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Thema: Glioblastom: Breaking News: Fortschritte in der Behandlung

Glioblastom: Breaking News: Fortschritte in der Behandlung
Max P.
17.09.2017 09:51:17
Neue Therapiekombination und neuer Standard in der Glioblastom-Behandlung?

15.09.2017, synexus,studien.de

Bemerkenswerte Resultate lieferte eine aktuelle Phase-III-Studie bei der Behandlung des Glioblastoms. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Rahmen der Jahrestagung der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft am 15.09.2017 vom Studienleiter Prof. Dr. med. Ulrich Herrlinger aus Bonn vorgestellt. Die Kombination der herkömmlichen Chemo-Behandlung mit einem weiteren Chemotherapeutikum hat zur signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens bei Glioblastompatienten mit methyliertem MGMT-Status geführt.

Die Standardtherapie des Glioblastoms beinhaltete bisher die weitestgehende neurochirurgische Entfernung des Tumors und eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie gefolgt von sechs Zyklen Temozolomid-Chemotherapie.

In einer einarmigen Phase-II-Studie zeigte sich die Kombinationstherapie CCNU und Temozolomid für MGMT positive Patienten als hocheffektiv und der Temozolomid-Monotherapie weit überlegen (2009). Schon in dieser Veröffentlichung wurde festgestellt, dass die Kombination von Strahlentherapie, CCNU und Temozolomid vielversprechende Langzeitüberlebensdaten bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom lieferte und eine Intensivierung der Chemotherapie durch CCNU mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zusätzlichen Überlebensvorteil aufweisen kann.

Infolgedessen wurde 2011 für neudiagnostizierte MGMT-methylierte Glioblastome eine weiterführende Untersuchung mit der Bezeichnung NOA-09, die CeTeG-Studie, gestartet. Dabei wurde die Wirksamkeit der CCNU/Temozolomid-Kombinationstherapie in einer randomisierten multizentrischen Phase-III-Studie ermittelt und von 2011 bis 2014 über 140 Patienten an 17 deutschen Zentren eingeschlossen.

Der vermutete Überlebensvorteil bei Anwendung dieser Chemo-Kombination hat sich nun, für die mediane Gesamtüberlebenszeit, bestätigt. Bei Patienten, die zusätzlich mit CCNU behandelt wurden, zeigte sich ein signifikanter Anstieg des Gesamtüberlebens im Vergleich zur Gruppe nur mit Temozolomid-Monochemotherapie. Die mediane Überlebenszeit betrug bei Patienten, die zusätzlich CCNU erhielten, 46,9 Monate im Vergleich zu 30,4 Monaten in der Kontrollgruppe mit Monochemotherapie.
Max P.
Pittiplatsch
17.09.2017 12:53:50
Das klingt ja Mal vielversprechend! Danke Max für den Artikel!
Pittiplatsch
königin
17.09.2017 18:05:55
Das klingt hoffnungsvoll. Ginge das auch in Kombination mit einer metronomischen Chemotherapie?

Beste Grüße Heike
königin
Klara79
17.09.2017 22:42:23
Ich finde, das hört sich sehr vielversprechend an, aber ich verstehe es leider nur teilweise. Könnt ihr mir bitte helfen? Mein Mann mit Glioblastom (inoperabel) befindet sich gerade in Radio-Chemo (noch 10 Tage Bestrahlung), danach dann weiter Chemo. Soll / muss diese neue Kombination schon während der Bestrahlung eingenommen werden, oder macht es dann auch noch Sinn, das Temodal mit dem CCNU nach der Bestrahlung einzunehmen? Vor drei Jahren hatte mein Mann allerdings schon mal Chemo mit CCNU. Da hatte er allerding noch ein Astrozytom Grad II ... Vielen Dank, vor allem auch für den Artikel!!
Klara79
tomtom0674
18.09.2017 20:09:52
Ich würde hinsichtlich der Nebenwirkungen von Lomustin (=CCNU) eher etwas vorsichtig optimistisch sein.

Lomustin ist ein Nitrosoharnstoff der stark knochenmarkstoxisch sein kann (starker Rückgang der weißen Blutkörperchen). Darüber hinaus kann es Probleme mit der Lunge und/oder Niere geben und bei Langzeitanwendung kann es zu Sekundärmalignomen kommen.

Man wird entsprechend prüfen müssen, ob ein Patient von CCNU profitiert oder ob die Risiken von Nebenwirkungen zu groß sind.
tomtom0674
Neon
18.09.2017 21:17:20
CCNU ist neben den Nitrosoharnstoffderivaten BCNU, ACNU und MCNU sehr gut bekannt. Es ist eines von drei Medikamenten der Chemokombination PCV (Procarbazin+CCNU+Vincristin). Eine Chemotherapiekombination, die seit über 40 Jahren in der Hirntumortherapie eingesetzt wird.
Neon
Tammy
18.09.2017 22:34:20
Hallo, weiß jemand von euch denn warum bei der Studie nur Patienten mit Methylierung des MGMT Promotors untersucht wurden. Kommt die Medikamentenkombination denn bei Nichtmethlierung nicht in Frage? LG Tamy
Tammy
alma
19.09.2017 01:24:09
Es wurde mal gesagt, dass TMZ nur bei Methylierung wirkt. Was andererseits durch die Erfahrung mit Nichtmethylierung widerlegt ist. Ich bin nicht auf dem Laufenden, was jetzt wirklich gilt.
Vielleicht müsste man für diese Gruppe auch eine Studie machen, was wahrscheinlich noch nicht passiert ist.

Und zu Klara:
Da die Studie ganz neu ist, wissen wir hier noch nichts über die praktische Umsetzung. Man kann zu dem Studienleiter sicher Kontakt aufnehmen. Oder bei den behandelnden Ärzten fragen, ob sie die Studie kennen und nach diesem Schema therapieren würden.
alma
Neon
19.09.2017 06:32:14
@Tammy: Die Medikamentenkombination wurde beim Glioblastom mit MGMT-Methylierung getestet, weil in der Voruntersuchung bei dieser Untergruppe am ehesten ein Effekt vermutet wurde. Ein unmethyliertes MGMT ist kein Ausschlusskriterium für eine Chemotherapie, nur die Wahrscheinlichkeit ist hier in der Gesamtheit etwas geringer, dass die Behandlung mit Temozolomid effektiv ist.
Neon
Klara79
19.09.2017 09:40:44
Liebe Alma, danke für die Nachricht! Wir haben für Freitag ohnehin einen Termin beim behandelnden Professor zum Thema Methadon und werden dann auch gleich zu diesem Thema nachfragen (der Tumor meines Mannes ist methyliert). Ich bin mir sicher, dass der Professor die Studie kennt. Vielleicht kann ich dann auch der Runde am Freitag Näheres berichten.
Klara79
Logossos
19.09.2017 10:33:13
Die guten Ergebnisse mit CCNU/TMZ wurden auf der NOA-Tagung in München bekanntgegeben. Eine ausführliche Darstellung der Tagungsergebnisse mit Angaben zu vielen weiteren Studien findet man auf der Hauptseite der Hirntumorhilfe in der Rubrik Aktuelles: NOA- Fortschritte in der Glioblastom-Therapie: https://www.hirntumorhilfe.de/service/medizin-und-forschung/news-details/article/noa-fortschritte-in-der-glioblastom-therapie/

Was die Frage von CCNU/TMZ bei fehlender Methylierung betrifft, so kann man auf der homepage der NOA nachschauen: http://www.neuroonkologie.de/studien dort heißt es zur CeTeG Studie: "Einsgeschlossen wurden nur Patienten, bei denen ein methylierter MGMT-Promotor im Tumor nachgewiesen werden konnte. Dies beruht darauf, dass in einer einarmigen Vorstudie (UKT-03, Glas et al., J Clin Oncol 27:1257-1261, 2009) nur in dieser Subgruppe Hinweise für eine Effektivität der Kombinationstherapie gefunden wurden."

Und in der Beschreibung der Studie unter clinicaltrials.gov heißt es deutlich: " ...while patients with a non-methylated MGMT did not have any benefit,.."

Einzelheiten zur Studie auch unter glioblastom-studien dot de und den Unterseiten darin.
Logossos
tomtom0674
19.09.2017 14:10:40
Die Informationen zu den Studien auf der glioblastom-studien-Seite sind sehr interessant aber einige Aussagen des Seitenautors geben mir doch zu denken.

Er fordert z.B.: "Man muss zusätzlich etwas gegen den Tumor tun, z.B. mit Methadon, CUSP9, lokaler Ozon-Sauerstoff-Therapie, Photodynamik. Die Standard-Therapie allein funktioniert nicht. Wenn möglich mehreres gleichzeitig."

Und beklagt sich, dass Ärzte nicht immer auf den "individuellen Heilversuch" eingehen und Therapien außerhalb der Leitlinien anbieten.

Es ist richtig, dass Ärzte im Rahmen der Therapiefreiheit einiges tun können aber im Gegensatz zu der Aussage, dass Ärzte aus Angst vor Haftungsansprüchen keine individuellen Heilversuche unternehmen halte ich für zu einseitig.

Was der Autor übersieht ist, dass die ärztliche Tätigkeit sich an einer gewissen Berufsethik orientieren muss. Und ein grundlegendes Prinzip ist das "primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare", was so viel heißt wie: "Erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig vorgehen und drittens heilen."

Insbesondere muss man sich den ersten Punkt als Arzt gut überlegen, d.h. schade ich mit einer therapeutischen Intervention dem Patienten eher als dass ich ihm helfe?

Aus diesem guten Grund gibt es Studien, um unter kontrollierten Bedingungen neue Ansätze zu testen.

Natürlich kann man argumentieren, dass in dieser Situation auch egal ist, ob etwas hilft oder nicht, hauptsache man hat alles unternommen und nichts unversucht gelassen, gegen den Krebs zu kämpfen. Es ist aber leider nicht so, dass alternative Methoden nicht nur vielleicht keine Wirkung haben nach dem Motto "schaden tut es nicht aber wenn es hilft, dann hilft es" sondern auch Nebenwirkungen, die den Verlauf und die Lebensqulität negativ beeinträchtigen können.

Und genau aus diesem Grund muss man an das "primum non nocere" denken, insbesondere wenn man die "Leitlinien" verlässt und individuelle Heilversuche unternimmt. Ist das was ich mache wirklich gut für meinen Patienten?

Ich bewundere Patienten, die bereit sind in Studien mitzumachen und damit auch gewisse Risiken für eine zusätzliche Beeinträchtigung der Lebensqualität bei wahrscheinlich begrenzter Lebenszeit eingehen.

