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Thema: Gedächtnis trainieren / Erinnerungen festhalten durch Tagebuch o.Ä.

Gedächtnis trainieren / Erinnerungen festhalten durch Tagebuch o.Ä.
BatOutOfHell
09.07.2018 11:43:14Neu
Hallo alle zusammen,
konnte über die Suche keinen entsprechenden, bereits existierenden Beitrag finden, daher mache ich hierzu mal einen neuen Beitrag:

Seit der OP und allem (Oligodendrogliom; links; frontal, temporal und insulär; Teilresektion) - bzw auch schon davor habe ich es langsam gemerkt - ist mein Erinnerungsvermögen sehr viel schlechter geworden. Werde immer drauf hingewiesen, dass ich was schon mal gefragt oder erzählt habe oder dass man was schon gemacht oder erlebt hat, aber kann mich zum Teil dann gar nicht mehr dran erinnern, habe weder einen ungefähren Zeitraum in Erinnerung, noch Bilder, Gerüche, Worte oder sonst was von dem Erlebnis mehr im Kopf.

Meine Ärzte meinten, dass ich sonst wirklich konsequent immer Tagebuch schreiben sollte, um solche schönen Erlebnisse etc festzuhalten, damit sie nicht verloren gehen.

Doch alles immer klassisch per Hand aufzuschreiben, kostet viel zu viel Zeit und ich bin es leider gar nicht mehr gewohnt, nach einer Seite tut meine Hand schon so weh, dass ich aufhören muss.. Naja und so bleibe ich da leider nicht am Ball..

Es gibt aber ja mittlerweile auch Programme, dann sowas wie Smartwatches etc, alles Mögliche an Technik, um etwas Gesprochenes in Text umzuwandeln.

Hat wer von euch da gute Tipps/Empfehlungen, was gut funktioniert? Oder noch andere Ideen, um auf diese Weise eine Art "mündliches Tagebuch" zu erstellen, das dann verschriftlicht wird? Also möchte es schon in Textform haben und wie einen Kalender, wo ich dann durchscrollen kann und zb nachschauen kann, was ich an dem und dem Tag erlebt habe, was ich dazu gesagt habe usw. Man möchte ja nicht immer wieder irgendwelche Audiodateien durchhören bzw mag auch meine eigene Stimme nicht immer hören ^^

Eine Freundin hat erzählt, dass man zb bei diesen Smartwatches von Apple direkt immer mit so einer Memofunktion reinsprechen kann und dann wird das in Text umgewandelt und an das iPhone geschickt etc.. Aber habe erstmal kein iPhone und dann sind diese Smartwatches generell ja nicht gerade billig usw.. :-/

Würde mich sehr über eure Erfahrungen, Empfehlungen und Meinungen freuen. Und ja, natürlich kann man sich nicht alles merken und das Gedächtnis sortiert auch vieles aus, das es als unwichtig erachtet etc. Das weiß ich alles ;) Doch wovon ich hier spreche ist schon eine Nummer extremer und es macht mich sehr traurig, dass so vieles an schönem Erlebten einfach ruckzuck wieder weg ist.

Achso, gerne auch Tipps etc in Richtung Gehirn / Gedächtnis trainieren. Bin da auch offen für alles.

Danke schon mal und LG,
Fine
BatOutOfHell
styrianpanther
09.07.2018 12:37:27Neu
Hallo Fine, kenn das auch,

Die frage ist, woher kommen diese leistungsänderungen:folge tumor bzw. Lage, folge der Op, langfristig, unwiderruflich oder reparabel durch Schonung und training, usw. Oder ist es die Folge eines seelisches Überlastungssyndrom aufgrund der Erkrankung. Viele Ursachen , daher auch einige Gedanken hinsichtlich Verbesserung.

Nimmst du auch Antikovulsiva, keppra zb., kann sich meines Wissens nach auch pos. Auf die Hirnleistung auswirken. Zum üben verwende ich Lern- und Merkapps(neuronation z.B.) unterschätze die pos. Wirkung der Neuroplastizität nicht... unser Hirn lernt standig neu und auch um und kann gerade bei langsam wachsenden Tumoren noch ausgleichen.

Das gehirn entlasten tut auch gut, ich pers. habe pos. erfahrung mit tibet. Yoga, Qui Gong und Medidation...weniger ist oft mehr, spass und freude wirken auch entspannend

Chemo und bestrahlung haben da vielleicht auch ungünstige wirkungen., da kenn ich mich weniger aus, da ich bisher keine hatte.

Habe in der arbeit viel klientenkontakt Schreibe mir vieles nur in Stichworten bzw. Anhaltspunken auf, das geht dann gut , den rest kann ich dann super rekonstruieren. Und zusammendenken.

Mir hilft die kalendereapp calengoo, auch beim planen und geldausgeben. Dabei gibts eine mikrofunktion zum aufnehmen und mit text to speech funktion.
Meine Erfahrung war dass es einerseits durch Ruhe und weniger Stress, andererseits aber auch durch training besser wurde.

