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Thema: Mein Mann nimmt meine Hilfe nicht an, wie soll ich damit umgehen?

Mein Mann nimmt meine Hilfe nicht an, wie soll ich damit umgehen?
Idefix
24.06.2019 20:35:29
Mein Mann hat die Diagnose im Oktober bekommen und ist operiert worden danach gab es eine Kombi Chemo + Bestrahlung. Nach der Therapie wurde das erste MRT gemacht ( nach ca. 5 Wochen ) da sah es noch ganz gut aus. Nach dem 3.Zyklus kurz vor dem 4. Zyklus wurde wieder ein MRT gemacht und man hat drei neue Tumore gefunden und der Erste fing wieder an zu wachsen. Bis dahin hatte mein Mann keine sehr großen Probleme, außer Wort Findung Probleme und das er falsche Worte einsetzt in einem Satz. Jetzt bekommt er wieder Bestrahlung an den drei neuen und jetzt gibt es größere Probleme er versteht vieles nicht mehr was gesagt wird die Wort Findung ist extremer und neu motorisch kann er mit der Hand nicht mehr richtig zupacken und er schleift sein rechtes Bein mehr als das er geht. Er ist sehr unsicher im gehen verliert als die Balance. Er kann sich das Brot nicht mehr richtig schmieren will den Löffel wie eine Gabel nutzen. Es ist bestimmt klar das man ihm helfen will aber das will er nicht er wird er würde lieber nicht weiter essen als das ich ihm zeige welches Besteck er besser nehmen würde und wie. Er torkelt lieber rum als das er sich bei mir einhängt. Ich bedränge ihn nicht biete einfach ruhig meine Hilfe an werde aber sofort schroff und laut zurück gewiesen. Ich bin langsam mit meinen Nerven am Ende das ständige " auf rohen Eiern laufen" bringt mich langsam an meine Grenze. Was kann ich nur tun? Wir sollten doch die Zeit lieber schön miteinander und gemeinsam gehen. Kann mir vielleicht jemand einen Rat geben oder hat jemand das gleiche Problem?
Idefix
cs66
24.06.2019 22:29:28
Daß die Betroffenen Hilfe nicht annehmen möchten ist hier im Forum in vielen Beiträgen behandelt worden. Damit bist Du nicht alleine.

Versuche einfach, Dich in die Situation Deines Mannes zu versetzten. Das hat mir im Umgang mit meiner Frau geholfen. Führungsverantwortung für 20 Mitarbeiter in Europa, ehrgeizig und stark auf die Arbeit fokussiert. Dann kommt die Diagnose und von einem zum anderen Tag ist nicht nur die Lebenserwartung stark gesunken sondern die Lebensqualität extrem eingeschränkt als auch das komplette Selbstverständnis in Trümmern.

Ich bin überzeugt, ich würde in dieser Situation ähnlich reagieren. Lieber drei Mal umfallen als mich nur einmal als betüddelter Depp (sorry) fühlen.

Ich versuche, das funktioniert leider nicht immer, meine Frau weiterhin als eigenständige und selbstbestimmte Persönlichkeit zu behandeln. Dies bedeutet allerdings auch, daß man selbst mit der eigenen Angst umgehen muß. Schwierig und häufig mit "Mut zur Lücke" verbunden.
cs66
AnnikaK
25.06.2019 07:23:00
Das war bei meinem Vater auch so. Es gab auch viel Streit deswegen, bis meine Mutter eine Pflegefachkraft 2x die Woche geholt hat. Die hat meinen Vater dann an den Tagen unterstützt und ihm auch immer wieder gesagt, dass das nicht schlimm ist, wenn man Hilfe braucht.
Dann wurde es langsam besser und er hat sich auch von meiner Mutter helfen lassen.

Manche Menschen nehmen lieber erstmal Hilfe von Fremden an als von Familienangehörigen, gerade bei Männern ist das wohl so.

