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Thema: Dauer der Medikamenteneinnahme

Dauer der Medikamenteneinnahme
LuiMa
11.02.2016 19:44:38
Ich habe mal eine Frage zur Dauer der Med.einnahme.
Wurde im August 2012 an einem Falxmenigiom WHO II ( gutartig)
operiert und nehme seitdem Levetiracetam. Zu Beginn 2x 1000 , dann 2x750 und seit ca 1,5 Jahren 2x500mg
Alles vertrage ich recht gut und bei allen bis dato erfolgten MRT's war alles komplett Tumorzellenfrei.
Wie lang werden die Anti-Epileptika so empfohen einzunehmen.
Es würde mich sehr freuen, wenn ich einige kompetente Antworten erhalten würde.
LG LuiMa
LuiMa
bischmi73
11.02.2016 19:55:42
Auf dem letzten Hirntumortag hat ein Epilepsiespezialist das Beispiel genommen, dass man auf einer Insel die Schutzwälle ja auch nicht abbauen würde, wenn mal eine Zeitlang keine schlimme Flut war.

Er war wohl der Meinung das man es einfach weiter und weiter nehmen soll. Quasi als Dauer-Schutz.

Nach dem Motto: Never Change a running system.

Habt ihr denn bei euch in der Umgebung einen Spezialisten der euch da weiter helfen kann?

Uns wurde gesagt, solange keine Probleme mit dem Medikament auftreten, es gut verträgt, würde nichts dagegen sprechen, es in einer niedrigen Erhaltungsdosis, weiter zu nehmen.
bischmi73
TumorP
11.02.2016 20:27:27
Hallo LuiMa,
unsere Erfahrungen: rein vorsorglich ca. 3 Monate ab 1 Tag vor der OP 2 x500 "Keppra". Dann langsam absetzen. Meningeom rechts frontal WHO 1. Zu keiner Zeit Anfälle gehabt. OP 08/14, Bis ca. Mitte 02 /15 unter neurologischer "Aufsicht" Keppra langsam abgesetzt. Verschiedene EEG---alles ok. Am 02.04.15 kam der Knall----Status in Serie über 80 Minuten. Danach ca. 10 kleine fokale---3000 mg Keppra --ca. 3,5 Monate Ruhe, der nächste Knall---- 4000 mg Keppra --- dann ging es weiter im 3 - 4 Wochen Takt. Zusätzlich Zonegran --- der nächste Anfall --- nächste Mittel zusätzlich. Wenige Stunden nach der 1. halben Tablette massive Nebenwirkungen / Haut. Sofort abgesetzt. Dann 11 /15 zusätzlich ganz langsam auf 2 x 100 Lamotrigin. 3 Monate Ruhe - gestern wieder ein Anfall -- jetzt 2 x 150 Lamotrigin - Das haut einen runter. Das waren unsere Erfahrungen.
Das mag bei Dir natürlich durch die andere LAGE ganz anders aussehen. POSITIV ist Deine lange anfallsfrei Zeit!!!
Suche Dir einen erfahrenen Epileptologen. Wenn absetzen dann lieber gaaaaanz laaangsam.

Es gibt leider keine Garantie. Nach unseren PERSÖNLICHEN Erfahrungen (wenn wir vorher gewusst hätten, was die Anfälle bewirken) dann wären wir bei den 2 x 500 geblieben. Dann wäre der Status wahrscheinlich nicht so gekommen. ABER wer weiss das schon.

Alles Gute,
TumorP
TumorP
KaSy
12.02.2016 01:03:42
Liebe LuiMa,
warum nimmst Du Antiepileptika (AE)? Du hast keinen Anfall erwähnt.

- Solltest Du keinen Anfall gehabt haben, sind keine AE erforderlich.
- Sollte das Meningeom durch einen Anfall entdeckt worden sein, sollte der Neurologe, der Dir die AE verschreibt, je nach den EEG-Ergebnissen mit Dir einen Absetzversuch besprechen, weil die Ursache vielleicht durch die OP beseitigt wurde.
- Sollten Anfälle nach der OP, also durch die OP, konkret durch die inneren Vernarbungen ausgelöst worden sein, dann spricht das dafür, dass die Epilepsie bestehen bleiben wird und die AE dauerhaft genommen werden sollten, um weitere Anfälle zu vermeiden. Die AE verändern die Anfallsschwelle. (Um bischmi´s Beispiel anzuwenden: Das Hochwasser wird nicht so hoch.) Du scheinst sie ja gut zu vertragen.

