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Thema: Chloroquin

Chloroquin
Hasika
10.12.2013 17:34:28
Hallo ,

Mein Mann hat beschlossen chloroquin zu nehmen aber es ist nicht so leicht es zu bekommen. Seine Hausärztin wäre bereit ein Rezept auszustellen aber nur wenn sie von einen Onkologen oder neuroonkologen eine Zustimmung bekommt wie hoch die Dosis und wie er überwacht werden muss.
Sein onkologe hält davon nichts und wird es nicht verschreiben.
Jetzt wissen wir nicht was wir machen sollen, kann uns bitte jemand helfen oder einen Rat geben?
Vielen Dank
Lg
Hasika
Hasika
Harry Bo
10.12.2013 21:29:02
Hallo Hasika,

ich hab den Beipackzettel hier liegen.
Erstmal zur Dosierung. Eine Tablette hat 250mg Chloroquinphosphat und damit 155mg Chloroquin.
Die Dosis ist eine Tablette am Tag.
Bei Malariaerkrankung werden am Anfang abhängig vom Körpergewicht bis zu 9 Tabletten, die nächsten Tage bis zu 3 Tabletten genommen und dann eine bis zu 6 Monaten.
1 Tablette ist also nciht mehr als man bei Malariapatienten gibt.

Die 1 Tablette am Tag ist also kein Problem.
Schwieriger, wird es wenn man die Tabletten langfristig nimmt.
Es soll eine zusammenaddierte Maximaldosis von 1g Chloroquin pro kg Körpergewicht nicht überschritten werden.
Wenn dein Mann 80 oder 70 kg wiegt, darf er 80/70g nehmen, bei 155mg pro Tablette also 516 / 451 Tage. Erstmal genug Zeit.
Mann kann es aber auch länger nehmen, denn es gibt Langzeit Rheumapatienten, die es nehmen. Ein guter Rheumatologe könnte Euch also sehr behilflich sein.
Warum ist irgendwann Schluss? Weil ab dann die Gefahr einer nicht reversiblen Netzhautschädigung (Retinopathie) bestehen kann.
Deshalb wird bei Einnahme > 1 Jahr oder Problemen mit dem sehen (rot fängt zuerst an) regelmäßig ein Besuch beim Augenarzt nötig sein, um den Beginn rechtzeitig festzustellen.
Was kann sonst Probleme machen? Es könnte die Leber und die Nieren belasten, aber wenn diese Werte eh regelmäßig kontrolliert werden, wie bei Chemo sowieso oder auch Diabetes und normaler Gesundheitscheck, dann hat man das ja unter Beobachtung.

Alles in allem ein sehr gut kontrollierbares Risiko.
Ich würde weiter auf die Suche nach einem verständnisvollen Arzt gehen. Ob es was nutzt, würde ich nicht diskutieren, es ist Selbstbestimmung eines Gehirntumorpatienten.
Die Nebenwirkungen muss ein Arzt eben beurteilen können. Zur Not holst Du dir die 1. Packung, weil Du eben nach Afrika zur Reha fährst und Angst vor Malaria hast.

Ich hoffe Du bekommst noch andere Antworten, mit der Du Deine Hausärztin überreden kannst. Wie gesagt, Sie brauch nicht die Zustimmung eines Onkologen, nur jemand der sich mit den Nebenwirkungen auskennt, wie der Rheumatologe oder ein Tropenmediziner.

Gruß Harry
Harry Bo
talbo
11.12.2013 11:07:38
Hallo Hasika,

ich kann Harrys fundiertem Beitrag nur zustimmen. Jeder einzelne Punkt darin deckt sich auch mit meinen Informationen. Meinem Mann wird Chloroquin - wie Du vielleicht mitbekommen hast - vom Neuroonkologen verschrieben. Bei den Widerständen, die Du da beschreibst, scheint mir die Idee mit dem Rheumatologen aber auch eine gute zu sein.

Viel Glück
und liebe Grüße
Erik
talbo
Schmetterlin
11.12.2013 15:56:42
Darf ich Euch mal Fragen für was man Chloroquin ein nimmt?

Würde mich sehr interessieren!
Schmetterlin
alma
11.12.2013 18:27:22
Cloroquin ist ein schon lange gebräuchliches Malariamittel (s.o.). Es macht, wie die neuere Forschung herausgefunden hat, die Gliomzellen empfindlich gegen Bestrahlung und einige Chemotherapeutika.
alma
Harry Bo
11.12.2013 23:21:54
Ich hab mal unter News einen neuen Artikel gepostet, wartet noch auf Freigabe.
Darin steht:
"neue Wirkstoffkombination, genannt „Coordinated Undermining of Survival Paths with nine repurposed drugs“ (CUSP9), setzt sich aus Mitteln gegen Übelkeit, Rheuma, Malaria, HIV und Bluthochdruck zusammen. Dazu kommen ein Antimykotikum und ein Antidepressivum, eine Substanz zum Alkoholentzug sowie ein Nahrungsergänzungsmittel."

Hier werden gut erforschte Mittel, die schon länger für andere Erkrankungen zugelassen sind, als Möglichkeit für Hirntumore aufgegriffen, um den Fortschritt der Erkrankung in Schach zu halten.

Eines der Mittel die von vielen hoffnungsvollen Kandidaten im Ausleseverfahren als Bestandteil eines potentiellen "Hirntumorcocktail" auserkoren wurde, ist das Malariamittel Chloroquin.
Komisch, aber wenn so einige gestandene Wissenschaftler über die mögliche Wirkung nicht hinwegsehen können, dann könnte doch tatsächlich was dran sein, oder?
Ich denke, dieses Malariamittel sollte man endlich mal ernst nehmen und vielleicht ist es wie in diesem Bericht in Kombination mit anderen Faktoren wie der Sensibilisierung zur Chemo und Bestrahlung auch mit oben erwähnten bekannten Mitteln nicht nur eine Hoffnung, sondern eine echte Chance.
Nicht unbedingt zur Heilung, aber als berechtigte ergänzende Maßnahme zur jetzigen Standardtherapie mit deutlichem Gewinn an Lebenszeit und Lebensqualität.

