch nicht passiert ist.

Und zu Klara:
Da die Studie ganz neu ist, wissen wir hier noch nichts über die praktische Umsetzung. Man kann zu dem Studienleiter sicher Kontakt aufnehmen. Oder bei den behandelnden Ärzten fragen, ob sie die Studie kennen und nach diesem Schema therapieren würden.
alma
Neon
19.09.2017 06:32:14
@Tammy: Die Medikamentenkombination wurde beim Glioblastom mit MGMT-Methylierung getestet, weil in der Voruntersuchung bei dieser Untergruppe am ehesten ein Effekt vermutet wurde. Ein unmethyliertes MGMT ist kein Ausschlusskriterium für eine Chemotherapie, nur die Wahrscheinlichkeit ist hier in der Gesamtheit etwas geringer, dass die Behandlung mit Temozolomid effektiv ist.
Neon
Klara79
19.09.2017 09:40:44
Liebe Alma, danke für die Nachricht! Wir haben für Freitag ohnehin einen Termin beim behandelnden Professor zum Thema Methadon und werden dann auch gleich zu diesem Thema nachfragen (der Tumor meines Mannes ist methyliert). Ich bin mir sicher, dass der Professor die Studie kennt. Vielleicht kann ich dann auch der Runde am Freitag Näheres berichten.
Klara79
Logossos
19.09.2017 10:33:13
Die guten Ergebnisse mit CCNU/TMZ wurden auf der NOA-Tagung in München bekanntgegeben. Eine ausführliche Darstellung der Tagungsergebnisse mit Angaben zu vielen weiteren Studien findet man auf der Hauptseite der Hirntumorhilfe in der Rubrik Aktuelles: NOA- Fortschritte in der Glioblastom-Therapie: https://www.hirntumorhilfe.de/service/medizin-und-forschung/news-details/article/noa-fortschritte-in-der-glioblastom-therapie/

Was die Frage von CCNU/TMZ bei fehlender Methylierung betrifft, so kann man auf der homepage der NOA nachschauen: http://www.neuroonkologie.de/studien dort heißt es zur CeTeG Studie: "Einsgeschlossen wurden nur Patienten, bei denen ein methylierter MGMT-Promotor im Tumor nachgewiesen werden konnte. Dies beruht darauf, dass in einer einarmigen Vorstudie (UKT-03, Glas et al., J Clin Oncol 27:1257-1261, 2009) nur in dieser Subgruppe Hinweise für eine Effektivität der Kombinationstherapie gefunden wurden."

Und in der Beschreibung der Studie unter clinicaltrials.gov heißt es deutlich: " ...while patients with a non-methylated MGMT did not have any benefit,.."

Einzelheiten zur Studie auch unter glioblastom-studien dot de und den Unterseiten darin.
Logossos
tomtom0674
19.09.2017 14:10:40
Die Informationen zu den Studien auf der glioblastom-studien-Seite sind sehr interessant aber einige Aussagen des Seitenautors geben mir doch zu denken.

Er fordert z.B.: "Man muss zusätzlich etwas gegen den Tumor tun, z.B. mit Methadon, CUSP9, lokaler Ozon-Sauerstoff-Therapie, Photodynamik. Die Standard-Therapie allein funktioniert nicht. Wenn möglich mehreres gleichzeitig."

Und beklagt sich, dass Ärzte nicht immer auf den "individuellen Heilversuch" eingehen und Therapien außerhalb der Leitlinien anbieten.

Es ist richtig, dass Ärzte im Rahmen der Therapiefreiheit einiges tun können aber im Gegensatz zu der Aussage, dass Ärzte aus Angst vor Haftungsansprüchen keine individuellen Heilversuche unternehmen halte ich für zu einseitig.

Was der Autor übersieht ist, dass die ärztliche Tätigkeit sich an einer gewissen Berufsethik orientieren muss. Und ein grundlegendes Prinzip ist das "primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare", was so viel heißt wie: "Erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig vorgehen und drittens heilen."

Insbesondere muss man sich den ersten Punkt als Arzt gut überlegen, d.h. schade ich mit einer therapeutischen Intervention dem Patienten eher als dass ich ihm helfe?

Aus diesem guten Grund gibt es Studien, um unter kontrollierten Bedingungen neue Ansätze zu testen.

Natürlich kann man argumentieren, dass in dieser Situation auch egal ist, ob etwas hilft oder nicht, hauptsache man hat alles unternommen und nichts unversucht gelassen, gegen den Krebs zu kämpfen. Es ist aber leider nicht so, dass alternative Methoden nicht nur vielleicht keine Wirkung haben nach dem Motto "schaden tut es nicht aber wenn es hilft, dann hilft es" sondern auch Nebenwirkungen, die den Verlauf und die Lebensqulität negativ beeinträchtigen können.

Und genau aus diesem Grund muss man an das "primum non nocere" denken, insbesondere wenn man die "Leitlinien" verlässt und individuelle Heilversuche unternimmt. Ist das was ich mache wirklich gut für meinen Patienten?

Ich bewundere Patienten, die bereit sind in Studien mitzumachen und damit auch gewisse Risiken für eine zusätzliche Beeinträchtigung der Lebensqualität bei wahrscheinlich begrenzter Lebenszeit eingehen.

