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Thema: Nebeneinander herleben!

Nebeneinander herleben!
Naomi66
01.05.2019 09:39:22
Hallo ihr lieben,

mein Mann und ich führen eigentlich nur noch eine WG und ein freundschaftliches Verhältnis zueinander, nicht mehr oder weniger. Er pflegt seine Grundbedürfnisse, zu mehr hat er keinen Antrieb oder Initiative oder Lust. Da wir kaum kommunizieren, weiß ich es nicht genau. Er konnte schon früher nicht reden, jetzt noch weniger, aber er versteht sehr genau, um was es geht. Ich bin unzufrieden, da das jetzt schon über 2 Jahre so geht. Ich kann nicht mit ihm reden. Wir sind noch nicht so lange verheiratet. Ich habe das Gefühl, ständig nur zurückzustecken.
- So ist das eben kein beziehungsleben. Ich sitze auf der Terrasse alleine, auf der Couch und im Bett auch. Was bin ich denn nun??? Wir sind beide erst 50 Jahre. Meine Therapeutin sagte mir, ich soll anfangen, mich um mich selbst zu kümmern, Freundschaften pflegen, rauszugehen usf. Und ich wäre niemanden eine Rechenschaft schuldig, da es auch mein Leben ist, solange ich für meinen Mann da bin. So sehe ich das auch. Es gibt auch keine gemeinsamen Freunde, die das mittragen, weil er ein Einzelgänger ist. Ich halte das kaum noch aus trotz Gespräche bei der Therapeutin. Ich weiß nicht, ob ich das jahrelang durchhalten KANN. Jaja ich weiß, ich habe geheiratet in guten und schlechten Zeiten, nur bei uns überwiegen die schlechten leider.
Naomi66
Tulip
02.05.2019 09:00:26
Liebe Naomi,
es ist wichtig und richtig, dass Du auch nach Dir schaust. Unerlässlich! Man tendiert vermutlich sehr häufig dazu, alles hinter die Krankheit zu stellen und das rächt sich schnell ganz böse, ob gesundheitlich oder anderweitig. Dazu finden sich ja auch schon andere Berichte von betroffenen Angehörigen hier.
Und es ist legitim, nicht mehr zu können oder nicht mehr weiter zu wissen.
Tu das, was Dir gut tut! Und das ohne Rechtfertigung, denn niemand da draußen, der nicht selbst in der Situation steckt, wird es zu 100% nachempfinden können. Die Leute hier im Forum sicher am ehesten. Insofern musst Du nur Dir/Euch beiden gegenüber klar sein, was Dir hilft.
Und ja, es kann unglaublich schwer sein!
Tulip
ness
02.05.2019 17:39:53
Naomi, ich kann mich Tulip "nur"anschliessen.Es ist dein Leben und auch du hast "nur"dies eine Leben, bekommst keinen Tag geschenkt "nur"weil du so weitermachst wie bisher und du weisst ja zudem auch nicht was kommen kann, auch du kannst zb erkranken,,,,Heut lebt ihr und da ich natürlich euch nicht kenne aber von deinem schreiben denke das es sich aufgebaut hat und nicht von heut auf morgen kam..so darfst du bitte doch an dich denken und schliess dich zb einem Sportverein,Gesangverein an und nutzte die Auszeiten.Vielelicht habt ihr vor der Erkrankung euch auch etwas eingeigelt(Einzelgänger)und Kontakte verloren ,versuch deine Freundinnen von früher zu kontaktieren.Aber bitte rechtfertige dich ausschliesslich vor Dir.Bei meinem Mann und mir (ich bin betroffen)war es zb so das wir meist gern auch für uns nur waren und sind und es tut gut andere Menschen ,soziale Kontakte aufzubauen, wir sind in eurem Alter und beginnen seit geraumer Zeit erst wieder Alttag mit anderen Freunden aufzubauen.Vielelicht mussten wir uns erst an "kranksein"gewöhnen, wenn man das so nennen darf um wieder Alltag leben zu lernen.Bitte nutzte rauskommen und vielleicht "wacht"dein Mann etwas dadurch auf, wenn er allein bleiben möchte okay ,lass ihn.Aber du lebst auch jetzt und nicht irgendwann,glg und nun raus mit dir, ein Stündchen....ness
ness
mona
02.05.2019 21:22:08
Hallo,
auch mir/uns ging es so.Mit der Zeit ist vieles besser geworden.Trotz der Erkrankung bin ich sehr "mobil"und überschreite ab und an mal mein Limit...