Die tumorfreien MRT sind für Dich ganz prima - Glückwunsch ! - , haben aber nichts mit der eventuellen Epilepsie zu tun.

Ein sehr vorsichtiger Absetzversuch findet ja offensichtlich statt. Ich denke, Du kannst Deinem Neurologen vertrauen und offen mit ihm reden.
KaSy
KaSy
LuiMa
12.02.2016 15:37:33
Halli hallo !
Ich möchte mich bei euch ganz herzlich für die schnelle Antwort bedanken.
Ich persönlich bin auch der Meinung lieber die relativ niedrige Dosis über länger zu belassen. Aber da müsstet ihr mal die Arbeitgeberseite hören...
"Sie sehen doch gut und gesund aus , Ihr Neurologe sollte die Tabletten nun aber wirklich mal absetzen, "
Zur Info für euch vielleicht noch , ich bin selbst Krankenschwester in einem Pflegeheim und habe viele Jahre im 3-Schichtsystem geackert.
Naja und nun habe ich eben 50°/. Behinderung, ( was sich zum Glück nicht unbedingt auf meine derzeitige Verfassung niederschlägt) aber schliesslich wurde dies ja auch nicht umsonst bis 2019 verlängert.
Also nehm ich doch weiter meine Dosis und der Arbeitgeber muss eben mal sehen wie er klar kommt. Könnte sicher auch mehr krank sein....
LuiMa
KaSy
12.02.2016 22:21:51
Hallo, LuiMa,
auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen, dass sich ein Arbeitgeber derart in Deine Medikation (!) einmischen könnte, dass er das Risiko eingeht, dass Du einen Anfall bekommen könntest.
Will er Dir Deine Schwerbehinderung ausreden und Dich behalten oder will er bei Dir Anfälle auslösen um Dich rausschmeißen zu können oder was soll das?
Deine Chefs sollten doch ein Mindestmaß an medizinischen Kenntnissen haben, so dass ihnen klar sein sollte, dass Du vielleicht wegen (!) der Medikamente so gesund aussiehst.
Es wird oft genug davor gewarnt, Arbeitgebern nicht alles auf die Nase zu binden, was ein Kündigungsgrund sein könnte. Sie haben ja auch kein Recht auf derartige Kenntnisse. Dazu gibt es die externen Ärzte, Amtsärzte z.B., die der Schweigepflicht unterliegen. Aber als einsatzbereiter Kollege ist man gern so nett, alles zu erzählen ...
Bleib stark!
KaSy
KaSy
Prof. H. Strik
17.02.2016 15:31:21
Ihre Frage hat mehrere Aspekte:
1. Gab es jemals epileptische Anfälle? Wenn ja, weiter Antiepileptika. Wenn nein, ggf. ausschleichen.
2. Fahren Sie Auto? Wenn ja müssen Sie eine Wartezeit ohne KFZ einhalten sobald die Antiepileptika geändert werden.
3. Wenn Sie Anfälle hatten kann Schichtarbeit nicht empfohlen werden, da Schlafmangel Anfälle auslösen kann.

Prof. Dr. med. Herwig Strik
Neurologie Uni Marburg
Prof. H. Strik
LuiMa
17.02.2016 15:46:04
Vielen Dank für die Antworten.
Nee ich hatte selbst mit dem recht großen Falxmeni. ( ca. 6,5x7,0 cm ! ) keine Anfälle.
Nur einen postoperativen epil. Anfall. Ja Auto fahre ich seit ca . halben Jahr nach der OP; jedoch nur bekannte und relativ kurze Strecken.
Mit der für mich recht gut eingestellten Levetiracetamgabe 2x 500 komme ich gut klar. Von daher hätte ich auch kein Problem dies weiterhin einzunehmen.
Es kommen eben nur zeitweise " dumme " Fragen vom Dienstplaner , wann ich denn endlich wieder Nachtdienste machen " wollen würde "...
Aber ich argumentiere dann einfach damit , dass sie doch froh sein könnten , dass ich nie krank war und bin und außerdem voll arbeite inklusive 2 Schichten , Wochenenden und Feiertage .Dann ist erstmal wieder Ruhe :-)
LuiMa
Prof. H. Strik
18.02.2016 11:46:01
Dann sagen Sie halt, dass Sie ja sehr gerne wieder Nachtschichten machen wollen würden, Ihnen das aber die blöden Doktoren nicht erlauben ;-)

Ich würde in dieser Situation empfehlen, alles so weiterzumachen wie bisher und Keppra beizubehalten. Scheint ja nicht so schlecht zu sein.