Ein Satz der mich wirklich immer wieder beschäftigt kommt von Cicely Saunders: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." - leider kommen wir irgendwann zum größten Teil einmal in die Situation, wo dieser Satz auf einmal sehr großes Gewicht bekommt.
tomtom0674
Neon
21.09.2017 20:34:32
Ich glaube, der Seitenbetreiben möchte Patienten einfach nur dafür sensibilisieren, sich über klinische Studien und individuelle Heilversuche zu informieren.
Neon
Schnupfel
22.09.2017 07:42:14
@Tomrom0674

Ich sehe das eher so wie der Seitenbetreiber und habe bisher auch festgestellt, dass Ärzte sich mit Hände & Füßen wehren sobald die schulmedizinische Schiene "erweitert" werden könnte.

Sie tun so als ob sie in Haftung genommen werden könnten und vergessen gerne, dass hier keine amerikanischen Verhältnisse herrschen.
Und auch die "Berufsethik" wird nur theoretisch bemüht und wird in der Realität nur als Feigenblatt benutzt!

Ich weiß nicht, ob das nur in Deutschland so ist, ärgere mich aber regelmäßig, dass fast alle Publikationen - hier insbesondere zum Glioblastom - fast ausschließlich in englischer Sprache existieren und eben auch nur im dortigen Sprachraum publiziert werden. Die Informationen hier sind weitestgehend rar - nicht umsonst ist z.B. dieses Forum hier DER Anlaufpunkt und wie man lesen kann, sind die Probleme, denen sich Patienten & Angehörige ausgesetzt sehen, ziemlich gleich in den unterschiedlichsten Ecken des Landes. Zu oft ist zu hören, dass diese Erkrankung zu selten ist, als das man mehr erwarten könnte.

Wenn Du schreibst, dass du die Patienten bewunderst, die sich in eine Studie begeben, weil sie damit gewisse Risiken eingehen - staune ich eher über diese Ansicht. Meine Betrachtungsposition ist da eher diametral.

Die Patienten bekommen ja nicht etwa ein Medikament, was ihnen abträglich ist. Und ich weiß auch nicht, was du meinst, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt würde - sie sind unter besonderer Aufmerksamkeit der Mediziner, ihr gesamter Gesundheitszustand wird akribisch 'überwacht', Kontrolluntersuchungen sind konzentrierter und häufiger und im Zweifelsfall wird sofort gehandelt. Das sind alles Punkte, die ein Normalpatient nicht hat.

Und gerade Unsicherheit und Unwissen führt häufig eher zu Angst (auch im Umgang mit der Krankheit & dem Patienten), die eben auch die Lebensqualität beeinflusst und eher zu Quantität an Tagen führt als zu Qualität weniger Tage.

Ich würde mir auch wünschen, dass die Ärzte mit den Forschern mehr zusammen arbeiten und gemeinsam die besten Varianten für die Menschen, die dieses "Schicksal" zugeteilt bekamen, anfassen.

Wenn die sich gegenseitig ausbremsen, weil einfach der Mut fehlt, auch mal was Neues auszuprobieren, statt an althergebrachten Dingen festzuhalten, könnte man vielleicht weiter sein.

Und erstaunlicherweise schaut man nicht so gerne über den Teich, obwohl man dort wesentlich aktiver an Lösungen arbeitet und auch flexibler ist, was Alternativen angeht. Da möchte ich nur mal an die Cannabis-Geschichte erinnern... hier tut man gerne auch noch so, als ob man einen Glioblastom-Patienten vor einer eventuellen Sucht bewahren müsste und kommt auch z.B. bei der Methadon-Story auf die Idee mit den Nebenwirkungen (Verstopfung!) zu argumentieren - bei der Prognose, die ein solcher Patient hat, wirkt das allenfalls lächerlich, aber riecht nicht mal annähernd an "Berufsethik".
Schnupfel
Zyla
23.09.2017 21:19:25
Hallo Gemeinde,
aktuell von der Neurologentagung zum Thema. Dr. Herrlinger stellte die Daten der NOA-09 vor. Die Studie verglich die Standardtherapie beim methyliertem Glioblastom aus Operation, Radiochemo und 6xTemodal (aller vier Wochen) mit den Ergebnissen der neuen Therapie aus Operation, Strahlenchemotherapie (erster Zyklus Chemo TMZ/CCNU in der ersten Woche) gefolgt von 5xTMZ/CCNU aller sechs Wochen nach der Strahlentherapie:

Mittleres Gesamtüberleben in Abhängigkeit von Zeit und Therapie:

1y OS(m): 84 vs. 89
2y OS(m): 65 vs. 71
3y OS(m): 42 vs. 57
4y OS(m): 31 vs. 49
5y OS(m): 28 vs. 34

mittleres Gesamtüberleben TMZ vs. TMZ/CCNU (30m vs. 47m)

im Vergleich
EF-14: MGMT meth.: TMZ vs. TMZ+TT-F (21m vs. 31m)
EF-14: MGMT unmeth.: TMZ vs. TMZ+TT-F (15m vs. 17m)
Stupp: Rad vs. Rad.+TMZ (12m vs. 15m)

Ein klares GO für die Kombi aus Temozolomid und CCNU. Die Effektivität der Kombi war besser als die Monochemotherapie und die Nebenwirkungen moderat. Glioblastompatienten mit methyliertem MGMT sollten ab sofort mit der Kombi aus Temozolomid und CCNU behandelt werden, sofern die Voraussetzungen dafür bestehen. Nicht auszudenken, wenn die Kombination extra mit D,L-Methadon einen zusätzlichen Effekt hätte.
Schönen Abend.
Zyla
tomtom0674
24.09.2017 12:03:20
@Zyla

Wie sieht das Patientenkollektiv in der Studie aus? (Einschlusskriterien?)