Ich habe einiges mit Epileptologen, Traumatherapeuten und psychologen mein Neuroonkolge war dahingehend leider zum vergessen.


Alles Gute

Styrianpanther
styrianpanther
BatOutOfHell
09.07.2018 13:55:58Neu
Hey,
Danke für die ausführliche Antwort :)
Also in meinem Fall kommt es durch die Lage des Tumors, so die verschiedenen Ärzte. Das mit der Kalenderapp hört sich gut an, werde mir das mal anschauen.

Und das mit diesen Lern-/Merkapps auch. Magst du mir da noch andere nennen? Werde gleich mal nach Neuronation im Playstore schauen. Habe ansonsten noch einen Nintendo DS und spiele immer "Dr. Kawashimas Gehirnjogging", aber auf Dauer ist das dann irgendwie "langweilig", weil die Zahl der Spiele bzw Übungen ja recht begrenzt ist.

Achso ja, nehme Keppra bzw deren "günstigere" Version Levetiracetam UCB. Je 1500mg morgens und abends. Nehme das aber schon seit Ende Dezember 2016, habe nicht das Gefühl, dass sich dadurch was geändert bzw verbessert hat.

Wenn es dann endlich ins Berufsleben geht, werde ich mir auf jeden Fall auch immer sorgfältig alles aufschreiben bzw natürlich versuchen, es bei Stichpunkten zu belassen, um Zeit zu sparen.. Hoffe ich finde einen netten Arbeitgeber, der da auch ein bisschen Rücksicht nimmt.

LG, Fine
BatOutOfHell
Pomperipossa
10.07.2018 11:17:40Neu
Hallo Fine,

willkommen im Forum. Styrianpanther hat Dir schon ein paar gute Hinweise gegeben.
Ich bin mehr der "haptische Typ". Nach der HT OP hatte ich ein Kurzzeitgedächtnis "wie eine Amöbe". Nichts behalten und das Denken ging sehr langsam. Das hing wohl mit den Hämatomen im Gehirn zusammen.
Mein Mann hat mit mir alte Spiele-Klassiker (nicht nur Memory), die Denkspiele der Yvio-Reihe (ob es die noch gibt, weiß ich nicht), Rate - und Rätselspiele gespielt. Wie beim Intervalltraining zunächst nur 15 Minuten am Tag und dann langsam steigern.
Nach 18 Monaten hatte ich das Gefühl, dass ich genauso schnell denken konnte wie vor der OP. Bei mir ist allerdings der Prozess - Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu transferieren - eingeschränkt. Da klaffen dann halt Lücken. Schriftliche Pläne helfen mir.

Falls Du auch mit Büchern arbeiten möchtest, kann ich Dir folgende empfehlen:
- Aufmerksamkeit und Konzentration gezielt trainieren von
Monika Kerntke, Verlag an der Ruhr
-Leichter lernen - besser denken von Sabine Kelkel, Verlag an der Ruhr

Wünsche Dir weiterhin viel Kraft, Geduld und Zuversicht
Beste Grüße
Pomperipossa
Pomperipossa
ahnungslos
11.07.2018 05:10:23Neu
Hallo BatOutOfHell,
ich habe zwei drei kleinere Denkspiel Apps auf dem Handy, die teilweise auch bei der Reha verwendet wurden. Zum Zeitvertreib nutze ich "Wort Guru" - Wörter aus bestimmten Buchstaben bilden, "unblock cars" - wird real in Rehas verwendet ("ausparken") und "Roll the Ball" - man muss Teile verschiebenum den Weg für den Ball frei zu machen.

Viele Grüße,
ahnungslos
ahnungslos
suace
11.07.2018 21:15:20Neu
Ich habe für meinen Mann zeitweise ein Fototagebuch geführt (er selber konnte es nicht mehr). Also einfach immer das Handy draufgehalten bei den Sachen die wir gemacht haben. Die Bilder habe ich ihm am nächsten Tag gezeigt damit er nicht so" verloren" ist. In dieser Zeit war das eine ganz gute Hilfe
suace
BatOutOfHell
13.07.2018 17:13:59Neu
Vielen lieben Dank euch allen für die Antworten :)
Habe jetzt eine App auf dem Smartphone (Universal Tagebuch) mit der ich so weit ganz zufrieden bin. Kann da via Google u.a. auch Sprachnachrichten machen, die dann in Text umgewandelt werden, das funktioniert in der Regel ganz gut ^^ Ist ganz praktisch, wenn man mal keine Lust auf die Tipperei hat. Oh und Bilder kann ich da auch hinzufügen.

Benutze jeden Tag die (kostenlose Version der) Neuronation App zum Trainieren, das macht Spaß. Werde da auf jeden Fall noch ein paar weitere Apps ausprobieren.

LG
BatOutOfHell
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