Mach etwas für dich und genieße diese Zeit,sie spendet dir/euch wieder Kraft für schlechtere Zeiten

Lg mona

Gemeinsam Stark
mona
styrianpanther
03.05.2019 00:14:16
Hi, ich und meine Frau, ich hab den Tumor, haben Uns jahrelang bemühteund alle Gedanken gemacht, wie wir gut miteinander bzw Nebeneinander tun beziehungsweise leben können.
Wir haben uns kurz vor meiner letzten Operation im Oktober entschlossen uns Vor erst einmal für die Operation Zeit und die Bestrahlung und Chemophase räumlich zu trennen. D.h., dass ich ungefähr 400 m Luftlinie entfernt eine kleine Wohnung habe. Das ist sozusagen ein guter „Startplatz“ für mich mit meinen Kindern gemeinsame Aktivitäten zu setzen und trotzdem gut mit meiner Frau in Kontakt zu bleiben. Wir haben zwei Kinder, einen Sohn elf und eine kleine Tochter drei Jahre alt. Nachdem ich eigentlich in Berufsunfähigkeitspendion ( BU RENTE) bin undnicht mehr wirklich voll arbeiten muss,habe ich jetzt sehr viel Zeit und kann 2-3 Tage pro Woche auf die Kinder schauen, je nachdem wie sie Lust haben und es uns passt... Zwei Tage sind an sich fix,Außer jetzt jetzt in der ChemoradioTherapiephase da schauen wir mal
ObWir uns in Zukunft dann vielleicht dauerhaft trennen, ist nicht so wichtig. Wir, ich und meine Frau, sind halt drauf gekommen dass wir sehr unterschiedlich sind und dass uns die Erkrankung sehr gefordert hat.
Rechtlich scheiden lassen möchte ich mich aber sowieso nicht weil ich haben möchte das meine Familie abgesichert ist für den Fall dass ich In der nächster Zeit sterben sollte, was ich ss nicht erwarte, da ich im wesentlichen sehr optimistisch bin .
Wir haben uns ja vor 4 Jahren entschlossen, trotz allem noch ein zweites Kind zu basteln bekommen auch wenn es ein wenig stressig war und finanziell insgesamt eine Herausforderung ist.Ich genieße die Zeit insofern, da ich nun entspannt meine Ruhe haben kann und trotzdem für die beiden Kinder da sein kann ohne Stress oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich denke es ist wichtig, dass man trotz allem Leid gemeinsam eine Lösung findet, dass man gemeinsam oder ggf. auch getrennt leben und trotzdem jeder soweit möglich „glücklich“ ist
Mit freundlichen Grüßen
Stytianpanther
styrianpanther
Naomi66
03.05.2019 10:09:55
Guten Morgen und lieben Dank für eure Sichtweisen und Gedanken!
Eigentlich führe ich kein Eheleben mehr, da mein Mann sich nicht austauscht mit mir. Er kann noch reden, aber entweder will er nicht oder er kann es tatsächlich nicht mehr. Er geht weder zum Psychater noch Psychologen. Für ihn ist alles soweit ok. Er braucht nur noch seine Grundbedürfnisse und keine weiteren Interessen mehr.
Er geht nicht spazieren, kein Sport, nix....Am liebsten würde ich mich räumlich trennen, weil es mich runterzieht auf Dauer. Ich hatte große OP hinter mir, war auch 1 Jahr chronisch krank. Hilfe war er mir auch nicht, musste alles alleine machen als ich vom Krankenhaus nachhause kam. Weil er immer liegen musste mehr oder weniger. Wenn ich ihn frage, warum er so viel liegt, kann er mir das nicht beantworten. Das ist nix mehr auf Augenhöhe. Ihr werdet jetzt vllt staunen, was ich euch erzähle.

