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Thema: große Ängste und psychische Angeschlagenheit

große Ängste und psychische Angeschlagenheit
Chrissipauli
13.06.2017 11:54:23
Hallo ihr Lieben! Ich bräuchte mal Zuspruch und Infos von Menschen, die evtl das gleiche oder Ähnliches durchemacht haben, da ich mit meiner Psyche gerade sehr am Ende bin.
Am 09.04.17 hatte ich eine kurzzeitige Bewussseinsveränderung zu Hause, woraufhin meine Nachbarin mir sagte, ich sollte mal lieber zur Kontrolle in die Klinik. Von da an wurde ich gleich in die Neurologie überwiesen und innerhalb von 4 Tagen wurde ein Hirntumor festgestellt, der eine Art beginnenden epileptischen Anfall ausgelöst hat.
Anfang Mai wurde ich dann operiert und der Tumor wurde entfernt. Eine Woche später wurde ich wieder nach Hause entlassen und ich konnte wieder langsam klar werden. Beim Abschlussgespräch in der Uni vor ca. 2 Wochen wurde mir vom Arzt gesagt, dass alles soweit positiv aussieht und wahrscheinlich keine Stahlentherapie nötig sei. vorletzten Freitag hatte er mir dann doch nach einer Konferenz auf den AB gequatscht, dass ich zur Bestrahlung müsste. Diese Information hat mir sowas von die Beine Weggesissen, dass ich in der Psyche total angeschlagen bin. Nun war ich letzten Freitag schon bei einer Psychotherapeutin im Gespräch was mir für den Moment gut getan hat, aber am Wochenende wieder sehr niedergeschagen war..... Das Gespräch zur Strahlentherapie habe ich nun diesen Freitag und irgendwie total schiss davor. Im Gespräch mit einer Psychologin der Psychoonkologie meinte diese, dass es um innere Ängste geht, die man versuchen müsste abzulegen.... nur wie?
Ich bin Mama von 2 Kindern (fast 8 und 10) und mache mir auch große Sorgen, was die so davon mitnehmen :-(!
Vielleicht hat ja jemand hier Ideen für mich, wie ich diese fürchterlichen Gedanken ablegen kann...
Chrissipauli
alma
13.06.2017 13:24:14
Hallo,