Ein Satz der mich wirklich immer wieder beschäftigt kommt von Cicely Saunders: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben." - leider kommen wir irgendwann zum größten Teil einmal in die Situation, wo dieser Satz auf einmal sehr großes Gewicht bekommt.
tomtom0674
Neon
21.09.2017 20:34:32
Ich glaube, der Seitenbetreiben möchte Patienten einfach nur dafür sensibilisieren, sich über klinische Studien und individuelle Heilversuche zu informieren.
Neon
Schnupfel
22.09.2017 07:42:14
@tomtom0674

Ich sehe das eher so wie der Seitenbetreiber und habe bisher auch festgestellt, dass Ärzte sich mit Hände & Füßen wehren sobald die schulmedizinische Schiene "erweitert" werden könnte.

Sie tun so als ob sie in Haftung genommen werden könnten und vergessen gerne, dass hier keine amerikanischen Verhältnisse herrschen.
Und auch die "Berufsethik" wird nur theoretisch bemüht und wird in der Realität nur als Feigenblatt benutzt!

Ich weiß nicht, ob das nur in Deutschland so ist, ärgere mich aber regelmäßig, dass fast alle Publikationen - hier insbesondere zum Glioblastom - fast ausschließlich in englischer Sprache existieren und eben auch nur im dortigen Sprachraum publiziert werden. Die Informationen hier sind weitestgehend rar - nicht umsonst ist z.B. dieses Forum hier DER Anlaufpunkt und wie man lesen kann, sind die Probleme, denen sich Patienten & Angehörige ausgesetzt sehen, ziemlich gleich in den unterschiedlichsten Ecken des Landes. Zu oft ist zu hören, dass diese Erkrankung zu selten ist, als das man mehr erwarten könnte.

Wenn Du schreibst, dass du die Patienten bewunderst, die sich in eine Studie begeben, weil sie damit gewisse Risiken eingehen - staune ich eher über diese Ansicht. Meine Betrachtungsposition ist da eher diametral.

Die Patienten bekommen ja nicht etwa ein Medikament, was ihnen abträglich ist. Und ich weiß auch nicht, was du meinst, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt würde - sie sind unter besonderer Aufmerksamkeit der Mediziner, ihr gesamter Gesundheitszustand wird akribisch 'überwacht', Kontrolluntersuchungen sind konzentrierter und häufiger und im Zweifelsfall wird sofort gehandelt. Das sind alles Punkte, die ein Normalpatient nicht hat.

Und gerade Unsicherheit und Unwissen führt häufig eher zu Angst (auch im Umgang mit der Krankheit & dem Patienten), die eben auch die Lebensqualität beeinflusst und eher zu Quantität an Tagen führt als zu Qualität weniger Tage.

Ich würde mir auch wünschen, dass die Ärzte mit den Forschern mehr zusammen arbeiten und gemeinsam die besten Varianten für die Menschen, die dieses "Schicksal" zugeteilt bekamen, anfassen.

Wenn die sich gegenseitig ausbremsen, weil einfach der Mut fehlt, auch mal was Neues auszuprobieren, statt an althergebrachten Dingen festzuhalten, könnte man vielleicht weiter sein.

Und erstaunlicherweise schaut man nicht so gerne über den Teich, obwohl man dort wesentlich aktiver an Lösungen arbeitet und auch flexibler ist, was Alternativen angeht. Da möchte ich nur mal an die Cannabis-Geschichte erinnern... hier tut man gerne auch noch so, als ob man einen Glioblastom-Patienten vor einer eventuellen Sucht bewahren müsste und kommt auch z.B. bei der Methadon-Story auf die Idee mit den Nebenwirkungen (Verstopfung!) zu argumentieren - bei der Prognose, die ein solcher Patient hat, wirkt das allenfalls lächerlich, aber riecht nicht mal annähernd an "Berufsethik".
Schnupfel
Zyla
23.09.2017 21:19:25
Hallo Gemeinde,
aktuell von der Neurologentagung zum Thema. Dr. Herrlinger stellte die Daten der NOA-09 vor. Die Studie verglich die Standardtherapie des methyliertem Glioblastoms aus Operation, Radiochemo und 6xTemodal (aller vier Wochen) mit den Ergebnissen der neuen Therapie aus Operation, Strahlenchemotherapie (erster Zyklus Chemo TMZ/CCNU in der ersten Woche) gefolgt von 5xTMZ/CCNU aller sechs Wochen nach der Strahlentherapie:

Medianes Gesamtüberleben in Abhängigkeit von Zeit und Therapie:

(t) TMZ vs. TMZ/CCNU

1y OS: 84% vs. 89%
2y OS: 65% vs. 71%
3y OS: 42% vs. 57%
4y OS: 31% vs. 49%
5y OS: 28% vs. 34%

medianes Gesamtüberleben im Vergleich mit anderen Studien:

(30m vs. 47m) TMZ vs. TMZ/CCNU (NOA-09: MGMT meth.)
(21m vs. 31m) TMZ vs. TMZ+TT-F (EF-14: MGMT meth.)
(18m vs. 20m) TMZ vs. TMZ+BNCU-Wafer
(17m vs. 21m) TMZ vs. TMZ+TT-F (EF-14: < 65 Jahre)
(16m vs. 21m) TMZ vs. TMZ+TT-F (EF-14)
(15m vs. 17m) TMZ vs. TMZ+TT-F (EF-14: MGMT unmeth.)
(15m vs. 12m) TMZ vs. Rad (Stupp)
(14m vs. 17m) TMZ vs. TMZ+TT-F (EF-14: > 65 Jahre)


Ein klares GO für die Kombi aus Temozolomid und CCNU. Die Effektivität der Kombi war besser als die Monochemotherapie und die Nebenwirkungen moderat. Glioblastompatienten mit methyliertem MGMT sollten ab sofort mit der Kombi aus Temozolomid und CCNU behandelt werden, sofern die Voraussetzungen dafür bestehen. Nicht auszudenken, wenn die Kombination extra mit D,L-Methadon einen zusätzlichen Effekt hätte.
Schönen Abend.
Zyla
tomtom0674
24.09.2017 12:03:20
@Zyla

Wie sieht das Patientenkollektiv in der Studie aus? (Einschlusskriterien?)

Wie hoch sind die Fallzahlen (n) in den einzelnen Gruppen?

Wurde neben den OS-Werten auch die jeweiligen Signifikanzniveaus (p-Werte) angegeben?
tomtom0674
tomtom0674
24.09.2017 12:20:52
@Schnupfel

Ich sehe das nicht in erster Linie als eine Frage der Haftung oder genereller Ablehnung von "Alternativen" neben der "Schulmedizin".

Es ist doch die eher die Frage was ist sinnvoll für den Patienten in seiner jeweiligen Krankheitssituation. Und das ist nicht einfach zu beantworten. Als Hilfestellung gibt es Leitlinien.

Darüber hinaus gibt es eine Menge an Informationen, die nur schwer zu filtern sind. Aber wenn man sich auf die Suche macht wird man sich doch vernünftigerweise einige Fragen stellen, zB:

Wie viel Erfahrung gibt es mit einer Methode? Wie wurde diese Erfahrung gewonnen?

Wie viele Studien gibt es, wie wurden diese Studien konzipiert und welche Aussagen wurden getroffen? Kritisch: manche Aussagen lassen sich nicht von den Studiendaten ableiten, werden aber dennoch getroffen. Also, wie belastbar sind diese Ergebnisse? Interessant wird es auch, ob solche Ergebnisse reproduzierbar sind. Aus diesem Grund sind dann Metaanalysen sehr hilfreich.

Ich bleibe bei meiner Aussage, dass ich Teilnehmer von Studien bewundere, da die Teilnahme an einer Studie nicht nur Chancen sondern auch Risiken beinhaltet da man auch immer Neuland betritt. Aus diesem Grund werden die Patienten auch ausführlich über die möglichen Risiken bei der Teilnahme an einer Studie aufgeklärt...

Mut zum Risiko ja gerne. Was ich aber oft erlebe ist, dass man gerne nur die Chancen wahrnimmt und die Risiken beiseite schiebt - davor warne ich.

Bei einer infausten Prognose ergreift man jeden Strohhalm der sich einem bietet - das ist mehr als verständlich. Wofür ich aber kein Verständnis habe ist, wenn man dann mit der Not der Menschen - und das passiert leider häufig im "alternativen" Bereich - Geschäfte macht und z.T. auch Heilsversprechen gibt. Insofern ist der kritische Blick auf "alternative" Methoden durchaus gerechtfertigt und ich komme wieder zu meinem Fragen von weiter oben - wie viel Erfahrung gibt es mit einer Methode und vielleicht ganz banal - wie viele Menschen wurden schon mit einer Methode nachweisbar geheilt? Wenn ich über den großen Teich blicke gibt es dort durchaus auch "Krebs-Ärzte" die mit Heilungsraten > 90% (zB. bei Pankreas-Ca) werben. Allerdings bleiben die regelmäßig den Nachweis schuldig "geheilte Patienten" nachweisen zu können.

Insofern lohnt sich ein kritischer Blick auf "sensationelle" Meldungen - gerade auch oder insbesondere bei so schweren Erkrankungen wie dem GBM!
tomtom0674
Schnupfel
24.09.2017 18:54:51
@tomtom0674

Es geht hier nicht um "Alternativ" gegen "Schulmedizin" und hier muss Niemand einen wissenschaftlichen Diskurs führen. Das machen die Wissenschaftler ....

Fakt ist hier, dass CCNU eine anerkannte Chemo IST, TMZ genau so und es gibt ja auch noch andere Varianten. JEDE Chemo IST GIFT! Da ist keine gesünder......

Es ist eigentlich eine logische Schlußfolgerung, dass man unter den anerkannten Therapien auch "Kreuzungen" durchführt und testet! Und man kann sicher davon ausgehen, wenn es eine Studie in die Phase III geschafft hat, gab es sicher geprüfte Ergebnisse zu den vorhergehenden Studien.

Scharlatane gibt es überall und das jetzt vorzuschieben, finde ich nicht ganz fair - gerade bei GBM-Patienten.

WAS haben die denn überhaupt für eine Wahl? Und nein, Studien - man kann davon ausgehen, dass hier keine wilden Studien passieren - sind sicher mutig für die Patienten - allerdings eher für die, die die Placebos bekommen........

Ich rege mich eher darüber auf, dass viele - besonders Hirntumorpatienten - weitestgehend im Regen stehen gelassen werden und eben von der angeblichen Lebensqualität, die man ihnen "ermöglichen" will, das wenigste qualitativ ist, wenn sie um alles und jedes "kämpfen" müssen und wenn es nur gute Informationen sind....
Wenn Du es nicht glaubst, lies hier im Forum kreuz und quer durch die Beiträge und Themen.
Schnupfel
Logossos
26.09.2017 09:36:12
@ tomtom0674

Sie schreiben:
Aus diesem guten Grund gibt es Studien, um unter kontrollierten Bedingungen neue Ansätze zu testen.