Ich habe einen alten Bekannten aus meiner Schulzeit wieder getroffen. Wir haben uns auch öfter schon gesehen und es tut mir gut. Er nimmt mich auch mal in den Arm, tröstet mich. Er versteht, in welcher Lage ich bin. Mensch, ich bin ein Mensch mit Gefühlen, habe viel zurückstecken müssen wegen der Krankheit. Ich finde, dass er keine Lebensqualität mehr hat. Aber ist ja eh egal, weil er es anders aufnimmt, für ihn normal ist. Ich kann ihn auch zu nix bewegen, dass sich mal was ändert. So hab ich den Eindruck ich soll funktionieren wie eine Pflegerin ohne eigene Bedürfnisse. Aber wie soll das gehen auf Dauer vor allem?
Er kann nix dafür und ich bin noch zu jung auf Dauer, falls das wirklich Jahre gehen soll. Ich bin ja nun ab und an abends mal unterwegs, was mir wirklich gut tut. Wenn ich dann nachhause komme, ist er sowieso im Bett. Er fragt mich auch nicht mal, wie es war. Ich erzähle auch nix mehr. Ich habe eher den Eindruck, er ist sauer, da er kein Auto fahren darf. Ich soll quasi auch leiden so wie er hab ich den Eindruck. Wir sind uns sehr fremd geworden. Dabei hatte er ein sauberes MRT, nimmt keine Chemo mehr. Ihr lieben, was soll ich nur tun???? - Es ist traurig........
Naomi66
TabeaK
03.05.2019 13:50:33
Tja, das "In guten wie in schlechten Tagen" betrifft eben dann doch nur die "guten Tage" wenn es hart auf hart kommt...

Es ist in der Tat ein schweres Stueck Arbeit unsere Lieben durch eine so gut wie immer toedliche Krankheit zu begleiten - ich habe mir aber immer vor Augen gehalten: Egal wie schwer ich die Situation finde, die Situation des Betroffenen ist schlimmer. Danach habe ich mein Denken und Handeln ausgerichtet.

Man kann einfach nicht erwarten, dass sie Personen mit schwerster Hirnerkrankung so verhalten wie man das moechte...
TabeaK
Aziraphale
03.05.2019 14:00:25
Ich bin da etwas zwiegespalten... Ich könnte mir niemals vorstellen, mich nicht um meinen Mann zu kümmern, nicht für ihn da zu sein. Aber wir führen auch eine liebevolle, zugewandte Partnerschaft, reden und lachen viel zusammen.

Ich kann aber verstehen, dass es unsagbar schwer ist, wenn nichts zurück kommt. Wenn man versucht und macht und tut und man sich, wie Du ja geschrieben hast, wie eine x-beliebige Pflegekraft fühlt. Ich denke, ich würde meinen Mann fragen, was er von mir erwartet, ob es ihm genügt, wenn ich mich um alles kümmere, ansonsten aber mein eigenes Leben führe.
Aziraphale
GMT
03.05.2019 16:23:01
Bei allem Verständnis für diese schwere Zeit für Angehörige, die helfen wollen und oftmals nicht können weil sie es einfach nicht wissen wie oder sie wenig Hilfe von 'außen' haben, bin ich trotzdem ziemlich erschrocken über den Eingangsbeitrag...Offensichtlich war da die Beziehung vielleicht schon von vornherein nicht gut durchdacht.....

Wirkliche Liebe ruft in schwierigsten Zeiten trotzdem Gefühle und Gedanken hervor, die einen innehalten lassen in seinem ( berechtigten) Selbstmitleid!
Vielleicht so etwas: " Wie würde ich mir wünschen, was mein Partner tut wenn ich in dieser furchtbaren Situation wäre?; Könnte er Verständnis für meine Nöte aufbringen? Was würde ich fühlen wenn er diese - meine - tödliche Erkrankung als Last & Bürde empfindet weil er sich zurückgesetzt fühlt dadurch? Würde er mir die Schuld geben?"

