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Thema: Rausschmiss aus dem Hospiz?

Rausschmiss aus dem Hospiz?
BilleBalle
08.06.2018 00:36:41
Hallo! Meine Freundin ist seit Ende März im Hospiz und fühlt sich dort sehr gut aufgehoben. Mit der täglichen Dosis Cortison, Weihrauchkapseln und viel mentaler Arbeit hat sie sich sehr gut erholt und hat im Moment ein behütetes stabiles und aktives Leben. Nun wurde sie von der Ärztin im Hospiz angesprochen: Sie habe sich ja so gut stabilisiert und es sei an der der Zeit, das Hospiz zu verlassen. Diese Ankündigung hat meine Freundin vollkommen geschockt und verunsichert. Sie lebt allein, Pflege zu Hause konnte nicht organisiert werden und die Situation in ihrem Kopf mit drei Tumoren, die im Prinzip jederzeit explodieren können ist ja sehr fragil. Habt ihr Tips oder Hinweise, wie wir es am besten anstellen, dass sie weiter in dem Hospiz bleiben kann?
Vielen Dank !
BilleBalle
Schnupfel
08.06.2018 06:03:16
Bist du sicher, dass man ihr den "Auszug" aus dem Hospiz nahegelegt hat? Das wäre äußerst ungewöhnlich - und das aus den unterschiedlichsten Gründen.
Ein Hospiz hat keine Ärztin in dem Sinne, dass es zur Einrichtung gehört.
Die Gäste, die sich dort aufhalten haben zumeist ihren (eigenen) Palliativmediziner. Und den hat eben auch kein Patient ohne wichtigen Grund.
Denn ein Arzt muss ein Gutachten vor Aufnahme im Hospiz machen, in dem begründet wird, weshalb es nötig und gewünscht ist ins Hospiz zu kommen.
Die Krankenkasse zahlt (95%) den Aufenthalt im Hospiz und sie ist es auch, die (meist) für 4 Wochen den Aufenthalt "genehmigt", der dann immer wieder verlängert wird.
Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass ein Mensch mit einer solchen Diagnose nach Hause geschickt wird.


Ihr solltet das Gespräch mit den MA des Hospizes suchen, die sind alle sehr zugänglich und 'kennen' ihre Gäste sehr gut - auch was den gesundheitlichen Zustand betrifft.
Schnupfel
BilleBalle
08.06.2018 07:03:43
In unserem Fall hat das Hospiz eine Ärztin, die die Gäste regelmäßig betreut. Leider stimmte die Chemie zwischen ihr und meiner Freundin von Anfang an nicht....Die Hospiz Mitarbeiter sehen die Sache auch anders, ich glaube sie freuen sich darüber, dass meine Freundin sich so gut stabilisiert hat. Es soll nun eine Gespräch stattfinden, wo über den weiteren Verbleib gesprochen werden soll. Ich will nun versuchen, die Hausärztin einzubinden. Im Netz habe ich einen ARD Bericht gefunden, dass es so einen Fall schon einmal gegeben hat. Eine Patientin mit Glioblastom wurde aus dem Hospiz geworfen, landete in einem Pflegeheim und ist dann vier Monate soäter gestorben, nach einer weiteren Odysee. So etwas will ich unbedingt vermeiden!
BilleBalle
Schnupfel
08.06.2018 08:26:54
Sicher gibt es so etwas wie "unpassende Chemie" - wobei es schwer vorstellbar ist, dass eine Ärztin, die im Hospiz betreut, sich so etwas leistet! Gerade Glioblastom-Patienten haben Eigenheiten, die mitunter schwer verdaulich sind für ihre Umwelt - besonders bei Verhaltensauffälligkeiten....

Ein Glioblastom-Patient hat ja eine eindeutige Diagnose und eine ziemlich eindeutige Prognose. Bei allem, was du von deiner Freundin hier schon geschrieben hast, sieht die medizinische Seite eben nicht so aus als ob sie in Richtung "Heilung" geht oder eben die Gründe für das Hospiz wegfallen.
Daran kann auch eine "unpassende Chemie" nichts ändern - und es muss ja trotzdem von einem Arzt ein Gutachten erstellt worden sein BEVOR deine Freundin ins Hospiz eingezogen ist.
Da darf man dann ganz rational rangehen und sich auf dieses Gutachten beziehen. Die Diagnose & Prognose hat sich NICHT geändert - also ist auch der Grund für den Hospizaufenthalt nicht weggezaubert!
Persönliche Aversionen hat sich ein Arzt in solch einem Fall nicht zu leisten und eventuell liegt hier nur ein Missverständnis vor - sollte man auch im Hinterkopf behalten...…..
Wenn ich deinen Beitrag richtig verstanden habe, ist diese Information auch nicht direkt von der Ärztin an euch übermittelt worden denn dann hättet ihr sicher eine ordentliche Begründung dafür bekommen?
Schnupfel
ElArch
08.06.2018 09:01:30
Hospitz ist für akute Notfälle...also wenn ein Patient soweit stabil ist dann kann er nicht dort bleiben.
Egal wie die Diagnose ist.