Prof. Dr. med. Herwig Strik
Neurologie Uni Marburg
Prof. H. Strik
Chleo
25.08.2018 13:50:58
Hallo,
ich hatte im Mai diesen Jahres ein Meningeom links/frontal. Er wurde erfolgreich operiert. War faustgross. Ich hatte vor OP, noch während OP, noch danach einen epileptischen Anfall. Aus prophylaktischen Gründen wurde mir das Medikament Levetiracetam verschrieben. Die sollte ich allerdings nur 8 Wochen nach der OP nehmen und dann ausschleichen. Während der Reha wurde ein EEG gemacht,bei dem festgestellt wurde, dass es noch "Spitzen" gibt, die da nicht hingehören. Jetzt meine Frage: darf ich trotz dem Medikament ab Anfang September wieder Auto fahren? Ich hatte drei Monate Fahrverbot.
Vielen Dank schon mal für die Antworten.
Chleo
KaSy
25.08.2018 18:30:20
Hallo, Chleo,
wenn ich Deine Aussage richtig "übersetze", hattest Du gar keine Anfälle.
(Oder meintest Du, dass Du vor und während der OP Anfälle hattest?)
Es ist schon seit vielen Jahren bekannt, dass eine prophylaktische Gabe von Antiepileptika (AE) keinen Nutzen hat, aber der anfallsfreie Patient muss zumindest am Anfang mit den Nebenwirkungen und generell mit dem Fahrverbot klarkommen.

Nun hast Du das Medikament bekommen und wieder ausgeschlichen, ohne jemals Anfälle gehabt zu haben. Welcher Facharzt hat in der Reha das EEG ausgewertet und von den "Spitzen" geredet, "die dort nicht hin gehören"?

Wenn Du nie Anfälle hattest, sollten die "Spitzen" möglicherweise nichts mit vorangegangenen Anfällen zu tun haben, sondern mit den bleibenden Folgen der OP in Form von Vernarbungen. Das solltest Du bei einem Neurologen genauer erfragen.

Zum Fahrverbot: Es gilt für Auto, Motorrad, Fahrrad
- nach einer Hirntumor-OP drei Monate lang, - nach einem epileptischen Anfall ein Jahr,
- falls weitere Anfälle auftreten, nach dem letzten Anfall ein Jahr,
- nach einer Änderung der AE-Dosis 2 oder 3 Monate (das weiß ich nicht so genau).

Du musst nun wissen, wann der letzte Anfall war (vermutlich nie), wann Du die letzten AE genommen hast und kannst dann berechnen, wann Du wieder fahren darfst.

Eigentlich wäre mit den drei postoperativen Monaten das Fahrverbot erledigt, aber das Blöde ist, dass die AE gegeben wurden, etwas im Kopf bewirkt haben und das Absetzen der AE wieder etwas bewirken, was eben alles leider Anfälle auslösen könnte. Und kein Mensch möchte durch einen Anfall im Auto oder mit dem Zweirad sich und schon gar nicht einem anderen Schaden zufügen.

Ich habe dieses Fahrverbot auch ein Jahr gehabt, fand es wirklich blöd, bin dann danach ganz vorsichtig auf ziemlich leeren Straßen wieder Auto (und später Fahrrad) gefahren. Ich hatte um die Genehmigung der Krankenkasse gekämpft, dass sie den Transport zu den Arztbesuchen übernehmen, was sehr schwerfällig und teilweise sinnloserweise erst zwei Monate rückwirkend gelang.

Das oben genannte sind die Regeln.
...

Vielleicht hast Du Möglichkeiten, mit anderen oder mit den Öffentlichen ohne zu viel Zeitverlust zu fahren, bei mir war das nicht möglich.

