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Thema: Umgang mit Betroffenem und eigene Psyche

Umgang mit Betroffenem und eigene Psyche
Melissa26
13.05.2019 16:39:33Neu
Hallo ihr Lieben,

zunächst einmal hoffe ich, dass es allen, die das hier lesen (den Umständen entsprechend) gut geht und wünsche allen, bei denen es momentan nicht so ist viel Kraft!
Ich wollte einmal in die Runde fragen wie ihr mit dem oder der Betroffenen umgeht und wie es eurer eigenen Psyche geht.

Kurz zum Hintergrund:
Bei mir persönlich ist mein Vater betroffen, die OP zur Entfernung des Glioblastoms hat er bereits hinter sich und sehr gut verkraftet. Seine Therapie (Strahlen & Chemo) startet kommende Woche.
Ich selbst wohne 350km von ihm entfernt. Und mich plagen deshalb häufig Gewissensbisse. Ich schreibe ihm täglich um zu fragen wie es ihm geht und wir telefonieren jeden zweiten Tag. Dennoch würde ich gerne mehr für ihn da sein, was job- und entfernungsbedingt leider nicht geht. Kommendes Wochenende wollte ich ihn besuchen, jedoch meinte er, dass es ihm doch gut geht und ich mich lieber einmal ein Wochenende entspannen und auf mich konzentrieren soll. Er versprach mir Bescheid zu geben, wenn er mich doch bräuchte und sagte, dass er sich immer sorgt wenn ich die lange Strecke fahre und ich das nicht tun müsse.
Ich selbst weiß mit der Situation nicht ganz umzugehen, zumal ich ständig Gedanken habe, dass morgen alles anders sein könnte und ich dann evtl. ein Wochenende mit ihm "verschenkt" habe.
Ich hoffe ihr wisst wie ich meine...
Aber in der ständigen Angst mit dem Betroffenen etwas zu verpassen, kann man ja das eigene Leben auch nicht gänzlich aufgeben. Zumal ich mich auch frage, ob er sich insgeheim nicht doch wünschen würde, dass ich komme.

Ich würde mich über eure Erfahrungen (sowohl von Betroffenen selbst, als auch von Angehörigen) sehr freuen.

Dankeschön und alles erdenklich Gute für euch!
Melissa26
Tulip
13.05.2019 21:10:20Neu
Nun kenne ich Deinen Vater nicht, und jeder Mensch ist anders. Zunächst mal kann man seiner Aussage aber Glaube schenken und diese ernst nehmen. Hinzu kommt, dass es bei allem erlebten durchaus sein kann, dass er auch ein wenig Zeit für sich braucht?
Wenn die weiteren Therapien nun erst starten, ist das Wochenende sicher noch gut für Dich in Ruhe nutzbar. Sollten Nebenwirkungen entstehen, so bist Du später ohnehin gefragt.
Es ist bestimmt gut, Ihr trefft die Vereinbarung, dass wirklich jeder seine Bedürfnisse ehrlich formuliert, damit Ihr Euch jeweils auf die Aussage des anderen verlassen könnt. Das wäre für den weiteren Verlauf sicher hilfreich.

Alle guten Wünsche!
Tulip
TabeaK
14.05.2019 02:06:29Neu
Fahr hin. So oft du kannst. Jede Sekunde ist kostbar. Im Nachhinein betrachtet ist das meine groesste Reue. Bei mir war es meine Mama mit AstroIII/Glio Diagnose aus heiterem Himmel. Ich lebe auf einem anderen Kontinent, 8 Flugstunden + 3 Autostunden entfernt. Ich habe meine Mama nach der Diagnose noch 2 mal gesehen - ihr waren leider nur 8 Monate Ueberlebenszeit ab Diagnose vergoennt. Leider kann es beim Glio sehr, sehr schnell gehen - daher, verbring die Zeit mit deinen Lieben, die du noch hast...
TabeaK
GMT
14.05.2019 06:36:24Neu
Ich würde mich @TabeaK anschließen und denke, dass es sehr gut wäre wenn Du ihn besuchst. Die 6 Monate nach der 1.OP können noch gut verlaufen und da wäre es auch für Dich gut, ihn noch so zu erleben und Erlebnisse mit ihm zu teilen.
GMT
mona
14.05.2019 07:48:55Neu
hallo Melissa,
versuch einfach zu ihn hin zu fahren.In der Therapie zeit kann es sein das er es nicht möchte. Wichtig ist ein offener umgang,akzeptanz.