alte Hasen mit Hirntumor haben sich eine Krankenakte mit allen Befunden rund um die Diagnose angelegt, v.a. den von der histologischen Untersuchung.
Der Behandlungsvorschlag wird geprüft. Dazu gehören eine oder mehrere medizinische Beratungen, welche Tumorart speziell vorliegt und wie seine biologische Beschaffenheit ist. Danach sollte sich die Behandlung richten.
Mir ist nicht ganz klar, wieso du so viel Angst vor dem Strahlengespräch hast. Lass dich aufklären. Man behält dich nicht da. Erst muss eine Planung vom Bestrahlungsfeld gemacht werden, du brauchst ein CT, Termine und und und.
Angst ablegen - schön und gut. Da gibt es keinen Hebel. Sie ist ja auch berechtigt, denn du befindest dich in einer ganz neuen Situation und hattest noch keine Zeit, das zu verdauen. Aber du kannst dich beobachten, was die Angst größer und was sie kleiner macht.
Größer wird sie (bei mir) dadurch, dass ich alles gleich zusammen denke.
Auf dich bezogen: ein Termin in der Strahlenklinik heißt noch nicht Bestrahlungstermin. Bestrahlung empfohlen heißt noch nicht, dass man es machen muss.
Du kannst entscheiden und die Schritte so gehen, wie es dir möglich ist.
Und ohne deine Zustimmung wird nicht gehandelt. Niemand wird über dich verfügen.
alma
Chrissipauli
13.06.2017 13:47:31
Danke für den lieben Zuspruch. Versweifle gerade so an mir selbst, dass die Ängste so an die psyche gehen.
Vor der ganzen Geschichte war ich ein Lebensfroher Mensch mit sehr viel Freude und glücklich sein... Deshalb macht mich das so fertig, dass es plötzlich auf meine Psyche schlägt und ich überhaupt nicht damit um kann und es nicht verstehe...... würde gerne alles dafür tun, die ganze Kranheitsgeschichte zu akzeptieren und damit so umzugehen, dass es mir nicht so schlecht geht. Es haben mir aber einige Ärzte und Psychologen gesagt, dass es bis zu 2 Monate dauern kann, bis man damit umgehen kann. (ist ja nicht mehr so lange......) kommt natürlich darauf an, wie man es macht.....
Wäre es dennn wichtig die Stahlentherapie zu machen? Der Arzt äusserte beim Abschlussgespräch, dass noch wenige Zellen stehen bleiben mussten, da diese direkt an einer großen Arterie haften und aus Sicherheitsgründen nicht entfernt werden konnten...
Chrissipauli
alma
13.06.2017 15:05:01
Es kommt auf das Gesamtbild an, das wir hier nicht haben. Eine aus dem Zusammenhang gerissene Antwort bringt dir nicht viel. Zumal wir hier ja mehrheitlich keine Ärzte sind. Aber du hast ja genug kompetente Behandler um dich.
Wie man damit zurechtkommt, hängt auch von dem Erfolg der Behandlung ab. Von den Nebenwirkungen und dem weiteren Verlauf.
Es ist nur so, dass sich ein bestimmter Umgang nicht erzwingen lässt. Für dich bedeutet es vielleicht, keine Angst mehr zu haben. Aber das ist wohl nicht möglich. Sie kann sich mäßigen. Weg geht sie nicht. Höchstens dass sie sich eine Weile nicht zeigt.
Wer hat denn keine Angst, auch unter den vermeintlich Gesunden? Vor was weiß ich. Vor Dingen, die noch gar nicht eingetreten sind und vielleicht auch nicht eintreten werden ...
Meine Haltung dazu hat sich verändert. Ich lasse die Angst sein, wie sie ist. Sie geht vorbei und kommt wieder. Na und? Es gibt Schlimmeres.
Was ich aber brauche, sind Zugänge zu Informationen, die mir helfen, zu wissen, woran ich in etwa bin.
Bisschen crazy ist das schon, mit Verlaub. Vor kurzem gerade eine Hirntumordiagnose, schon der Anspruch, keine Angst zu haben und Verzweiflung und Selbstvorwürfe, so ein Hase zu sein.
Informiere dich über die Krankheit, das hilft.
alma
Thomas95267
13.06.2017 15:52:09
Da hast du absolut Recht liebe Alma , sehr guter Beitrag !!!!
Die Entscheidung zur Bestrahlung trifft man im Endeffekt ja selber , ne gute Beratung vom Facharzt hilft auch Ängste abzubauen so wie in meinem Fall wo mir genau erklärt wurde das eine Bestrahlung unbedingt notwendig wäre . Manche genetische Faktoren sprechen eben auf Bestrahlung sehr gut an ( bei mir die verkürzten Chromosomen 1 und 19 ) .
Liebe Grüße von Thomas .
Thomas95267
Chrissipauli
13.06.2017 18:52:31
Vielen Dank ihr Lieben für die Antworten.
Ich merke, dass es mir schon gut tut mit anderen "Betroffenen" mich auszutauschen. Ich stehe ja schon noch ganz am Anfang der Lebensveränderung.... Mir wurde es auch schon oft sehr nahegelegt zu versuchen dies zu akzeptieren, dann würde es langsam leichter werden zu ertragen.
Merke halt auch, dass man in dieser Anfangsphase sehr ungeduldig ist und es schwer akzeptieren kann...
@alma: Über die Krankheit und viele andere Dinge in diese Richtung habe ich mich schon im Internet in vielen Richtungen informiert, aber ich glaube mein Kopf kann dies noch sehr schwer alles aufnehmen;-(
Chrissipauli
alma
13.06.2017 19:05:15
Nur als Perspektive.
Es hilft gegen die Angst.
Aber es ist viel Stoff. Geduld. Wie du sagtest.
alma
Dennis87
14.06.2017 09:59:22
Ich hab ein 27 mal 2 gy protonentherapie bekommen, hatte auch sehr viel Angst weil bei der Aufklärung wird einfach gesagt was alles passieren könnte. Haarausfall an der Stelle oder je nach Tumor eben auch andere Sachen, bei mir haben sie gesagt das eben da ohr sehr in der nähe da könnte ich auf der einen Seite nichts mehr hören. Aber könnte nicht muss sie haben bei mir gesagt das die haare wohl nicht mehr wieder kommen weil mein (ex) Tumor so nah am Schädel ist das die Haut die volle dosis abbekommen hat und 3 Monate später wachsen die harre schon wieder und es kommen immer mehr. Ich habe auch keine Langzeit Nebenwirkungen außer das ich minimal besser sehen kann :D Die Bestrahlung an sich merkt man nicht mal, ich war so aufgeregt und dann war ich hab die maske auf bekommen und mir wurde noch mal alles erklärt und dann war es so weit und ich hab nix gemerkt. Ich war nur müde das ist normal sonst ging es mit gut. Mein Tipp nicht einfach rum gammeln auch wenn man echt richtig müde ist dann lieber ne runde im Wald laufen :) das schlimmste war immer das man jeden Tag da hin muss war jeden tag 1 hin und wieder 1 Stunde zurück aber fahren darf man ja nicht da bekommt man ein Taxi Schein. Man stellt sich das immer so schlimm vor ist aber nicht.
Dennis87
ricola
14.06.2017 15:36:45
Irgendwie muss jeder seinen eigenen Weg finden damit umzugehen und ich denke mal das sieht bei jedem etwas anders aus.