KaSy
KaSy
Chleo
25.08.2018 18:39:05
Hallo KaSy,
vielen Dank für die Antwort.
Richtig übersetzt ;)
Ich hatte noch nie einen Anfall. Im Oktober hab ich das nächste EEG. Danach wird entschieden, ob ich das Medikament ausschleichen kann.

Ich frag einfach mal den Neurologen. Dann bin ich auf der sicheren Seite.
Danke noch mal.

Chleo
Chleo
Marsupilami
26.08.2018 23:52:10
Hallo,
Achtung: Fahrtüchtigkeit liegt in der Eigenverantwortung des Fahrers!

Nach einer schwerwiegenden Erkrankung muss/sollte das getestet werden. Sonst kann es im Schadensfall Schwierigkeiten mit der Versicherung geben.

Ich hatte das Thema letzte Woche zufällig beim Neuropsychologen.



Gruß vom Marsupilami
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"Don´t feed the troll"

„Trollen ist ein Spiel um das Verschleiern der Identität, das aber ohne das Einverständnis der meisten Mitspieler gespielt wird.“
– Judith Donath: Identity and Deception in the virtual Community
(Wikipedia)
Marsupilami
Jakat
27.08.2018 12:38:53
Hallo Chleo,

Ich habe meinen Operateur (Neurochirugen) um ein Attest gebeten über die Fahrtüchtigkeit, um versicherungstechnisch auf der sicheren Seite zu sein.

Mein Falxmenignom war auch riesig aber der Oberarzt aus der Charité in Berlin vertrat auch die Auffassung erst bei Anfall Medikamente zu geben.

Hatte bisher auch keinen Anfall und auch keine Medis als Prophylaxe.

Hatte nach Op (Mitte Sep. 17) halbseitige Lähmung rechts mit Spastfuss und Fußhebestörung. AHB Gott sei Dank gleich im Anschluss.
Nach vielem Training habe ich geschafft, dass mir mein Operateur Mitte Dezember die Fahrtauglichkeit bescheinigt hat.

Wünsche dir viel Glück und vor allem Gesundheit.

Lieben Gruss
Jakat
der Meister
25.01.2019 12:05:54
Hallo Leute,
ich nehme das Levetiracetam 2 x täglich seit nach der 2. OP in 2/2018 erst mit 1500mg.
Dann nach einem halben Jahr wurde auf 2 x 1250 mg reduziert und das soll so weiter eingenommen werden bis etwa 2 Jahre vorüber sind.
Bei den Nebenwirkungen habe ich fast bei allen "hier" gerufen, leider.
Auto fahren darf ich, lt meinem Neurologen seit einem Jahr wieder uneingeschränkt.
Anfälle hatte ich seither keine.
Mein Arbeitgeber ist froh, dass ich wieder mit meinem Wissen unterstützen kann, körperlich fällt mir vieles noch schwer.
Näheres findet Ihr unter Neuvorstellung unter Meningeom.


LG Klaus
der Meister
Paeris
25.01.2019 13:46:19
Hallo an alle,
mein Neurologe sagte mir das durch die Narbe am Hirn nach der OP im Kopf ein Epi-anfall ausgelöst werden könnte. Deshalb soll ich vorsorglich weiter Leviteracetam 500-0-500 einnehmen.
Hatte nach der OP 2015 keine Anfälle mehr.
Habe ihn zwecks absetzen auch schon 3 mal darauf angesprochen.

LG Paeris
Paeris
Fabi
26.01.2019 22:30:53
Das müsste dann doch aber auf dem EEG zu sehen sein oder? 3 Jahre nach OP ist schon echt ne lange Zeit ... ich habe meine bereits nach einem halben Jahr ausschleichen lassen.

Lg Fabi
Fabi
KaSy
26.01.2019 23:34:11
Hallo,
auf einem EEG sieht der Neurologe nur Anfälle, wenn sie während des EEG geschehen. Deswegen werden EEGs ja mit verschiedenen Stimulationen durchgeführt. Gab es früher so starke Anfälle, dass sie Hirnschäden verursacht haben, kann das im EEG auch zu sehen sein.
Unsere Hirntumoren hinterlassen auch Spuren im EEG, diese haben aber nichts mit Anfällen zu tun.
Der Neurologe sollte nach der Symptomlage und dem "Leidensdruck" entscheiden, ob Anfälle, wenn es sie denn überhaupt gab, medikamentös behandelt werden müssen.