“Primum non nocere“ : Um dieser Verpflichtung nachzukommen zu können, soll es Studien geben?

Wirklich ?

In randomisierten Studien wird die Hälfte der Patienten von dem angestrebten Therapieerfolg ausgeschlossen. “Primum non nocere“ gilt für diese Patienten nicht.

Von den 140 Patienten der CeTeG Studie haben 70 Patienten nicht die CCNU/TMZ –Behandlung erhalten. Diesen Patienten wurde die mediane Lebensverlängerung von 30,4 Monaten auf 46,9 Monate verwehrt, ihnen wurde Lebenszeit genommen. Primum non nocere ?

Bleibt da noch etwas übrig von der von Ihnen für Studien in Anspruch genommenen Berufsethik?

logossos
Logossos
Neon
26.09.2017 13:25:44
Bei der seltenen Diagnose und bekannter Prognose sollte jeder Patient an innovativen, klinischen Studien teilnehmen.

Problem des CeTeG-Themas ist die Übergangszeit, der Übergang vom Fortschritt in die Praxis. Die möglichen Erfolge der CeTeG-Studie sind nicht erst seit heute bekannt. Unter der Voraussetzung, dass sich die Resultate der Langzeitauswertung reproduzieren lassen, bekommen Patienten mit methyliertem MGMT trotzdem meist nur die Standardtherapie mit Monochemotherapie in der Primärtherapie angeboten. Ich unterschlage einmal die Patienten, die aus Verzweiflung für eine Behandlung mit den Tumortherapiefeldern rekrutiert werden. BTW, was nützt das beste Studienergebnis dem Patient, wenn dieses dem Arzt nicht bekannt ist und es darum nicht zur Anwendung kommen kann. Ein Grund mehr bei dieser Diagnose eine Zweitmeinung vom Experten einzuholen.
Neon
Smarty66
26.09.2017 14:14:01
@Neon
Wenn du dir den Themenbereich "Glio" anschaust, ist das Glioblastom nicht wirklich selten.
Das andere ist, überhaupt in eine Studie hereinzukommen. Da gibt es ja jede Menge Ausschluß- und auch Einschlußkriterien, die nicht jeder erfüllen kann. Auch das eigene Befinden spielt eine Rolle.

Und dann ist ja überhaupt nicht sicher, ob man die Therapie verträgt bzw. anschlägt und welche Nebenwirkungen man selbst spürt und ggf. auch "ertragen" kann. Und man sollte ja auch an solchen Studien teilnehmen wollen.

Außerdem denke ich nicht, daß jeder Betroffene durch die Kliniken/Ärzte immer über geplante Studien, die sie betreffen, informiert werden. Wäre zu schön.

Die Studien, wenn sie denn stattfinden, muß man ja normalerweise selbst suchen. Und dann die Ärzte ansprechen. Und es wollen. Und vertragen.
Und ob dann diese Studie einem persönlich hilft und dann eine hoffentlich längere und vor allem gute Lebenszeit hat, weiß schlussendlich auch keiner.


**************************************************************************************
Diagnose Glioblastom 7/14 links frontal und inoperabel.
MRT's sind bis jetzt stabil !
Seit 14.9.17 neue Diagnose: Anaplastisches Oligogendrogliom WHO III.
Smarty66
Majak
26.09.2017 14:36:52
@Logossos/Smarty66

Die Teilnahme an einer klinischen Studie garantiert keinen Therapieerfolg, das ist richtig. Aber man kann garantieren, dass Patienten im Rahmen einer klinischen Studie mindestens genauso gut behandelt werden wie außerhalb, d.h. den Patienten wird durch die Teilnahme an der Studie keine etablierte Therapie vorenthalten.
Inwiefern die in der Studie getestete Therapie wirksam ist, soll ja gerade durch den Vergleich der unterschiedlich behandelten Gruppen erwiesen werden. Einen anderen Weg gibt es für diesen Beweis nicht.

Der Vorteil der Studienteilnahme besteht zudem in der engmaschigen klinischen Kontrolle. Insofern wird größter Wert darauf gelegt, dass einem Patienten durch die Teilnahme an der Studie kein Nachteil entsteht. Über zusätzliche Nebenwirkungen, die eventuell auftreten können, erfolgt im Vorfeld eine Aufklärung und der Patient erklärt vorab seine Einwilligung.
Majak
Kotkab75
26.09.2017 18:22:07
Hallo zusammen,

wir haben letzte Woche die Studie bei unserem Onkologen angesprochen und gefragt ob diese bei meinem Mann in Frage käme. Ihm war die Studie zwar bekannt genaue Ergebnisse kannte er aber noch nicht, (Der Bericht hier war gerade 3 Tage alt) Er hat sich gewundert, dass jetzt schon im Internet etwas darüber stand. Normalerweise dauert es wohl bis zum halben Jahr bis die Empfehlung offiziell wird und viele Patienten haben diese Zeit nicht. Deshalb hat er sich jetzt genauer über die Studie erkundigt und nach einem Zyklus nur Temozolomid auf die Kombi CCNU/Temozolomid umgestellt. Er sagte an unsere Stelle würde er es auch mit dieser Kombi versuchen. Die Dosierung ist jetzt:
100 mg/m² CCNU 1x am ersten Tag
100 mg/m² Temodal 1x an 5 Tagen.
Kotkab75
Schnupfel
26.09.2017 19:50:42
@Kotkab75

Vielen Dank für diese aktuelle Info!

Kannst du noch sagen wie die TMZ-Therapie vorher dosiert war?
Schnupfel
Kotkab75
26.09.2017 21:36:29
300 mg und sollte eigentlich auf 400 mg gehen. Durch die zwei Wirkstoffe hat sich das geändert...
Kotkab75
Neon
26.09.2017 21:39:49
Der Unterschied zur Standardtherapie ist auch, dass Temozolomid bei der Kombitherapie nicht nur etwas niedriger dosiert wird, sondern die Chemo (Temozolomid/CCNU) aller sechs statt vier Wochen verabreicht wird. Die erste Chemo-Kombi wird nur in der ersten Woche der Strahlentherapie gegeben, nicht wie bei der alten Standardtherapie parallel zur Strahlentherapie.
Neon
Schnupfel
27.09.2017 06:36:06
Vielen Dank für eure Infos.
Schnupfel
Majak
27.09.2017 09:14:58
Um sich über laufende und geplante klinische Studien zu informieren, bietet der Hirntumorinformationstag der Deutschen Hirntumorhilfe (21.10. in Berlin) eine sehr gute Gelegenheit. Dort werden 8 Ärzte sprechen, die zu dem Thema Auskunft geben können.

https://forum.hirntumorhilfe.de/hirntumorinformationstag-anmeldung.html
Majak
Majak
02.10.2017 20:55:51
Ich hoffe, diese Studienergebnisse werden bald offiziell bestätigt. Wenn das so zutrifft, ist das wirklich ermutigend. Denn einmal mehr würde sich zeigen, dass Fortschritte möglich sind, ohne das Rad ganz neu erfinden zu müssen - schließlich sind beide Medikamente schon lange bekannt. Daran sieht man, wie wichtig es in Zukunft sein wird, Tumore auch molekular sehr genau zu untersuchen, um Subgruppen zu finden, die gute Chancen haben, auf eine bestimmte Therapie anzusprechen. Und das müssen vielleicht gar keine ganz neuen, experimentellen Dinge sein, sondern Medikamente, die man schon kennt und in Zukunft einfach zielgerichteter einzusetzen lernt.
Majak
Smarty66
03.10.2017 13:47:05
Dies steht auf der Internet-Seite der NOA (www.neuroonkologie.de/studien/abgeschlossen).

NOA-09 / CeTeG-Studie
Randomisierte Phase III-Studie zur kombinierten CCNU/Temozolomid (TMZ)-Therapie vs. Standard Temozolomid-Therapie in der Primärtherapie von Patienten mit neudiagnostiziertem MGMT-methyliertem Glioblastom. Status der Studie 07/2014: Rekrutierung abgeschlossen (04/2014), 141 Patienten rekrutiert, mindestens 2-jährige Nachbeobachtungszeit läuft.

Status der Studie: abgeschlossen
Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulrich Herrlinger (Bonn)

Die BMBF-geförderte CeTeG-Studie untersucht, ob zusätzlich zu einer Standard-Radiotherapie eine kombinierte CCNU/TMZ-Therapie einer Standard-TMZ-Therapie (Stupp-Schema) bezüglich des Gesamtüberlebens überlegen ist. Einsgeschlossen wurden nur Patienten, bei denen ein methyliertem MGMT-Promotor im Tumor nachgewiesen werden konnte. Dies beruht darauf, dass in einer einarmigen Vorstudie (UKT-03, Glas et al., J Clin Oncol 27:1257-1261, 2009) nur in dieser Subgruppe Hinweise für eine Effektivität der Kombinationstherapie gefunden wurden.
Von 06/2011 bis 08/2014 wurden 141 Patienten in 17 deutschen Zentren eingeschlossen (1:1 Randomisierung). Eine Auswertung des primären Endpunkts Gesamtüberleben wird protokollentsprechend frühestens 04/2017 (2 Jahre nach Rekrutierungsende) erfolgen.

Von der Auswertung dieser Studie habe ich (noch) nichts lesen können. Und Standard ist bis jetzt i.d.R. Temozolomid. Wenn die Kombi von CCNU und Temoz. gut ist, sollte sie bei denn Ärzten "landen", damit dann wirklich alle davon profitieren.

LG

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Seit 14.9.17 neue Diagnose: Anaplastisches Oligogendrogliom WHO III.
Smarty66
tomtom0674
03.10.2017 22:31:23
@Smarty66

- eine Phase III Studie mit 141 Patienten.

Bevor man aus den Ergebnissen allgemeingültige Schlüsse zieht, sollte man sich einige Dinge an der Studie anschauen. Ich weiß nicht ob das im Detail schon publiziert worden ist oder nur auf dem Kongress Ergebnisse vorgetragen wurden.

Was mich interessiert ist zB:

- Einschluss- und Ausschlusskriterien, d.h. wie wurde rekrutiert? Wer konnte in die Studie und wer nicht? Was waren zB Ausschlusskriterien? Durch solche Kriterien findet eine Selektion der Patienten statt und davon hängt dann auch die externe Validität so einer Studie ab, d.h. gilt diese Aussage auch außerhalb des untersuchten Kollektivs?

- Wie wurde randomisiert, bzw. wie wurden die beiden Vergleichskollektive gebildet? Wer kam in die CCNU-Gruppe und wer nicht? Sind beide Gruppen balanciert?

- Wie sehen die Signifikanzniveaus aus?

- Wurden neben Gesamtüberleben auch andere Endpunkte betrachtet? Wie sah es mit der progressionsfreien Zeit in beiden Armen aus? Gibt es da einen Vorteil bei CCNU?

