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Thema: Eindellung Schläfenbereich/Muskelatrophie nach OP

Eindellung Schläfenbereich/Muskelatrophie nach OP
Raffaelo
29.08.2021 16:44:16
Hallo zusammen,ich bin hier neu im Forum. Kurz zu meiner Vorgeschichte.Ich wurde im Mai operiert und mir wurde ein Meningeom erfolgreich entfernt. Der Zugang erfolgte rechts durch die Schläfe, der Schnitt ging von Mittelscheitel bis zum rechten Ohr.Dabei musste der Kaumuskel durchtrennt werden,dieser wurde nach Beendigung der OP wieder vernäht. Die OP lief wie gesagt gut,der Tumor konnte komplett entfernt werden.Nach einer erwartungsgemäß eintretenden Gesichtsschwellung postoperativ hat sich ca.3 Wochen später eine Eindellung im Schläfenbereich ergeben,eine richtige kleine Kuhle ist da entstanden. Die ebenfalls entstandene eingeschränkte Kieferöffnung bessert sich mittlerweile Dank Physiotherapie. An der Delle ändert sich allerdings nichts,die ist unverändert.
Meine Frage wäre,wer von Euch kennt dieses "Problem" mit einem wohl atrophierten Schläfenmuskel bzw.einer Eindellung im Schläfenbereich? Kann mir jemand einen Rat geben was man noch unternehmen kann um den Muskel aufzubauen? Regeneriert sich der Muskel eventuell auch wieder,die OP ist ja noch nicht allzu lange her. Danke für Eure Hilfe,ich freue mich auf Ratschläge und Erfahrungsberichte zu dem Thema
Raffaelo
KaSy
29.08.2021 19:46:57
Liebe Raffaelo,
Du hast die Operation eines Tumors gut überstanden, der sich in Deinem Gehirn breit machte, das sollte Dir stets bewusst sein.
Nun hast Du zwei Fragen.

Der Kaumuskel musste durchtrennt werden, um an das Meningeom heranzukommen und es vollständig entfernen zu können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu Tumoren vorzudringen und auch für Deinen gab es sicher mehrere Wege, die verschiedene Schäden angerichtet hätten. Die Neurochirurgen entschieden sich für diesen Zugang, da sie sicher sind, dass der Kaumuskel wieder voll funktionsfähig werden wird.

Ich kenne dieses Problem aus mehreren OPs, wo ich ja vorher nichts essen durfte, mich auf das erste Brötchen freute - und dann bekam ich den Mund nicht auf, jedenfalls passte die Schrippe nicht rein. Die Ursache war wie bei Dir der durchtrennte Kaumuskel. Ich hatte mir gedacht, da ich ja sowieso essen muss, wird der Kaumuskel von ganz allein trainiert und irgendwann war alles wieder normal.

Bei Dir scheint es sich länger hinzuziehen. Aber ich denke, Du brauchst noch Zeit und dann wird es sich auch bei Dir wieder normalisieren. Ich habe einfach auf mich vertraut und es nicht mit Hilfe von außen herbeigekämpft. Das klingt jetzt nicht nett, aber ich glaube, dass Du vorwärts leben solltest, auch wenn etwas länger dauert.

Vielleicht liege ich auch falsch, aber ich nehme an, dass Du evtl. die erste MRT-Kontrolle mit der Auswertung beim Neurochirurgen bereits hinter Dir hast und diese Frage stellen konntest. Und wenn das noch nicht geschehen ist, dann kannst Du ja auch um einen Termin bitten. Denn ein bisschen lange kommt mir das schon vor.

Die andere Frage bezieht sich auf die Delle an der operierten Seite, wo direkt nach der OP das Gesicht und vermutlich auch die rechte Seite weitläufig um die Naht geschwollen war. Die Schwellung ist eine Folge davon, dass die Neurochirurgen "so gemein waren", Dein Gehirn und die Hirnhäute und die Kopfhaut stundenlang zu ärgern. Es wehrte sich dagegen, der Körper schickte seine Abwehrkräfte in Form von Wasser mit weißen Blutkörperchen dorthin. Als "die Gefahr für das Gehirn" vorbei war, wurde die "Heilkräftearmee" wieder abgezogen. Alles, was geschwollen war, hätte sich wieder normalisieren sollen.

Das tat es, aber nicht ganz.

Bei Dir ist ja nicht nur alles Mögliche aufgeschnitten und wieder zugenäht worden, sondern es wurde auch ein Teil des Schädelknochens herausgenommen und wieder eingesetzt. Außerdem verheilen diese recht langen Schnitte nicht so, dass man danach nichts mehr davon sieht. Es verbleibt eine (bei Dir hoffentlich hübsche schmale) Narbe. An dieser langen Stelle zieht sich die Haut zusammen, die vorher genau gepasst hat. Mehr ist nicht da.

Also wird diese Delle bleiben. Ich nehme an, dass sie durch Deine Haare verdeckt wird. Und wenn nicht, mach Dir eine andere Frisur oder geh einfach offen und stolz damit um, dass Du am Kopf operiert wurdest.