Wie hoch sind die Fallzahlen (n) in den einzelnen Gruppen?

Wurde neben den OS-Werten auch die jeweiligen Signifikanzniveaus (p-Werte) angegeben?
tomtom0674
tomtom0674
24.09.2017 12:20:52
@Schnupfel

Ich sehe das nicht in erster Linie als eine Frage der Haftung oder genereller Ablehnung von "Alternativen" neben der "Schulmedizin".

Es ist doch die eher die Frage was ist sinnvoll für den Patienten in seiner jeweiligen Krankheitssituation. Und das ist nicht einfach zu beantworten. Als Hilfestellung gibt es Leitlinien.

Darüber hinaus gibt es eine Menge an Informationen, die nur schwer zu filtern sind. Aber wenn man sich auf die Suche macht wird man sich doch vernünftigerweise einige Fragen stellen, zB:

Wie viel Erfahrung gibt es mit einer Methode? Wie wurde diese Erfahrung gewonnen?

Wie viele Studien gibt es, wie wurden diese Studien konzipiert und welche Aussagen wurden getroffen? Kritisch: manche Aussagen lassen sich nicht von den Studiendaten ableiten, werden aber dennoch getroffen. Also, wie belastbar sind diese Ergebnisse? Interessant wird es auch, ob solche Ergebnisse reproduzierbar sind. Aus diesem Grund sind dann Metaanalysen sehr hilfreich.

Ich bleibe bei meiner Aussage, dass ich Teilnehmer von Studien bewundere, da die Teilnahme an einer Studie nicht nur Chancen sondern auch Risiken beinhaltet da man auch immer Neuland betritt. Aus diesem Grund werden die Patienten auch ausführlich über die möglichen Risiken bei der Teilnahme an einer Studie aufgeklärt...

Mut zum Risiko ja gerne. Was ich aber oft erlebe ist, dass man gerne nur die Chancen wahrnimmt und die Risiken beiseite schiebt - davor warne ich.

Bei einer infausten Prognose ergreift man jeden Strohhalm der sich einem bietet - das ist mehr als verständlich. Wofür ich aber kein Verständnis habe ist, wenn man dann mit der Not der Menschen - und das passiert leider häufig im "alternativen" Bereich - Geschäfte macht und z.T. auch Heilsversprechen gibt. Insofern ist der kritische Blick auf "alternative" Methoden durchaus gerechtfertigt und ich komme wieder zu meinem Fragen von weiter oben - wie viel Erfahrung gibt es mit einer Methode und vielleicht ganz banal - wie viele Menschen wurden schon mit einer Methode nachweisbar geheilt? Wenn ich über den großen Teich blicke gibt es dort durchaus auch "Krebs-Ärzte" die mit Heilungsraten > 90% (zB. bei Pankreas-Ca) werben. Allerdings bleiben die regelmäßig den Nachweis schuldig "geheilte Patienten" nachweisen zu können.

Insofern lohnt sich ein kritischer Blick auf "sensationelle" Meldungen - gerade auch oder insbesondere bei so schweren Erkrankungen wie dem GBM!
tomtom0674
Schnupfel
24.09.2017 18:54:51
@tomtom0674

Es geht hier nicht um "Alternativ" gegen "Schulmedizin" und hier muss Niemand einen wissenschaftlichen Diskurs führen. Das machen die Wissenschaftler ....

Fakt ist hier, dass CCNU eine anerkannte Chemo IST, TMZ genau so und es gibt ja auch noch andere Varianten. JEDE Chemo IST GIFT! Da ist keine gesünder......

Es ist eigentlich eine logische Schlußfolgerung, dass man unter den anerkannten Therapien auch "Kreuzungen" durchführt und testet! Und man kann sicher davon ausgehen, wenn es eine Studie in die Phase III geschafft hat, gab es sicher geprüfte Ergebnisse zu den vorhergehenden Studien.

Scharlatane gibt es überall und das jetzt vorzuschieben, finde ich nicht ganz fair - gerade bei GBM-Patienten.

WAS haben die denn überhaupt für eine Wahl? Und nein, Studien - man kann davon ausgehen, dass hier keine wilden Studien passieren - sind sicher mutig für die Patienten - allerdings eher für die, die die Placebos bekommen........

Ich rege mich eher darüber auf, dass viele - besonders Hirntumorpatienten - weitestgehend im Regen stehen gelassen werden und eben von der angeblichen Lebensqualität, die man ihnen "ermöglichen" will, das wenigste qualitativ ist, wenn sie um alles und jedes "kämpfen" müssen und wenn es nur gute Informationen sind....
Wenn Du es nicht glaubst, lies hier im Forum kreuz und quer durch die Beiträge und Themen.
Schnupfel
Logossos
26.09.2017 09:36:12
@ tomtom0674

Sie schreiben:
Aus diesem guten Grund gibt es Studien, um unter kontrollierten Bedingungen neue Ansätze zu testen.

“Primum non nocere“ : Um dieser Verpflichtung nachzukommen zu können, soll es Studien geben?

Wirklich ?

In randomisierten Studien wird die Hälfte der Patienten von dem angestrebten Therapieerfolg ausgeschlossen. “Primum non nocere“ gilt für diese Patienten nicht.