- Wie sieht es mit der subjektiven Lebensqualität der Betroffenen unter CCNU aus (zB Betrachtung der QUALY)?

Ich weiß, dass sich das wieder liest wie ein "Spielverderber" oder "Bremse" aber es kommt eben nicht nur auf die reine publizierte verbesserte OS an, die sofort wieder Hoffnungen weckt, sondern ob diese Hoffnungen auch trotz aller Euphorie berechtigt sind!

Will heißen: lassen sich diese Ergebnisse im klinischen Alltag auch so reproduzieren bei akzeptablem Nebenwirkungsniveau?

Das werden wir erst wissen wenn wir die entsprechenden Anwendungserfahrungen gesammelt haben (141 Patienten sind nicht wirklich viel). So wie ich das mitbekomme wird das Thema von Patienten jetzt verstärkt angefragt und es ist durchaus so, dass das Thema auch bei den Ärzten landet und auch aktuell in Therapiepläne mit einfliesst.

Eine kritische Haltung gegenüber neuen Ergebnissen halte ich dennoch nicht für verkehrt. Wenn ich einen Therapievorschlag mache, dann möchte ich vorher möglichst genau wissen worauf sich der Patient einlässt, d.h. was kann ich gutes tun und was kann schief gehen?
tomtom0674
tomtom0674
03.10.2017 23:19:02
@logossos

Da Sie hier soweit ausholen noch ein paar Bemerkungen zu Studien...

Studien werden gemacht, um den Effekt einer alternativen Methode zum Standard zu untersuchen. Natürlich ist das Ziel Alternativen zu finden, die "besser" als der Standard sind aber dieses Ergebnis steht erst dann fest, wenn man die Studie durchgeführt und ausgewertet hat.

Sie stellen das so dar, als ob bei Studien bewusst die Hälfte der Patienten von einer besseren Therapie ausgeschlossen werden, bzw. dass Patienten Lebenszeit genommen wurde, weil sie nicht in den Arm der Studie mit der neuen Therapie aufgenommen wurde.

Ist Ihnen eigentlich klar, dass es auch sehr viele Studien gibt, die vorzeitig abgebrochen werden müssen - nicht weil es im Studienarm mit einer neuen Therapie so überzeugende Erfolge gibt - sondern weil mit der neuen Therapie das Ergebnis signifikant schlechter als mit der Standardtherapie ist!

Das sind Dinge, die man nicht oder nur sehr selten in der Tagespresse liest oder die auch nicht gerne in Foren diskutiert werden! Erfolge kommen besser an, aber dass man auch viele Dinge in den Sand setzt auf dem langen Weg dahin und dass man in Studien manchmal auch das Gegenteil erreicht, das wird nur allzu gerne ausgeklammert oder verdrängt. Des Weiteren werden Fehlschläge weitaus seltener publiziert, sodass es hier auch in der Literatur eine Verzerrung gibt.

Ich erinnere mich an eine Studie zum malignen Melanom wo man mit einer frühen Immuntherapie versucht hat das Überleben zu verbessern. Die Ergebnisse im Gesamtüberleben im Studienarm mit der neuen Therapie waren so schlecht im Vergleich zur Standardtherapie, dass man diesen Arm schließen musste! Was erzählen Sie diesen Patienten/Angehörigen? Dass sie leider auf das falsche Pferd gesetzt haben???

Das ist nur ein Beispiel.

Ich will für ein paar grundlegende Dinge sensibilisieren und dem "Studienhype" ein paar Argumente gegenüber stellen über die man nachdenken sollte.

Wenn Sie an einer Studie teilnehmen und eine neue Therapie ausprobieren, dann kann das sein, dass Sie davon profitieren, es kann aber auch sein, dass es nicht klappt, im schlimmsten Fall sogar schlechter ausgeht als mit der Standardtherapie.

Natürlich hat man als Behandler/Forscher eine Idee oder Vorstellung davon, wie eine neue Therapie besser wirken könnte. Da man das aber a priori nicht weiß macht man eine Studie. Aber nur weil es die Studie gibt, heißt das noch nicht, dass die untersuchte neue Therapieform die bessere ist - wenn man das schon wüsste bräuchte man die Studie nicht mehr. Dieses Argument, dass eine Studie auf jeden Fall besser ist, ist wahrscheinlich nur emotional zu verstehen?

Ich habe in meinem Berufsleben bisher viele neue Ansätze gesehen. Manche sind erfolgreich gewesen wie zB die immer besser werdende Antikörper-Therapien. Aber es gab und gibt auch viele Versuche, die keinen Erfolg hatten. Und das wird von einigen gerne verdrängt/ignoriert aber es ist leider so: nicht alles was man ausprobiert, funktioniert auch so, wie man das gerne hätte!

Und daher der Appell: Informieren Sie sich über Studien! Versuchen Sie neben den Chancen auch die Risiken zu hinterfragen und wägen Sie dann für sich ab. Bleiben Sie kritisch und legen Sie Ihre Prioritäten fest.

Und ich bleibe dabei: Nicht alles was man theoretisch machen kann ist auch in der Praxis sinnvoll.
tomtom0674
Smarty66
03.10.2017 23:25:38
@tomtom
Ich habe "nur" den Text auf der NOA-Seite hier reingesetzt. Von einer
aktuellen Auswertung habe ich im Netz noch nichts lesen können was die Studienergebnisse betrifft.
Die BlueGene aber erwähnt hat. Er sprach ja hier von Glioblastom-Patienten, die wohl dadurch nicht mehr "optimal behandelt" würden.

Ansonsten stimme ich dir vollkommen zu. Ich als Betroffener möchte ja auch wissen auf was ich mich einlasse, ob ich davon "profitieren" kann, also ob ich selbst was davon habe. Längeres Überleben, möglichst mit guter Lebensqualität.
Kann ich für mich einen "Nutzen" der Studie in Anspruch nehmen. Will heißen, daß auch meine betreuenden Ärzte mir von positiven Ergebnissen berichten und ggf. neue Möglichkeiten für mich finden ....
Also aufklären - auch über negative Seiten.
Smarty66
Smarty66
03.10.2017 23:58:49
@Zyla
wo kann ich das von der Neurologen-Tagung nachlesen? Auf der NOA-Seite habe ich dazu nichts gefunden.
Und: was bedeutet "OS"-Werte ?

LG
Smarty66
tomtom0674
04.10.2017 11:11:51
@Smarty66

OS = overall survival also das Gesamtüberleben

Nach einem Jahr haben laut den Zahlen weiter oben 5% (84% zu 89%), nach vier Jahren Behandlung sogar 18% mehr Überlebende.

Im 5. Jahr scheint dann auch bei der neuen Therapieform der Knick zu kommen und man hat nur noch 6% mehr Überlebende (28% zu 34%)
tomtom0674
paolo
05.10.2017 00:02:58
Mich würde auch interessieren, wo man mehr Informationen dazu bekommt.
Kann man die detaillierten Studienergebnisse schon irgendwo nachlesen?
Momentan finde ich nirgendwo etwas dazu.

Die im ersten Beitrag genannten Quellen geben nichts her.
"studien(punkt)de" - DKSR Deutsches KrebsStudienRegister der Deutschen Krebsgesellschaft gibt die Meldung: "Das Deutsche KrebsStudienRegister wurde eingestellt.".
Auf der Seite ist also nichts zu finden.

Auf der Synexus Seite finde ich auch nichts, da kann man sich als potentieller Studienteilnehmer registrieren lassen, aber das ist alles recht allgemein gehalten und für verschiedene Krebsentitäten und andere Erkrankungen (z.B. Diabetes, Asthma, Herpes). Konkretes zur NOA-Jahrestagung hab ich auch dort nicht finden können.
paolo
M.Thomas
05.10.2017 14:07:52
Die von Max P. und Zyla vorgestellten Daten sind noch nicht publiziert, sondern bisher lediglich auf einem Kongress präsentiert worden. Die offzielle Präsentation wird im Rahmen der Jahrestagung der Society of Neuro-Oncology im November in San Francisco, Californien erfolgen. Vorher wird man auch keine Veröffentlichungen finden, weil es sie schlichtweg noch nicht gibt.

mfg,
M. Thomas
M.Thomas
Neon
05.10.2017 16:02:39
Nach der Präsentation von Daten auf Kongressen vergehen in der Regel viele Monate, bis diese in einem Fachjournal veröffentlicht werden. Zur Bewertung und Zitierung ist eine solche Publikation aber nötigt. Nach der Vorstellung der CeTeG-Daten auf dem DGN- und dem SNO-Kongress wird es also noch lange dauern, bis detailierte Informationen dazu publiziert sind und in der Praxis Anwendung finden können. Hilfsweise würde ich auf die Veröffentlichung der vorangegangenen Studie UKT-03 verweisen, da die CeTeG-Studie die Vorteile der CCNU/TMZ-Kombination in Abhängigkeit vom MGMT-Status laut Kongressbericht bestätigte.

http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/jco.2006.06.9104
DOI: 10.1200/JCO.2006.06.9104 Journal of Clinical Oncology 24, no. 27 (September 2006) 4412-4417.

Ähnliche Ergebnisse bei der Behandlung von Kindern mit HGG: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27006176
Neon
uweb1703
08.10.2017 14:57:28
Mein Doc hat auf Nachfrage die gute Verträglich- und Wirksamkeit der Kombination aus Temodal/Lomustine bestätigt und meine Chemo entsprechend umgestellt. Ich glaube, dass er in Berlin für die Studie verantwortlich war. Ich habe einen Kombi-Zyklus vor 4 Tagen begonnen. Die Nebenwirkungen sind mit denen von Temodal-pur vergleichbar. Die Kombi-Zyklen dauern nicht 28 sondern 42 Tage. Am ersten Tag bekomme ich Lomustine, an den Tagen 2-6 Temodal und die Tage 7-42 sind behandlungsfrei.
uweb1703
Neon
11.10.2017 13:56:10
Parallel zur Veröffentlichung erschien eine Grundlagenarbeit, die die Effektivität er CCNU/Temozolomid-Chemo erklären könnte:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/28825189/

Die Ergebnisse bestätigen MMR-Mangel als einen entscheidenden Prozess für die Resistenzentwicklung gegenüber der Chemotherapie mit Temozolomid. MMR-defiziente TMZ-resistente GBM-Zellen waren besonders empfindlich gegenüber CCNU und kombinierter CCNU / TMZ.

Die Wirksamkeit der Strahlentherapie wurde in TMZ-resistenten Zellen erhalten. Folglich könnte CCNU bevorzugt als Behandlungsoption für wiederkehrendes MGMT-methyliertes GBM betrachtet werden und kann sogar zur Prävention der Resistenzentwicklung in der Primärbehandlung geeignet sein.


Clin Transl Oncol. 2017 Aug 20.