Es befindet sich übrigens rechts außen an der Schläfe kein "Schläfenmuskel", der atrophiert sein könnte. (Atrophie = Gewebeschwund) Diese Delle ist, so blöd sie aussieht, eigentlich ein kosmetisches Problem. Sie stellt keine Gefahr dar. Anderen fällt sie bestimmt gar nicht auf, nur Dir, die damit klarkommen muss. Und das wirst Du!

Ich habe nach meiner ersten OP auch gedacht, alle starren mich an, aber das war mein Gefühl, nicht das der anderen. So genau wie Du diese Delle spürst und im Spiegel siehst, guckt Dich kein anderer an. Machst Du ja auch nicht.

Wenn Du ernsthafte Sorgen und Fragen hast, dann kannst Du Deinen Neurochirurgen oder auch Deinen Hausarzt fragen.

Ich wünsche Dir einen weiterhin ruhigen Genesungsverlauf, bis Du wieder voll im Alltag angekommen bist und das Meningeom in den Hintergrund rückt.

KaSy
KaSy
Raffaelo
30.08.2021 06:56:48
Hallo KaSy,

vielen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung.Schöne Grüsse Raffaelo
Raffaelo
der Meister
30.08.2021 08:16:20
Hallo Raffaelo,
bei mir ist heute noch eine Vertiefung an der Narbe endlang zu sehen und mittig oberhalb hat sich auch eine Delle gebildet, welche wohl bleibt.
Auch die beiden Bohrlöcher sind soweit gut verheilt (sind deutlich spürbar, liegen seitlich im Haar), aber bereiten doch öfters Schmerzen, vor allem bei Wetterumschwung.
Was in diesem Jahr jede Woche ist.

Haare, die das verdecken könnten sind bei mir an der Stelle leider keine mehr.

Ich sage immer, da ich seit 32 Jahren glücklich verheiratet bin, muss ich ja keinen Schönheitspreis gewinnen.

Meine Frau und ich kommen gut damit zurecht, so auffällig ist es nun auch nicht (wenn man es nicht weiß).

Zu Deinem Kaumuskel - Thema kann ich leider nichts beitragen.
Dir alles Gute ...

Gruß Klaus
der Meister
Raffaelo
30.08.2021 13:06:19
Hallo Klaus,

lieben Dank für Deine Antwort. Ich muss das glaube ich mit der " Delle" nochmal kurz schildern. Also die fängt am Ende der rechten Augenbraue an und geht bis zum Haaransatz der Schläfe,somit weit weg von der eigentlichen Narbe. Aber ich werde gut damit Leben können,mich hat einfach interessiert ob es noch mehr mit diesem postoperativen Phänomen da draussen gibt und ob sich die Vertiefung evtl. mit der Zeit etwas zurückbildet. Auch ich habe das Glück einen tollen Partner mit viel Verständnis seit 20 Jahren an meiner Seite zu haben,das ist echt Gold wert. Freut mich,dass Du auch eine tolle Unterstützung seit so vielen Jahren hast,das ist ja heute schon fast was seltenes ;-). Danke für Deine Erfahrungen und eine gute Zeit weiterhin.
Raffaelo
flamme111
30.08.2021 15:46:41
Hallo Raffaelo,

ich hab auch so ne kleine Delle, Lage genau wie du sie beschreibst. Hatte auch den seitlichen Zugang bei OP. Stört aber kaum. Glaube nicht dass das noch weggeht, meine OP war 2017.
Kaumuskel ist wieder der alte geworden, nach einigen Physios.

Gruß Flamme
flamme111
der Meister
30.08.2021 16:40:19
Mit dem Einen oder Anderen werden wir wohl leben müssen.
Hätte ja auch schlimmer kommen können ...


Gruß Klaus
der Meister
Lou2211
30.08.2021 17:00:30
Geht es bei den Dellen von denen ihr schreibt um oberflächliche Schäden in die durch Haut und Muskelschäden zustande kommen oder entstehen sie weil dort aufgrund der OP ein Stück Schädeldecke fehlt oder anders steht als vorher??
Ich frage deshalb weil meiner Tochter, die vor 3 Monaten an einem
Astrozytom am Kleinhirn operiert wurde folgendes aufgefallen ist. Und zwar bildete sich kurz nach der OP ein Liquorkissen über der Narbe, jetzt wo dieses Weg ist kann man sehr deutlich eine Kante im Schädelknochen ertasten. Fast hat man das Gefühl, das da ein Stück Schädel fehlt?! Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht??
Lou2211
Raffaelo
30.08.2021 17:24:55
Hallo Flamme,

vielen Dank für Deine Rückmeldung, Dir weiterhin alles Gute.