Hospitz ist ein Sterbehaus. also für Menschen die nicht mehr lange zu leben haben. und für genau diese Menschen sollte der Platz auch da sein und frei gemacht werden.
ElArch
Schnupfel
08.06.2018 09:22:47
@ElArch

Man sollte sich eventuell mal mit der Diagnose Glioblastom vertraut machen und die diversen - aber trotzdem recht ähnlichen - Krankheitsverläufe anschauen, bevor man meint, dass eine Zwischenstabilisierung des Zustandes an der Diagnose & Prognose etwas ändert.

Nicht immer ist das eigene Bauchgefühl realer als die Realität!
Was sollte ein Notfall sein wenn nicht ein Glioblastom-Patient?

P.S. Selbst Menschen, die 'todkrank' sind, und deren behandelnde Ärzte wissen NICHT wann sie sterben. Wer heute noch einen 'stabilen' Eindruck erweckt kann morgen schon wieder ganz anders "beeindrucken"....
Schnupfel
ElArch
08.06.2018 10:19:53
Ja aber es ist ja positiv wenn stabiliiert .

Ja aber hospitz ist halt wirklich für Sterbende gedacht.
ElArch
BilleBalle
08.06.2018 10:30:49
Natürlich ist ein Hospiz für Sterbende gedacht, aber der Sterbeprozess dauert eben unterschiedlich lange! Und wenn man mit dieser Diagnose noch die Chance hat einen guten Abschied vom Leben hinzubekommen, sollte das doch gewährleistet werden. Wer bestimmt denn, wie schnell gestorben werden muss??? Meine Befürchtung ist, dass der Zustand meiner Freundin sich sehr schnell verschlechtern wird, wenn jetzt wieder die Unsicherheit kommt....Wohin, wer hilft mir....?
BilleBalle
Schnupfel
08.06.2018 10:40:20
ElArch
Es liegt in der Natur dieser Erkrankung, dass sich Phasen von "gut" & "schlecht" abwechseln und eben nicht dauerhaft sind!
Es gibt mehrere Beispiele dafür, dass Menschen wenn sie ins Hospiz kommen plötzlich eine subjektive Verbesserung erfahren - natürlich kann das mit den Umständen, der besseren menschlichen Betreuung zusammenhängen. Es ist äußerst selten - fast eine "Spontanheilung - ähnliche Situation wenn wirklich irgend etwas besser würde.

@BilleBalle

Deine "Befürchtung" ist rational betrachtet eine subjektive emotionale Furcht!

Es gibt keinen einzigen echten Grund für eine Beendigung des Hospizaufenthaltes.
Lass dich doch nicht "verrückt" machen.
Das Hospiz hat einen Vertrag mit seinen Gästen, dieser müsste unter Angabe von Gründen gekündigt werden.
Was sollte hier der Grund sein? Eine "Spontanheilung"? Eine falsche Diagnose?
Solange keine akribische Untersuchung erfolgte, die das nachweisen würde, ist es schlicht nur eine merkwürdige Aussage - von wem auch immer!
Die Krankenkasse zahlt definitiv mindestens 6 Monate des Hospizaufenthaltes, sollte der Aufenthalt länger dauern, gibt es andere Möglichkeiten.
Schnupfel
Mayla
08.06.2018 12:15:17
Hallo BilleBalle,
Es gibt Beratungsstellen diverser Organisationen die helfen bei Fragen bezüglich Hospiz und Palliativ Behandlung/Betreuung. Vielleicht ist dies eine Option die euch qualifiziert weiterhelfen können.
Alles Gute Mayla
Mayla
BilleBalle
08.06.2018 19:19:17
Hallo Mayla! Nachdem die Ärztin im Hospiz heute nich einmal den Druck erhöht hat und dem Sohn meiner Freundin bedeutet hat, dass die KK Druck machen würde, habe ich heute mit der Pflegekasse telefoniert - und siehe da, seitens der KK gibt es gerade gar keinen Handlungsbedarf! Die Kostenzusage wurde unbegrenz gegeben und die Kasse macht gar nichts, solange nicht ein Arzt dorthin meldet, dass die Hospizpflege nicht mehr norwendig ist. Die Mitarbeiterin meinte nich, dass sie u. U. nachfragen, wenn sehr viel Zeit vergangen ist, aber Zitat: „ doch nicht nach 3 Monaten!“
Jetzt bin ich ja mal gespannt, was bei dem nun für Mittwoch anvisierten Gespräch herauskommt! Aber es erschüttert mich schon ziemlich, wie hier mit einer todkranken Frau umgegangen wird!
BilleBalle
Grünes Haus
08.06.2018 22:57:05
Hallo Billeballe,es gibt Richtlinien /Fakten, die hat Schnupfel hervorragend dargestellt, da spielen persönliche Gefühle zwischen Arzt und Patient keine Rolle.Außerdem wird es so sein,dass ein Hausarzt oder ein andrer zu keinem andren Sachverhalt kommen, als dass der Glioblastom Patient in dem Hospiz bleiben wird.Es ist wirklich ein Vertrag mit der jeweiligen Krankenkasse, der immer wieder einen Erweiterungs bzw Folgevertrag nach sich zieht.Dadurch, dass es fürs Glio noch keine Heilung gibt,wird dies auch so gehandhabt.Warum soll da ein Arzt was Neues erfinden?Vielleicht ist auch nur etwas falsch verstanden worden..
Grünes Haus
BilleBalle
08.06.2018 23:14:35
Ich werde am Mittwoch berichten, wie es weitergegangen ist!
BilleBalle
Shogun
12.06.2018 12:22:50Neu
Hallo BilleBalle,