Acquired temozolomide resistance in human glioblastoma cell line U251 is caused by mismatch repair deficiency and can be overcome by lomustine.
Stritzelberger J1, Distel L1, Buslei R1,2, Fietkau R1, Putz F3.


PURPOSE:
Glioblastoma multiforme (GBM) is the most common malignant primary brain tumor in adults. While the alkylating agent temozolomide (TMZ) has prolonged overall survival, resistance evolution represents an important clinical problem. Therefore, we studied the effectiveness of radiotherapy and CCNU in an in vitro model of acquired TMZ resistance.

METHODS:
We studied the MGMT-methylated GBM cell line U251 and its in vitro derived TMZ-resistant subline, U251/TMZ-R. Cytotoxicity of TMZ, CCNU, and radiation was tested. Both cell lines were analyzed for MGMT promotor status and expression of mismatch repair genes (MMR). The influence of MMR inhibition by cadmium chloride (CdCl2) on the effects of both drugs was evaluated.

RESULTS:
During the resistance evolution process in vitro, U251/TMZ-R developed MMR deficiency, but MGMT status did not change. U251/TMZ-R cells were more resistant to TMZ than parental U251 cells (cell viability: 92.0% in U251/TMZ-R/69.2% in U251; p = 0.032) yet more sensitive to CCNU (56.4%/80.8%; p = 0.023). The effectiveness of radiotherapy was not reduced in the TMZ-resistant cell line. Combination of CCNU and TMZ showed promising results for both cell lines and overcame resistance. CdCl2-induced MMR deficiency increased cytotoxicity of CCNU.

CONCLUSION:
Our results confirm MMR deficiency as a crucial process for resistance evolution to TMZ. MMR-deficient TMZ-resistant GBM cells were particularly sensitive to CCNU and to combined CCNU/TMZ. Effectiveness of radiotherapy was preserved in TMZ-resistant cells. Consequently, CCNU might be preferentially considered as a treatment option for recurrent MGMT-methylated GBM and may even be suitable for prevention of resistance evolution in primary treatment.
Neon
theo
13.10.2017 19:43:49
Achtung, am 17.11.2017 werden die Ergebnisse der CeTeG-Studie (Kombi CCNU/TMZ) das nächste Mal vorgestellt. Prof. Herrlinger erhält für seine Arbeit sogar den ADULT CLINICAL RESEARCH AWARD beim SNO. Wenn die oben erwähnten Daten korrekt sind, dann hat diese Kombination zumindest Potential für die sofortige Aufnahme in die Leitlinien.


https://www.soc-neuro-onc.org/UploadedFiles/2017_SNO_Preliminary_Program.pdf

Quelle: Programm: 22. ANNUAL MEETING OF THE SOCIETY
FOR NEURO - ONCOLOGY , November 16-19, 2017, San Francisco, California

FRIDAY PLENARY SESSION, November 17, 2017

11:05-11:20am
Phase III trial of CCNU/temozolomide (TMZ) combination therapy vs. standard TMZ therapy for newly diagnosed ACTR-58 MGMT-methylated glioblastoma patients: the CeTeG/NOA-09 trial

Herrlinger U, Tzaridis T, Mack F, Steinbach J, Schlegel U, Sabel M, Hau P, Kortman R, Krex D, Grauer O, Goldbrunner R, Schnell O, Baehr O, Uhl M, Tabatabai G, Ringel F, Schmidt-Graf F, Brehmer S, Weyerbrock A, Bullinger L, Vajkoczy P, Vatter H, Schäfer N, Kebir S, Weller J, Stummer W, Simon M, Keil V, Nelles
theo
BlueGene
18.10.2017 17:43:31
Hallo Forianer,
mich würde interessieren, ob Patienten mit Glioblastom die Kombination Temozolomid plus CCNU in der Primärtherapie schon erhalten.
Vielen Dank.
BlueGene
theo
19.10.2017 09:19:44
Halli hallo,
17 Monate Unterschied beim Gesamtüberleben. Dies kann fast nicht wahr sein. Und wenn es nur 12 Monate Differenz wären. Das Ergebnis bleibt extrem im Vergleich zu den Daten der Glioblastomstudien der letzten Jahre. Bin gespannt, was die Experten beim Infotag am Wochenende in Berlin dazu sagen. Da frage ich mich, warum nicht schon längst eine Interimsanalyse veröffentlicht wurde.
Alles Gute.
theo
Schnupfel
19.10.2017 14:27:37
@theo
Zitat: "Da frage ich mich, warum nicht schon längst eine Interimsanalyse veröffentlicht wurde. "

Ja, das fragt man sich wirklich!
Zumal deutsche Ärzte und Forscher da beteiligt waren!

Leider haben wir in der Onkologie in Berlin-Neukölln feststellen müssen, dass man dort absolut desinteressiert ist, keine Ahnung davon hat aber gerne über "Wald-und Wiesen-Studien" spricht und den Glioblastom -Patienten erzählt, dass die Publikationen abgewartet werden müssen und das könne eben sehr lange dauern - hat der Patient eben Pech gehabt!

Wir hoffen auch, dass am Samstag dazu endlich was in die Öffentlichkeit kommt.
Schnupfel
Sternchen1
19.10.2017 17:08:01
Hallo zusammen, leider ist es uns nicht möglich nach Berlin zu kommen, sind aber über viele Info`s hier im Forum dankbar !
Sternchen
Sternchen1
BlueGene
23.10.2017 19:04:14
Hallo,
als Referenten des Infotages haben sich die Onkologin Frau Dr. Korfel von der Charité Berlin und der Onkologe Dr. Dresemann vom Hirntumorzentrum Münster positiv zum Einsatz der Kombi CCNU/TMZ in der Primärtherapie des Glioblastoms geäußert. Sie verwiesen auf die Daten der UKT-03-Studie und die der NOA-09-Studie. Letztere seien aber noch nicht verfügbar. Frau Dr. Korfel informierte, dass die Ergebnisse der randomisierten NOA-09-Studie sehr gut aussehen (30 vs. 47 Monate mOS). Dies deckt sich mit den bekannten Daten hier im Thread. CCNU sei ein zugelassener Nitrosoharnstoff und darum sofort unkompliziert als Kombisubstanz verfügbar.
Alles Gute.
BlueGene
Tammy
25.10.2017 21:22:36
Hallo zusammen, macht es denn Sinn mitten in der Ersttherapie mit Temozolid auf die Kombination Tempolimit plus CCNU umzusteigen? Mein Vater hat von den klassischen sechs Zyklen in der Standardtherapie vier hinter sich und mir stellt sich die Frage, ob man mittendrin Wechseln sollte. Oder die sechs erst abschließen und dann weitermachen. Wie lange kann oder sollte eine Pause nach den sechs Monaten sein? Ich habe immer Angst, dass wir die falschen Entscheidungen treffen.
Tammy
uweb1703
26.10.2017 19:16:06
Hallo Tammy, was sagt der Arzt Deines Vaters dazu? Welches Ergebnis hat die histologische Untersuchung des Tumors bzgl. des MGMT-Promoters (methyliert oder unmethyliert). Ich habe bereits 6 Zyklen Temodal im September abgeschlossen und relativ gut vertragen. In meinem Fall ist der MGMT-Promoter methyliert (die CCNU/TMZ-Kombi wurde nur für diesen Fall getestet und empfohlen). Ich werde auf Anraten meiner Ärzte nun noch zusätzlich 3-6 Zyklen mit der CCNU/TMZ-Kombi ergänzen. Einen Zyklus habe ich bereits im Oktober absolviert.

Vielleicht kannst Du zu Deinen Fragen auch eine Zweitmeinung z.B. von Dr. Dresemann vom Hirntumorzentrum Münster oder von Dr. Herrlinger einholen.

Alles Gute, Uwe
uweb1703
Tammy
26.10.2017 20:16:01
Hallo Uwe, bei meinem Vater ist der MGNT-Promoter leider nicht methyliert. Trotzdem wurde auf dem Infotag in Berlin darauf hingewiesen, dass auch dann die Kombination von Temozolid und CCNU zu empfehlen ist. Wir werden unsere Ärztin beim nächsten Termin fragen. Und ich werde Herrn Dresemann mal anschreiben. LG und alles Gute Tammy
Tammy
Zyla
14.11.2017 21:28:44
@tomtom0674
Die SNO-Abstracts sind verfügbar und nun können Deine Fragen
zum Patientenkollektiv, zu den Fallzahlen und den jeweiligen Signifikanzniveaus (p-Werte) beantwortet werden?

Zusammenfassend zeigte die CCNU/TMZ-Kombinationschemotherapie nach NOA-09 eine hoch verbesserte Wirksamkeit im Vergleich zur TMZ-Standardtherapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem MGMT-Promotor-methyliertem GBM. Die mediand Überlebenszeit von 31 Monaten mit Standard-TMZ stieg auf 38 Monate mit der Kombination CCNU/TMZ. Dies sind über drei Jahre medianes (!) Überleben, obwohl die OS-Daten einige Monate nach unten korrigiert wurden.


ACTR-58. PHASE III TRIAL OF CCNU/TEMOZOLOMIDE (TMZ) COMBINATION THERAPY VS. STANDARD TMZ THERAPY FOR NEWLY DIAGNOSED MGMT-METHYLATED GLIOBLASTOMA PATIENTS:
THE CeTeg/NOA-09 trial

Ulrich Herrlinger Theophilos Tzaridis Frederic Mack, Joachim Steinbach, Uwe Schlegel, Michael Sabel, Peter Hau, Rolf-Dieter Kortman, Dietmar Krex, Oliver Grauer ...

Neuro-Oncology, Volume 19, Issue suppl_6, 6 November 2017

There is an urgent need for more effective therapies in glioblastoma (GBM). Data from the single arm UKT-03 trial (Glas et al., J Clin Oncol 27, 1257, 2009) suggested that combined lomustine/temozolomide (CCNU/TMZ) therapy might have superior activity in MGMT-methylated GBM.

The phase III CeTeG/NOA-09 trial was set up to test this hypothesis in a randomized setting. Patients with MGMT-methylated GBM were randomized (1:1) for standard therapy with daily TMZ (75 mg/m2) during local radiotherapy (RT, 30 x 2 Gy) followed by 6 courses of TMZ (150–200 mg/m2/day for 5 days q4w) or experimental therapy with CCNU/TMZ in addition to local RT. Six 6-week courses of CCNU/TMZ (CCNU 100 mg/m2 d1, TMZ 100 mg/m2 d2-6) were applied with the first course starting on the first day of RT while continuous concomitant TMZ was not applied.

The TMZ dose was adapted in further courses. The primary endpoint was overall survival (OS) in the modified intention-to-treat (mITT) population of patients who had received at least one dose of study medication. For confirmatory analysis, differences in OS were analyzed using the logrank test stratified for center and recursive partitioning analysis group. The trial randomized 141 patients; 129 patients (63 TMZ, 66 CCNU/TMZ) belonged to the mITT population.

