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Thema: Nebenwirkungen der Strahlentherapie?

Nebenwirkungen der Strahlentherapie?
Peter Dersch
30.01.2001 08:33:09
Mein Vater wurde im März 2000 ein Hirntumor (Glioblasma multiforme) im Bereich des Sprachzentrums (links) teilweise entfernt. Darauf wurde er einer Strahlentherapie unterzogen. Der Erfolg war trotz der Diagnose relativ gut. Vor ca. 2 Monaten ist eine rechtseitige Lähmung des Armes und Beines aufgetreten. Die Ärzte sprechen von einem Rezidiv (Rückfall). Darauf wurde das Bewegungszentrum des Gehirns mit einem speziellen Verfahren erneut bestrahlt (vor 4 Wochen), der Tumor wird nun zusätzlich mit einer Chemotherapie behandelt. Mittlerweile ist er in der Lage wieder zu gehen und den Arm zu bewegen. Seit ca. 3 Wochen (der letzten Bestrahlung) hat er vermehrte Wortfindungs-Störungen. Kann das ein Hinweis auf einen erneuten Tumor sein, oder sind das "normale" Nebenwirkungen der Strahlentherapie? Kann sich gesundes bestrahltes Gewebe wieder regenerieren?
Peter Dersch
Andrea[a]
01.02.2001 10:26:35
Lieber Peter,
soweit ich weiß bilden sich unter der Bestrahlung Ödeme um den Tumor herum, die die gleichen neurologischen Beschwerden auslösen können wie der Tumor selbst. Nimmt Dein Vater Cortison oder Weihrauchmittel um diese Ödeme zu bekämpfen ? Außerdem bildet das Gehirn nach der Bestrahlung oft Narbengewebe (Nekrose), was wohl sehr schwer von Tumorgewebe zu unterscheiden ist. Beschwerden die durch Ödeme hervorgerufen werden können wieder vergehen. Meiner Mutter ging es beginnend ca 3 Wochen nach der Bestrahlung auch nicht so gut, die Symptome verschwanden aber wieder. Wichtig ist das dein Vater alle 6-8 Wochen eine Kernspintomographie macht, damit man es früh genug erkennt falls der Tumor wieder wächst.
Liebe Grüße Andrea (Mutter hat GBM)
Andrea[a]
Sylke
02.02.2001 07:46:05
Hallo Andrea,
Du schreibst in Deinem letzten Satz, dass es wichtig ist, alle 6 - 8 Wochen eine Kernspintomographie zu machen. Die Ärzte mit denen wir gesprochen haben, lehnen es ab, da sie der Meinung sind, dass es nichts bringt, sondern nur den Patienten verunsichert, weil man ständig auf die Ergebnisse wartet, evtl. den Lebensmut nimmt. Warum ist es Deiner Meinung nach wichtig, diese regelmäßig durchzuführen ? Danke. Sylke
Sylke
Marco Schaffrat
02.02.2001 13:44:39
Hallo Andrea,
der Lebensmut wird den Patienten nicht durch die Untersuchungen genommen, eher durch die Unfähigkeit der Ärzte mit dem Patienten umzugehen und ihm psychoonkologisch zu betreuen. Meiner Meinung nach, wird dem Patienten durch Untersuchungen Sicherheit und Hoffnung vermittelt. Wenn der Arzt der Meinung ist, dass einem GBM-Patienten nicht mehr zu helfen ist, kann er sich natürlich auch die Kontrolluntersuchungen ersparen =). Sollte aber die Möglichkeit bestehen, bestimmte Therapien zur Anwendung zu bringen, dann muss der Zustand (die Effektivität der Therapie, das Ödem, der Tumor) regelmässig kontrolliert werden. 3 Monate sind für einen Glioblastompatienten eine sehr, sehr lange Zeit. Wenn Du einmal gesehen hast, wie schnell Glioblastome wachsen, ja sogar regelrecht "explodieren" können, dann wirst Du verstehen, dass jeder Tag zählt. MR-Untersuchungen aller 2 Monate halte ich darum für zwingend nötig, wenn eine optimale Therapie angestrebt wird. Es gibt nichts schöneres auf der Welt (auch für den Arzt), zu sehen, wie ein Glioblastom von Untersuchung zu Untersuchung weniger Kontrastmittel aufnimmt.
Natürlich wird sich ein erneutes Tumorwachstum auch symtomatisch bemerkbar machen, aber vielleicht ist es dann schon zu spät.
Marco Schaffrat
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