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Thema: Vater hat Hirntumor

Vater hat Hirntumor
Claudi75
07.11.2018 09:11:01
Mein Vater hat einen Hirntumor.
Einen aggressiven.
Gegenüber uns Kindern verharmlost er das total, wir haben ganz wenige Informationen, außer dass die Ärzte ihm noch ca. ein Jahr geben. Ich weiß nicht mal, was das für ein Tumor ist. Er möchte mit uns nicht darüber sprechen. Seine Frau rückt auch nur sehr spärlich mit Infos raus. Er bekommt nun Chemotherapie und Bestrahlung.

Irgendwie weiß ich gar nicht so richtig, was ich machen soll. Soll ich ihn zwingen, mit meinen Geschwistern und mir darüber zu sprechen? Sollen wir einfach so weitermachen wie immer? Wir wohnen nicht vor Ort und daher sehen wir uns nicht so oft. Soll ich ihn besuchen, auch wenn er meint, das sei nicht nötig? Ich k Ann ja nicht einfach so tun, als sei nichts...

Ich finde das alles sehr verwirrend und belastend....
Claudi75
frida88
07.11.2018 09:37:41
Hallo Claudi75,

ich will dir ein wenig von meiner Geschichte erzählen: Ich hatte vor vielen Jahren ein Glioblastom, ein paar Jahre später hatte das auch meine Mutter. Meine Mutter hat ihre Gedanken und Nöte eher zurückgehalten, sie wollte mich damit "nicht belasten" - aber das funktioniert nicht.

Wenn man als Angehöriger nichts erzählt bekommt, nichts weiß und sich immer wieder Gedanken über den Zustand des Betroffenen macht, ist die Belastung auch sehr hoch. Ich würde dir raten, einen Besuch zu machen. Du kannst dann sehen, wie es deinem Vater geht und mit ihm reden. Auch wenn es nicht unbedingt um seine Krankheit geht, ist es für dich wahrscheinlich eine Erleichterung, überhaupt einen persönlichen Kontakt zu haben und nicht nur am Telefon mit ihm zu sprechen.

Viele Grüße, Frida88
frida88
Kordy
07.11.2018 09:39:30
Hallo Claudi,
Es tut mir sehr leid, dass du in dieser schwierigen Situation bist.
Vielleicht könnte dir Frau Badowski weiterhelfen.
„Psychoonkologische Beratung für Patienten und Angehörige“
Du kannst sie dienstags zwischen 10.00 und 15.00 erreichen.
03437.999 68 67 Sorgentelefon
Mir hat sie schon sehr geholfen.
Liebe Grüße
Kordy
Kordy
mona
07.11.2018 10:04:23
Hallo,
Er muss es selber erst mal verarbeiten...
Männer reden nicht über ihre Gefühle und Probleme zu mindestens nicht gerne...
er will euch keine Angst einjagen...vielleicht ist es gut für dich wenn du erst mal ein Bild über die Krankheit machst...

jeder hat ein anderen weg den er wählt....

Lg mona

ALLES ist positiv und negativ....
mona
KaSy
07.11.2018 13:25:25
Liebe Claudi75,
Dir wurde über die Krankheit Deines Vaters das mitgeteilt, was Du wissen musst.

Ich würde es als alarmierend ansehen, wenn ich erführe, dass mein Vater nur noch ein Jahr zu leben hat.
Das bedeutet ja auch, dass es ihm im Laufe dieses Jahres schlechter gehen wird.
Es ist aber auch möglich, dass er diese Prognose der Ärzte um Monate oder mehr überlebt.

In jedem Fall würde ich nicht zögern, Möglichkeiten zu nutzen, meinen Vater zu besuchen. Diese Termine könnt Ihr als Geschwister untereinander und mit Euren Eltern absprechen, damit nicht alle auf einmal kommen.

Wenn Ihr dort seid, dann könnt Ihr ja fragen, wie es ihm geht.

Seid mit keiner oder einer kurzen Antwort zufrieden.

