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Thema: Gibt es Alternativen zu Lyrika und Gabapentin ?

Gibt es Alternativen zu Lyrika und Gabapentin ?
Clematis
25.01.2016 12:36:43
Hallo,
im April 2015 wurde ein Ependymom aus meinem Rückenmarkskanal in Höhe C4/5 rausoperiert. Seitdem habe ich starke Mißempfindungen in den Beinen und im rechten Arm. Ich habe schon Lyrika und Gabapentin ausprobiert. Weil ich von beiden Medikamenten so zugenommen habe, habe ich es wieder abgesetzt. Ich bekomme auch starke Magenschmerzen mit Übelkeit. Ich möchte also keine Medikamente nehmen, versuche dies ja schon seit einem Vierteljahr. Es gibt aber Tage da sind die Empfindungsstörungen schwer auszuhalten. Dann stelle ich mir die Frage - komme ich doch nicht ohne Tabletten aus ???

Ich bin noch krankgeschrieben, weiß auch nicht wie ich mit meinen Beschwerden den Weg zur Arbeit schaffen soll. Mein Körper wehrt sich gegen Schuhe und Kleidung. Sobald ich Schuhe anziehe, spüre ich meine Füße nicht mehr.
Hat jemand die gleichen Erfahrungen gemacht nach der OP ?
Was gibt es für Alternativen ?
Werden diese Mißempfindungen verschwinden ?

Ich bekomme kaum Physiotherapie, muß ständig danach betteln.
Eine ambulante REHA ist beantragt - meine größte Hoffnung auf eine Besserung.

Danke für Eure Antworten.

Liebe Grüße Heike
Clematis
Pomperipossa
25.01.2016 13:35:29
Hallo Heike,

für die REHA drücke ich Dir die Daumen und hoffe, dass sich Deine Situation mit dieser Unterstützung stabilisiert und bessert.

Schmerzmittel sind halt keine 'Smarties'. Bei manchen Patienten fallen die NW heftiger aus. Daher ist es wichtig abzuwägen und zu entscheiden, was bringt mir das Medikament in Bezug auf meine Schmerzen und was muss ich dafür in Kauf nehmen. Es geht immer um die eigene Lebensqualität.

Lyrica und Gabapentin sind erprobte Schmerzmittel, aber eben nicht für jeden geeignet. Carbamazepin hat sich ebenfalls in der Schmerztherapie bewährt.
Manche Ärzte verschreiben auch Antidepressiva mit dem Wirkstoff Amitriptylin. Das ist aber meistens mit einer sehr starken Gewichtszunahme verbunden.

Hast Du die Möglichkeit, eine Schmerzambulanz in einem Krankenhaus aufzusuchen? Mir hat das in meiner Situation als postoperativer HT-Patientin mit neurologischen Kollateralschäden sehr geholfen. Überzeugt hat mich der ganzheitliche und individuelle Ansatz. Dadurch habe ich neben der Medikation von Schmerzmitteln und Physiotherapie den Einsatz von Hypnose als Mittel der Schmerzbewältigung kennengelernt. Aber auch diese Maßnahme muss ausprobiert und getestet werden.

Vielleicht schaust Du Dir unter www.dgss.org den Patienten-Schmerzfragebogen und die Leitfäden der Deutschen Schmerzgesellschaft an.

Privat habe ich zudem eine gute Cranio-Sacral-Therapeutin/Osteopathin gefunden. Das muss ich aber selber bezahlen. Meine Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

Wünsche Dir weiterhin viel Kraft, Geduld und Zuversicht.
Beste Grüße
Pompi
Pomperipossa
Clematis
03.02.2016 15:11:24
Hallo Pompi,

danke für Deine Antwort. Ich war schon 2x in einer Schmerzklinik. Erst jetzt im Januar. Dort wurden alle möglichen Messungen gemacht. Meine Neurologin meinte, dass es bei den Messungen eine leichte Verbesserung gibt. Es würde eben ganz lange dauern bis sich die Nerven wieder regenerieren. Ja wenn ich wüßte dass die Zeit alles wieder heilt, dann würde ich nicht so ungeduldig sein und so deprimiert. Damit ich die Nervenschmerzen aushalte, soll ich Tabletten nehmen. Mit Lyrika und Gabapentin hatte ich es schon versucht. Von beiden habe ich so zugenommen und bin auch noch nicht wieder von dem Gewicht runter, weil ich mich ja so schlecht bewegen kann. Nun hat man mir Cymbalta vorgeschlagen. Ich nehme es noch nicht. Ich weiß nicht was ich machen soll! Kennst Du das Mittel ? Ich warte auch noch auf meine ambulante REHA. Vielleicht bringt mir das alles mehr als Tabletten. Die Erfahrungsberichte von Cymbalta sind so erschreckend , dass ich gar nicht damit anfangen möchte. Ich bekomme demnächst Schmerz-Infusionen. Muß ich auch selbst bezahlen. Da bekommt man schon wenig Krankengeld und trägt für viele Medikamente auch noch die Kosten selbst.
Die Krankheit ist doch schon schlimm genug, man bekommt auch noch finanzielle Probleme.