Auch ich habe zwei kleine Kinder 3 und 4 Jahre alt. Wir haben die Kinder von Anfang an mit einbezogen und es ihnen halt aauf kindgerechte Wise erklärt. Irgendwie muss man ihnen ja einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt erklären. Und auch, dass die Haare durch die Bestrahlung ausfallen, das es einem mal nicht so gut geht. Ich finde das wichtig, das sie Bescheid wissen, denn sie bekommen mehr mit als man denkt. Sie verstehen es dann auch und merken auch, wenn es einem mal einen Tag nicht so gut geht.

Ich gehe allgemein offen mit dem Thema um, rede mit Freunden und Bekannten darüber. Dies hilft mir persönlich sehr.

Ich versuche mich abzulenken und mich zu beschäftigen, ich mache etwas Sport, fahre Rad, gehe spazieren, lese viel, beschäftige mich mit Sachen für die ich früher kaum Zeit hatte. Da verfliegen die schlechten Gedanken oft von allein. Zumindest bei mir ist das so. Und wenn man eine Familie mit Kindern hat weiß man doch auch warum man kämpft.

Logisch habe ich auch Angst, nächste Woche steht das erste Kontroll MRT an, aber mir persönlich hilft am besten:
Weitermachen!!!
ricola
Chrissipauli
14.06.2017 18:31:06
Danke für die lieben Antworten!
Meine Kinder wissen auch genau Bescheid, habe es jedem auf seine Weise erklären können und festgestellt, dass ich Ihnen auch Ängste nehmen konnte. Meinem Gefühl nach haben es beide sehr gut aufnehmen können und scheinbar gut annehmen können.
Auch anderen gegenüber bin ich sehr offen damit, da helfen Gespräche und gutes zureden.
Ich glaube es ist wirklich am besten sich mit irgendwas ablenken zu können, bloß merke ich jeden Tag immer wieder, dass es mir nach dem aufwachen psychisch am schlechtesten geht und ich täglich gefühlt wieder von vorne anfangen muss. Gestern Abend ging es mir komischer Weise so gut, als wäre nie etwas gewesen. Am liebsten hätte ich die Nacht durchgemacht, damit das Gefühl immer so bleibt. Ich versuche es als ein positives Signal mitzunehmen, dass es tatsächlich wieder besser werden kann.
Chrissipauli
alma
14.06.2017 19:16:37
Hatte ich auch. Morgens immer am schlechtesten.
Man erwacht schutzlos aus dem Schlaf und kriegt gleich die volle Breitseite.
alma
Chrissipauli
14.06.2017 19:28:19
@alma: Und? Hat es sich irgendwann gebessert??? Gebe die Hoffnung nicht auf!
Chrissipauli
alma
10.10.2017 17:23:53Neu
Ja, Besserung so nach 1-2 Monaten.
Beim nächsten Rezidiv aber da capo.
alma
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