Klar sollte man sich immer auch in die Situation vom Patienten reinversetzen, aber auch der Patient sollte sich in die Situation von den Angehörigen reinversetzen. Das hat die Pflegefachkraft mit meinen Eltern zusammen so besprochen und das hat immens geholfen.
AnnikaK
mona
25.06.2019 08:32:36
Hallo,
ja auch ich als Betroffene habe Anfangs vieles nicht zugelassen da ich für mich es erst mal selber akzeptieren musste.
Auch wir/ich habe ein Umgang damit gefunden.

Allen viel Kraft

Lg mona

Gemeinsam Stark
mona
Angela
25.06.2019 16:50:02
Hallo Idefix,
die Probleme, die du beschreibst, hatten wir auch und haben Sie noch in abgeschwächter Form.
Mein Mann konnte und kann vieles nicht mehr bewältigen, es ist schwer für ihn, das zu akzeptieren. Ich habe ihn machen lassen und versucht, vorausschauend einige Probleme zu entschärfen, z.B. ihm das Brot fertig belegt zu servieren und das Mittagessen so zubereitet, dass er es sowohl mit der Gabel als auch mit dem Löffel essen konnte. Manches ist auf dem Boden gelandet, na und, ich habe es dann eben weggewischt. Beim Laufen war und ist er unsicher und zieht ein Bein nach, er will alleine laufen. Ich laß ihn und nehme vorsorglich einen Einkaufsroller mit Sitzgelegenheit mit, dann kann er sich zwischendurch ausruhen, was er aber meistens ablehnt.
M.E. hilft nur Ruhe und Gelassenheit und liebevolle Zuwendung, was zugegebenermaßen nicht immer leicht fällt und an den eigenen Nerven zerrt.
Glücklicherweise hat sich sein Zustand allmählich gebessert, er ist nicht gut, aber erträglich. Viel Kraft und Geduld weiterhin wünscht dir
Angela
Angela
Idefix
25.06.2019 20:09:55
Ich musste meinen Mann leider heute in die Klinik bringen. Er ist am frühen Morgen im Bad gestürzt. Mein Mann verträgt kein Kortison und die Klinik versucht jetzt mit anderen Mitteln die Ödeme im Gehirn zu verringern. Ein MRT wird morgen auch noch gemacht. Ich hoffe das wir das in den Griff kriegen.
@Angela ich habe auch immer versucht Probleme zu entschärfen wenn er das aber gemerkt hat, gab es wieder ärger, weil ich das versucht habe.
Idefix
Angela
26.06.2019 07:32:55
Liebe Idefix,
es tut mir so leid, dass es deinem Mann nicht gut geht, hoffentlich kann man ihm im Krankenhaus helfen.
Mein Mann ist anfangs auf der Straße gestürzt, vermutlich war sein Gesichtsfeld eingeschränkt. Er konnte ambulant behandelt werden.
Das mit dem Probleme entschärfen und die aggressive Reaktion darauf kenne ich auch, es ist und bleibt schwierig für beide.
Wichtig ist jetzt aber, dass deinem Mann geholfen wird. Als med.Laie muß man sich auf die Ärzte verlassen und hoffen, dass Sie das Richtige tun. Hoffentlich liegt tatsächlich keine Unverträglichkeit vor, so dass eine Anpassung der Kortison-Dosis helfen kann. Hier im Forum habe ich gelesen, dass die Dosis so stark erhöht wurde, dass die Beschwerden wie bei einer Wunderheilung sofort weg waren. Ich denke an euch und wünsche deinem Mann, dass man die richtige Behandlung für ihn findet.
LG Angela
Angela
Toffifee
18.07.2019 01:38:12
Es ist schwierig:
jahrzehntelang ist man klug, sprachgewandt, hat ein Supergedächtnis sportlich fit oder sehr fit und man lebt sein mehr oder minder tolles Leben. Plötzlich hat man ein Problem, naja kann passieren, dann kommt aber womöglich ein zweites Problem und das erste wiederholt sich gleich oder anders oder ähnlich.
Also da steht man neben sich!! Ist unzufrieden mit sich selber, wenn die anderen meckern, mit denen auch und der Welt insgesamt.
Eine Uhr kann man zurückdrehen, ein gebrochenes Bein kriegt ein paar Wochen Gips oder eine Titanschiene und die Sache ist über kurz oder lang aus der Welt. Aber Gedächtnislücken sind ein Greuel, ein Unding. Man strengt sich an, man trainiert fleißig: man wird auch gelobt aber dann kommt die nächste Erinnerungslücke irgendwas: sechs Monate, oder anderthalb Jahre zurück. Wo ist ist mein altes ich geblieben? Da haben es gut gemeinte Ratschläge von aussen schwer. Man muß sich erst selber sortieren, mit der neuen Situation klarkommen und ich glaube das kann dauern. Good luck
Toffifee
Idefix
18.07.2019 13:41:17
Heute ist mein Mann gestorben an seinem Geburtstag und unserem Hochzeitstag. Ganze 34 Jahre. Er ist friedlich eingeschlafen ohne Schmerzen, dank Morphin. Er hatte sich aber bis fast zum Schluss geweigert sich helfen zu lassen. Er ist wie er ist, und ich liebe ihn.
Idefix
Aziraphale
18.07.2019 15:12:08
Mein aufrichtiges Beileid.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit.