Schließlich greifen Antiepileptika in den Hirnstoffwechsel ein!.
Wenn es keine Anfälle gab, darf der Neurologe diese Medikamente nicht vorsorglich verschreiben, da sie vorsorglich nicht wirken.

Vor vielen Jahren wurde aus der Befürchtung heraus, dass es während der OP einen Anfall geben könnte, Antiepileptika gegeben, aber das hat sich als unnötig erwiesen, weil das Narkosemittel ohnehin auch die Anfallsschwelle senkt.

Ich staune immer wieder, wie sehr mühevoll diese von Epileptologen gewonnenen und veröffentlichten Erkenntnisse sich bei den Fachärzten durchsetzen, die ihre Patienten mit der nicht notwendigen Verordnung außer dem Eingreifen in den Hirnstoffwechsel immer wieder für viele Monate zu Fahrverboten, Verbot des Arbeitens an gefährlichen Maschinen, Nachtschichtverbot, evtl. sogar dem Entzug von Erlaubnissen für die Personenbeförderung "verhelfen", ohne dass es behandlungsbedürftige Anfälle gab.

Dese Ärzte betreffen diese Einschränkungen unserer Lebensqualität ja nicht. Haben wir nicht genug mit den Folgen unserer Hirntumoren zu tun?
Hier geht das Vertrauen, das man unbedingt haben sollte, zu weit.


Oder würde sich jemand um sein Haus einen Hochwasserschutz (Antiepileptika) errichten lassen, obwohl es nie dort Hochwasser (Anfall) gab.
Oder würde man eine Versicherung gegen Schäden durch umstürzende Bäume abschließen, ohne dass Bäume auch nur in der Nähe sind.

Entschuldigt bitte, aber mich macht das wütend, was Hirntumorpatienten diesbezüglich eingeredet wird.
KaSy
KaSy
Sgnip
10.02.2019 15:00:02Neu
Hallo, ich bin 69 Jahre und schreibe erstmalig in einem Forum.
2007 wurde bei einer MRT ein Meningeom frontal rechts festgestellt. 2008 war es so groß,dass es teilweise operativ entfernt wurde. Da es zu nah an lebenswichtigen Organen saß , wurde es nicht komplett entfernt. Der Arzt riet mir zu einer halbjährlichen MRT Kontrolle.
Nach 4 Kontroll MRT`s ohne erneute Wachstumsanzeichen habe ich auf weitere Untersuchungen "verzichtet".
Am 1. August 2018 hatte ich morgens einen Zusammenbruch in der Dusche. Der Notarzt und das Krankenhaus diagnostizierten einen epileptischen Anfall, ausgelöst durch zwei große Meningeome an gleicher Stelle. Ich bekam Levetiracetam 2x750 mg. Die erneute OP verlief sehr gut und ich habe keinerlei Beschwerden, wenn man mal von einer Depressionsepisode seit Mitte Januar absieht. Es gab auch keine weiteren epileptischen Anfälle.
Weiterhin ist geplant, die "Meningeomreste" mittels "Gammaknife" zu beseitigen.
Da mir ein einjähriges "Fahrverbot" auferlegt wurde, möchte ich gerne langsam mit dem "Ausschleichen" des Levetiracetam beginnen. Hat jemand vielleicht ähnliches erlebt oder kennt jemanden der hierzu etwas beitragen kann?
Sgnip
Sgnip
KaSy
10.02.2019 17:26:24Neu
Hallo, Sngnip,
Verstehe ich das richtig - Du hattest einen ernstzunehmenden epileptischen Anfall, Dir wurde Levetiracetam verschrieben, Du verträgst es gut und willst es jetzt "ausschleichen", weil Du ein einjähriges Fahrverbot hast???

Du hast die Rezidive nicht bemerkt, weil Du nach 4 MRT, also nach 2 Jahren, glaubtest, alles sei wieder gut.
Nun steht Dir sogar nach der Rezidiv-OP noch eine Gammaknifebestrahlung bevor, die ja auch nicht einfach die Resttumore beseitigt. Die werden nur am Wachsen gehindert, bestenfalls verkleinern sie sich in einem jahrelangen Zeitraum, oder bleiben gleich.

