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Thema: Chemotherapie bei unmethyliertem MGMT-Promotor?

Chemotherapie bei unmethyliertem MGMT-Promotor?
Eris
16.10.2020 12:42:05Neu
Warum erhalten neu diagnostizierte Glioblastompatienten ohne MGMT-Promotor-Methylierung, also mehr als die Hälfte aller Glioblastompatienten, zusätzlich zur Strahlentherapie eine Chemotherapie mit Temozolomid, wenn wissenschaftlich belegt ist, dass die zusätzliche Gabe von Temozolomid bei Patienten ohne MGMT-Promotor-Methylierung keinen signifikanten Nutzen bringt, also wirkungslos in Bezug auf die Prognose ist?
Eris
Berberine
16.10.2020 13:07:02Neu
Wahrscheinlich weil man sich irgendwann einmal darauf geeinigt hat, dass dies die sog. "Standardtherapie" ist. Leider kommt es nicht selten vor, dass die Standardtherapie den Patienten nichts bringt. Deshalb empfiehlt es sich, sehr genau nachzufragen, was einem die Standardtherapie bringen kann und was nicht. Und wenn es nicht viel ist, dann sollte man sich schnell nach zusätzlichen bzw. anderen Therapien umsehen.
Berberine
Logossos
16.10.2020 15:37:47Neu
Wenn man eine Diskussion über die Grenze zwischen Methylierung und Nicht-Methylierung einmal bei Seite lässt, so ist meine Antwort:

Weil für die meisten Mediziner (nicht alle) das alleinige Auswahlkriterium für eine Behandlung ist: Es existiert eine Phase III - Studie mit nicht negativem Ergebnis, ganz egal, wie stark die Behandlung dem Patienten wirklich hilft. Hauptsache Studie. Wenn man TMZ nicht einsetzen würde, stände man mit leeren Händen da, und das will man auch nicht.

Noch sind zur Zeit trotz der katastrophalen Therapiesituation beim nicht-methylierten GBM nur sehr wenige Ärzte bereit, einen individuellen Heilversuch mit einer neuen, nicht Phase-III-verifizierten Therapie zu unternehmen, obwohl das vollkommen legal und immer der erste Schritt bei einer Therapieentwicklung ist. Und vor allem würde das viel besser dem Bild entsprechen, das GBM-Patienten bei Therapiebeginn von ihrem Arzt haben, einem Arzt mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen mit dem Leitbild ist: „Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein".
Logossos
Kopf hoch
17.10.2020 11:29:43Neu
Liebe Eris,
nach meinem Wissen ist die Wirksamkeit von TMZ höher bzw. besser, wenn eine Methylierung vorliegt. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Gabe von TMZ bei Nichtvorliegen der Methylierung keinen Sinn macht!
Euch allen alles Gute und weiterhin
Kopf hoch
Kopf hoch
Eris
17.10.2020 11:49:51Neu
Hallo "Kopf hoch", meine Frage bezog sich auf die Therapie von Patienten, bei denen der Tumor "nicht methyliert" ist. Dazu gibt es zum Beispiel die Untersuchung von Hegi und Kollegen https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa043331 , die belegt, dass eine zusätzliche Gabe der Chemotherapie während der Strahlentherapie keinen "signifikanten" Nutzen hat. Ob sich dies auf die Chemotherapie nach der Strahlentherapie übertragen lässt, ist mir noch nicht klar. Vielleicht hat dazu jemand eine aussagekräftige Quelle.
Eris
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