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Thema: Erweiterte Biopsie als Op deklariert - Körperverletzung?

Erweiterte Biopsie als Op deklariert - Körperverletzung?
Ralf K.
29.01.2001 14:12:03
Meine Schwester (28) ist an einem Astrozytom (KM, links, 6x4x3 cm) erkrankt. Nach ihrer ersten Op. vor 3 Monaten, dachten wir, es ist überstanden (histologischer Befund: Astro II), aber es kam anders. Ihr allgemeiner Zustand verschlechterte sich, obwohl uns der Neurochirurg mitgeteilt hatte, dass die Operation erfolgreich verlaufen sei. Alles konnte er nicht entfernen, aber er habe versucht so viel es eben nur geht herauszunehmen. Auf den letzten MR-Bildern ist genau noch ein riesiger Tumor zu erkennen und die Konsultation einer anderen Klink ergab, dass dringend eine Op. durchführen werden soll. Nach der Op, erklärte uns der Neurochirurg, dass die Ärzte im anderen Klinikum niemals eine Operation durchgeführt haben - nur eine minimal, erweiterte Probebiopsie. Wir fragen uns nun, ob die erste Operation als "Deckel-auf und wieder zu -Methode" überhaupt nötig gewesen ist. Eine Op. ist nicht ohne Risiko und doch schon etwas belastend. Wann ist eine erweiterte Biopsie zwingend erforderlich?
Leider lautet nun die Histologie anaplastisches Astrozytom. Dankbar für
MfG
Ralf
Ralf K.
Prof. Piek
30.01.2001 14:28:57
So kritisch die augenblickliche Situation für Sie ist, sollte man doch im vorliegenden Fall versuchen, einen ruhigen Kopf zu behalten. Das Natürlichste wäre es doch, sich an den erstbehandelnden Neurochirurgen zu wenden und ihn mit der Aussage des anderen Kollegen zu konfrontieren. Ohne Kenntnis der Bilder und der genauen Abläufe zu haben, gibt es verschiedene mögliche Erklärungen:
1.) bei der ersten Operation ist wirklich eine ausgedehnte Resektion vorgenommen worden, der Tumor ist aber innerhalb der letzten 3 Monate rasch wieder nachgewachsen (gibt es durchaus; manche malignen Gliome "explodieren" förmlich in ihrem Wachstum innerhalb kurzer Zeit).
2.) bei der ersten Operation ist nur eine Tumorteilentfernung vorgenommen worden; die intraoperative Situation hat eine weitergehende Resektion nicht zugelassen, da ansonsten zusätzliche neurologische Ausfälle zu erwarten gewesen wären; der Operateur hat also gute Gründe für die Teilentfernung gehabt.
Wie gesagt: wenden Sie sich an den erstbehandelnden Arzt und sprechen Sie mit ihm über das Problem. Er sollte Ihnen eigentlich eine entsprechende, Sie befriedigende Auskunft geben können!
Prof. Piek
Ralf K.
30.01.2001 16:31:15
Lieber Prof. Piek,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe in der Situation damals versucht einen "kühlen" Kopf zu behalten und den erstbehandelnden Neurochirurg mit der Aussage des zweiten Neurochirurg konfrontiert. Der erstbehandelnde Neurochirurg hat mit der von Ihnen genannten 2 Variante geantwortet:
"... bei der ersten Operation ist nur eine Tumorteilentfernung vorgenommen worden; die intraoperative Situation hat eine weitergehende Resektion nicht zugelassen, da ansonsten zusätzliche neurologische Ausfälle zu erwarten gewesen wären..."

Der zweite Neurochirurg hat den Tumor ebenfalls nicht vollständig entfernen können, aber im Gegensatz zum erstbehandelnden NC, der nur 20% entfernte, konnten bei der zweiten Operation 70% des "MRT-sichtbaren" Tumoranteils ohne postoperative Ausfälle entfernt werden. Für mich ist nun nicht nachvollziehbar, warum man nicht gleich bei der ersten Operation den Grossteil des Tumors entfernt hat, auch wenn es damals ein vermeintlich niedriggradiges Astrozytom war, da man mit einer Transformation rechnen muss.

Der Punkt, der mich an der Sache etwas nachdenklich stimmt, ist - dass der erste NC nicht entsprechend darüber aufgeklärt hat, dass nur eine Teilentfernung vorgenommen wird, denn normalerweise konnte anhand der MR-Aufnahmen relativ gut das zu erwartende OP-Ergebnis eingeschätzt werden. Da man mit einer erweiterten Biopsie rechnen musste, oder "nur" diese geplant hatte, konnte man den Fakt auch mitteilen. Dann stellt sich aber wiederum die Frage, ob diese Biopsie unter Gesichtspunkten der "nicht vorhandenen" Symptomatik und der folgenden Therapieoptionen überhaupt erforderlich war.

Wann entscheidet sich der NC für eine stereotaktische Biopsie?
Ralf K.
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