Ich halte es für ein zu großes Risiko, bei diesen Operationen und der Bestrahlung, die ja außer den Tumoren Ursachen für den Anfall waren und immer noch sind (Narben im Gehirn z.B.), das Levetiracetam auszuschleichen.

Du hast doch schon ein halbes Jahr des Fahrverbots geschafft. Wenn Du innerhalb des nächsten halben Jahres keinen Anfall hast, darfst Du wieder Auto, Motorrad, Fahhrad fahren.

Wenn Du das Levetiracetam ausschleichst, kann es wieder zu Anfällen kommen - und dann beginnt das Fahrverbots-Jahr von Neuem.

Ich würde Dir raten, die Bestrahlung abzuwarten, mit dem Fahren im Sommer wieder zu beginnen und Dich mit Deinem Neurologen unbedingt zu besprechen, ob es überhaupt bzw. wann es ratsam ist, das Mittel auszuschleichen.

Auch beim Verringern der Dosis wird wieder ein Fahrverbot von drei Monaten gelten.

Das könnte man selbst vielleicht nicht ganz so ernst nehmen, wenn die Anfälle, die man hatte, nicht mit Bewusstlosigkeit oder/und Sturz einhergingen, aber bei Dir war das ja nun einmal so! Und es ist noch nicht lange her und die Ursachen sind nicht beseitigt worden. Eventuell kommen weitere Ursachen durch die Bestrahlung hinzu.

Ich denke, dass Du durch einen Anfall am Steuer oder am Lenker Dich selbst nicht gefährden möchtest und schon gar nicht andere Personen!
Die Versicherung kann sich dann raushalten, aber Dein Gewissen nicht.
KaSy
KaSy
der Meister
10.02.2019 19:46:05Neu
Hallo Sgnip,
mein Meningeom war auch frontal rechts, jedoch recht Groß.
Ich hatte nach der OP bedingt durch einer Blutung eine 2. OP und in der Nacht 2 Anfälle (bedingt durch Blutung und dem Eingriff) und hatte ein halbes Jahr Fahrverbot vom Neurologen weiter soll ich bis 2 Jahre Levetiracetam 1250 mg 2 x täglich einnehmen, wenn ich jetzt mit Ausschleichen beginnen würde, hätte ich wieder für 6 Monate Fahrverbot.
Seither keine Anfälle.
Mittlerweile komme ich mit den Nebenwirkungen soweit zurecht, ist mir lieber als wieder Fahrverbot.
Weiteres unter Neuvorstellung in Meningeom.

Gruß Klaus
der Meister
Sgnip
11.02.2019 12:55:33Neu
Hallo KaSy ,
zunächst möchte ich dir sagen, dass ich mich über deine schnelle Antwort sehr gefreut habe. Natürlich hast du Recht. Es gibt keinen realen Grund , Levetiracetam nicht mehr zu nehmen , bzw. die Dosis zu reduzieren.
Bei mir ist das Meningeom aber nicht die einzige Baustelle.
Vor zwei Jahren wurden mir Stent`s in der Herzgegend gesetzt. Allein dafür nehme ich täglich 3 Medikamente ein.
Jetzt ist auch noch eine depressive Episode ausgebrochen, was weitere 2 Medikamente erfordert.
Ich möchte alles , was nicht zwingend erforderlich ist , nicht in mich hinein schütten!!
Das allein ist der Grund, warum ich nicht Levetiracetam als Dauermedikament nehmen möchte.
Der epileptische Anfall ist aufgrund einer Extremsituation entstanden!!
Ich hatte vorher und nachher keinerlei Anzeichen einer solchen Erkrankung.
Am kommenden Donnerstag wird die erste MRT nach der OP erfolgen.
Danach Besprechung mit dem Neurochirogen und dem Neurologen.
Da werde ich dieses Thema noch einmal ausgiebig diskutieren. Wenn beide Arzte mir raten , das Levetiracetam weiterhin zu nehmen, werde ich das selbstverständlich tun.
Ich hoffe nur , dass meine depressive Episode bald vorbei ist.
LG sgnip
Sgnip
KaSy
11.02.2019 14:02:31Neu
Hallo, sngip,

Ah, ich verstehe Dein Problem der zu vielen Medikamente.