Nur so z.B...…
Wenn es vorbei ist und hier ist die Zeit eher kürzer als länger - kann man dann mit solchen Gedanken und Gefühlen gut leben?
Man kann nichts mehr wiederholen oder gutmachen...… der Betroffene hat gar keine Chance etwas dagegen zu tun um eure Beziehung positiv zu beeinflussen, er kann nicht mal sein eigenes Leben mehr beeinflussen - die Ängste und hier sprechen wir von ehrlicher Todesangst, die med. Behandlung fordert auch ihren Tribut und auch da hat der Betroffene keinen Einfluss drauf.....
GMT
Rehsis
03.05.2019 17:24:17
Hallo alle miteinander,
Ich möchte mal anmerken, dass in Naomi's Beitrag nirgendwo steht, dass sie die Erkrankung ihres Mannes als Bürde oder Last empfindet. Sie beschreibt lediglich ihr Gefühl in einer Partnerschaft, in der es keine Nähe und kein Miteinander gibt. Das ist in meinen Augen auch absolut legitim, denn wir sind alle fühlende Wesen mit Bedürfnissen und es steht niemandem zu, über jemanden zu urteilen, in dessen Schuhen er noch nie gelaufen ist. In meinen Augen erleidet Naomi einen Mangel und bittet um Rat. Da sind Vorwürfe und Verurteilungen völlig fehl am Platz.
Ich wünsche allen ein entspanntes Wochenende,
Herzliche Grüße,
Iris
Rehsis
GMT
03.05.2019 17:46:02
@Rehsis


Eine "Verurteilung" steht hier auch nirgendwo - sondern lediglich das Empfinden beim Lesen des Beitrages der Foristin.
Übrigens im Thema 'Gliblastom' - da ist es sicher nicht abwegig zu vermuten, dass Naomi hier nicht wegen Liebeskummer schreibt sondern im Zusammenhang mit der Erkrankung ihres Mannes und den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten.

Auch Menschen, die diese Erkrankung als Angehörige bis zum bitteren Ende mitgetragen haben, sind fühlende Wesen.
Mein Beitrag enthielt lediglich den "Rat", sich einmal in die Lage des Betroffenen zu versetzen und zum anderen auch über die eigenen Schuhspitzen hinaus zu denken - wenn der Patient tot ist, kann man leider nichts mehr "besser" machen....und leidet eventuell noch viel länger an den eigenen Gedanken & Gefühlen...
GMT
eviablau
03.05.2019 20:39:58
Hallo Naomi66,
wenn man sich nicht genug liebt, sollte man sich vielleicht trennen. Ohne schlechtes Gewissen...da hat der Betroffene ja auch nichts von...du erwartest vermutlich etwas von ihm, dass sein erkranktes Gehirn dir nicht geben kann.
Ich finde das schwierig hier sowas zu lesen, du erwartest vermutlich eine Art Absolution zb dich zu amüsieren, das Leben wieder zu genießen.
Dann mach das doch!
Die Liebe in solchen Zeiten ist so was von einseitig und trifft im Kern dennoch das was sie ist.
eviablau
Lissie38
04.05.2019 18:35:28
WG - da gibt es aus meiner Sicht nur eine Lösung.

scheidung.