Von den 140 Patienten der CeTeG Studie haben 70 Patienten nicht die CCNU/TMZ –Behandlung erhalten. Diesen Patienten wurde die mediane Lebensverlängerung von 30,4 Monaten auf 46,9 Monate verwehrt, ihnen wurde Lebenszeit genommen. Primum non nocere ?

Bleibt da noch etwas übrig von der von Ihnen für Studien in Anspruch genommenen Berufsethik?

logossos
Logossos
Neon
26.09.2017 13:25:44
Bei der seltenen Diagnose und bekannter Prognose sollte jeder Patient an innovativen, klinischen Studien teilnehmen.

Problem des CeTeG-Themas ist die Übergangszeit, der Übergang vom Fortschritt in die Praxis. Die möglichen Erfolge der CeTeG-Studie sind nicht erst seit heute bekannt. Unter der Voraussetzung, dass sich die Resultate der Langzeitauswertung reproduzieren lassen, bekommen Patienten mit methyliertem MGMT trotzdem meist nur die Standardtherapie mit Monochemotherapie in der Primärtherapie angeboten. Ich unterschlage einmal die Patienten, die aus Verzweiflung für eine Behandlung mit den Tumortherapiefeldern rekrutiert werden. BTW, was nützt das beste Studienergebnis dem Patient, wenn dieses dem Arzt nicht bekannt ist und es darum nicht zur Anwendung kommen kann. Ein Grund mehr bei dieser Diagnose eine Zweitmeinung vom Experten einzuholen.
Neon
Smarty66
26.09.2017 14:14:01
@Neon
Wenn du dir den Themenbereich "Glio" anschaust, ist das Glioblastom nicht wirklich selten.
Das andere ist, überhaupt in eine Studie hereinzukommen. Da gibt es ja jede Menge Ausschluß- und auch Einschlußkriterien, die nicht jeder erfüllen kann. Auch das eigene Befinden spielt eine Rolle.

Und dann ist ja überhaupt nicht sicher, ob man die Therapie verträgt bzw. anschlägt und welche Nebenwirkungen man selbst spürt und ggf. auch "ertragen" kann. Und man sollte ja auch an solchen Studien teilnehmen wollen.

Außerdem denke ich nicht, daß jeder Betroffene durch die Kliniken/Ärzte immer über geplante Studien, die sie betreffen, informiert werden. Wäre zu schön.

Die Studien, wenn sie denn stattfinden, muß man ja normalerweise selbst suchen. Und dann die Ärzte ansprechen. Und es wollen. Und vertragen.
Und ob dann diese Studie einem persönlich hilft und dann eine hoffentlich längere und vor allem gute Lebenszeit hat, weiß schlussendlich auch keiner.


**************************************************************************************
Diagnose Glioblastom 7/14 links frontal und inoperabel.
MRT's sind bis jetzt stabil !
Seit 14.9.17 neue Diagnose: Anaplastisches Oligogendrogliom WHO III.
Smarty66
Majak
26.09.2017 14:36:52
@Logossos/Smarty66

Die Teilnahme an einer klinischen Studie garantiert keinen Therapieerfolg, das ist richtig. Aber man kann garantieren, dass Patienten im Rahmen einer klinischen Studie mindestens genauso gut behandelt werden wie außerhalb, d.h. den Patienten wird durch die Teilnahme an der Studie keine etablierte Therapie vorenthalten.
Inwiefern die in der Studie getestete Therapie wirksam ist, soll ja gerade durch den Vergleich der unterschiedlich behandelten Gruppen erwiesen werden. Einen anderen Weg gibt es für diesen Beweis nicht.

Der Vorteil der Studienteilnahme besteht zudem in der engmaschigen klinischen Kontrolle. Insofern wird größter Wert darauf gelegt, dass einem Patienten durch die Teilnahme an der Studie kein Nachteil entsteht. Über zusätzliche Nebenwirkungen, die eventuell auftreten können, erfolgt im Vorfeld eine Aufklärung und der Patient erklärt vorab seine Einwilligung.
Majak
Kotkab75
26.09.2017 18:22:07
Hallo zusammen,

wir haben letzte Woche die Studie bei unserem Onkologen angesprochen und gefragt ob diese bei meinem Mann in Frage käme. Ihm war die Studie zwar bekannt genaue Ergebnisse kannte er aber noch nicht, (Der Bericht hier war gerade 3 Tage alt) Er hat sich gewundert, dass jetzt schon im Internet etwas darüber stand. Normalerweise dauert es wohl bis zum halben Jahr bis die Empfehlung offiziell wird und viele Patienten haben diese Zeit nicht. Deshalb hat er sich jetzt genauer über die Studie erkundigt und nach einem Zyklus nur Temozolomid auf die Kombi CCNU/Temozolomid umgestellt. Er sagte an unsere Stelle würde er es auch mit dieser Kombi versuchen. Die Dosierung ist jetzt:
200 mg CCNU 1x am ersten Tag
100 mg Temodal 1x an 5 Tagen.
Kotkab75
Schnupfel
26.09.2017 19:50:42
@Kotkab75

Vielen Dank für diese aktuelle Info!

