**Ergänzung zum Beitrag über Pixclara (FET-PET) — FDA-Zulassung September 2026:**
Siehe Beitrag:
https://forum.hirntumorhilfe.de/neuroonkologie/tumor-oder-narbengewebe-21232.html
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Ist ein negatives FET-PET bei IDH-mutierten Gliomen wirklich aussagekräftig?
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Hallo zusammen,
ich möchte meinen früheren Beitrag über die FDA-Zulassung von Pixclara (18F-FET-PET) um einen wichtigen Hinweis ergänzen — denn die Genauigkeit dieses Bildgebungsverfahrens ist nicht bei allen Gliom-Patienten gleich. Das ist etwas, das viele wissen sollten, bevor wir zu hohe Erwartungen an dieses Verfahren haben.
**Was ist FET-PET eigentlich?**
18F-FET ist ein radioaktiver Marker, der bevorzugt von aktiven Tumorzellen aufgenommen wird — und zwar über spezielle Aminosäure-Transporter (LAT1 und LAT2), die in Tumorzellen stark erhöht sind.
Ein FET-PET-Scan kann daher helfen zu unterscheiden, ob eine veränderte Stelle im MRT echtes Tumorgewebe oder behandlungsbedingte Veränderungen wie Narbengewebe oder Strahlennekrose sind.
**Die wichtige Einschränkung: 20–30% der niedriggradigen IDH-mutierten Gliome sind FET-PET-negativ**
Laut den offiziellen ESTRO-EANO-Leitlinien für Strahlentherapie bei IDH-mutierten WHO-Grad-2-und-3-Gliomen gilt Folgendes:
Aminosäure-PET zeigt zwar eine Sensitivität von mehr als 90% für Gliome insgesamt, aber nur etwa 70% der niedriggradigen diffusen Gliome weisen eine erhöhte Aufnahme auf. Damit sind 20–30% dieser Gliome Aminosäure-PET-negativ — das heißt, sie zeigen im Vergleich zur Referenzregion keine erhöhte Aufnahme.
In einfachen Worten: Bei 2–3 von 10 Patienten mit einem IDH-mutierten Gliom Grad 2 oder 3 kann der FET-PET-Scan unauffällig aussehen — obwohl der Tumor tatsächlich vorhanden ist. Ein negatives Ergebnis bedeutet also NICHT automatisch, dass kein Tumor da ist oder dass der Tumor nicht aktiv ist.
**Warum ist das so? Die Biologie dahinter**
Etwa 30% der niedriggradigen und 5% der hochgradigen Gliome zeigen bei der Erstdiagnose keine erhöhte 18F-FET-Aufnahme — und der pathophysiologische Hintergrund dieses Phänomens ist noch nicht vollständig geklärt. In einer Studie mit 40 neu diagnostizierten IDH-mutierten Astrozytomen ohne 1p/19q-Kodeletion — also genau dem molekularen Profil vieler hier — waren 20 Patienten FET-PET-negativ und 20 FET-PET-positiv. Obwohl LAT1 als der wichtigste Transporter für die FET-Aufnahme in Tumorzellen gilt, korrelierten die LAT1-Expressionsspiegel in IDH-mutierten Astrozytomen nicht mit dem Grad der FET-Aufnahme.
Das bedeutet: Es ist nicht einfach so, dass "schlechtere" oder "weniger aktive" Tumoren FET-negativ sind. Der Mechanismus hinter der fehlenden Aufnahme ist komplexer und noch nicht vollständig verstanden.
**Noch wichtiger: FET-PET ist bei IDH-mutierten Tumoren weniger genau als bei IDH-Wildtyp-Tumoren**
In einer klinischen Studie zur Unterscheidung von Tumorprogression und behandlungsbedingten Veränderungen betrug die Genauigkeit von 18F-FET-PET bei IDH-Wildtyp-Tumoren 91% — bei IDH-mutierten Tumoren jedoch nur 67% (p < 0,001). Bei IDH-mutierten Tumoren war die PET-Diagnose in 33% der Fälle falsch — im Vergleich zu nur 9% bei IDH-Wildtyp-Tumoren.
In einfachen Worten: FET-PET funktioniert am besten bei aggressiven IDH-Wildtyp-Glioblastomen. Bei IDH-mutierten Tumoren ist es weniger präzise — mit einer Fehlerrate von bis zu einem Drittel der Fälle!
**Was empfehlen die offiziellen Leitlinien?**
Laut den gemeinsamen Praxisleitlinien der EANM/EANO/RANO/SNMMI gilt: Ein negativer Scan — also Aufnahme im Hintergrundbereich oder leicht darüber — schließt ein Gliom Grad III/IV mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Ein Astrozytom Grad I/II kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, da etwa 30% eine niedrige Aufnahme zeigen.
**Was bedeutet das für die Patienten konkret?**
Das bedeutet: Ein positiver FET-PET-Scan ist ein starkes Signal für aktives Tumorgewebe — das ist sehr hilfreich. Aber ein negativer FET-PET-Scan bei einem IDH-mutierten Gliom bedeutet nicht zwingend, dass alles in Ordnung ist. In diesem Fall muss der behandelnde Arzt weitere Informationen hinzuziehen — wie das MRT, klinische Symptome und den Verlauf im Vergleich zu früheren Aufnahmen.
Pixclara ist trotzdem ein wichtiger Fortschritt — vor allem für Patienten, deren Tumor FET-PET-positiv ist. Für die 20–30% mit FET-negativen IDH-mutierten Tumoren bleibt die Unterscheidung zwischen Tumorwachstum und Narbengewebe weiterhin eine Herausforderung.
**Quellen:**
ESTRO-EANO Leitlinien für IDH-mutierte WHO-Grad-2-und-3-Gliome (ScienceDirect):
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167814024035722
ESTRO-EANO Leitlinien (The Green Journal):
https://www.thegreenjournal.com/article/S0167-8140(24)03572-2/fulltext
LAT1-Expression in FET-negativen IDH-mutierten Astrozytomen (PubMed/PMC):
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8671595/
FET-PET-Genauigkeit bei IDH-mutierten vs. IDH-Wildtyp-Tumoren — Journal of Nuclear Medicine:
https://jnm.snmjournals.org/content/61/4/505
Gemeinsame EANM/EANO/RANO/SNMMI-Praxisleitlinien für PET bei Gliomen:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00259-018-4207-9
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Ich hoffe es hilft weiter, das Ganze besser einschätzen zu können!