Ich denke, bei der Beziehung ist Sex super wichtig, wenn das nicht mehr passt, wird sich dein Mann anderweitig umsehen....was man da teilweise auch nicht verdenken kann

körperliche liebe ist meiner Meinung nach das wichtigste und die Anziehungskraft in der Beziehung
Lissie38
Lissie38
04.05.2019 18:36:33
mit 50 bist du viel zu jung im zöllibat zu leben..das wäre ja Folter...geht gar nicht
Lissie38
Naomi66
04.05.2019 18:59:21
Hallo Liessie, Danke für deine Zeilen, aber scheiden lasse ich mich nicht. Ich möchte für meinen Mann da sein, nur nicht bis zur Selbstaufopferung. Ja, Sex ist wichtig, wenn man es noch ausüben kann. Mein Mann kann es nicht mehr und hat auch kein Verlangen mehr danach. Das ist schon lange so. Auch Emotionen hat er nicht mehr. Es ist eben nur traurig. Er empfindet sein doch recht langes Überleben nicht als Gewinn, weil er vieles nicht mehr spüren kann. LG und ein schönes Wochenende
Naomi66
Efeu
04.05.2019 19:49:18
Hallo Naomi,

ich stelle mir deine Situation kompliziert vor. Du leidest. Du brauchst mehr Lebendigkeit, mehr wieder von dem, was dir lebenswert ist. Das ist wichtig, so wichtig. Und gleichzeitig ist da dein Mann, der sich so verändert hat, du fühlst dich verantwortlich, er ist schwer krank. Du fragst dich, wie du dein und damit euer Leben gestalten kannst, darfst, willst. Gemeinsames Gestalten geht leider nicht, da dein Mann nicht aktiv wird.
Also liegt es an dir, und so wie du dich anhörst, bist du ausgebrannt, leer, müde, und auch wütend.
Ich denke, du solltest ausprobieren, Schritte für dich tun. Begonnen hast du schon damit, du triffst dich mit Menschen, die dir gut tun. Mach das, und mach mehr davon.
Du bist für dich verantwortlich, primär.
Und wenn dein Mann nicht mehr als Grundversorgung vermag, will - dann akzeptiere das. So hart das klingt, lass los, und nimm viel Energie für dich. Du musst auftanken, sonst brennst du aus.
Manchmal sind die Dinge, die man nicht ändern kann, unglaublich hart.

Es gibt so viele Möglichkeiten, z.B. auch euere Lebensgemeinschaft, Ehe, zu gestalten. Zwei getrennte Wohnungen nebeneinander oder in räumlicher Nähe? ... nur ein Beispiel, mit dem ich sagen will: Sei Kreativ, hör ich dich rein, was diene Träume, Wünsche sind, und dann geh los in diese Richtung. Wer weiss, was sich entwickelt, wo du ankommen wirst. Wichtig: Mach was, da wo du etwas tun kannst. Das Unabänderliche akzeptiere, dann verliert es an Grösse und Schwere.

LG,
Efeu
Efeu
Scholle 1967
04.05.2019 22:58:10
@lissie38
Ich bin bereits 30 Jahre verheiratet, es geht in der Ehe nicht ausschließlich um Sex und es ist auch keine Verpflichtung. Füreinander da zu sein ist in unserer Ehe das Wichtigste. Auch bei uns hieß es "in guten wie in schlechten Tagen."

Ich selbst bin auch Betroffene, allerdings "nur" mit einem Meningeom, was noch keine Probleme bereitet.

In der Familie selbst hatten wir auch schon schwere Krankheiten, wo wir uns Tag und Nacht gekümmert haben und auch nichts von den Betroffenen zurück bekommen haben. Es ist für uns selbstverständlich, für den Anderen da zu sein.

Dennoch möchte ich hier niemanden Verurteilen, jeder stösst einmal an seine Grenzen, kann ich voll verstehen.
Genauso braucht auch jeder einmal eine Auszeit.

Naomi66
Gibt es in eurem Leben keine weiteren Menschen, nahestehende, die dich unterstützen können, damit du nicht daran zerbrichst?
Wenn du deinen Mann liebst, wird es doch irgendwo Hilfe für euch geben.
Letztendlich wird hier keiner die perfekte Antwort haben, alles, was du machst, musst du alleine mit deinem Gewissen vereinbaren.

