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Thema: Warum genau 60 Gy?

Warum genau 60 Gy?
Oligohui80
15.05.2024 10:20:33 Neu
Liebe alle,

Vielleicht ist das eine naive Frage von mir … dennoch stelle ich sie. Warum müssen es beim Tumor (Oli Grad III) genau 60 Gy Bestrahlung sein? Würden nicht auch schon weniger wie beispielsweise 30 Gy oder 45 Gy reichen? Ich habe eine Studie gefunden (allerdings für GBM), in der 45 und 60 Gy verglichen wurden. Der Unterschied in der PFS war nicht wahnsinnig groß. Dafür haben die gesunden Zellen weniger Strahlen abbekommen. Wurde vielleicht jemand mit einer niedrigeren Dosis bestrahlt und kann etwas dazu schreiben? Hat sich jemand von Euch mit dem Strahlentherapeuten darüber unterhalten?

Liebe Grüße und einen schönen Tag!
Marie
Oligohui80
Nessis
15.05.2024 12:00:00 Neu
Marie hallo, gute Frage finde ich..Ehrlich hab ich mir bis heut diese Gedanken noch nicht gestellt.Ich wurde einmalig mit genau 60gray am Kleinhirnbrückenwinkel vor vielen Jahren bestrahlt.
Stereotaktische Einzelkonvergenz Bestrahlung hiess es damals noch als Radiochirugische Op.
Da sagte mir der Prof.nur das es die höchst zugelassene Dosis sei um den Tumor 5x5 cm rundum zu zerstören...
Kann mir nur vorstellen das es auf die Grösse und Beschaffenheit des Tumors ankommt und die genau Dosis während der Bestrahlung sich entscheidet, aber leider kann ich dir nicht mehr dazu schreiben,glg,nessis
Nessis
Mirlie
15.05.2024 14:07:13 Neu
Hallo Oligohui80,
ich finde das gar keine naive, sondern eine sehr interessante Frage.

Es handelt sich wohl dann um die 'hypo'fraktionierte statt konventionelle (normofraktionierte) Strahlentherapie.
Statt z.B. sechs Wochen mit 2Gy, dann nur drei Wochen mit 3Gy o.ä.

Fände ich auch viel angenehmer zu ertragen und es ist allgemeiner Patientenwunsch nach kürzerer und verträglicherer Therapie. Anscheinend ist das aber noch nicht abschließend erforscht, ob z.B. für Olis adjuvante hypofraktionierte Bestrahlungskonzepte ausreichen.

Es geht auch um höheres Toxizitätsrisiko bei höheren Einzelldosen mit insgesamt geringerer Gesamtdosis und um die Gleichwertigkeit dieser Therapien.

Hypofraktionierte Strahlentherapie ist angeblich schon als palliative Strahlentherapie bei Metastasen und Glioblastomen im klinischen Einsatz angekommen.


Gruß Mirlie
Mirlie
Mego13
15.05.2024 15:30:30 Neu
Liebe Marie,

mir wurde damals gesagt, dass das Minimum bei Olis - wahrscheinlich bei allen Gliomen - 54 Gy und 60 das Maximum sind. Möglichst mit 2 Gy pro Sitzung, wenn man fit genug ist. Sonst mit 1,8 Gy.

Mir hatte man damals gesagt, dass man möglichst nicht zwischen 20 bis 30 Gy abbrechen soll, weil der Tumor sonst unempfindlicher gegen die Bestrahlung wird. Nur im definierten Kern werden die 60 Gy erzielt.

Du hast ja unterschiedliche Einstrahlungspunkte. Längst nicht jeder wird mit diesen 60 Gy Gesamtdosis bestrahlt. VIelleicht kommt es auch darauf an, dass überall an den Randfläche eine bestimmte Dosis abgedeckt wird.

Ich weiß, es ist verlockend, aber ein GBM ist nur partiell mit den Olis vergleichbar, allein wegen der Strahlensensibilität der Olis. Du weißt es genau. ;-))) Oder wie mein ambulanter Neurologe es häufig betont: Warum nicht 2, 4 und 6 Zyklen PC-Chemo verglichen werden.