OS was superior in the CCNU/TMZ arm as compared to the TMZ arm (p=0.049). Significant OS differences were also found in the as-randomized population (p=0.043) and in the subgroup of 103 patients with an IDHwt GBM (p=0.039). In the mITT population, median OS was prolonged from 31.4 months (95%CI 27.0–44.8 months) with TMZ to 37.9 months (95% CI 29.2–51.4 months) with CCNU/TMZ (hazard ratio for death 0.60, 95% CI 0.35–1.03, p=0.064).

In summary, CCNU/TMZ combination chemotherapy showed improved efficacy as compared to TMZ standard therapy in patients with newly diagnosed MGMT promotor-methylated GBM.

© The Author(s) 2017. Published by Oxford University Press on behalf of the Society for Neuro-Oncology.

https://academic.oup.com/neuro-oncology/article/19/suppl_6/vi13/4590343?searchresult=1
Zyla
Logossos
15.11.2017 09:07:18
In dem Beitrag von Max P. ist nicht angegeben, auf welches Patientenkollektiv sich die mittlere (gemeint ist vermutlich die mediane) Überlebenszeit von 46,9 Monaten bezieht. Im offiziellen SNO - Beitrag ist das Kollektiv dagegen angegeben:
In the mITT population, median OS was prolonged from 31.4 months .......
mITT = modified intention-to-treat,
Intention to treat bedeutet, dass alle Patienten, die in die Studie zu Beginn aufgenommen wurden, mitgezählt wurden, unabhängig davon, ob die Patienten bis zum Studienende mitgemacht haben oder nicht.
Einzelheiten siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Intention-to-treat-Analyse
Man erhält dann natürlich ein anderes (größeres) Patientenkollektiv als wenn man nur die Patienten mitzählt, die bis zum Schluss dabei waren und entsprechend andere gemittelte Ergebnisse.
Das mittlere (mediane) Überleben ist also wahrscheinlich nicht einfach reduziert worden, sondern es handelt sich vermutlich um die Ergebnisse für zwei verschiedene Patientengruppen.
Genaues wird man erst wissen, wenn die ausführlichen Daten der Studie vorliegen.
Logossos
BlueGene
16.11.2017 22:07:49
Der Unterschied in Bezug auf die mediane Überlebenszeit wird durch das statistische Verfahren verursacht. Der Autor schreibt in seiner aktuellen Veröffentlichung von einem modifizierten Verfahren, welches zur Anwendung gekommen ist. Möglicherweise hat man die ungleichmäßige Verteilung der Studienteilnehmer auf die Studienzentren korrigiert, um statistische Fehler einzuschränken.
BlueGene
theo
17.11.2017 15:41:12
Der mediane Wert von 47 Monaten ergibt sich, wenn die Ungleichverteilung der Patienten berücksichtigt wird. Unter Nichtberücksichtigung der Ungleichverteilung und Anwendung von "Inverse Probability Weights" (einer statistischen Analysetechnik) ergibt sich ein medianer Wert von 38 Monaten.
theo
Tammy
17.11.2017 21:12:09
Hallo zusammen, unsere Ärztin hat uns von der Kombination Temozolid und CCNU abgeraten. Mein Papa ist 71 und im 5. Zyklus Temozolid nach Stupp. Sie sagte, dass jedes Chemotherapeutikum seinen Tribut fordert und die kognitive Leistung beeinflusst. Hat einer von euch ähnliche Aussagen bekommen oder selbst gemerkt, dass sich seine kognitiven Fähigkeit durch die Chemo verschlechtert haben? Ich dachte diese Veränderungen werden durch den Tumor verursacht.
Tammy
Schnupfel
18.11.2017 07:02:39
@Tammy
Uns wurde auch "abgeraten" mt mehreren unterschiedlichen Begründungen. Unter anderem hieß es, das CCNU wäre viel "giftiger".

Dann mit der Begründung, dass man streng nach Protokoll arbeitet und abseits davon die Arbeitsweise des Klinikums nicht gemacht wird.
Diese Studie war gar nicht bekannt.....
Mein Mann hat den 3. Zyklus nach Stupp hinter sich und plötzlich waren die Blutwerte sehr schlecht. Eine Pause wurde vereinbart.
Das neue MRT hat mit relativ großer Wahrscheinlichkeit ein Rezidiv gezeigt.
Nun will man wieder operieren und plötzlich wird eine andere Chemo angeboten, die auch CCNU beinhaltet......aber die "neue Chemo-Kombi" wird nach wie vor abgelehnt.

Zu den "kognitiven Fähigkeiten" hatte ich festgestellt, dass die in der 5.Strahlenchemo-Woche gelitten haben und dann bis gut 8 Wochen nach Abschluss anhielten, trotz der Chemo-Woche, die ja statt fand.

Man sollte sich nichts vormachen - JEDE Chemo ist Gift und hat unerwünschte Nebenwirkungen.
Bei der Reha meines Mannes habe ich sehr viele Krebspatienten getroffen - ganz unterschiedliche Krebsarten - und ALLE berichteten davon, dass ihre kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt sind.
Schnupfel
theo
21.11.2017 10:50:11
@tammy
Über den Sinn einer Therapie ist individuell zu entscheiden, denn jeder Patient reagiert anders und Nebenwirkungen können anders ausgeprägt sein.
Unabhängig davon, ist die Kombination CCNU und Temozolomid noch in keiner Leitlinie verankert, da erst am Wochenende veröffentlicht. Wenn sich die Ärzte damit schwer tun, ist dies kein Wunder. Woher sollen sie es wissen?

@schnupfel
Welche Chemokombination wird jetzt angeboten?
theo
Schnupfel
21.11.2017 11:00:02
@theo

Wenn ich es richtig verstanden habe, sprach der Onkologe von PCV....und sagte dann: "Da ist ja auch CCNU drin".....
Das hat es natürlich nicht besser gemacht - denn erst wurde gesagt, TMZ &CCNU wäre ja so viel giftiger besonders CCNU...und nun geht CCNU .....

Aber zu deinem Satz: "Unabhängig davon, ist die Kombination CCNU und Temozolomid noch in keiner Leitlinie verankert, da erst am Wochenende veröffentlicht. Wenn sich die Ärzte damit schwer tun, ist dies kein Wunder. Woher sollen sie es wissen?"

Da fehlt mir tatsächlich irgendwo das Verständnis - die Profis hatten Jahre Zeit, sich zu informieren, was da läuft auf dem Gebiet.
JEDER, muss sich in seinem Job informieren sonst hat er den nicht lange oderdie "Kunden" begeben sich auf die Flucht, dorthin wo sie tatsächlich fachlich gut informiertwerden.
Hier ist die Situation eben leider eine Zwangssituation, bei dem ich dem Patienten, der ja den Schaden und einen riesen Schock dazu als Package bekommt, verstehen kann wenn er überfordertbist und fachliche Hilfe von den Spezialisten erwartet.

Gerade diese neue Kombi ist mit der Phase III-Studie, die bereits 2014 endete, die an min. 12 DEUTSCHEN Kliniken stattfand und endlich auch mal von der dt. Regierung unterstützt wurde - ja keine "Wald- & Wiesenstudie" ( Original-Zitat unseres Onkologen!)....
In Berlin weiß z.B. das Vivantes nicht was die Charité macht - man st da lieber Konkurrent statt sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen im Interesse der Patienten..... ich weiß, ich verlange zu viel und entschuldige mich schon mal vorab falls es zu "frustig" klang....
Schnupfel
Logossos
21.11.2017 13:09:52
Nein Schnupfel, Sie verlangen nicht zu viel, was Sie verlangen ist etwas ganz Normales, das wir als Patienten von jedem Arzt erwarten. Sie haben vollkommen Recht, die Profis hatten jahrelang Zeit sich zu informieren und falls sie es nicht tun, werden sie ihrer Aufgabe nicht gerecht.
Auf die Leitlinien braucht man nicht zu warten, die werden nur alle paar Jahre neu gefasst, wenn die Ärzte meinen, jetzt müsste man eigentlich alles, was sich in der Zwischenheit ergeben hat, wieder einmal zusammenstellen.
Logossos
Ironfighters
21.11.2017 23:03:10
Ich komme selber aus der Medizin und bin immer wieder darüber erstaunt, dass sich viele Kollegen fachlich nicht auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft halten.
Zumal es in der Woche keine 15 min dauert, die aktuellen Publikationen aus dem eigenen Fachbereich zu überfliegen. Die medizinisch/ wissenschaftlichen Suchmaschinen im Netz machen es unkompliziert möglich. So hält man die Trends im Blick und kommt im Gespräch nicht aus dem Mustopf, sollte sich eine nicht alltägliche Frage ergeben.
Ironfighters
Zyla
22.11.2017 17:41:59
Hallo,
bei den Daily-Highlights der SNO-Konferenz wird Herrlinger und seine Studie mit CCNU plus Temozolomid erwähnt:

https://sno.vids.io/videos/489adcb1181ae4c7c0/daily-highlights-clinical-11-17-17-jing-wu-mov

https://academic.oup.com/neuro-oncology/article-abstract/19/suppl_6/vi13/4590343?redirectedFrom=fulltext
Zyla
theo
23.11.2017 16:49:10
Etwa die Hälfte der Patienten mit Glioblastom haben einen nicht-methylierten MGMT Promoter. Ist es für diese Patienten möglich, durch die Kombination die Effektivität der Chemo zu erhöhen, wenn auch mit niedriger Wahrscheinlichkeit?
theo
Logossos
23.11.2017 17:54:04
Nach Angabe von Prof. Herrlinger ist der Anteil nicht-methylierter Tumore sogar noch größer, nämlich 2/3.

Was ist der MGMT-Status?

„Dabei handelt es sich um einen Marker, dessen Funktionsmechanismus
bislang nicht vollständig aufgeklärt ist. Bei einem Drittel der Patienten
findet sich eine Veränderung (Methylierung) des MGMT-Genpromotors,
die mit einem größeren Benefit einer Temozolomid-Therapie einhergeht."

http://www.hirntumorhilfe.org/projekte/informationstag/2016-wuerzburg/hirntumor-informationstag-2016/patienten-fragen-prof-herrlinger/
Logossos
theo
29.11.2017 19:31:13
Der Onkologe hat nun gesagt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass auch Glioblastompatienten mit nichtmethyliertem MGMT von der Kombi Temozolomid plus CCNU profitieren könnten. Da die Nebenwirkungen der Kombi im Vergleich zur Standard-Monotherapie moderat sind, wird sie in dieser Praxis schon länger auch bei MGMT negativen Glioblastomen eingesetzt.
theo
Zyla
11.12.2017 11:00:40
Novel Agents for GBM: A Review of Trials at SNO 2017

Hallo, beim Practice Update werden die hervorragenden Ergebnisse der CeTeG-Studie, also die Kombination CCNU/Temozolomid gegen MGMT-methylierte Glioblastome, von den führenden Wissenschaftlern als "Key Trial" benannt.


