Erste Symptome
Im Mai 2024 bemerkte ich erste „Aussetzer“ beim Gehen. Es war zunächst subtil, aber ich hatte immer wieder Schwierigkeiten beim Geradeausgehen. Im Sommer war ich häufig Mountainbi-ken und stürzte mehrmals – oft konnte ich den genauen Hergang nicht mehr rekonstruieren. Damals schob ich es auf eigene Unachtsamkeit. Rückblickend waren es vermutlich bereits erste Anzeichen einer Störung des Gleichgewichtssinns.
Im Herbst kamen zunehmend Kopfschmerzen hinzu, die auf übliche Schmerzmittel (Aspirin Complex, Thomapyrin) nicht wie gewohnt ansprachen. Als im Oktober/November zusätzlich Doppelbilder und Schwindel auftraten, ließ ich die Beschwerden abklären.
Diagnose
Zunächst war ich bei einer HNO-Ärztin. Die Untersuchungen waren unauffällig – wofür ich im Nachhinein sehr dankbar bin: Sie überwies mich dennoch zum MRT.
Am 22.11.2024 wurde das MRT durchgeführt. Dort wurde Klartext gesprochen: Auf der linken Seite fand sich ein kleines Akustikusneurinom (ca. 7 mm). Der eigentliche Befund war jedoch ein Ependymom im 4. Hirnventrikel mit einer Größe von etwa 3,5 cm. Aufgrund der möglichen Gefahr einer Liquorabflussstörung wurde mir geraten, mich umgehend in einer neurochirurgi-schen Ambulanz vorzustellen.
Die Diagnose war ein Schock. Noch am selben Tag vereinbarte ich einen Termin im AKH Wien. Meiner Familie (meine Frau und unsere drei Kinder, 15, 13 und 8 Jahre) erzählte ich es ebenfalls an diesem Tag.
Operation
Beim Termin im AKH wurde mir mitgeteilt, dass aufgrund der drohenden Liquorabflussstörung rasch operiert werden müsse. Ich wurde am 29.11.2024 operiert. Der Eingriff verlief gut, war jedoch umfangreicher als erwartet – ich wurde erst am Folgetag aufgeweckt.
Ich verbrachte etwa eine Woche auf der Intensivstation und anschließend einige Tage auf der Normalstation.
Ein kleiner Rest („Tumorrasen“) im Bereich des Hirnstamms blieb zurück.
Histologie und genetische Abklärung
Die histologische Einstufung ergab WHO Grad 2–3, also ein eher schnell wachsender Tumor mit bösartigem Potenzial.
Aufgrund der Kombination aus Ependymom und Akustikusneurinom wurde auch ein genetischer Hintergrund (NF2) abgeklärt. Die genetische Untersuchung war zum Glück unauffällig.
Neurologische Folgen
Seit der Operation bestehen folgende Einschränkungen:
• Starkes Schielen links (anfangs bis 27,5 Prismen)
• Deutlich gestörter Gleichgewichtssinn
• Nystagmus (anfangs gering, später zunehmend)
• Kreislaufprobleme mit ausgeprägtem Kältegefühl
Bestrahlung
Ab Februar 2025 war eine Strahlentherapie vorgesehen. Über einen familiären Kontakt wurden wir auf die Möglichkeit einer Protonentherapie im MedAustron in Wiener Neustadt aufmerksam.
Für mich persönlich war die Protonentherapie eine sehr gute Entscheidung, insbesondere im Hinblick auf die Nebenwirkungen. Nach anfänglichen organisatorischen Hürden erhielt ich die Bewilligung. Die Behandlung umfasste 33 Termine im Februar und März 2025.
Die Nebenwirkungen blieben vergleichsweise moderat (Kreislaufprobleme, Übelkeit, starkes Kältegefühl).
Rehabilitation und Augenproblematik
Im April erhielt ich eine Prismenbrille (10 Grad horizontal, 6 Grad vertikal). Zusätzlich benötigte ich eine Prismenfolie (15 oder 17,5 Grad) am linken Glas.
Im Mai/Juni war ich vier Wochen auf Rehabilitation. Die große funktionelle Verbesserung blieb zwar aus, aber ich lernte besser mit den Defiziten umzugehen.
Über den Sommer entwickelte sich der Nystagmus deutlich stärker. Seit Ende August hatte ich im Wesentlichen drei Probleme:
• Pendelnder Nystagmus
• Schielen (bis 27,5 Grad)
• Ausfall von zwei Vestibulärorganen mit Gleichgewichtsstörung
Ich führte bis dahin täglich intensive Augenübungen durch. Drei Augenärzte konnten mir leider nicht weiterhelfen. Da die Übungen eher zu einer Verschlechterung führten, stellte ich sie ein.
Nystagmus – Diagnostik und Therapieversuche
Im Oktober 2025 wurde in einer Spezialambulanz ein Pendelnystagmus diagnostiziert (ca. 7 Auf- und Abbewegungen in 2 Sekunden).
Es folgten medikamentöse Therapieversuche: Gabapentin in aufsteigender Dosierung bis zur Maximaldosis von 1800mg tägöich – kaum Effekt
Memantin bis 40 mg täglich – ebenfalls ohne relevante Wirkung
Beide Medikamente wurden wieder ausgeschlichen.
Weitere Optionen seien begrenzt. Eine mögliche Behandlung mit Botulinumtoxin wurde erwähnt, jedoch fand sich bisher kein Zentrum mit entsprechender Erfahrung.
Parallel stellte eine HNO-Ärztin die Diagnose eines Downbeat-Nystagmus und brachte 4-Aminopyridin ins Gespräch. Aufgrund unterschiedlicher Einschätzungen zwischen den Ambu-lanzen wurde diese Therapie bisher nicht begonnen.
Aktuelle Situation
Positiv: In den letzten Wochen hat sich das Schielen erstmals spürbar gebessert. Ich benötige aktuell keine zusätzliche Prismenfolie mehr, sondern verwende nur die Prismenbrille. Das ist nach 14 Monaten die erste deutliche Verbesserung – auch wenn sie noch nicht stabil ist.
Die MRT-Kontrollen erfolgen weiterhin alle drei Monate. Bisher sind keine neuen Tumoren auf-getreten.
Belastend bleiben:
• Der ausgeprägte Nystagmus
• Die Gleichgewichtsstörung
• Schwierigkeiten beim Arbeiten am Computer (lesefähig praktisch nur mit dem linken Au-ge)
Meine Fragen an euch
Mich interessiert besonders:
• Hat jemand Erfahrungen mit Pendel- oder Downbeat-Nystagmus nach Hirntumor-OP oder Bestrahlung?
• Gibt es Erfahrungen mit 4-Aminopyridin oder Botulinumtoxin in diesem Zusammenhang?
• Wie geht ihr im Alltag – insbesondere bei Bildschirmarbeit – mit starkem Nystagmus um?
• Gab es bei jemandem noch späte Verbesserungen über ein Jahr nach Therapie hinaus?
Ich bin dankbar für jede Rückmeldung – hier im Forum oder auch privat.
Vielen Dank fürs Lesen.