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Aly96

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Hallo,
bei mir wurde mit 29 Jahren vor ungefähr sechs Monaten ein mandarin­großer Tumor aus dem rechten Seitenventrikel entfernt. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass die ersten Monate nach der Operation einfach waren. Das waren sie ganz und gar nicht… Ich hatte zwischenzeitlich zum Teil sehr dunkle Gedanken und dachte: Okay, mit Anfang 30 war’s das jetzt.

Jedenfalls habe ich aber nicht aufgegeben und versucht, jeden Tag so gut es geht zu überbrücken und psychisch sowie physisch an mir zu arbeiten. Vor einigen Monaten war es mir nicht einmal möglich, eine normale Unterhaltung zu führen – geschweige denn, einen Supermarkt zu betreten. Heute kann ich endlich wieder mehr machen und schaffe es sogar, mehrere hundert Kilometer am Stück Auto zu fahren.

Das Schlimmste für mich war die Ungewissheit bezüglich meiner Karriere bzw. meines Berufs, da ich Lehramt studiert habe und das Unterrichten sehr mag. Doch immer wieder stellte sich mir die Frage, wie das Ganze mit den noch bestehenden Symptomen (Geräuschempfindlichkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und kognitive Defizite) funktionieren soll.
Naja, aufgeben gibt es nicht… also weiter mit Ergo, Hirnleistungstraining, Physio, Psycho und sehr, sehr viel Eigentherapie! Ich habe mich zum Teil bewusst – fast schon mit Zwang – Geräuschen ausgesetzt, um mein Gehirn wieder daran zu gewöhnen. Danach habe ich auch wieder mit dem Nachhilfegeben angefangen. Und auch wenn mein Gehirn nicht mehr so schnell und flexibel funktioniert wie früher, bin ich dennoch sehr stolz auf diesen Fortschritt 🥲

Nun zu meinem eigentlichen Anliegen: Außenstehende fragen mich natürlich ab und zu, wie es mir geht und was ich mittlerweile alles mache, damit es mir noch besser geht. Ich erzähle dann zum Beispiel, dass mir das Nachhilfegeben sehr hilft, meine Hirnleistung zu trainieren (was ja auch so ist), oder dass es mir psychisch gut tut.

Dann kommen manchmal Anmerkungen, dass das ja nicht ausreichen würde und ich lieber noch mehr machen sollte und das Ganze ernster nehmen müsse 🙃🙃
Naja – mittlerweile bin ich an dem Punkt, an dem ich offen ins Gesicht sage: Tut mir leid, aber wenn du selbst noch nie einen Hirntumor hattest und nicht durchgemacht hast, was ich erleben musste, dann sei bitte still.

Ich wollte mal wissen, wie ihr mit Angehörigen, Laien oder Außenstehenden umgeht, die versuchen, euch zu erklären, was euch guttun könnte und was eher nicht.

Es klingt vielleicht ein bisschen hart, aber mittlerweile reizt es mich so sehr, wenn Nicht-Betroffene behaupten, sie würden einen verstehen. Nein, das tun sie nicht – das können sie gar nicht. Das macht mich so sauer 🥲

Ich bin gespannt, wie ihr mit solchen Situationen umgeht und ob ihr vielleicht einen Ratschlag habt :)

Danke!
Aly

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