mir geht es mit meiner Mutter momentan genauso.
Sie ist im Hospiz, nachdem eine Pflege bei uns zuhause wegen Ihres Zustandes nicht mehr möglich war. Das Palliativ-Team hat vorgeschlagen sie im Hospiz aufnehmen zu lassen. Gleichzeitig wurde die Kortison-Dosis erhöht.
Jetzt lebt meine Mutter seit 5 Wochen im Hospiz, und nun wurde uns nahegelegt, sie in ein Pflegeheim verlegen zu lassen.

Ich weiss auch noch nicht, was ich nun machen soll.
Sie ist damit total unglücklich.
Shogun
BilleBalle
12.06.2018 13:00:01Neu
Hallo Shogun!
Wir haben heute zunächst mit der alten Hausärztein gesprochen, due uns dabei unterstützen wird, dass meine Freundin im Hospiz bleiben kann. Morgen findest dann das Gespräch im Hospiz statt.
Frag doch die Hospizleitung mal, warum sie deine Mutter loswerden wollen? Und mach deutlich, dass sie sich sehr wohlfühlt.
Wenn ich den Termin morgen hinter mir habe, erzählenich, wie es gelaufen ist!
Bleibt standhaft! 6 Monate ist normalerweise bei der Diagnose auch Kassenseitig kein Problem!
BilleBalle
Shogun
12.06.2018 13:03:12Neu
Hallo BilleBalle,

danke für die schnelle Antwort.
Die Begründung im Hospiz ist, dass meine Mutter ja fast keine medizinische/körperliche Unterstützung benötigt und daher den Platz nicht benötige.
Shogun
BilleBalle
13.06.2018 14:05:48Neu
Hallo Shogun!
Heute gab es nun das klärende Gespräch mit Hospizleitung und Ärztin. Tatsache bei uns ist, dass die Krankenkasse eine unbefristete Kostenzusage für das Hospiz gegeben hat und dass momentan kassenseitig auch gar kein Druck gemacht wird. Die Ärztin hat sich herausgeredet - sie habe meine Freundin doch nicht rauswerfen wollen, aber andere Hospizgäste hätten ja viel mehr Pflege nötig....Wir haben unseren Standpunkt deutlich gemacht, dass der Hospizaufenthalt im Moment die bestmögliche Lösung für alle ist und eine Übersiedlung in ein Altenheim nicht infrage kommt. Also gibt es für meine Freundin erstmal Entwarnung.
Shogun, ihr solltet darauf drängen, dass erstmal geprüft wird, ob sich inzwischen der Befund verändert hat. Wenn der Tumor gewachsen ist, gibt es auch wieder Argumente für eine Verlängerung des Aufenthaltes. Im Fachjargon wird von " Symptomlast" gesprochen - es gilt herauszuarbeiten, dass deine Mutter nicht topfit ist, sondern durchaus Einschränkungen hat, die von speziell ausgebildetem Pflegepersonal in den Hospizen sehr viel besser behandelt werden können, als z.B. in einem Altenheim.War denn bei euch die Kostenzusage von vornherein befristet?
BilleBalle
Shogun
14.06.2018 09:29:32Neu
Hallo BilleBalle,

das freut mich für Deine Freundin. So ein Gezackere in dieser Situation braucht man wirklich nicht.

Bei meiner Mutter gibt es nur eine befristete Kostenübernahme.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Arzt und/oder die Hospizleitung meine Mutter gerne verlegen möchte.
In jedem Fall haben sich die Symptome meiner Mutter leider etwas verschlechtert, so dass Sie jetzt doch erstmal im Hospiz bleiben soll.
Das Arztgespräch steht aber noch aus.
Meine Mutter sollte übrigens in ein Pflegeheim mit spezieller Palliativstation verlegt werden. Aber alleine der Gedanke, dass sie jetzt noch einmal umziehen soll zieht sie schon vollkommen runter.
Shogun
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