Mir ging und geht es so, dass ich mich am wohlsten fühle, wenn ich unter Menschen bin, die nichts von meiner Erkrankung wissen bzw. mich nur minimal darauf ansprechen und einfach - Verständnis ohne Mitleid haben.

Ich möchte anderen nicht zur Last fallen, wie viele andere Betroffene auch. Aber um Hilfe bitten, das ist auch nicht leicht. Gerade wenn es um die erwachsenen Kinder geht, die ihre eigenen Familien haben. (Bei mir sind es drei Familien meiner Kinder.)

Ich freue mich aber wirklich sehr, wenn sie es ermöglichen können, zu mir zu kommen, wenn sie ihre Kinder mitbringen, wenn wir Dinge gemeinsam machen, die ich schaffen kann. Das ist enorm viel wert! Das ist Ablenkung von der Krankheit und bringt dadurch einige Stunden Glück!

Ich nehme an, dass es Deinem Vater ähnlich geht.

Fragt Eure Mutter, ob Ihr sie in irgend einer Weise unterstützen könnt.
Auch aus der Ferne ist es möglich, Hilfe zu organisieren. Bei mir hat der eine die Pflegeeinstufung und ein anderer die Ergotherapeutin organisiert.
Eine Haushaltshilfe (eines Pflegedienstes) könnte hilfreich sein, das wird Eure Mutter vielleicht nicht wollen, aber es könnte ihr Zeit und Kraft für ihren Mann verschaffen.

Wenn einer von Euch da ist, kann sie "mal raus", auch das wird sie evtl. ablehnen, aber sie braucht das - für ihn!

Seid jetzt ein wenig mehr für Eure Eltern da.
KaSy
KaSy
Claudi75
07.11.2018 14:05:42
Vielen Dank für die ganzen netten Antworten und Tipps.

Ich werde ihn auf jeden Fall besuchen. Sobald wir das hier familiell organisiert bekommen. Mal sehen, ob er sich freut.

Leider machen Menschen sich das Leben ja gerne kompliziert und so ist es so, dass mein Vater wieder verheiratet ist und noch eine weitere Familie hat. Und wir „ersten“ Kinder werden irgendwie nicht gebraucht zur Unterstützung.
Seine Frau weist auf jeden Fall jedes Angebot der Unterstützung empört zurück.

Naja, so ist das Leben.
Er bleibt mein Vater und ich möchte ihm gerne helfen, aber er muss es auch zulassen.....
Claudi75
ichwilldasni
07.11.2018 14:18:44
Hallo in die Runde
Ich bin auch Angehörige , mein Mann hat die Diagnose Februar 18 bekommen Glioblastom WHO 4, Darauf hin habe ich viel im Netz gelesen...... danach war meine Angst unermesslich...... Bis mir der Arzt gesagt hat, das viel Mist im Netz steht, UND mir diese Seite empfohlen hat.
Und ein seriöser Arzt NIE eine Zeitspanne nennt die man noch hat....
Mein Mann möchte auch nicht über diese Sche...krankheit reden.
Und um mich nicht so verloren zu fühlen habe ich sehr viel hier im Forum gelesen-
Ich wünsche allen viel Kraft
ichwilldasni
KaSy
08.11.2018 00:08:00
Liebe Claudi75,
Dein Vater bleibt Dein Papa!
Immer!
Fahr zu ihm, sei bei ihm.
Du würdest es Dir nie verzeihen, wenn Du das nicht tätest.

Versuche, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wenn seine neue Frau sich Dir gegenüber nicht besonders gut verhält. Sie hat es auch schwer.

