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Thema: Glioblastom

Glioblastom
Tanja[a]
11.10.2000 11:48:16
Bei meiner Großmutter (71 Jahre) wurde ein Glioblastom festgestellt.
Jedoch sieht der Arzt keinerlei Chance für eine OP. Eine Bestrahlungstherapie wird seiner Meinung nach viel zu beschwerlich und wird die Lebenserwartung nur minimal verlängern.
Er hat uns eine noch verbleibende Lebensdauer von ca. 12 Monaten prognostiziert.
Jedoch bin ich nach meiner Internet-Recherche sehr verunsichert, da bei Patienten ohne jeglich Therapie allzu oft nur von wenigen Wochen oder Monaten gesprochen wird.
Worauf müssen wir uns einstellen?

Außerdem hat uns der Arzt nicht darüber aufgeklärt, was nun auf uns als Familie zukommt. Welches Leid wird meine Großmutter ertragen müssen und wie können wir ihr die noch verbleibende Zeit etwas erleichtern? Evtl. müssen wir ja auch eine Vollzeit-Pflege beantragen, da ich als Enkelin berufstätig bin und mein Großvater (73) auch nicht mehr ganz allein in der Lage ist,für sie da zu sein, da er selbst gesundheitliche Probleme hat.

Wer kann mir mit ein paar Infos weiterhelfen??
Tanja[a]
Hans Kimmer
11.10.2000 14:43:03
Liebe Tanja,
mir fallen nur 5 Erklärungen für die Aussage des Arztes über die Lebenserwartung ein:

1. Er hat keine Ahnung von Glioblastomen und deren Therapie.
2. Es ist ein Mini-GBM (wenige Millimeter).
3. Er hat positiv gedacht bzw. wollte Euch die Wahrheit etwas schonender beibringen.
4. Vielleicht kennt er einen Ort, wo GBMs auch ohne Therapie etwas länger leben =).
5. Oder du hast Dich verhört =(.

Am wahrscheinlichsten ist Punkt 3 - gefolgt von Punkt 1. Unabhängig von der Aussage des Arztes würde ich an Euerer Stelle schnellstens eine zweite Meinung einholen (z.B. von Dr. Weber, Neurochirurgie Uni-Düsseldorf). Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass Glioblastome bei ihrer Diagnose oft über 3 cm im Durchmesser groß sind - wenn man Glück hat. Oft sind sie größer und noch dazu an einer Lokalisation, wo eine Operation nicht unbedingt sinnvoll ist, maximal eine Entlastungs-Op oder die Operation zur Vorbereitung einer Folgetherapie. Die Behandlung richtet sich nach dem Allgemeinbefinden Deiner Großmutter. Es gibt nicht nur OP und Bestrahlung als Optionen. Die Frage, ob die Bestrahlung sinnvoll ist, sollte ein Strahlentherapeut beantworten. Frage einen Neuroonkologen nach anderen Therapiemöglichkeiten, wie Chemotherapie, Agiogenesehemmer etc. und nach klinischen Studien. Besorge Dir das Buch "Diagnose und Therapie primärer Hirntumoren" -> http://www.hirntumor.net/FORMULAR.HTM Warum? In diesem wird die Therapie eines 65 jährigen Glioblastom-Patienten diskutiert. Sehr informativ! Viel Glück! Am sinnvollsten ist natuerlich die Teilnahme an der Informationsveranstaltung der Deutschen Hirntumorhilfe.
Hans Kimmer
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