Hallo Lou2211,

bei mir bezieht sich das eher auf den Muskel,ein Liquorkissen hatte ich nicht,da kann ich Dir auch leider nicht weiterhelfen.Alles Gut weiterhin für Deine Tochter
Raffaelo
Prof. Mursch
30.08.2021 20:33:14
Beim Eröffnen des Schädels wird der Muskel normalerweise vom Knochen abgeschoben, dann Löcher gebohrt und mit einer Fräse verbunden.
am Ende wird dann der Knochen wieder festgeschraubt und der Muskel drübergenäht. Man tastet oft die Bohrlöcher und den Frässpalt, grade, wenn kein Muskel drüber ist oder dieser sehr zart ist.
Wir lassen oft den Muskel am Knochen, da gibt es Tricks, aber tastbar ist und bleibt oft etwas.


Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
Raffaelo
30.08.2021 22:18:15
Hallo Herr Prof.Dr.Mursch, vielen Dank für Ihre Antwort.Leider verstehe ich den Inhalt im Zusammenhang nicht ganz,kann es sein,dass Texteile fehlen? Besteht die Chance,dass sich diese Delle nochmals normalisiert und mit der Zeit weniger tief ist?Lieben Dank für Ihre Antwort.
Raffaelo
Mummel
31.08.2021 10:20:49
Liebe Raffaelo

Bei mir ist die OPauch schon länger her und 2 Dellen sind geblieben. Ich kann damit gut leben zumal ich meine Frisur dementsprechend angepasst habe,mittlerweile gehört es zu mir ,vorallem weil alles hätte ganz anders ausgehen können zumal mein Untermieter schon eine beachtliche Größe hatte.
Meine Dellen sind auch nicht unmittelbar an der Narbe.Gib dir Zeit, bei jedem heilt es anders ab....das wird schon.
Liebe Grüße
Mummel
Lou2211
31.08.2021 13:51:19
Hallo zusammen,
Vielen Dank für die vielen schnellen Rückmeldung! Das es „normal“ ist das Dellen und Kanten fühlbar und auch optisch erkennbar bleiben beruhigt mich. Ich hatte im ersten Moment Angst, die für die OP herausgenommen und nachher wieder eingesetzte Schädelplatte wäre verrutscht.
Lou2211
Prof. Mursch
31.08.2021 21:56:19
Die Entwicklung der Dellen ist schlecht vorhersehbar.
Tasten wird man immer etwas, wenn man es weiß. Manchmal wachsen Dellen über die Jahre zu, das kann man aber nicht versprechen.


Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
Raffaelo
31.08.2021 22:01:43
Vielen Dank für Ihre nochmalige Rückmeldung . Schönen Abend,Grüsse Raffaelo
Raffaelo
Muriel
12.09.2021 23:49:15
Liebe Raffaelo,

ich bin auch ganz neu hier. Dies ist mein erster Beitrag.

Ich wurde im April 2021 am Meningeom operiert, das zum Glück gutartig ist und komplett entfernt werden konnte. Der Zugang erfolgte auf der linken Schädelseite, ich habe eine 30cm lange Narbe unterm Haaransatz. Auch bei mir ist der Kaumuskel durchtrennt worden.

Ich wusste das mit der Schädelschwellung alles nicht. Bei mir war es nach vier Monaten so, dass sich mein Schädel verformt hat. Ich sehe im Schläfenbereich links eine deutliche Eindellung; es handelt sich einmal um das Bohrloch, aber dann auch tatsächlich um eine Verformung des Schädels. Ich habe das Gefühl, dass mein Schädel insgesamt viel kleiner geworden ist. Deutlich kann ich die Kanten ertasten, wo die Schädeldecke abgehoben wurde. Ich habe jetzt, nach vier Monaten, Nervenschmerzen auf der Schädeldecke bekommen, die jetzt medikamentös behandelt werden.

Die Durchtrennung des Kaumuskels hat bei mir dazu geführt, dass ich in den ersten drei Monaten nicht mal einen Pingpongball in den Mund hätte nehmen können. Ich habe in der Reha den Tipp bekommen, den Mund so weit zu öffnen wie möglich und den Mund zehn Sekunden so unter Spannung zu halten. Das hat geholfen.

Bei der letzten Kontrolluntersuchung im August sagte der Neurochirurg, ich hätte eine Atrophie des Kaumuskels links, und er empfehle mir, Kaugummi zu kauen.
Muriel
Prof. Mursch
14.09.2021 08:10:35Neu
Sie sollten einmal einen Kieferorthopäden aufsuchen, um sich dort untersuchen und beraten zu lassen.

Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
Muriel
14.09.2021 09:08:28Neu
Sehr geehrter Herr Prof. Mursch,

herzlichen Dank für den Tipp mit dem Kieferorthopäden! Darauf wäre ich nicht gekommen, und es leuchtet mir unbedingt ein!

Liebe Grüße

Muriel
Muriel
Prof. Mursch
15.09.2021 12:11:51Neu
Es ist nicht so selten, dass kraniomandibuläre (Schädel-Kiefer) Imbalancen Beschwerden verursachen. Immerhin ist es der eingeschnittene Muskel, der den Kiefer bewegt und den Biss vollführt.

Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
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