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Thema: Darmspiegelung bei Epilepsie

Darmspiegelung bei Epilepsie
sandy
11.08.2021 21:24:08
Hallo miteinander????
Ich habe mal eine Frage. Ich habe seit 2006 einen Hirntumor und auch Epilepsie. Die Epilepsie ist seit 2014 mit Medikamente (Vimpat und Levetiracetam) gut eingestellt.
Mir geht es sehr gut!
Jetzt zu meiner Frage:
Bei mir sollte eine Darmspiegelung gemacht werden, da ich jetzt 50 Jahre bin und eine Familiäre genetische Erkrankung vorliegt.
Mein Arzt rät mir wegen der Koloskopie in die Klinik zu gehen, da meine Antikonvulsiva (Medikamente) eine kurze Halbwertszeit besitzen.
Dort soll am Abend und am Morgen vor der Koloskopie meine Medikamente parenteral verabreicht werden.
Jetzt wollte ich mal hören wie ihr das macht und was für Erfahrungen ihr habt?
Liebe Grüße Sandra
sandy
Toffifee
12.08.2021 13:53:59
Hallo Sandy,

da gibt es ja Fragen!
Ich nahm Levetiracetam, dann auch Vimpat dazu, anschliessend wurde das Levatiracetam (langes Wort) ausgeschlichen. Dazu habe ich wohl seit 2006 oder 2009 Colitis Ulcerosa und hatte deswegen etwa drei Koloskopien. Es wäre an der Zeit mal wieder hin zu gehen, ich war wohl seit 2013 oder 2014 nicht mehr da. (Nehme auch zweimal täglich Azulfildine).
Wer kann sagen ob man dann die Antiepileptika parenteral (unter Umgehung des Darmes, wohl intravenös) nehmen soll?
Ich bin auch neugierig. Angenommen ja wer verabreicht einem dann die Antiepileptika dann parenteral?

Trotzdem (bei all den Fragen) liebe Grüße

Toffifee
Toffifee
KaSy
12.08.2021 15:11:00
Hallo, Toffifee,
Zur Information:

Wenn eine Koloskopie durchgeführt werden soll, wird in einem Aufklärungsbögen und direkt beim Aufklärungsgespräch, das mehrere Tage zuvor mit (unbedingt) einem Arzt geführt wird, nach vielen Vorerkrankungen gefragt. Darunter ist auch "Epilepsie".

Da die antikonvulsiv wirkenden Medikamente (die die Anfallsschwelle erhöhen) nicht so sehr lange wirken*, wäre es fatal, wenn durch die meist 3 Tage zuvor beginnende Darmreinigung diese Medikamente auch aus dem Darm verschwinden.

Die verbleibende wirksame Dosis wäre dann sehr viel geringer und die Wahrscheinlichkeit für Anfälle viel zu hoch.

Das will weder der Patient noch der Arzt.

Deswegen sollten Menschen, die Antikonvulsiva nehmen, einen Tag vor der Koloskopie stationär aufgenommen werden. Sie erhalten dann am Abend zuvor und am Morgen vermutlich zu den gewohnten Zeiten das Antikonvulsivum in der gewohnten Dosis in flüssiger Form per Infusion.

Dann muss es nicht durch die Darmschleimhaut aufgenommen werden, sondern geht auf dem direkten Weg in das Gehirn, wo es die Anfallsschwelle erhöhen und so Anfälle verhindern soll.

Meine letzte Koloskopie war, bevor ich seit 2016 Antikonvulsiva nahm. Aber ich hatte seit dieser Zeit einige Operationen am Kopf. Im Dezember 2020 war ich nach der OP fit genug, die ITS-Schwester zu fragen, wann ich meine Levetiracetam-Tabletten nehmen darf. Sie sagte, ich würde sie in der selben Dosis in flüssiger Form erhalten. Ich hatte ja noch sämtliche Zugänge, da war das ganz praktisch.

Im Fall der Koloskopie ist man als Epileptiker (und auch mit anderen Erkrankungen, die eine dauerhafte Tabletten-Einnahme erfordern) stationär gut und sicherer aufgehoben, wenn sie stationär erfolgt.

Aber das erklärt einem der Arzt (so wie auch der "uns bestens bekannte" Anästhesist) im gründlichen Aufklärungsgespräch.

KaSy

PS:
* Wegen dieser Halbwertszeit - bekannt auch vom Zerfall radioaktiver Elemente - müssen die Antikonvulsiva ja in der Regel zweimal täglich genommen werden.