Kannst du noch sagen wie die TMZ-Therapie vorher dosiert war?
Schnupfel
Kotkab75
26.09.2017 21:36:29
300 mg und sollte eigentlich auf 400 mg gehen. Durch die zwei Wirkstoffe hat sich das geändert...
Kotkab75
Neon
26.09.2017 21:39:49
Der Unterschied zur Standardtherapie ist auch, dass Temozolomid bei der Kombitherapie nicht nur etwas niedriger dosiert wird, sondern die Chemo (Temozolomid/CCNU) aller sechs statt vier Wochen verabreicht wird. Die erste Chemo-Kombi wird nur in der ersten Woche der Strahlentherapie gegeben, nicht wie bei der alten Standardtherapie parallel zur Strahlentherapie.
Neon
Schnupfel
27.09.2017 06:36:06
Vielen Dank für eure Infos.
Schnupfel
Majak
27.09.2017 09:14:58
Um sich über laufende und geplante klinische Studien zu informieren, bietet der Hirntumorinformationstag der Deutschen Hirntumorhilfe (21.10. in Berlin) eine sehr gute Gelegenheit. Dort werden 8 Ärzte sprechen, die zu dem Thema Auskunft geben können.

https://forum.hirntumorhilfe.de/hirntumorinformationstag-anmeldung.html
Majak
Majak
02.10.2017 20:55:51
Ich hoffe, diese Studienergebnisse werden bald offiziell bestätigt. Wenn das so zutrifft, ist das wirklich ermutigend. Denn einmal mehr würde sich zeigen, dass beachtliche Fortschritte möglich sind, ohne das Rad ganz neu erfinden zu müssen - schließlich sind beide Medikamente schon lange bekannt. Daran sieht man, wie wichtig es in Zukunft sein wird, Tumore auch molekular sehr genau zu untersuchen, um Subgruppen zu finden, die gute Chancen haben, auf eine bestimmte Therapie anzusprechen. Und das müssen vielleicht gar keine ganz neuen, experimentellen Dinge sein, sondern Medikamente, die man schon kennt und in Zukunft einfach zielgerichteter einzusetzen lernt.
Majak
Smarty66
03.10.2017 13:47:05
Dies steht auf der Internet-Seite der NOA (www.neuroonkologie.de/studien/abgeschlossen).

NOA-09 / CeTeG-Studie
Randomisierte Phase III-Studie zur kombinierten CCNU/Temozolomid (TMZ)-Therapie vs. Standard Temozolomid-Therapie in der Primärtherapie von Patienten mit neudiagnostiziertem MGMT-methyliertem Glioblastom. Status der Studie 07/2014: Rekrutierung abgeschlossen (04/2014), 141 Patienten rekrutiert, mindestens 2-jährige Nachbeobachtungszeit läuft.

Status der Studie: abgeschlossen
Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulrich Herrlinger (Bonn)

Die BMBF-geförderte CeTeG-Studie untersucht, ob zusätzlich zu einer Standard-Radiotherapie eine kombinierte CCNU/TMZ-Therapie einer Standard-TMZ-Therapie (Stupp-Schema) bezüglich des Gesamtüberlebens überlegen ist. Einsgeschlossen wurden nur Patienten, bei denen ein methyliertem MGMT-Promotor im Tumor nachgewiesen werden konnte. Dies beruht darauf, dass in einer einarmigen Vorstudie (UKT-03, Glas et al., J Clin Oncol 27:1257-1261, 2009) nur in dieser Subgruppe Hinweise für eine Effektivität der Kombinationstherapie gefunden wurden.
Von 06/2011 bis 08/2014 wurden 141 Patienten in 17 deutschen Zentren eingeschlossen (1:1 Randomisierung). Eine Auswertung des primären Endpunkts Gesamtüberleben wird protokollentsprechend frühestens 04/2017 (2 Jahre nach Rekrutierungsende) erfolgen.

Von der Auswertung dieser Studie habe ich (noch) nichts lesen können. Und Standard ist bis jetzt i.d.R. Temozolomid. Wenn die Kombi von CCNU und Temoz. gut ist, sollte sie bei denn Ärzten "landen", damit dann wirklich alle davon profitieren.

LG

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Seit 14.9.17 neue Diagnose: Anaplastisches Oligogendrogliom WHO III.
Smarty66
tomtom0674
03.10.2017 22:31:23
@Smarty66

- eine Phase III Studie mit 141 Patienten.

Bevor man aus den Ergebnissen allgemeingültige Schlüsse zieht, sollte man sich einige Dinge an der Studie anschauen. Ich weiß nicht ob das im Detail schon publiziert worden ist oder nur auf dem Kongress Ergebnisse vorgetragen wurden.

Was mich interessiert ist zB:

- Einschluss- und Ausschlusskriterien, d.h. wie wurde rekrutiert? Wer konnte in die Studie und wer nicht? Was waren zB Ausschlusskriterien? Durch solche Kriterien findet eine Selektion der Patienten statt und davon hängt dann auch die externe Validität so einer Studie ab, d.h. gilt diese Aussage auch außerhalb des untersuchten Kollektivs?

- Wie wurde randomisiert, bzw. wie wurden die beiden Vergleichskollektive gebildet? Wer kam in die CCNU-Gruppe und wer nicht? Sind beide Gruppen balanciert?

- Wie sehen die Signifikanzniveaus aus?

- Wurden neben Gesamtüberleben auch andere Endpunkte betrachtet? Wie sah es mit der progressionsfreien Zeit in beiden Armen aus? Gibt es da einen Vorteil bei CCNU?

- Wie sieht es mit der subjektiven Lebensqualität der Betroffenen unter CCNU aus (zB Betrachtung der QUALY)?