LG
Scholle67
Scholle 1967
Naomi66
05.05.2019 11:37:40
Hallo an euch alle!! Danke nochmal für eure gut gemeinten Kommentare und ihr euch Zeit genommen habt, mir zu schreiben. Manchmal denk ich mir, dies hier ist eher ein Forum für Betroffene untereinander und es ist teils auch schwierig, da Angehörige und Betroffene sich hier austauschen. Woraus manchmal Missverständnisse entstehen.

@Tabea,da stimme ich dir voll zu. Dennoch dauert es etwas, bis man diese Haltung inne hat. Das sollte man jedem Menschen auch zugestehen.

@Aziraphale, ja genau, es tut so schrecklich weh, auch wenn man weiß, dass es die Krankheit ist. Wirklich schwer zu ertragen, wie gesagt, man braucht viel Input und Menschen, die das mittragen. Ansonsten ist es leicht gesagt als getan.

@GMT, Leider haben nicht alle Menschen so viel Unterstützung, so dass man auch leider nicht alles so meistern kann, wie man es gerne möchte. Ich bin eben alleine mit der Situation und auch manchmal überfordert. Ich bräuchte mehr Menschen, die uns unterstützten. Das würde vieles erleichtern. Was sagst du zu Menschen, die sich Familie nennen und sich einen Scheiß darum kümmern. Die einfach sagen, ich kann das nicht oder ich kann damit nicht umgehen. Seine Familie ist so......Das trage ich ja auch alles mit. Das tut auch sehr weh. Aber ist eben auch nicht zu ändern. Ich habe eigentlich alles seit ED so gut wie alleine gemeistert, nur wurde ich selbst krank. .....Man kann nur soviel helfen, wie man selbst auch in der Lage dazu ist bei aller Liebe!

An @Efeu, Dein Beitrag fand ich für mich so passend, es trifft es auf den Kopf. Das Unabänderliche zu akzeptieren, auch wenn man es kaum kann. Und Loslassen können. An diesen zwei Dinge muss ich noch dran arbeiten, damit es mir besser geht. Die Familie meines Mannes hat uns seit Diagnose hängen lassen, so viele Leute , die wenigstens mal moralisch helfen könnten. Meine hingegen , wenig Leute aber lieb und mitfühlend. Leider wenig Zeit für uns! Mir bleibt also nix anderes übrig, als meinen Weg zu gehen, zu schauen, dass ich nicht an allem zerbreche.

@Scholle, ja, es gibt nur wenige, die mit uns fühlen und da sein können zumindest moralisch.


@eviablau, es ist schwierig das unterscheiden, was er noch kann und was nicht. Darin liegt ja auch die Problematik. Mal kann er es, mal nicht. Ich erwarte keine Absolution mehr, es geht um das Akzeptieren des Zustandes und am nicht zerbrechen müssen daran. Die Frage der Trennung? Ne, das ist nicht die Lösung, hab ich davon geschrieben? Es geht hier nicht darum, schnellmöglich eine Lösung zu finden, sondern um Gefühle darzulegen, zu analysieren und herauszufinden, was man eventuell noch ändern kann oder eben als gegeben hinnehmen muss.
Naomi66
Caro2018
05.05.2019 12:09:55
Euch würde ein Psychoonkologe glaube ich gut tun. Ich hatte nach der Bestrahlung auch diese Traurigkeit und diese Bestrafung des weiterleben. Ich fühlte mich als das ultimative Opfer und ķonnte die 2. Chance des Lebens nicht sehen. Mein Wunsch war es zu gehen und das irdische Leben hinter mir zu lassen. War eine schwere Zeit für meinen Mann! Psychoonkologe sind für beide da!!!
Zu bedenken wäre auch, in wie weit der Tumor eine Persönlichkeitsveränderung verursacht haben kann.
Caro2018
Naomi66
05.05.2019 12:35:58
@Caro, leider will mein Mann keinen Psychologen, er sagt, er braucht das nicht. Er ist beratungsresistent. Es liegt aber auch die Vermutung nahe, dass er über die komplexen Denkvorgänge eben nicht mehr verfügt. Das sagte der Psychologe zu mir, ich gehe ab und an hin. Wenn meinem Mann das Bewusstsein fehlt, Fehler einzusehen oder Dinge ändern zu wollen, so wird er das ja nicht mehr können. Der Geist hat nachgelassen, die kognitiven Fähigkeiten reichen noch für die Grundversorgung. So sehe ich das, wie bei einer leichten Demenz. Wobei er laut Tests keine hat, aber trotzdem. Er hat auch keine Ängste in dem Sinne, er lebt wie ein großes Kind bei mir oder mit mir. Ohne dass es ihm bewusst ist. - Traurig ist das.....
Naomi66
GMT
05.05.2019 12:36:43
@Naomi66