Patrick Y. Wen MD (Director, Center for Neuro-Oncology, Dana-Farber Cancer Institute; Director, Division of Cancer Neurology, Department of Neurology, Brigham and Women’s Hospital; Professor of Neurology, Harvard Medical School, Boston, Massachusetts):

http://www.practiceupdate.com/expertopinion/3215/32/1?elsca1=emc_conf_SNO2017Post-1&elsca2=email&elsca3=practiceupdate_onc&elsca4=2017101_SNO2017Post-1&elsca5=conference&rid=ODA1NDc5NzI3NDIS1&lid=10332481


Schlag auf Schlag. Auch im nächsten Beitrag wird die Kombi CCNU/Temozolomid als Key Trial des SNO genannt.

David M. Peereboom MD (Medical Oncologist, Cleveland Clinic):

http://www.practiceupdate.com/c/61139/32/1/?elsca1=emc_conf_SNO2017Post-1&elsca2=email&elsca3=practiceupdate_onc&elsca4=2017101_SNO2017Post-1&elsca5=conference&rid=ODA1NDc5NzI3NDIS1&lid=10332481


Roger Stupp: "Ein der zwei wichtigen Studienergebnissen der SNO-Konferenz war 2017 die CeTeG-Studie."

http://www.practiceupdate.com/c/60879/32/1/?elsca1=emc_conf_SNO2017Post-1&elsca2=email&elsca3=practiceupdate_onc&elsca4=2017101_SNO2017Post-1&elsca5=conference&rid=ODA1NDc5NzI3NDIS1&lid=10332481
Zyla
theo
15.12.2017 20:38:00
In der Sonderausgabe der Brainstorm sind weitere Informationen zum Thema zu finden.
theo
BlueGene
17.12.2017 08:52:57
Hier der Link:

https://www.hirntumorhilfe.de/fileadmin/inhalte/newsletter/Hirntumorhilfe-Newsletter-SNO-2017.pdf
BlueGene
Anja78
19.12.2017 09:09:18
Hallo und vielen Dank für die Updates und die Links.

Ich dachte, das wäre ein Hoffnungsschimmer, daß ausgerechnet jetzt, wo bei meiner Mama ein inoperables multiforme GBM IV methyliert, diagnostiziert wurde und sprach mit ihrem behandelnden Oberarzt, ob man das Ergebnis der Studie bei der Therapie berücksichtigen könnte.

Am Telefon sagte er noch, daß er auch schon darüber nachgedacht hat und es in Betracht zieht. Er klang da sehr positiv und ich ging davon aus, daß wir das CCNU mit dazu nehmen.

Dann war aber das persönliche Gespräch und da nahm er auf einmal Abstand. Er meinte, daß das momentan viel zu sehr gehypet wird und daß ein Studienarm überhaupt noch gar nicht ausgewertet wäre. Stimmt das?

Also soll jetzt im Januar die ganz normale Stupp-Prozedur beginnen oder kann ich ihn irgendwie doch noch davon überzeugen?

Danke und liebe Grüße,
Anja78
hitachiman
19.12.2017 15:06:34
Hallo,
ich habe mich auch mit meinen NC und Onkologen darüber gesprochen.
Beide Ärzte unabhängig voneinander sagten das Sie es für mich nicht in Bedacht ziehen, weil Blutwerte gut sind und Temodal bei mir gut wirkt.
Bei Verschlechterung meines Zustandes würden Sie über nachdenken.
Heiko
hitachiman
theo
20.12.2017 11:03:12
Hallo Anja78,

die Situation im Einzelfall ist von Patient zu Patient immer anders und muss darum individuell vom behandelnden Facharzt beurteilt werden. Und nun zu allgemeinen Erkenntnissen:

1. Weniger als 50% der Glioblastompatienten haben das Glück, dass sie einen methylierten MGMT-Promotorstatus haben.

2. Wer diesen Status hat, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er von der Chemotherapie (z.B. mit Temozolomid) profitiert im Vergleich zu Patienten ohne methylierten MGMT-Promotor. Dies bedeutet nicht, dass die anderen Patienten von einer Chemoterapie nicht profitieren können, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist eben etwas geringer.

3. Die erste "revolutionäre" Erkenntnis der CeTeG-Studie bezieht sich nur auf GBM-Patienten, deren MGMT-Promotor methyliert ist, also MGMT positiv. Von diesen Patienten ist nun bekannt, dass diese noch besser auf Chemotherapie ansprechen können, wenn sie die Kombination aus CCNU und Temozolomid in der Ersttherapie verabreicht bekommen.

Kritiker halten dagegen, dass die Studienkollektive der CeTeG-Studie im Vergleich zu anderen Phase-III-Studien relativ gering sind. Dies ist tatsächlich so und wird schlimmstenfalls dazu führen, dass sich die Kurven angleichen. Wie weit sich die Kurven angleichen, steht in den Sternen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass auch mit 100-200 Patienten mehr in der Studie, die Patienten, die die Kombination von TMZ und CCNU bekommen, einen Vorteil davon haben können.

4. Die zweite "revolutionäre" Erkenntnis der CeTeG-Studie ist, dass sich die Nebenwirkungen der toxischen Chemotherapiekombination in Grenzen halten. Dieser Effekt ist so erstaunlich gewesen, dass der Neuroonkologe und Studienleiter Herrlinger kein Problem sieht, zukünftig eine dritte Substanz, ein drittes Medikament, zu kombinieren.

5. Es gibt derzeit keine andere Therapieoption für MGMT-GBM-Patienten, bei der die Wahrscheinlichkeit annähernd so hoch ist, nach vier Jahren zu leben.

Wenn die Chemo-Kombinationstherapie nicht eingesetzt wird, vergibt man sich eine Chance im Kampf gegen das Glioblastom.

In den Medien werden andere fragwürdige Therapien und Behandlungsansätze gehypt. Bei der CCNU/TMZ-Kombi ist es eher das Gegenteil, denn die Tendenz der Studiendaten ist nicht erst seit gestern bekannt, und die Vermutung liegt nahe, dass es Interessen gibt, vorab lieber die noch fragwürdigen Dinge an den Mann zu bringen.

Nimm den Flyer: https://www.hirntumorhilfe.de/fileadmin/inhalte/newsletter/Hirntumorhilfe-Newsletter-SNO-2017.pdf mit zum Arzt. Ich würde es mir schriftlich geben lassen, was auf Grundlage der CeTeG-Daten gegen den Einsatz der Kombi spricht.

Was spricht dagegen, dass sich Dein Arzt mit seinem Kollegen Prof. Herrlinger (Bonn) in Verbindung setzt, wenn er sich unsicher ist. Glioblastome sind auch für Onkologen eine seltene Erkrankung. Wenn ich das Gefühl hätte, dass der Arzt sich mit dieser Erkrankung nicht auskennt oder nicht mindestens 80 GBM-Patienten im Jahr sieht, dann würde ich mir eine Zweitmeinung von einem anderen Experten einholen.
Alles Gute.
theo
Anja78
20.12.2017 12:34:28
Lieber Theo,

vielen Dank für die lange und informative Antwort. Ich Danke Dir für Deine Zeit. Ich spreche nochmal mit dem Oberarzt und lasse mir auch alle Daten und Bilder geben. Ggf hole ich mir die Zweitmeinung direkt von Herrn Herrlinger.

Danke nochmal und liebe Grüße,
Anja
Anja78
Schnupfel
20.12.2017 14:19:21
@theo
vielen Dank für diesen informativen Beitrag.

Leider mussten wir auch feststellen, dass Onkologen sehr schlecht informiert sind und selbst wenn man sie mit den Informationen ( auch in Papierform) versorgt, nicht bereit sind, sich damit zu beschäftigen.
Wegen einer Rezidiv-Behandlung waren wir zur Zweitmeinung in einem anderen Krankenhaus . Das 'Tumorboard' kannte diese Studie überhaupt nicht und man sagte uns, wir sollen nicht so viel im Internet lesen.....

Im behandelnden KH gilt die Devise: " Wir machen hier nur "Das" und nichts anderes. Das ist die Richtlinie im Hause.

Es ist so schon schwierig genug wenn man sich alle Informationen selbst besorgen muss, jeder Arzt etwas anderes sagt und Meinungen der Kollegen nicht einfach nur negiert sondern teilweise als Unsinn bezeichnet werden, sich dann auch noch nebenbei anderweitig umtun muss......die Zeit fehlt definitiv um dann auch noch an "Lebensqualität" zu erinnern - die nimmt man dem Patienten damit noch weg.

@Anja78
Vielleicht ist es sogar möglich, dass Prof. Herrlinger sich mit diesem Oberarzt in Verbindung setzt - so von Kollege zu Kollege ist vielleicht doch einiges möglich und er wird dann eventuell zugänglicher sein?
Ansonsten habe ich inziwschen mitbekommen, dass Onkologen, die "frei" tätig sind, entscheidungsfreudiger und engagierter sind.
Schnupfel
Anja78
23.12.2017 17:27:06
Liebe Schnupfel,

eigentlich sollte Einen ja nichts mehr wundern, aber das ist schon wirklich krass, daß das Tumorboard noch nichtmal etwas über die Studie wußte (oder tun die nur so, da ja eh nichts anderes in deren Hause getan wird, als das?)

Da ist Chemnitz ja schon weiter. Und am Telefon sagte er noch, daß er es dazu nehmen will, wenn der MGMT Status positiv ist (war zum diesem Zeitpunkt noch nicht raus). Dann war er positiv und im persönlichen Gespräch, wo alle dabei waren, eröffnet er uns dann, daß er es eben doch nicht mit dazu nimmt. Woher der plötzliche Sinneswandel kommt ist mir absolut schleierhaft? Überhaupt war er am Telefon ganz anders, als dann im persönlichen Gespräch wo die Mama und der Rest der Familie dabei war.

Wir kämpfen mal weiter.
Anja78
Max P.
03.01.2018 00:19:05
Ein Vergleich der Daten für Patienten, deren MGMT-Promotor methyliert war, in Bezug auf die Untersuchungen NOA-09 (CeTeG) und EF-14, ist auf dem Bild unter folgenden Link zu sehen und zeigt beeindruckend den Vorteil der Kombination Lomustin (CCNU) plus Temozolomid gegenüber Temozolomid-Monotherapie oder Temozolomid plus TTF.

