www.hirntumorhilfe.de
Herzlich willkommen im Forum der Deutschen Hirntumorhilfe!

Thema: Facialiparese​

Facialiparese​
Sopran
12.05.2017 22:22:29
Ist es tatsächlich so, dass eine Nervenirritation in jedem Fall eintritt, wenn das AN bereits am Stammhirn anliegt?
Stimmt es, dass ein Gesicht nie wieder so symetrisch sein wird wie es vorher wahr?

Beste Grüße
Sopran
Sopran
Prof. Mursch
13.05.2017 08:12:26
Nein.
Die Störung des Nervus fazialis ("halbseitige Gesichtslähmung") durch die Operation ist um so wahrscheinlicher, je größer der Tumor ist, aber nicht zwangsläufig die Regel.
Wir sehen öfter Patienten, bei denen das nicht passiert, und wenn, sich auch zurück bilden kann.

Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
Sopran
13.05.2017 18:03:11
Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Professor!

Kann ich damit zu dem Umkehrschluss kommen je früher operiert wird desto geringer sind die Risiken von Nervenschädigungen?

Freundliche Grüße
Sopran
Sopran
alexm
13.05.2017 20:53:22
Hallo Sopran,
Jeder Fall ist natürlich anders - meine (zentrale) Facialisparese hat sich - bis auf eine leicht Asymmetrie des Gesichtes bzw. der Mundwinkel bspw. beim Lachen - fast vollständig zurückgebildet (....), alles Gute,
alexm
alexm
Sopran
13.05.2017 21:26:20
Vielen Dank alexm,

danke für Deine Mut machenden Worte.

Je tiefer ich in die Materie einsteige und je mehr Ärzte ich spreche um so größer wird meine Unsicherheit.
Jeder hat einen anderen Blick auf das MRT.
Anscheinend ist der Befund bzgl. der Größe des Tumors ungenau....

Beste Grüße
Sopran
Sopran
alexm
13.05.2017 21:46:44
als ich selbst - nach mehreren unterschiedlichen Meinungen - unsicher war - ob OP, Abwarten oder Cyberknife - habe ich mit der Kasse gesprochen, ob es Probleme geben würde und mir dann noch eine weitere Meinung eingeholt - wichtig finde ich zudem, daß ich in den Operateur Vertrauen habe- viel Glück!
alexa
alexm
Sopran
13.05.2017 22:23:13
Ja, das ist auch mein Weg.
Ich bin weiter auf der Suche.
Danke alexa
Sopran
Prof. Mursch
14.05.2017 08:17:33
Je kleiner ein Tumor ist, desto geringer ist gemeinhin das Risiko, wobei aber auch andere Dinge, wie die Lage am Nerven, eine Rolle spielen.
Das kann man nicht immer vorher planen.
Man sollte auch die Option der Radiochirurgie (Cyberknife) vorher abklären.

Prof. Dr. med. Kay Mursch
Neurochirurg
Zentralklinik Bad Berka
Prof. Mursch
Sopran
14.05.2017 09:13:57
Ist die Radiochirurgie tatsächlich eine Option für jemanden dessen Vater innerhalb von 19 Jahren nacheinander an 5 verschiedenen Krebsarten erkrankte?
Sopran
Sopran
14.05.2017 10:00:52
Ich Frage mich gerade, ob es ein Bildgebungverfahren gibt, das die Lage der Nerven aufzeigt.
Mit dem MRT wird ja lediglich der Tumor gezeigt, oder?
Oder ist es tatsächlich so, dass man erst genau Abschätzen kann wie die Situation sich darstellt wenn der Kopf geöffnet ist?
Sopran
asteri1
14.05.2017 13:57:58
Das Problem stellt sich, wenn der Tumor mit den Hirnnerv total verbacken ist. Hirnnerven sind etwa so dünn, wie eine Angelschnur und sie lassen sich oftmals vom Tumorgewebe nur schwer unterscheiden. Deshalb ist eine Strahlentherapie eine überlegenswerte Alternative, denn fokussiert durchgeführt, richtet sie weniger Schaden an.
asteri1
asteri1
14.05.2017 14:13:21
Deine Frage ob eine Radiochirurgie etwas für jemanden ist, dessen Vater an fünf verschiedenen Krebsarten erkrankt ist- ist etwas ungenau und deshalb nicht zu beantworten.
Nicht alle Krebsarten sind "vererbar". Die Bestrahlung eines Akustikusneurinoms führt zu keinem neuen "bösartigen" Tumorwachstum, wurde mir in der ambulanten Sprechstunde berichtet. Da man nicht oder nur erschwert ein Areal wiederholt bestrahlen oder in diesem operieren kann- kann sich die Frage bei einer schweren Form von Neurofibromatose stellen, eine Erbkrankheit, bei der es immer wieder zum Auftreten von Tumoren kommen kann.
asteri1
Sopran
14.05.2017 20:50:32
Meinem Kenntnisstand nach veränderte sich bei 6% der bestrahlten Personen der Tumor und wurde bösartig.

Das hat sicherlich auch etwas mit den Genen zu tun, die man vererbt bekommen hat.

Mein Vater hatte Lungenkrebs, Non Hodkins's Lymphoma, schwarzen Hautkrebs, Prostatakrebs und Bauchspeicheldrüsenkopf Krebs.

Da überlege ich schon, ob das dann eine schlechte Prognose mit sich bringt.
Sopran
Pomperipossa
16.05.2017 09:59:33
Hallo Sopran,

meine Erfahrung: Wie sehr die Nerven beschädigt/verwachsen sind, kann man erst sehen, wenn man den Kopf aufmacht.
Da spielt die Größe des Tumors nicht immer unbedingt eine Rolle. Aber prinzipiell gilt der Satz von Prof. Mursch.

In einer Ausgabe der Brainstorm wurden die Risiken bei einer AKN OP klassifiziert. Der Artikel war sehr lesenswert. Wichtig ist, dass bei der OP ein Monitoring der Nerven stattfindet.
Falls es doch zu Läsionen/Verletzungen kommt oder durch den Tumor bereits gekommen ist, kann postoperativ mit Hilfe von Logopäden/Physiotherapie eine Fazialisparese bearbeitet werden (zunächst mit Eis als starker Reiz und parallel mit den entsprechenden Übungen vor dem Spiegel nach Prof. Taub,
http://www.neuro24.de/hirnnerven_facialis.htm).

Bestimmt können Dir auch die regionalen Ansprechpersonen der bundesweiten Selbsthilfegruppe der AKN/NF2 Betroffenen weiterhelfen. Mehr unter www.akustikus.de

Das mit der Symmetrie ist auch immer eine Sache des Betrachters. Ich finde total symmetrische Gesichter langweilig und künstlich. Und Fazialisparese ist nicht gleich Fazialisparese. Natürlich ist eine Stufe VI Parese ein ganz anderes Kaliber als eine der Stufe I.

Für welchen Weg Du Dich auch entscheidest, ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.
Beste Grüße
Pomperipossa
Pomperipossa
Sopran
17.05.2017 00:35:04
Danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich grüße zurück.
Sopran
Sopran
NACH OBEN