Mein Hausarzt, der schon mehrere Hirntumorpatienten betreut hat, meinte, dass man möglichst nach gängigen Bestrahlungs- und Chemoregimen behandelt. Da man weiß, dass diese halbwegs funktionieren.

Vielleicht hat man auch schon Vorergebnisse aus "Improve Codel", die man uns aber nicht sagen will, darf oder kann.

Wenn Du noch einmal fragst, warum man Dir dazu rät? Bitte nicht die Nerven verlieren, wenn Du Dich jetzt bald kognitiv schlapper fühlst. Das ist zeitweise normal! Aber im Geiste bin ich bei Dir, fühle mich nach 6 Zyklen Temozolomid auch nicht völlig auf der Höhe.

LG
Mego
Mego13
KaSy
16.05.2024 00:42:27 Neu
Warum genau 60 Gy?

Bei der Bestrahlung mit Photonen sind es nicht „genau 60 Gy“ sondern „bis zu 60 Gy“.

Mir ist es möglich, die Entwicklung der Strahlentherapie mit Photonen in derselben Klinik im Laufe der Zeit von 17 Jahren zu vergleichen.


Im Jahr 2000 wurde ich nach der OP eines anaplastischen Meningeomrezidivs mit Photonen bestrahlt.

Vor den späteren mit Sicherheit auftretenden kognitiven Einschränkungen hatte ich Angst, aber ich konnte sie im Verlauf des Alltags und während meiner Arbeit gut bewältigen. Da ich wusste, dass ich u.a. Gedächtnisprobleme haben würde, habe ich mich darauf eingestellt und im Alltag und während der Arbeit „automatisch“ trainiert. Derzeit ist mein Gehirn so gut „in Übung“, dass mein Gedächtnis besser ist als das meiner früheren Kollegen und auch als das meiner bereits erwachsenen Kinder und Enkel. Ich finde es faszinierend, wie sich das Gehirn das zurück erobert, was ihm teilweise weggenommen wurde.

Im Laufe des Erstgesprächs hatte mir der Strahlenarzt bereits erklärt, dass die gesamte Strahlendosis in 30 Fraktionen = Einzelteile zerlegt wird. Dafür gibt es einige Gründe. Die Zellen eines Tumors müssen in ihrer Teilungsphase „erwischt“ werden und diese findet nicht bei allen Tumorzellen gleichzeitig statt. Die Bestrahlung an nur 5 Tagen pro Woche mit einer geringen Dosis ist schonend für die gesunden Hirnzellen, die sich in der Zeit dazwischen selbst reparieren können. Die Tumorzellen können das nicht. Die Wochenenden dienen auch der Erholung der Patienten.

Dann verließ der Arzt den Raum und kam bald darauf mit zwei Aussagen zurück: „Ihr Auge liegt nicht im Bestrahlungsbereich. Es wird mit 60 Gy bestrahlt.“ Ich fragte sofort nach, wie er diesen Wert so schnell herausbekommen hatte und er meinte, er habe es errechnet.

Zu dieser Zeit wurde die Form des Tumors noch mit Blei-Kollimatoren nachgeformt und es wurde mit dem Linearbeschleuniger aus nur einer Richtung mit der vollen Dosis von 60 Gy bestrahlt.
Die Bestrahlung war erfolgreich und mit den Spätfolgen kam ich nach langer Zeit besser klar als ich es erhofft hatte.


Im Jahr 2011 wurde nach der OP zweier anaplastischer Meningeome nur das Rezidiv mit Photonen bestrahlt. Diesmal war ich sofort neugierig und erfragte alles! Es hatte sich technisch bereits viel getan.

Es kann aus mehreren Richtungen bestrahlt werden, um den Tumor mit der optimalen Dosis pro Zelle zu treffen und das gesunde Gewebe besser zu schonen. Die Bezeichnungen dafür sind VMAT = Volumetric Modulated Arc Therapy = Intensitätsmodulierte Bogenbestrahlung = Rapid Arc. Dabei bewegt sich der Linearbeschleuniger, der nun den Namen LINAC trägt, so um den Patienten herum, dass der Tumor in jeder Richtung computergestützt nachgeformt wird.