Blöde nur, dass sich das jeder selbst für wenig Geld in der Apotheke zusammenstellen könnte.
Das darf natürlich nicht so einfach sein, deswegen machen wir lieber keine Forschung und schüren besser Panik vor den Nebenwirkungen dieser handelsüblichen Mittel.
Ich weiß nur, jede Chemo oder Bestrahlung ist schwerwiegender, als ne ganze Tüte voll dieser Mittel.

LG Harry
Harry Bo
Schmetterlin
12.12.2013 17:16:47
Danke für die Erklärung!

Das es ein Malariamittel ist hatte ich schon verstanden, aber für was es von Nutzen bei einem Gehirntumor haben soll konnte ich mir nicht erklären, aber nun weiss ich es :)

Ja Harry, manchmal sind eben "einfache und günstige" Mittel nicht sehr beliebt bei Pharmaindustrien ;), denn man kann ja dann sein eigenes Zeug nicht verkaufen :(

LEIDER ist meist Geld und Gewinn wichtiger als alles andere :(
Sorry, aber ich denke nun mal so
Schmetterlin
generalflunk
28.09.2019 11:38:39
hallo,geht mal auf youtube,hirntumor biologie verstehen von frau dr.gutenberg,mainz 2012.im letzten teil,ca.15 min.vor schluss referiert sie über die beeinflussung von chloroquin auf stammzellen(gliostammzellen) bei der bestrahlung,denn diese zellen überleben normalerweise die bestrahlung.
generalflunk
buttkeis
28.09.2019 19:44:06
Hasika,

Nimmt Dein Mann Keppra? Es gibt mehrere Studien die bestätigen dass Keppra ein Mgmt Inhibitor ist und den Tumor ebenso sensibler für die Temodal und Co macht
buttkeis
paolo
29.09.2019 13:58:32
@buttkeis

Der Beitrag ist von 2013.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass da noch eine Antwort kommen wird.
Die letzte Forenaktivität von Hasika war 2014, und zu dem Zeitpunkt ging es ihrem Mann bereits relativ schlecht.
Auch Harry Bo und Alma sind schon vor längerer Zeit verstorben.

Trotzdem ist dein Hinweis zur beobachteten MGMT hemmenden Wirkung von Levetiracetam sicherlich für einige Mitleser hilfreich.
Am besten wäre es, wenn du einen Link zu einer Studie bzw. Publikation (z.B. PubMed, NCBI) mit dazu postest.
Das erleichtert den interessierten Mitlesern die Suche, besonders wenn diese nicht so firm in der englischen Sprache sind.
paolo
generalflunk
07.10.2019 15:46:08Neu
hi,an alle!chloroquin ist zur zeit nirgendwo zu kriegen,möglicherweise noch im ausland(frankreich,belgien).wird angeblich nicht mehr hergestellt,mangel bei der beschaffung der grundsubstanz.in "gelber liste" nachsehen.es gibt aber derivate von chloroquin z.b.hydroxichroroquinsulfat welches ebenfalls gegen malaria eingesetzt wird und hoffentlich die gleichen eigenschaften wie chloroquin hat,der apotheker findet dann das entsprechende medikament,meiner hat es gefunden.
generalflunk
paolo
07.10.2019 16:52:02Neu
@generalflunk

auch an dich möchte ich den Hinweis richten, dass der Beitrag von 2013 ist, und es auch wünschenswert wäre, wenn du Studien bzw. Publikationen zu den genannten Mitteln verlinken könntest, damit man als Patient seinen behandelnden Arzt darauf verweisen kann, und er sich weitergehend informieren kann.

Auch wenn du es mit deinem Hinweis auf Chloroquin bzw. entsprechende Derivate gut meinen solltest, so klingt es doch ein bisschen so, als sollten sich die Patienten die Mittel auf eigene Faust aus dem Ausland besorgen, ohne Nennung der Kontraindikationen, Dosierung und Nebenwirkungen. Das wäre grob fahrlässig und unverantwortlich.
Zusätzlich sind die genannten Mittel rezeptpflichtig, so dass ein behandelnder Arzt die vermutlich nicht so ohne Weiteres verschreiben wird.
Die Online- und Versandapotheken, welche diverse Gesetzeslücken nutzen, um die Rezeptpflicht bzw. eine ärztliche Aufsicht zu umgehen, handeln am Rande der Legalität, und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Folgen der Einnahme besagter Mittel.
Es steht natürlich jedem Patienten frei, den Einsatz der genannten Mittel mit seinem behandelndem Arzt zu besprechen, den zu erwartenden Nutzen im Einzelfall abzuwägen, und unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden.
Es wäre schön, wenn du deutlicher auf diesen Umstand hinweisen könntest.
Aufgrund der Kürze deines Beitrags ist nicht ganz klar, was deine Absicht war, deshalb möchte ich nochmal ganz deutlich auf Foglendes hinweisen:

Von einer eigenmächtigen Beschaffung aus dubiosen Quellen, und einer Einnahme ohne ärztliche Aufsicht und ohne vorherige Aufklärung über Wirkung, Nebenwirkungen und Kontraindikation, ist dringend abzuraten.
paolo
Mirli
07.10.2019 19:55:12Neu
Ergänzen möchte ich noch, dass Chloroquin auch als Suizidmittel in Kombination mit einem anderen Präparat bekannt ist.
In meinen Augen sehr bedenklich.
Mirli
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