Ich weiß, dass sich das wieder liest wie ein "Spielverderber" oder "Bremse" aber es kommt eben nicht nur auf die reine publizierte verbesserte OS an, die sofort wieder Hoffnungen weckt, sondern ob diese Hoffnungen auch trotz aller Euphorie berechtigt sind!

Will heißen: lassen sich diese Ergebnisse im klinischen Alltag auch so reproduzieren bei akzeptablem Nebenwirkungsniveau?

Das werden wir erst wissen wenn wir die entsprechenden Anwendungserfahrungen gesammelt haben (141 Patienten sind nicht wirklich viel). So wie ich das mitbekomme wird das Thema von Patienten jetzt verstärkt angefragt und es ist durchaus so, dass das Thema auch bei den Ärzten landet und auch aktuell in Therapiepläne mit einfliesst.

Eine kritische Haltung gegenüber neuen Ergebnissen halte ich dennoch nicht für verkehrt. Wenn ich einen Therapievorschlag mache, dann möchte ich vorher möglichst genau wissen worauf sich der Patient einlässt, d.h. was kann ich gutes tun und was kann schief gehen?
tomtom0674
tomtom0674
03.10.2017 23:19:02
@logossos

Da Sie hier soweit ausholen noch ein paar Bemerkungen zu Studien...

Studien werden gemacht, um den Effekt einer alternativen Methode zum Standard zu untersuchen. Natürlich ist das Ziel Alternativen zu finden, die "besser" als der Standard sind aber dieses Ergebnis steht erst dann fest, wenn man die Studie durchgeführt und ausgewertet hat.

Sie stellen das so dar, als ob bei Studien bewusst die Hälfte der Patienten von einer besseren Therapie ausgeschlossen werden, bzw. dass Patienten Lebenszeit genommen wurde, weil sie nicht in den Arm der Studie mit der neuen Therapie aufgenommen wurde.

Ist Ihnen eigentlich klar, dass es auch sehr viele Studien gibt, die vorzeitig abgebrochen werden müssen - nicht weil es im Studienarm mit einer neuen Therapie so überzeugende Erfolge gibt - sondern weil mit der neuen Therapie das Ergebnis signifikant schlechter als mit der Standardtherapie ist!

Das sind Dinge, die man nicht oder nur sehr selten in der Tagespresse liest oder die auch nicht gerne in Foren diskutiert werden! Erfolge kommen besser an, aber dass man auch viele Dinge in den Sand setzt auf dem langen Weg dahin und dass man in Studien manchmal auch das Gegenteil erreicht, das wird nur allzu gerne ausgeklammert oder verdrängt. Des Weiteren werden Fehlschläge weitaus seltener publiziert, sodass es hier auch in der Literatur eine Verzerrung gibt.

Ich erinnere mich an eine Studie zum malignen Melanom wo man mit einer frühen Immuntherapie versucht hat das Überleben zu verbessern. Die Ergebnisse im Gesamtüberleben im Studienarm mit der neuen Therapie waren so schlecht im Vergleich zur Standardtherapie, dass man diesen Arm schließen musste! Was erzählen Sie diesen Patienten/Angehörigen? Dass sie leider auf das falsche Pferd gesetzt haben???

Das ist nur ein Beispiel.

Ich will für ein paar grundlegende Dinge sensibilisieren und dem "Studienhype" ein paar Argumente gegenüber stellen über die man nachdenken sollte.

Wenn Sie an einer Studie teilnehmen und eine neue Therapie ausprobieren, dann kann das sein, dass Sie davon profitieren, es kann aber auch sein, dass es nicht klappt, im schlimmsten Fall sogar schlechter ausgeht als mit der Standardtherapie.

Natürlich hat man als Behandler/Forscher eine Idee oder Vorstellung davon, wie eine neue Therapie besser wirken könnte. Da man das aber a priori nicht weiß macht man eine Studie. Aber nur weil es die Studie gibt, heißt das noch nicht, dass die untersuchte neue Therapieform die bessere ist - wenn man das schon wüsste bräuchte man die Studie nicht mehr. Dieses Argument, dass eine Studie auf jeden Fall besser ist, ist wahrscheinlich nur emotional zu verstehen?

Ich habe in meinem Berufsleben bisher viele neue Ansätze gesehen. Manche sind erfolgreich gewesen wie zB die immer besser werdende Antikörper-Therapien. Aber es gab und gibt auch viele Versuche, die keinen Erfolg hatten. Und das wird von einigen gerne verdrängt/ignoriert aber es ist leider so: nicht alles was man ausprobiert, funktioniert auch so, wie man das gerne hätte!

Und daher der Appell: Informieren Sie sich über Studien! Versuchen Sie neben den Chancen auch die Risiken zu hinterfragen und wägen Sie dann für sich ab. Bleiben Sie kritisch und legen Sie Ihre Prioritäten fest.

Und ich bleibe dabei: Nicht alles was man theoretisch machen kann ist auch in der Praxis sinnvoll.
tomtom0674
Smarty66
03.10.2017 23:25:38
@tomtom
Ich habe "nur" den Text auf der NOA-Seite hier reingesetzt. Von einer
aktuellen Auswertung habe ich im Netz noch nichts lesen können was die Studienergebnisse betrifft.
Die BlueGene aber erwähnt hat. Er sprach ja hier von Glioblastom-Patienten, die wohl dadurch nicht mehr "optimal behandelt" würden.

