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Thema: Liquor

Radiotirol
02.11.2019 19:16:16Neu
Guten Abend. Mein Vater hat im März ein Akustikusneurinom operiert.
Seiter hat er Liquor austritt hinterm Ohr eine dicke Beule, manchmal weich, manchmal Hart. Angeblich wurde die Wunde nicht richtig zugenäht. Laut Chirurgie ist das nur ein ästhetisches Problem. Jedoch ist mein Vater schwindlig und hat Kopfschmerzen. Dies hat er auch beim Arzt gesagt. Aber sie sagen alles ist gut.
Was könnte ich noch für ihn tun?
Lg sonja
Radiotirol
Toffifee
02.11.2019 23:06:21Neu
Hallo nach Tirol!
Ich hatte ein Meningeom und nach einem Monat tropfte Liquor morgens aus der Nase. Neue OP Fascie vom Oberschenkel zum Abdichten rein, zwei Wochen später nochmal das Gleiche, aber auch Bauchfett (von mir) dazu; dann war es dicht und gut.
Spaß dazu: Als ich aufwachte und die Wunden am Bauch und Oberschenkel bemerkte, fragte ich entsetzt meine Frau ob ich einen Autounfall gehabt und schon vergessen hätte!

Alles Gute Toffifee
Toffifee
KaSy
03.11.2019 01:19:39Neu
Liebe Radiotirol,
was Toffifee leider erleben musste und es für Euch beschrieben hat, ist die gefährliche Variante, wo dringend gehandelt werden musste.

So ist es bei Deinem Vater nicht!

Dein Vater hatte eine Operation eines Akustikusneurinoms. Derartige einseitige OPs, bei denen das Ohr bzw. dessen Nähe betroffen ist bzw. war, können Schwindelgefühle als Folge haben. Schließlich ist im Ohr auch das Gleichgewichtsorgan und wenn dieses einseitig gestört war und durch die OP noch ist, dann ist das die Erklärung dafür, dass Deinem Vater schwindlig ist.

Die Ärzte werden ihm das sicher auch als Ursache genannt haben.

Kopfschmerzen sind nach Operationen am Gehirn nicht unüblich, sie können auch mit durch die Gleichgewichtsstörungen entstehen.

Dein Vater hat ein so genanntes Liquorkissen. Dieses ist dadurch entstanden, dass die Hirnhaut aufgetrennt werden musste, um an den Tumor herankommen und ihn entfernen zu können, aber das Verschließen der Hirnhaut danach nicht hundertprozentig geklappt hat. Es blieb eine ganz kleine Lücke, durch die das Hirnwasser (Liquor) hindurch zwischen die Hirnhaut und die Kopfhaut fließen kann. Diese Lücke nennt man auch Liquorfistel. Je nachdem, wie Dein Vater liegt, steht, sitzt, sich bewegt, fließt eine kleine Liquormenge in diese sichtbare Beule hinein oder wieder zurück. Dadurch ist dieses Liquorkissen mal weicher und mal härter.

Solange keine Flüssigkeit nach außen dringt, besteht keine Gefahr!

Das war bei Toffifee anders. Dort gab es eine Verbindung durch die Nase nach außen. In diesem Fall können Keime in das Gehirn gelangen und zu gefährlichen Hirnhaut- und/oder Gehirnentzündungen führen. Dann muss diese Liquorfistel dringend verschlossen werden, da Lebensgefahr besteht.

Bei Deinem Vater ist aber alles verschlossen. Es gibt keinen Zugang, durch den der Liquor nach außen dringen kann, also können auch keine Keime eindringen.

Es ist tatsächlich ein ästhetisches Problem.

Es tritt gar nicht mal so selten auf, macht den operierten Patienten nahezu nie Probleme und bildet sich häufig im Laufe einer mehr oder weniger langen Zeit zurück, da sich die Liquorfistel nach und nach von allein verschließt.

Ich selbst hatte ein deutlich flächengrößeres Liquorkissen über der einen Stirnhälfte, das ich nach etwa drei Jahren nicht mehr bemerkte. Bei vielen ist es nach Tagen, Wochen oder Monaten weg.

Nur in seltenen Fällen muss es operiert werden. Diese Operationen sind nicht einfach (siehe Toffifee).

Auch bei mir wurde das versucht und es gelang nicht, bzw. hielt nur sechs Wochen - und dann erlebte ich diese lebensgefährliche Entzündung des Gehirns. Ich war schnell in der Klinik, die Neurochirurgen waren schnell und es folgten zwei Wochen stationärer Antibiose, die mein Leben retteten.

Sei bitte nicht beunruhigt und erkläre Deinem Vater, dass die Ärzte Recht haben, dass keine Therapie erforderlich ist und dass seine Beschwerden nicht von dem Liquorkissen kommen.

Ich wünsche Deinem Vater einen guten Heilungsverlauf!
KaSy
KaSy
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