Die Berechnung der Strahlendosis erfolgt mit dem Computer. Es ist möglich, dass die Physiker für jeden kleinen Tumorbereich und dessen Umgebung ermitteln, wie hoch die Strahlendosis dort sein muss. Ich habe mir das Blatt mit den farbig eingezeichneten Linien ausdrucken und erklären lassen. Es sind nicht überall 60 Gy. Für mehrere Bereiche genügen geringere Strahlendosen, die in mehreren Abstufungen ermittelt werden.
Es wird also mit „bis zu 60 Gy“ bestrahlt.
Möglich wird das durch den computergestützten Ablauf jeder einzelnen Bestrahlung. Das Gerät beginnt erst dann, wenn alles völlig sicher für den Patienten ist. Die Bezeichnung für diese optimal abgestufte Bestrahlung des Tumors ist IMRT = Intensitätsmodulierte Radiotherapie.


Im Jahr 2017 erfolgte die Bestrahlung eines neuen atypischen Meningeoms, das zuvor nicht vollständig entfernt werden konnte. Es lag zu nah an einem Sehnerven und dieser sensible Bereich musste während der Photonenbestrahlung geschützt werden. Durch VMAT und IMRT war die Bestrahlung viel sicherer geworden. Jedoch die gesunden eloquenten Bereiche (die besondere Funktionen haben) dürfen möglichst nicht geschädigt werden, um die Lebensqualität nicht zu beeinträchtigen.

Ich erkundigte mich zusätzlich per E-Mail bei weiteren vier Chefärzten der Strahlentherapien anderer Kliniken, wie hoch die Strahlendosis für den Sehnerv und für die Augenlinse sein darf. Einheitlich bekam ich die Antworten, dass die Augenlinse nur 10 Gy aushält. Dieses Risiko würde man eingehen, wenn es nicht anders geht, denn die Folge wäre eine etwas früher als normal eintretende Trübung der Augenlinse. Die Operation dieses „Grauen Stars“ wird von den Augenärzten mittlerweile sehr oft erfolgreich und meist ambulant durchgeführt. Der Sehnerv verträgt schadlos 54 Gy.

Das konnte bei der Bestrahlung berücksichtigt werden. Durch die IMRT wurde der Sicherheitsbereich, in dem sich Tumorzellen befinden, in Richtung zum Sehnerv von 2 cm auf 1 cm verkleinert. Innerhalb dieses Bereiches wurde abgestuft mit „bis zu 54 Gy“ bestrahlt.

Die fraktionierte Bestrahlung mit VMAT ermöglichte die Bestrahlung aus verschiedenen Richtungen, um das gesunde Gewebe zu schonen.


(Mit Protonen und Schwerionen ist die IMRT wohl nicht möglich. VMAT funktioniert heutzutage mit jedem Bestrahlungsgerät.)


Die Frage zielt darauf ab, insgesamt mit einer geringeren Strahlendosis das gesunde Hirngewebe noch besser zu schonen und damit dasselbe PFS = progression-free survival = Progressionsfreies Überleben zu erreichen.
Dabei bedeutet PFS nicht das Ende des Lebens, sondern die Zeitdauer, bis ein Rezidiv entsteht.

Ich habe vor vielen Jahren auf Hirntumorinformationstagen Experten gehört, die dieses Thema besprachen und mit den Patienten diskutierten.
Es war von einer Tumorentfernung noch weiter über den Tumor hinaus die Rede, was in Frankreich getestet wurde, aber kein längeres PFS erbrachte.
Es wurden höhere Strahlendosen bis 75 Gy für die Bestrahlungen des Gehirns erprobt, jedoch waren diese für das gesunde Gehirn zu hoch. Möglich wäre es gewesen, denn andere Organe vertragen diese höhere Strahlendosis.
Eine niedrigere Strahlendosis oder eine noch kleinere Tumorentfernung wurden gar nicht diskutiert, denn das ist bei bestimmten individuellen Lagen des Hirntumors sowieso nur möglich und mit einer höheren Rezidivgefahr verbunden.