Ansonsten stimme ich dir vollkommen zu. Ich als Betroffener möchte ja auch wissen auf was ich mich einlasse, ob ich davon "profitieren" kann, also ob ich selbst was davon habe. Längeres Überleben, möglichst mit guter Lebensqualität.
Kann ich für mich einen "Nutzen" der Studie in Anspruch nehmen. Will heißen, daß auch meine betreuenden Ärzte mir von positiven Ergebnissen berichten und ggf. neue Möglichkeiten für mich finden ....
Also aufklären - auch über negative Seiten.
Smarty66
Smarty66
03.10.2017 23:58:49
@Zyla
wo kann ich das von der Neurologen-Tagung nachlesen? Auf der NOA-Seite habe ich dazu nichts gefunden.
Und: was bedeutet "OS"-Werte ?

LG
Smarty66
tomtom0674
04.10.2017 11:11:51
@Smarty66

OS = overall survival also das Gesamtüberleben

Nach einem Jahr haben laut den Zahlen weiter oben 5% (84% zu 89%), nach vier Jahren Behandlung sogar 18% mehr Überlebende.

Im 5. Jahr scheint dann auch bei der neuen Therapieform der Knick zu kommen und man hat nur noch 6% mehr Überlebende (28% zu 34%)
tomtom0674
paolo
05.10.2017 00:02:58
Mich würde auch interessieren, wo man mehr Informationen dazu bekommt.
Kann man die detaillierten Studienergebnisse schon irgendwo nachlesen?
Momentan finde ich nirgendwo etwas dazu.

Die im ersten Beitrag genannten Quellen geben nichts her.
"studien(punkt)de" - DKSR Deutsches KrebsStudienRegister der Deutschen Krebsgesellschaft gibt die Meldung: "Das Deutsche KrebsStudienRegister wurde eingestellt.".
Auf der Seite ist also nichts zu finden.

Auf der Synexus Seite finde ich auch nichts, da kann man sich als potentieller Studienteilnehmer registrieren lassen, aber das ist alles recht allgemein gehalten und für verschiedene Krebsentitäten und andere Erkrankungen (z.B. Diabetes, Asthma, Herpes). Konkretes zur NOA-Jahrestagung hab ich auch dort nicht finden können.
paolo
M.Thomas
05.10.2017 14:07:52
Die von Max P. und Zyla vorgestellten Daten sind noch nicht publiziert, sondern bisher lediglich auf einem Kongress präsentiert worden. Die offzielle Präsentation wird im Rahmen der Jahrestagung der Society of Neuro-Oncology im November in San Francisco, Californien erfolgen. Vorher wird man auch keine Veröffentlichungen finden, weil es sie schlichtweg noch nicht gibt.

mfg,
M. Thomas
M.Thomas
Neon
05.10.2017 16:02:39
Nach der Präsentation von Daten auf Kongressen vergehen in der Regel viele Monate, bis diese in einem Fachjournal veröffentlicht werden. Zur Bewertung und Zitierung ist eine solche Publikation aber nötigt. Nach der Vorstellung der CeTeG-Daten auf dem DGN- und dem SNO-Kongress wird es also noch lange dauern, bis detailierte Informationen dazu publiziert sind und in der Praxis Anwendung finden können. Hilfsweise würde ich auf die Veröffentlichung der vorangegangenen Studie UKT-03 verweisen, da die CeTeG-Studie die Vorteile der CCNU/TMZ-Kombination in Abhängigkeit vom MGMT-Status laut Kongressbericht bestätigte.

http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/jco.2006.06.9104
DOI: 10.1200/JCO.2006.06.9104 Journal of Clinical Oncology 24, no. 27 (September 2006) 4412-4417.

Ähnliche Ergebnisse bei der Behandlung von Kindern mit HGG: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27006176
Neon
uweb1703
08.10.2017 14:57:28
Mein Doc hat auf Nachfrage die gute Verträglich- und Wirksamkeit der Kombination aus Temodal/Lomustine bestätigt und meine Chemo entsprechend umgestellt. Ich glaube, dass er in Berlin für die Studie verantwortlich war. Ich habe einen Kombi-Zyklus vor 4 Tagen begonnen. Die Nebenwirkungen sind mit denen von Temodal-pur vergleichbar. Die Kombi-Zyklen dauern nicht 28 sondern 42 Tage. Am ersten Tag bekomme ich Lomustine, an den Tagen 2-6 Temodal und die Tage 7-42 sind behandlungsfrei.
uweb1703
Neon
11.10.2017 13:56:10Neu
Parallel zur Veröffentlichung erschien eine Grundlagenarbeit, die die Effektivität er CCNU/Temozolomid-Chemo erklären könnte:

Die Ergebnisse bestätigen MMR-Mangel als einen entscheidenden Prozess für die Resistenzentwicklung gegenüber der Chemotherapie mit Temozolomid. MMR-defiziente TMZ-resistente GBM-Zellen waren besonders empfindlich gegenüber CCNU und kombinierter CCNU / TMZ.

Die Wirksamkeit der Strahlentherapie wurde in TMZ-resistenten Zellen erhalten. Folglich könnte CCNU bevorzugt als Behandlungsoption für wiederkehrendes MGMT-methyliertes GBM betrachtet werden und kann sogar zur Prävention der Resistenzentwicklung in der Primärbehandlung geeignet sein.


Clin Transl Oncol. 2017 Aug 20.