Dir wünsche ich auch alles Gute und liebe Grüße
Clematis
Pomperipossa
03.02.2016 17:09:03
Hallo Heike,

"Nerven sind wie Diven. Launisch, zickig und schreckhaft." - so hat mein NC es nach der OP nett beschrieben. Nerven wachsen sehr langsam - 1mm im Monat. Daher ist das Wort Geduld hier in wirklich ganz langen Zeiträumen zu verstehen.

Nerven sind sehr unterschiedlich in ihrer Beschaffenheit. Nach meiner HT-OP wurde mir gesagt, dass bzgl. der neurologischen Schäden frühestens nach 6 Monaten eine belastbare Aussage getroffen werden kann.

Wenn Deine Neurologin sehen kann, dass es eine Verbesserung gibt, ist das eine gute Entwicklung. Wie gesagt, es ist ein mühsames und langwieriges Geschäft. Und leider auch ein teures.

Gibt es Umstände/Tage an denen die Schmerzen weniger heftig ausfallen - kannst Du Veränderungen (pos./neg.) feststellen? Hast Du vor allem mit den Taubheitsempfindungen zu kämpfen und bist dadurch in Deinem Bewegungsraum eingeschränkt?

Für Cymbalta gilt das Gleiche wie für Lyrica, Gabapentin, Carbamazepin, Tilidin usw. - es ist ein erprobtes Mittel, aber nicht für jeden geeignet.
Ich bin mit der extremen Müdigkeit nicht zurecht gekommen. Nach Absprache mit meinem Arzt wurde dann ein anderes Medikament probiert.

Lass' Dich bitte nicht von den Berichten zu Cymbalta im Internet abschrecken. Aber Du sprichst einen wichtigen Punkt an: die eigene Einstellung zur gewählten Behandlung.
Auch ich wollte es zunächst ohne Schmerzmittel probieren. Nach 2 Jahren habe ich mich in der Reha von den Fachkräften beraten lassen, es doch auf einen Versuch ankommen zulassen.

Nach langer Suche und einigen Sackgassen (heftige NW der Medikamente) bin ich nun auf eine Kombination aus Palexia und Gabapentin eingestellt.

Für mich sind die Schmerzmittel "Krücken" für die geschädigten Nerven; also Hilfsmittel für das Erreichen einer bestimmten Lebensqualität.

Die Kraft oder Stärke der Resilienz muss jeder für sich selbst herausfinden. Da gibt es kein 08/15 Schema. Ich wünsche Dir, dass die Schmerz-Infusionen ein Hilfsmittel für Dich sein können und dass die Reha Dir weitere Unterstützung geben wird.

Beste Grüße
Pompi
Pomperipossa
Rohan
11.06.2018 12:14:17Neu
Hallo zusammen
bei mir stellten sich Nervenschmerzen erst nach ca. 3 Monaten nach der Gehirntumoroperation ein. Der tennisballgrosse Tumor konnte restlos entfernt werden. Der Neurochirurg ist sehr zufrieden mit dem Verlauf.
Ich und der Neurologe hingegen weniger.. Die OP war im Januar 2017. Meine Nervenschmerzen werden seit Juni 17 eher stärker als schwächer. Die ganze rechte Körperseite, vom Kiefer bis zu den Zehen.
Akupunktur, Lyrica (3 Monate) und Gabapentin (3 Monate), am Schluss ziemlich hoch dosiert, haben keinerlei Wirkung gezeigt, wenigstens auch keine Nebenwirkungen.
Jetzt bin ich bei Duloxetin (Antidepressiva) angekommen. Nehme es aber erst 1 Woche. Merke bis jetzt aber auch gar nichts.
Hat jemand Erfahrung damit? Dass einfach nichts nützt? Muss ich den Rest meines Lebens mit chronischen Schmerzen leben?
Liebe Grüsse, Rohan
Rohan
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