Zitat:"@GMT, Leider haben nicht alle Menschen so viel Unterstützung, so dass man auch leider nicht alles so meistern kann, wie man es gerne möchte. Ich bin eben alleine mit der Situation und auch manchmal überfordert. Ich bräuchte mehr Menschen, die uns unterstützten. Das würde vieles erleichtern. "

Hm....was verstehst du denn unter "Unterstützung"?
Aus der Erfahrung hat man mir "Unterstützung in Form von : " wenn du mal einen zum reden brauchst" sehr häufig angeboten...ich hätte 38 h am Tag reden können - leider hätte ich dann nichts geschafft, was meinem Mann und/oder mir bzw. uns auch nur annähernd geholfen hätte!
Man hat mich auch "eingeladen, Parties u.ä. mit zu besuchen, damit ICH "Ablenkung" bekomme"....
Für mich und/oder uns, war das keine Option, da ich mich nie hätte amüsieren können während es meinem Mann physisch und psychisch schlecht ging ( obwohl er mir jeden Spaß gegönnt hätte)…..Ich hätte das einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können.

Das muss jeder für sich selber entscheiden. Die "Schuld" zu verteilen oder aufzuwiegen, was bisher jemand für einen getan hat oder nicht oder eventuell "Schuld" einzufordern, bringt in der Situation nichts!

Zitat: "Was sagst du zu Menschen, die sich Familie nennen und sich einen Scheiß darum kümmern. Die einfach sagen, ich kann das nicht oder ich kann damit nicht umgehen. Seine Familie ist so......Das trage ich ja auch alles mit. Das tut auch sehr weh. Aber ist eben auch nicht zu ändern."

Familie kann man sich nicht aussuchen und sollte sein Leben auch nicht daran ausrichten. Wenn Du das zum Grundprinzip deiner jetzigen Situation machst, verzweifelst Du und beraubst dich selber der Energie!
Die wenigsten Menschen haben die ideale Familie. Was ist denn mit DEINER Familie? Fängt die dich auf?
Zitat:
"Ich habe eigentlich alles seit ED so gut wie alleine gemeistert, nur wurde ich selbst krank. .....Man kann nur soviel helfen, wie man selbst auch in der Lage dazu ist bei aller Liebe! "

Liebe ist immer bedingungslos und hat eigentlich 'heilende' Wirkung - in solch einer schwierigen Situation wird sie jedenfalls keine Vorwürfe an den Patienten richten sondern eher Gründe finden, weshalb er nicht so agieren & reagieren kann wie er es wohl tut....
Und es hat auch nichts mit der Art von Hilfe zu tun, die man sich holen kann und muss in einer solchen Situation.

Bitte verstehe das nicht als Vorwurf an Dich sondern versuche es so zu betrachten wie es ist: Deine verletzten Gefühle sind eventuell der Erkrankung deines Mannes geschuldet aber nicht persönliche Angriffe auf Dich! Wenn Du Hilfe beim meistern des Alltags brauchst sprich mit den Ärzten deines Mannes, wo du eventuell Hilfe bekommen kannst, die dann auch praktisch für den Alltag ist.
Natürlich sollst auch Du versuchen angenehme Kontakte zu haben und wenn es dir hilft, geh aus, triff dich mit "Freunden", amüsiere dich - aber bitte entschuldige dich nicht - denn du kannst nur DEIN Leben leben und nicht das anderer Leute!
GMT
GMT
05.05.2019 12:45:56
@Naomi66

Dein Beitrag an @Caro

Ob dein Mann tatsächlich noch die geistigen Fähigkeiten hat oder nicht wird ein seriöser Psychologe niemals in einer Ferndiagnose feststellen!