Du kommst seinetwegen - und Deinetwegen.
Das zählt und das ist wichtig!
KaSy
KaSy
Claudi75
11.02.2019 01:15:18
Es sieht nicht so gut aus bei meinem Papa. Er wurde schon das zweite Mal innerhalb von drei Monaten operiert, die chemo und Bestrahlung haben überhaupt nichts gebracht. Der Tumor war wieder da mit Anhang.
Wir haben oft telefoniert und er trägt das echt mit Fassung.
Ich irgendwie nicht..... auf die Entfernung kann man so wenig tun. Und es fällt mir schwer damit klar zu kommen, dass er nur noch Wochen bis Monate hat.
Und gleichzeitig muss ich hier auch Job und Familie am laufen halten. Echt schwer. Kann nur sehr schlecht schlafen.
Er freut sich, wenn ich ihn besuche und ich versuche, das so oft wie möglich hinzubekommen.
Irgendwie klingt das alles wirr, aber so fühlt es sich auch an. Wirr im Kopf, wirr von den Emotionen her.....
Claudi75
LinaK
11.02.2019 14:53:39
Liebe Claudi, ich verstehe dich gut! Das ging mir damals, als es meinem Vater so schlecht ging, genau so. Ich hätte permanent ein schlechtes Gewissen. Eine Mitarbeiterin vom Hospiz hat mir bei einem Gespräch sehr geholfen. Ich hätte jetzt meinen Lebensmittelpunkt im Süden, und könne nun nicht alles stehen und liegen lassen. Klingt hart, aber es gab mir so etwas wie eine Absolution. Das schlechte Gewissen blieb mir natürlich erhalten... Ich wünsche euch viel Kraft! Lina
LinaK
Florentine
11.02.2019 16:05:09
Liebe Claudia, auch mein Papa hat nicht darüber gesprochen. Ich hatte mir gewünscht er hätte wenigstens über die Krankheit geschimpft. Später hat es mir gefehlt, das wir über alles gesprochen haben nur kaum über die Tumore. Fahr hin, sei da und genieße die Stunden mit ihm. Er hat bestimmt Angst und spricht es nicht aus. Ich habe mich nie getraut ihm zu sagen wie viel Angst ich hatte, vielleicht wäre es ein Anfang gewesen. Aber was macht man da wie richtig, jeder Mensch ist anders und jeder geht auf seine Art damit um. Ich wünsche dir und deinem Papa alles Gute.
Florentine
LinaK
12.02.2019 00:09:33
Liebe Claudi, wenn es irgendwie machbar ist, fahre hin zu deinem Vater! Lina
LinaK
Aziraphale
12.02.2019 09:27:52
Das mit dem Angst haben ist so eine Sache. Dazu mal die Aussage, die mein Mann dazu gemacht hat:

Ich habe keine Angst. Aber wenn ich ständig von eurer Angst hören muss, macht mir das Angst. Ist ja auch irgendwie blöd, er hat andere Probleme, als sich meine Angst anzuhören. Und wie sollte er mich auch trösten können? Meine Angst ist mein Problem.
Aziraphale
Tulip
12.02.2019 17:22:26
Ja, so in etwa wie Aziraphale habe ich es auch erlebt.
Ich mache meine Trauer und Angst mit mir oder zumindest nicht gegenüber meinem Mann aus. Meinen Mann als Betroffenen belastet es sehr, wenn er die Traurigkeit anderer auffangen soll und das finde ich auch sehr viel verlangt. Viel auch für die Angehörigen, das für sich zu meistern, ohne Frage, aber eine Form von Unterstützung, die man dadurch leisten kann meines Erachtens, das eigene nicht auch noch dem Betroffenen aufzuladen.
Aber vielleicht ist da auch jeder anders. Man kann sicher anbieten, dass der Vater die Ängste artikulieren kann, wenn er das möchte. Ggf wird er das auch von selbst tun. Wenn nicht, muss man das vielleicht auch akzeptieren.
Möglicherweise ist es ja auch seine Schutzfunktion Dir gegenüber und ist nur liebevoll gedacht.
Tulip
Claudi75
12.02.2019 18:51:11
Danke für die netten Worte.

Ich reiße mich immer zusammen, wenn wir telefonieren oder zu Besuch sind. Mein Vater will da definitiv nicht mit mir drüber reden und das respektiere ich. Unsere Gespräche sind eigentlich immer ganz schön. Irgendwie bedauere ich, dass es dazu erst einen gehirntumor brauchte, dass wir uns wieder annähern.....
Claudi75
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