Nach vier Jahren lebt die Hälfte der Glioblastompatienten, wenn sie die Kombination Lomustion (CCNU) und Temozolomid in der Primärtherapie erhielten. Keine andere Therapie hat dies bis heute geschafft. Eine Behandlung nach dem veralteten Stupp-Schema ist aus meiner Sicht absolut nicht mehr optimal. Wäre es eine Fehlbehandlung, wenn die Voraussetzungen für eine Kombitherapie gegeben sind und entgegen aller Erkenntnisse doch nach dem Stupp-Schema therapiert wird?

https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/hirntumortherapie/studien/
Max P.
Anja78
03.01.2018 14:13:05
Hallo Max,

da bin ich 100% Deiner Meinung. Mittlerweile denke ich, daß der Oberarzt das CCNU als Plan B einsetzt, wenn die Stupp Geschichte nicht anschlägt. Ansonsten haben sie ja leider einfach nichts zu bieten und er will sich dieses Hintertürchen vielleicht frei halten, damit er (bei Nichtanschlagen) noch ein Ass im Ärmel hat. Oder? Jedenfalls rede ich mir das jetzt ein und muß das jetzt erstmal akzeptieren und vertrauen.

Denn von mehr Nebenwirkungen mit CCNU habe ich auch nichts gefunden. Eher im Gegenteil. Es muß gut oder sogar noch besser, als Ohne, vertragen werden.

Heute geht die Therapie bei meiner Mutter los. Also erstmal 6 Wochen Temodal und Bestrahlung, dann 4 Wochen Pause und MRT Mitte Feburar. Jenachdem was dann da raus kommt, kann ich ja nochmal insistieren.

Danke nochmal für die gute Zusammenfassung den den Link!

Lg und alles Liebe, Anja
Anja78
Max P.
04.01.2018 11:19:38
Hallo Anja, ich sehe CCNU derzeit nicht als Plan B sondern als Wirkverstärker im Plan A. Die Erkenntnis aus der NOA-09-Studie ist, dass insbesondere die Kombination von CCNU und Temozolomid einen positiven Effekt auf die Überlebenszeit bei Glioblastompatienten haben kann. Bei Euch ist es wie bei einer Entscheidung an der Weggabelung. Wenn Du Dich für den Weg Stupp-Schema entscheidest, ist dies Deine Entscheidung und in Ordnung. Fakt ist, dass bestimmte Chancen nicht wiederholbar sind und es die Entscheidung gegen den momentan am besten bekannten Weg ist. Die Darstellung des Vergleiches der Studiendaten auf dem Bild zeigt sehr gut, dass die Therapiekombination aus CCNU und Temozolomid den anderen Behandlungen weit überlegen ist.
https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/hirntumortherapie/studien/
Auch die Therapie mit der Haube schneidet im Vergleich zum Ergebnis der Kombitherapie schlecht ab. Es gibt praktisch fast keinen Grund mehr für Neubetroffene über den Einsatz von Tumortherapiefeldern nachzudenken und erst recht nicht über Temozolomid-Monotherapie nach Stupp. Der behandelnde Arzt kann immer nur eine Therapieempfehlung geben, die sich an der aktuellen Leitlinie orientiert, welche aber meist nur im Jahresrhythmus aktualisiert wird. Was hat die Zweitmeinung ergeben? Wenn ein Arzt heute noch das Stupp-Schema empfiehlt, dann würde ich auf jeden Fall eine Zweitmeinung von Prof. Herrlinger (Bonn) einholen. Er behandelt seine Glioblastompatienten mit methyliertem MGMT-Promotor wie selbstverständlich mit der Kombination von CCNU und Temozolomid. Die begrenzte Wirksamkeit einer Monochemotherapie ist nicht erst seit 2005 und dem Stupp-Schema bekannt. Es wird seit Jahrzehnten versucht, verschiedene Zytostatika und andere Substanzen oder Medikamente zu kombinieren. Wenn Euer Arzt über die Therapie des Rezidivs nachdenkt, ist dies zwar irgendwie lobenswert, würde mich aber stutzig machen, denn ihm ist nicht bekannt, welche Möglichkeiten zukünftig zur Verfügung stehen werden. Wenn der Arzt für die Primärtherapie eine unzeitgemäße Therapie vorschlägt, dann würde ich mir seinen Vorschlag für die Rezidivtherapie von anderen Fachärzten bestätigen lassen. LG
Max P.
Ray
24.01.2018 15:59:53
Der Link ist besser:

https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/hirntumortherapie/studien/
http://www.hirntumorhilfe.de/fileadmin/inhalte/wissen/Glioblastom_NOA-09_CeTeG_Results2.jpg
Ray
theo
10.02.2018 12:36:59
Mich würde sehr interessieren, ob Eure Onkologen die Kombi-Therapie in der Praxis empfehlen.
theo
cs66
10.02.2018 23:23:31
Der Neurochirurg meiner Frau würde es im Falle eines Rezidivs in Betracht ziehen.
cs66
theo
13.02.2018 07:02:45
@cs66: Warum nicht in der Erstlinientherapie? Die Ergebnisse der Kombi zeigen doch einen Nutzen in der ersten Therapie des Glioblastoms und nicht im Fall eines Rezidivs.
theo
cs66
13.02.2018 22:30:25
@theo, Erstdiagnose war Mai 2017. Wir sind praktisch mit Stupp durch. Ein 23/5 Zyklus steht noch aus. Die Veröffentlichung der Ergebnisse kam also leider zu spät.

Das Glioblastom meiner Frau war dazu partiell methyliert. Damit also nicht direkt im CCNU Anwendungsbereich. Ich empfinde es schon als Fortschritt, daß die Therapie auch für partiell methylierte Glioblastome im Fall eines Rezidivs in Erwägung gezogen wird.

Von der individuellen Therapie abgesehen war die Aussage klar: Die Kombitherapie ist nun das Mittel der Wahl und wird auch TTF vorgezogen. TTF haben wohl in der Praxis nicht die erwarteten Ergebnisse gezeigt.
cs66
theo
23.02.2018 13:59:44
@cs66, die Methylierung würde ich nicht überbewerten, denn auch Patienten mit unmethylierten MGMT-Promotor könnten auf die ChemoKombi ansprechen. Interessant find ich den Gedanken, CCNU und Temozolomid mit einer weiteren Substanz zu ergänzen (z.B. Methadon oder dem Antimalariamittel Chloroquin).
theo
cs66
24.02.2018 22:27:44
Methadon nimmt meine Frau seit ca. 7 bis 8 Monaten. Chloroquin war mir bis jetzt nicht bekannt. Werde mich mal damit beschäftigen. Danke!
cs66
Andrea 1
06.03.2018 08:29:43
Hallo,
einfach mal den Begriff "Chloroquin" in die Suchmaske des Forums eingeben, ein paar Themen dazu gab es hier schon. Methadon stand vor kurzem laut focus (online), bzw. einem Bricht vom Stern-TV zu Folge in der Kritik, weil es bei Krebkserkrankungen angeblich keinen positiven Nutzen aufgezeigt habe. Jedoch kann man Krebserkrankungen m.E. nach kaum mit Hirntumorerkrankungen gleichsetzen.
Leider habe ich diesen Bericht nicht gesehen, kann also nicht wirklich etwas darüber sagen. Vielleicht kennt jemand den TV-Bericht und man kann den über die Mediatheken nochmal anschauen?
Andrea 1
Lagy
06.03.2018 19:46:55
Ein interessanter und hoffnungsvoller Bericht, danke dafür! Mich würde ein Aktvbericht auch sehr interessieren. Weiß jemand etwas? Liebe Grüsse
Lagy
Stek
07.03.2018 07:18:05
Liebe Lagy das ist eine schöne Nachricht seit langer Zeit von dir etwas zu hören,Weiterthin alles Gute für dich.
Herzliche Grüße
Stek
Speedy
08.05.2018 09:17:45
Die Kombi aus CCNU und Temozolomid scheint bei den MGMT-methylierten besser als der Standard nach Stupp-Schema:

https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/hirntumortherapie/studien/
http://www.hirntumorhilfe.de/fileadmin/inhalte/wissen/Glioblastom_NOA-09_CeTeG_Results2.jpg

https://www.hirntumorhilfe.de/hirntumor/hirntumortherapie/studien/
Speedy
OMGliom
15.08.2018 18:00:28
Alles gut und schön... Aber wie komm ich an sowas ran?
Op ist gut verlaufen, jetzt soll Bestrahlung und Chemo erst.... DANN sehen wir weiter.

Mein Mann totallresektion Glioblastom am 19.07 Standardtherapie in 5d
OMGliom
LinaK
15.08.2018 23:18:29
Ja, das scheint mir auch gar nicht so einfach. Ich nehme zur Zeit zusätzlich zum temozolamid an einer Studie teil, von der ich aber nicht mehr wirklich überzeugt bin, wobei ich auch nicht weiß, ob ich überhaupt den Wirkstoff bekomme (Nivolumab) oder ein Placebo. Solange ich da teilnehme, darf ich auch nichts an der Medikation ändern.

Manchmal hat man einfach das Gefühl, was immer man macht, ist falsch. Ich hätte grade gerne einen "starķen Mann" der für mich entscheidet. Durch die Chemo bin ich so transusig und es fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen und Konsequenzen zu bedenken. LG Lina
LinaK
Anja78
16.08.2018 02:20:39
Ja, seit Jahrzehnten gibt es immer nur OP und Stupp. Erst bei einem Rezidiv werden andere Wege eingeschlagen. Meine Mama bekam die Diagnose Glioblastom 2 Tage vor Erscheinen der Ceteg Studie und wir freuten uns, dass wir vielleicht direkt davon profitieren können, denn die Ergebnisse waren/sind nunmal wirklich vielversprechend.
Doch leider bekamen wir das CCNU nicht. Wir haben auch mit den Studienleiter selbst gesprochen, der anbot, daß er mit unserem Neurochirurgen redet, aber leider geschah nichts. Wir hätten viel hartnäckiger sein müssen. Das merkten wir im Laufe der folgenden Monate. Man muss immer nur kämpfen und streiten. Ich halte viel von CCNU und ich denke, daß Mama noch mehr Zeit gehabt hätte. Da sie nicht operiert werden konnte, hätte man es doch wirklich geben können. Hier im Forum bekommen einige eine Kombination mit CCNU und es scheint, als wenn es Lebenszeit bringt. Ich wünsche euch alles GUTE!!!

@Lina: ich kenne noch Jemanden, der in der Studie ist und es geht ihm gut; kann normal und ohne Hilfe seinen Alltag bestreiten. MRT´s immer sauber. Ich bin wirklich gespannt, wenn die Studie ausgewertet wird. Alles GUTE!
Anja78
Kotkab75
16.08.2018 06:01:44
Zu dem Zeitpunkt, als die Ergebnisse veröffentlicht wurden, hatte mein Mann den ersten Zyklus mit TMZ hinter sich. Wir haben den Onkologen darauf angesprochen, er hat sich erkundigt und auf die Therapie mit CCNU umgestellt.

Schöne Grüße und alles Gute
Kotkab75
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