Generell finde ich es eigentlich eher anmaßend wenn leider viele Leute - Ärzte sind häufig auch darunter zu finden - meinen, ein Hirntumor würde zwingend die geistigen Fähigkeiten zum erliegen bringen!

Mein Mann hat seine hohe Intelligenz bis zur letzten Sekunde behalten - kognitive Fähigkeiten heißt nicht, dass der Patient nicht mehr klar denken kann - er kann häufig nicht praktisch umsetzen, was er klar denken kann!

Z.B. - wenn die motorischen Fähigkeiten betroffen sind, kann es bedeuten, dass man genau weiß wie es funktioniert aber eben nicht mit den entsprechend Gliedmaßen praktisch umsetzt.
Laufen kann unmöglich werden obwohl man weiß, wie es geht und auch ohne, dass man gelähmt ist...…

Dass das für den Patienten eine seelische Folter darstellt und eher das Gefühl im Körper gefangen zu sein ist weil man keine 'Gewalt' mehr über seinen Körper hat, kann sehr wohl den Patienten in eine traumatische Belastungssituation bringen, die er nicht beherrscht....... wie auch - und ein gesunder Mensch kann sich das auch nicht vorstellen!
GMT
suace
05.05.2019 13:09:13
Auch ich leide unglaublich darunter, meinen Liebsten schon kurz nach der Diagnose als Mann und Partner verloren zu haben.
Ich habe jetzt ein großes Kind.
Aber ich sehe diese Zeit trotz allem als Geschenk. Ich werde mich mal damit trösten können, alles in meiner Macht stehende für ihn getan zu haben.
Und es fällt mir meistens gar nicht soooo schwer. Er ist trotzdem liebenswert und ich freue mich an guten Tagen wenn er die Zeitung liest. Wir lachen auch - Demenz ist ja oft auch komisch. Ich liebe ihn - aber anders als früher. Und natürlich leide ich darunter, keinen Partner mehr zu haben und alles alleine machen zu müssen. Ich weiß, daß ich in absehbarer Zeit ohne ihn weiterleben muß und werde. Die Zeit bis dahin gestalte ich nach unserem Trauspruch von vor 33 Jahren : Dienet einander, ein jeglicher mit den Gaben, die er empfangen hat
Das hilft mir
suace
Sabrina79
18.08.2019 00:12:17
Liebe Suace,
Ich habe schon viele Beiträge von Dir gelesen aber der letzte hier hat mich sehr berührt. Mein Mann ist ebenfalls erkrankt und wir kämpfen Seite an Seite. Auch bei uns ist die Liebe anders geworden aber aus meiner Sicht stärker. So klingt das bei Dir auch. du kannst wirklich Stolz auf Dich sein. Mein Mann und ich hatten unsere Hochzeit geplant. 4 Wochen vor der Hochzeit bekamen wir die Diagnose. Wir haben dann die Hochzeit vorgezogen, vor die OP. Und ich bin sehr froh darüber. auch wenn wir dadurch bisher nur „schlechte Zeiten“ erlebt haben. Ich möchte keine Sekunde missen. Ich bin sehr stolz auf meinen Mann. Er kämpft. vermutlich auch wegen mir. Und ich versuche alles, ihn dabei zu unterstützen. Mehr kann ich leider nicht tun. Aber das werde ich tun, bis wir nicht mehr kämpfen können.
Liebe Grüße, Sabrina
Sabrina79
suace
19.08.2019 19:40:32
Liebe Sabrina,
ich wünsche Euch alles Glück der Welt und noch eine sehr lange gemeinsame Zeit !
Kathrin
suace
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