Bei akuten Anfällen, die man vielleicht schon einige Sekunden oder Minuten zuvor an der Aura bemerkt, mit der sie beginnen, kann das (patentgeschützte) Medikament "Tavor expidet 5 mg" (= Lorazepam) direkt auf die Zunge gelegt werden, wo es von allein rasch "schmilzt" und schneller durch das Blut in das Gehirn gerät, um den Anfall zu verhindern oder abzumildern. Das kann man selbst tun oder man hat diese kleinen Tablettchen sichtbar mit einer Information, dass man Epileptiker ist, bei sich, damit das auch ein Fremder tun kann. Meist wirkt das aber nicht schnell genug.
Deswegen werden hinzugerufene Rettungskräfte das Lorazepam in flüssiger Form infundieren.
KaSy
Toffifee
16.08.2021 17:26:33
Hallo miteinand´,

Für den Internisten (wegen der Koloskopie) brauche ich einen Überweisungsschein. Beim Aufklärungsgespräch: "Aha, sie nehmen Antiepileptika. Soso, dann gehen sie ins KH!" Da brauche ich eine neue Überweisung.

Oder hole ich die Überweisung vom Neurologen oder Hausarzt und gehe direkt ins Krankenhaus?
Wie ist dann sichergestellt daß ich Vimpat kriege (in der richtigen Dosierung) und kein Levetiracetam, das ich nicht mehr nehmen soll?

Liebe Grüße
Toffifee
KaSy
16.08.2021 20:03:21
Hallo, Toffifee,
Du warst jetzt noch nicht beim Internisten? Also ist Deine Frage fiktiv.

Wenn Du sicher gehen möchtest, dass die Koloskopie wegen der Epilepsie im Krankenhaus (KH) stationär durchgeführt wird, dann gehst Du zu Deinem Hausarzt. Du sagst ihm, warum das so geschehen soll und er wird Dir einen KH-Einweisungsschein mit der Diagnose und dem erforderlichen Grund (Epilepsie) für die Untersuchung im KH ausstellen. Damit meldest Du Dich in einem KH, wo das möglich ist und fragst nach Terminen, einen für die Aufklärung und einen für die stationäre Aufnahme. Der Arzt, der Dich aufklärt, wird sich alles genau aufschreiben und hat genug Zeit, genau das richtige Medikament in der richtigen Dosierung für die intravenöse Gabe zu beschaffen. Das ist in den KH viel weniger ein Problem als möglicherweise in einer Apotheke. Er oder eine Pflegeperson wird Dir die Mittel zur Darmreinigung und eine Anleitung dafür mitgeben.

KaSy

Scherzhaftes PS: Mensch, mach's doch nicht so kompliziert!
KaSy
Harte Nuss
17.08.2021 12:47:25
Hallo Leute, ich habe mehrere Darmspiegelungen und Reinigungen hinter mir. Es ist nie etwas passiert.Man muss in der Praxis ja auch einen Fragebogen ausfüllen und da habe ich es immer angegeben.
Harte Nuss
Harte Nuss
Toffifee
18.08.2021 17:47:48
Ja KaSy, meine Frage ist fiktiv.

Letztes mal im KH sagte ich ich bräuchte Thyroxin und Azulfidine. Sagt der Assistenzarzt: Haben wir nicht, die könne ich ja wieder daheim nehmen. Ein richtiger Arzt war nicht auf Station. Da hatte ich dann mit viel Glück doch noch die Tabletten gekriegt. Der gleiche A...arzt dachte ich würde Tabletten mittags und nachts nehmen und verstand nicht, was ich ihm erklärte. Inzwischen habe ich eine leichte Aversion gegen dies KH, aber nichts gegen die NCs.

Harte Nuss Du machst das in der normalen Praxis? Da hätte ich auch erheblich mehr Vertrauen, besonders da ich da auch schon dreimal war.
Es ist ärgerlich gesundheitliche Probleme zu haben.

LG (doppelt geimpft und zig Fragen)
Toffifee
Harte Nuss
19.08.2021 14:48:48
Hallo Toffifee,
ja ich habe eine normale Praxis. Die geben mir auch nur soviel Beruhigungsmittel, dass es nicht zu unangenehm ist. Für die Untersuchung ist es ja auch besser, wenn man halbwegs ansprechbar ist, z.B. können sie sich mal etwas zur Seite drehen. Anschließend kommt man in eine Art Aufwachraum bis man ganz wieder bei sich ist. Frag doch einfach mal in deiner Praxis wie es bei ihnen läuft, Vertrauen ist doch das Wichtigste.
Wir haben leider diese gesundheitlichen Probleme, können es nicht ändern- aber sie werden leider auch nicht weniger (;-)
Gruß
harte Nuss
Harte Nuss
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