Acquired temozolomide resistance in human glioblastoma cell line U251 is caused by mismatch repair deficiency and can be overcome by lomustine.
Stritzelberger J1, Distel L1, Buslei R1,2, Fietkau R1, Putz F3.


PURPOSE:
Glioblastoma multiforme (GBM) is the most common malignant primary brain tumor in adults. While the alkylating agent temozolomide (TMZ) has prolonged overall survival, resistance evolution represents an important clinical problem. Therefore, we studied the effectiveness of radiotherapy and CCNU in an in vitro model of acquired TMZ resistance.

METHODS:
We studied the MGMT-methylated GBM cell line U251 and its in vitro derived TMZ-resistant subline, U251/TMZ-R. Cytotoxicity of TMZ, CCNU, and radiation was tested. Both cell lines were analyzed for MGMT promotor status and expression of mismatch repair genes (MMR). The influence of MMR inhibition by cadmium chloride (CdCl2) on the effects of both drugs was evaluated.

RESULTS:
During the resistance evolution process in vitro, U251/TMZ-R developed MMR deficiency, but MGMT status did not change. U251/TMZ-R cells were more resistant to TMZ than parental U251 cells (cell viability: 92.0% in U251/TMZ-R/69.2% in U251; p = 0.032) yet more sensitive to CCNU (56.4%/80.8%; p = 0.023). The effectiveness of radiotherapy was not reduced in the TMZ-resistant cell line. Combination of CCNU and TMZ showed promising results for both cell lines and overcame resistance. CdCl2-induced MMR deficiency increased cytotoxicity of CCNU.

CONCLUSION:
Our results confirm MMR deficiency as a crucial process for resistance evolution to TMZ. MMR-deficient TMZ-resistant GBM cells were particularly sensitive to CCNU and to combined CCNU/TMZ. Effectiveness of radiotherapy was preserved in TMZ-resistant cells. Consequently, CCNU might be preferentially considered as a treatment option for recurrent MGMT-methylated GBM and may even be suitable for prevention of resistance evolution in primary treatment.
Neon
theo
13.10.2017 19:43:49Neu
Hallo,
am 17.11.2017 werden die Ergebnisse der CeTeG-Studie (Kombi CCNU/TMZ) das nächste Mal vorgestellt. Prof. Herrlinger erhält für seine Arbeit sogar den ADULT CLINICAL RESEARCH AWARD beim SNO. Wenn die oben erwähnten Daten korrekt sind, dann hat diese Kombination zumindest Potential für die sofortige Aufnahme in die Leitlinien.


https://www.soc-neuro-onc.org/UploadedFiles/2017_SNO_Preliminary_Program.pdf

Quelle: Programm: 22. ANNUAL MEETING OF THE SOCIETY
FOR NEURO - ONCOLOGY , November 16-19, 2017, San Francisco, California

FRIDAY PLENARY SESSION, November 17, 2017

11:05-11:20am
Phase III trial of CCNU/temozolomide (TMZ) combination therapy vs. standard TMZ therapy for newly diagnosed ACTR-58 MGMT-methylated glioblastoma patients: the CeTeG/NOA-09 trial

Herrlinger U, Tzaridis T, Mack F, Steinbach J, Schlegel U, Sabel M, Hau P, Kortman R, Krex D, Grauer O, Goldbrunner R, Schnell O, Baehr O, Uhl M, Tabatabai G, Ringel F, Schmidt-Graf F, Brehmer S, Weyerbrock A, Bullinger L, Vajkoczy P, Vatter H, Schäfer N, Kebir S, Weller J, Stummer W, Simon M, Keil V, Nelles
theo
BlueGene
18.10.2017 17:43:31Neu
Hallo,
mich würde interessieren, ob Patienten mit Glioblastom die Kombination Temozolomid plus CCNU in der Primärtherapie schon erhalten.
Vielen Dank.
BlueGene
theo
19.10.2017 09:19:44Neu
Halli hallo,
17 Monate Unterschied beim Gesamtüberleben. Dies kann fast nicht wahr sein. Und wenn es nur 12 Monate Differenz wären. Das Ergebnis bleibt extrem im Vergleich zu den Daten der Glioblastomstudien der letzten Jahre. Bin gespannt, was die Experten beim Infotag am Wochenende in Berlin dazu sagen. Da frage ich mich, warum nicht schon längst eine Interimsanalyse veröffentlicht wurde.
LG
theo
Schnupfel
19.10.2017 14:27:37Neu
@theo
Zitat: "Da frage ich mich, warum nicht schon längst eine Interimsanalyse veröffentlicht wurde. "

Ja, das fragt man sich wirklich!
Zumal deutsche Ärzte und Forscher da beteiligt waren!

Leider haben wir in der Onkologie in Berlin-Neukölln feststellen müssen, dass man dort absolut desinteressiert ist, keine Ahnung davon hat aber gerne über "Wald-und Wiesen-Studien" spricht und den Glioblastom -Patienten erzählt, dass die Publikationen abgewartet werden müssen und das könne eben sehr lange dauern - hat der Patient eben Pech gehabt!

Wir hoffen auch, dass am Samstag dazu endlich was in die Öffentlichkeit kommt.
Schnupfel
Sternchen1
19.10.2017 17:08:01Neu
Hallo zusammen, leider ist es uns nicht möglich nach Berlin zu kommen, sind aber über viele Info`s hier im Forum dankbar !
Sternchen
Sternchen1
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