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Thema: Glioblastom

Glioblastom
Thomas[a]
12.02.2001 19:36:43
Wer hat Erfahrungen mit dem "Schwerionenbeschuß" an der Uni Heidelberg bzw. der "Nanotherapie" an der Berliner Charite ?
Thomas[a]
Gerhard[a]
12.02.2001 23:34:44
Hallo Thomas,
mit Erfahrungen zum "Schwerionenbeschuß" kann ich leider nicht dienen. Ich habe aber die Charite angeschrieben und daraufhin das nachstehende Mail bekommen.

Mfg
Gerhard

"leider muß ich Ihnen mitteilen, dass die neue Therapie-Option einer "Hyperthermie mit magnetischen Flüssigkeiten", engl. "Magnetic Fluid Hyperthermia" (MFH) noch nicht einsatzfähig ist. Dies liegt an behördlichen, aber auch administrativen und technischen Problemen, die wir so nicht vorhersehen konnten. Das für das neue Verfahren notwendige und sehr aufwendige Therapiegerät befindet sich an der Charité nachwievor erst im Aufbau.
Die "Magnetic Fluid Hyperthermia" (MFH) wurde in meiner Arbeitsgruppe in einer über 10-jährigen Grundlagenforschung von den physikalischen Grundlagen über umfangreiche biologische Untersuchungen (Zellen, Gewebe, Versuchstiere) zum heutigen Stand der "klinischen Reife" gebracht. Bisher liegen jedoch keinerlei klinische Erfahrungen vor ! Entsprechend sind derzeit auch noch keine Aussagen möglich, ob eine Wirksamkeit des Verfahrens überhaupt auftreten wird (!) und ob die vorgesehenen methodische Vorgehensweise praktikabel ist (analog den ermutigenden Ergebnissen im Tierversuch) und vor allem welche Nebenwirkungen bzw. Risiken dabei zu erwarten sind. Nach meiner Kenntnis gibt es auch keine andere Einrichtung, an der das Verfahren weiter fortgeschritten ist. Es gibt international einige wenige Arbeitsgruppen, die aufgrund unserer Forschungsergebnisse sich in jüngster Zeit ebenfalls mit der Methode beschäftigen,- jedoch ist dort eine klinische Anwendung erst recht noch in weiter Ferne.
Zum Zeitplan: ich erwarte die Fertigstellung des Magnetwechselfeld-Therapiegerätes (das erste dieser Art weltweit) noch in diesem Jahr. Das Studienprotokoll ist zur Zeit jedoch noch nicht fertiggestellt und das Votum der Ethikkommission muß danach auch noch abgewartet werden. Derzeit können noch GAR KEINE Behandlungen am Menschen stattfinden, weil das Gerät noch nicht fertig ist. Da das Gerät das erste dieser Art weltweit sein wird, ist es durchaus möglich, dass auch technische Probleme mit dem Prototypen den Beginn der klinischen Studien weiter verzögern können. Dies ist auch der Grund, weshalb ich Ihnen derzeit keinen präzisen Beginn der Studie angeben kann (nicht vor Herbst 2001,-eher später).
Prinzipiell soll es ausschließlich (!) um die Behandlung bestimmter Hirntumoren, den Glioblastomen (Astrozytom Grad IV) gehen und zwar im Sinne einer lokalverstärkenden Therapie mit konventioneller chirurgischer Intervention plus Bestrahlung plus Hyperthermie. Da die Tumoren nicht vorbehandelt (vorbestrahlt oder chemotherapiert) sein dürfen, werden voraussichtlich nur Patienten in Frage kommen, die erst in Zukunft diagnostiziert werden, sofern die Methode dann schon zur Verfügung steht.
Ich bedaure sehr, Ihnen nichts besseres mitteilen zu können. Es gibt leider keine Möglichkeit, solche komplexen Entwicklungen schneller voranzutreiben, als dies zur Zeit in meiner Arbeitsgruppe geschieht. Da die Presse eine solche Entwicklung verständlicherweise nur in stark vereinfachter Form wiedergeben kann, kommt es oft zu Missverständnissen, die ich einfach nicht verhindern kann. So ist z.B. der Unterschied zwischen einer "...in Zukunft vielleicht einmal verfügbaren Methode", deren Wirksamkeit beim Menschen bisher völlig offen ist", sicher etwas anderes, wie die eher verkaufsfördernde Überschrift "Neue Methode zur Bekämpfung von Hirnkrebs". Es tut mir aufrichtig leid, dass ich hier zu dem Zeitpunkt Ihnen keine besseren Nachrichten übermitteln kann.


MfG


Dr. Andreas Jordan
Gerhard[a]
Marc[a]
13.02.2001 08:10:42
Hallo Thomas, beide Therapien wurden noch nicht gegen Gliome eingesetzt und vorerst ist dies nicht möglich. In bezug auf die Glioblastomtherapie gibt es darum keine Erfahrungen. Beide Technologien sind sehr kostenintensive Verfahren. Um den Aufwand bzw. die Fördermittel zu rechtfertigen hat man die Themen in den Medien hochgespielt. Die Hoffnung, die man in diesem Zusammenhang vermittelte, ist zwar lebenswichtig, aber die Recherche kann einen viel Zeit und Nerven rauben, zumal bei der Glioblastomtherapie gegen die Zeit gespielt wird.
Marc[a]
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