lg
Erzi
Aziraphale
Toffifee
18.07.2019 15:12:46
Liebe Idefix,

Mein herzliches Beileid. Das finde ich sehr traurig wenn man so jung stirbt. Manche Krankheiten sind grausam. Bei einem tödlichen Autounfall ist es manchmal innerhalb von Minuten vorbei und das Schicksal fragt auch nie willst du das?
Alles Gute im Kreis der Familie und Freunde
Toffifee
Toffifee
Naomi66
18.07.2019 15:24:11
Hallo Idefix,

auch von mir herzliches Beileid und ganz viel Kraft und Energie für die nächste Zeit. Ich hoffe, du kannst das irgendwann verarbeiten. Das ist so schwer, gerade, wenn man solange zusammen war. Ich weiß nicht, wie alt dein Mann war. Mein Mann hat ein Glioblastom seit 2016 und auch noch jung,. JG 1967. - Irgendwann kommt das Engültige und das Loslassen ist sehr schwer. Auch wenn man seit Diagnose schon am trauern ist und es ist ein langsamer Abschied... Wünsche dir alles Gute meine Liebe..!
Naomi66
Rebellken
24.07.2019 01:47:29
Mein herzliches Beileid. Ich bin ganz fassungslos wieviele Menschen unser Schicksal teilen. Mein Mann hatte die Diagnose 2017. Es ist ein ständiges auf und ab. Aber ich habe diese Endgültigkeit des Abschieds noch nicht erfahren müssen und hoffe , dass es trotz aller Widrigkeiten, noch lange so bleibt.
Ich kann mir nur ungefähr vorstellen wie du dich nun fühlst und wünsche dir, dass du wieder in den Einklang mit dir selber kommst. Es tut mir unendlich weh , davon zu hören und ich wünsche dir allen Lebensmut den du aufbringen kannst, damit du diese Situation bald meisterst. Alles Liebe, Rebellken
Rebellken
Hopehelp
24.07.2019 23:47:26
Liebe Idefix und Familie ,

meine aufrichtige Anteilnahme
und herzliches Beileid.

Ich wünsche dir alles Gute,
viel Kraft für die kommende Zeit,
Halt und Verständnis in deiner Familie und Freundeskreis.

Stille Grüsse

Hopehelp
Hopehelp
suace
25.07.2019 15:03:24
Liebe Idefix,
Mein ganz herzliches Beileid! Aber wie schön, daß er ganz ruhig gehen durfte, daß wird Dich vielleicht ein bißchen trösten
Ich denke an Dich
suace
LinaK
26.07.2019 23:17:45
Liebe Idefix, auch ich möchte dir und deiner Familie mein herziches Beileid ausdrücken. Lina
LinaK
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