Lg mona

Gemeinsam Stark
mona
Rübe69
14.05.2019 10:15:21Neu
Hallo Melissa,
bei meiner Mutter wurde vor 14 Monaten ein Glioblastom diagnostiziert und operiert, Bestrahlung (wurde abgebrochen) und Chemo folgten. Vor zwei Wochen wurde der Tumorprogress festgestellt und sie wird jetzt nur noch palliativ behandelt.
Meine Mutter wohnt etwa 250km entfernt. In der Anfangszeit war ich zwei Mal eine Woche dort und ansonsten immer am Wochenende. Nach etwa vier Monaten bin ich nur noch jedes zweite Wochenende hingefahren. Ich habe einen anstrengenden Beruf und eine minderjährige Tochter und auch hier musste das Leben weiter gehen. Auch ich musste irgendwie bei Kräften bleiben und brauchte diese Wochenenden, an denen ich nicht zu meiner Mutter gefahren bin.
Seit über zwei Wochen bin ich nun so oft wie möglich dort. Wir sind nun am Ende unserer Reise.
Ich wünsche Dir und Deinen Lieben viel Kraft.
Rübe69
geoman
14.05.2019 10:32:22Neu
Guten Morgen,
offene Worte sind m.E. das beste. Nicht für den anderen mitdenken, sondern einfach fragen und die Antwort akzeptieren. Angebote annehmen und ablehnen - beides sollte gehen. Bedürfnisse formulieren, Wünsche äußern - das sollten beide Seiten können.
Ich wünsche dir Stärke und noch eine gute gemeinsame Zeit.
Cheers.
geoman
Greta80
15.05.2019 18:17:48Neu
@TabeaK,
meine Mutter hat auch ein Astro3 - dass deiner Mutter nur 8 Monate Zeit hatte, tut mir sehr leid für euch :-( Wurde sie operiert und nachbehandelt oder hast du eine Ahnung, warum das doch so schnell ging?

@Melissa26
meine Mutter und ich hatten immer schon ein enges Verhältnis und haben uns mind 2 mal im Monat getroffen und sehr oft telefoniert.
Seit der Op und der Diagnose versuche ich, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen.
Wir fahren etwas 1 Stunde zu ihr. Da sie nicht mehr Auto fährt seit der OP, erfordert das mehr Aktivität unsererseits.

Es ist oft nicht leicht, aber ich muss mich dann immer wieder auch auf meine Bedürfnisse fokussieren. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger gut. Ich glaube, hier gibt es kein richtig und falsch. Hör auf dein Bauchgefühl, das kann ich dir empfehlen.
Alles Gute euch!
Greta80
TabeaK
15.05.2019 18:26:42Neu
Greta80: Sie hatte eine multifokales AstroIII mit Uebergang zum AstroIV (Glio) - der Tumor war sehr gross als er gefunden wurde und hat vorher keinerlei Probleme gemacht - sie war Mitte 50 und voher nie krank. Damit war der Tumor komplett inoperabel und hat auch nicht auf Bestrahlung und Chemo angesprochen - normales Stupp Prozedere also.

Wir waren von Anfang an in einer Palliativsituation.

Was die Tumorart und Histologie angeht, sind nur 8 Monate Ueberlebenszeit leider keine Ueberraschung - es handelte sich um eine Subgruppe dieser Tumore mit noch schlechterer Prognose als sie normal schon ist.
TabeaK
Melissa26
21.05.2019 11:06:01Neu
Ich gebe allen lieben Menschen, die mir hier geantwortet haben einmal ein kleines Update:

Ich bin zu meinem Vater gefahren, obwohl er im Voraus ja meinte ich soll mir doch lieber einmal ein Wochenende in Ruhe zuhause gönnen.
Und es war das Beste was ich hätte tun können "gegen seinen Willen" zu ihm zu fahren.
Er ist als er mich gesehen hat in Tränen ausgebrochen und wir hatten ein wunderschönes Wochenende zusammen. Ich habe das Gefühl gerade eine ganz neue, sehr emotionale Seite meines Vaters kennen zu lernen und obwohl die Gründe dafür eigentlich tragisch sind, genießen wir diese Zeit und das Kennenlernen neuer Seiten an uns sehr.

Ich wünschen allen weiterhin eine schöne Zeit zusammen!
Melissa26
derWilli
21.05.2019 11:59:50Neu
Hallo,
bin selbst betroffen, und habe es gemerkt wie sich andere Menschen verhalten.

Meine Lieben, Kinder, Eltern, Bruder, Gute Freunde halten alle zu mir und untestützen mich. Nehmen mic weiterhon war, dafür bin ich sehr Dankbar.

Wir Betroffenen sind doch eine anderen Menschen geworden.

Wenn man mal Ruhe braucht, einfach Sagen oder drüner Reden. Jeder der einem zuhört, bin ich sehr Dankbar dafür.



Und immer dran denken, unsere Gesundheit istdas Beste ar wir haben, oder seid ihr euch alle irgendwie beusst was in euch schlummert ?
derWilli
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