Du hattest geschrieben, dass der Anfall durch zwei Meningeome ausgelöst worden war, demzufolge gibt es die von mir genannten bleibenden (!) Gründe für eventuelle weitere Anfälle weiterhin. Das Anfallsrisiko, das dadurch entstanden ist, lässt sich nur medikamentös senken. Dass Du keine weiteren Anfälle hattest, liegt daran, dass Du das Antiepileptikum nimmst!

Gegen Depressionen gibt es auch die Möglichkeit der Psychotherapie. In schweren Fällen kann diese mit Medikamenten ergänzt werden. Aber ich habe das Gefühl, dass bei Dir eine Psychotherapie ausreichen könnte. Das würde die Einnahme der beiden Sorten Antidepressiva überflüssig machen.

Außerdem kann Sport oder viel Bewegung an der frischen Luft die Depressionen senken. Das wird ja auch generell für Herzpatienten empfohlen. Könnte es sein, dass die Depressionen witterungsbedingt, winterbedingt, durch geringere Sonneneinstrahlung, durch Luftdruckschwankungen o.ä. entstanden ist?
Zur Zeit klagen viele darüber.
Aber die Tage werden länger, ab und zu gibt es längere Zeiten mit Sonne, das kann die Stimmung heben, wenn man rausgeht.

Bei Dir kommt ja leider das Fahrverbot dazu, also kannst Du nicht einfach mal mit dem Auto in freundliche Gegenden fahren. Das könnte auch die Laune vermiesen.

Als ich dieses (echt blöde) Fahrverbot hatte und nach den OPs wieder auf die Beine kommen wollte, hat mich das auch sehr genervt. Da schlug mir sogar jemand vor, ich solle mir einen mobilen Rollstuhl (oder wie das Ding heißt) kaufen, damit ich nicht unter dieser Immobilität so leide. Habe ich nicht gemacht, es war ja nur vorübergehend. Aber bei mir war da gerade Sommer und ich habe einen Garten. In der Nähe gibt es kleine Kulturangebote, die ich nutzte.

Denk mal drüber nach!

Jedenfalls würde ich Dir raten, eher die Antidepressiva auszuschleichen als das Risiko eines erneuten Anfalls + Fahrverbot in Kauf zu nehmen.

Ich war heute auch bei meinem Neurologen und wir haben uns den Laborbefund für Levetiracetam angeschaut. Der "Spiegel" ist im empfohlenen Bereich. Falls man die Dosis jetzt verringern würde, sagte er mir klar, ich dürfe dann wieder 3 Monate nicht Auto fahren, was ich ja wusste. (Lediglich, falls der Spiegel zu hoch ist, sollte man die Dosis senken.)
KaSy
KaSy
Sgnip
13.02.2019 12:01:29Neu
Hallo liebe KaSy,
zunächst möchte ich dir ein ganz dickes Lob aussprechen. Ich habe viele deiner Beiträge gelesen ( besonders die zu Stephan`s Krankengeschichte ) und stelle fest , dass du nicht nur einfühlsam sondern auch fachlich fundiert schreibst. Man könnte glauben, dass du sowas beruflich machst.
Nun zu meinem Prolem. Die Depressionsanfälligkeit begann im Jahr 2004 und hatte m.E. mehrere Ursachen. Geholfen haben mir Medikamente deren Wirkung erst nach ca. 3 Monaten erfolgte. Pyschotherpie war leider weniger erfolgreich, was natürlich auch an den bisherigen (4) Therapeuten liegen kann.
Als ich dann 2014 endlich meinen stressigen Beruf beenden konnte, hatte ich bis Januar 2019 keine weiteren deressiven Episoden.
Im Moment helfen mir neben den Medikamenten (Citalopram und Mirtazapin) vor allem mein zweijähriger Enkel, den meine Frau und ich 2x pro Woche aus der KITA abholen und lange Spaziergänge.
Morgen ist MRT Termin und Montag Besprechung mit dem Neurochirogen über die weiteren Maßnahmen. Hierzu werde ich berichten.
( das Thema Absetzen oder Ausschleichen von Levetiracetam werde ich nicht mehr ansprechen. Da bin ich jetzt ganz deiner Meinung ;-)
LG , bis bald , sgnip
Sgnip
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