Ich selbst habe damit wegen der „nur Teilentfernung“ des „nur“ atypischen Meningeoms und der geringeren Strahlendosis mit dem verkleinerten Sicherheitssaum bis heute zu tun. Auch mit einem atypischen Meningeom in einer Ohrspeicheldrüse, die als Strahlenspätfolge im Jahr 2023 entfernt wurde und von den Neurochirurgen als Metastase bezeichnet wird. Und Meningeome sind keine hirneigenen Tumoren. Das muss wirklich nicht jedem passieren. Aber noch bis 2016 konnte ich sehr guten Gewissens bestätigen, dass der Bestrahlung von entfernten, teilentfernten oder nicht operablen Meningeomen kein Rezidiv folgt. Das ist fast immer so. Aber sogar bei diesen „Hirnhaut-Tumoren“, die nicht als Krebs gelten, gibt es Ausnahmen, auch hier im Forum.

Worum geht es eigentlich? Das gesunde Gehirn soll mit einer geringeren Strahlendosis besser geschont werden.
Oder die Dauer der fraktionierten Bestrahlung soll von 30 auf 20 Tage verkürzt werden, indem täglich mit 3 Gy statt mit 2 Gy bestrahlt wird.
Palliative Bestrahlungen mit kürzeren Zeiten und geringeren Strahlendosen sind immer Rezidiv-Bestrahlungen, bei denen mit einer „normal hohen“ Strahlendosis von noch einmal „bis zu 60 Gy“ die Lebensqualität zu sehr eingeschränkt wird, um den Tumor zu vernichten.

Mit jeder nicht notwendigen Verkleinerung der Resektion und der Strahlendosis steigt das Risiko für das PFS.
Wenn deswegen ein Rezidiv eines Hirntumors entsteht, dann könnte man ihn operieren.
Man könnte gegen hirneigene Tumoren erneut eine Chemotherapie beginnen, bei Meningeomen nicht.
Man könnte dieselbe Stelle erneut bestrahlen, denn das Rezidiv eines hirneigenen Tumors ist wieder dieser hirneigene Tumor eines vielleicht höheren Grades. Diese Rebestrahlung hätte deutlich mehr Risiken im Tumorgebiet und um es herum. Die Therapien würden immer aufwändiger werden. Es gibt einige Betroffene in diesem Forum.


Was würde man mit dieser Schonung des gesunden Hirngewebes eigentlich erreichen?

Im gesunden Hirngewebe könnte durch die Bestrahlung nach zehn bis zwanzig Jahren mit einer wenig höheren Wahrscheinlichkeit als in der Normalbevölkerung, also sehr selten, ein „Meningeom“ entstehen. Dieses würde in den Langzeitkontrollen rechtzeitig erkannt, als späte Strahlenfolge definiert und meist erfolgreich entfernt werden.

Innerhalb dieser Jahrzehnte könnten hirneigene Tumoren längst ihre böse Chance genutzt haben, mit Rezidiven das PFS zu verkürzen, womit die Lebensqualität eingeschränkt und die Lebensdauer verkürzt wird.
Ich glaube, das ist es nicht wert.

KaSy

PS (an Mego13): Geht es bei der Studie NOA 18 = "Improve Codel" nicht nur darum, die Radiotherapie bei Oligodendrogliomen Grad II oder III, die eine Co-Deletion von 1p/19q aufweisen, zu verzögern, also später zu beginnen? Ich glaube, um eine Verkleinerung der Strahlendosis geht es dabei nicht, oder?
KaSy
Mego13
16.05.2024 06:30:50 Neu
Liebe Kasy,

bei "Improve Codel" wird die alkylierende frühe Chemotherapie mit der bisherigen Standardtherapie Bestrahlung + PCV bei jungen / jüngeren Gliom II/ III - Patienten verglichen. Um letztere hinauszögern. Was natürlich nicht heißt, dass Photonenbestrahlung verzichtbar wird. Vielleicht eher Procarbazin. Erste interne Meinungen müssen vorliegen, weil sie 2016 gestartet wurde und "nur" noch bis 2026 läuft.

LG
Mego
Mego13
Oligohui80
16.05.2024 09:15:05 Neu
Guten Morgen

Ich werde in der VMAT Technologie bestrahlt. Die bunte Karte, die du Kasy, erwähnt hast, konnte ich noch nicht sehen. Nur das PTV - also die Konturen des gesamten bestrahlten Gebiets. Ich finde das reicht (für mich persönlich) nicht und habe die Ärzte schon auf das andere Bild angesprochen. Vielleicht findet jemand, der bei der Planung dabei war, Zeit für mich. Ich werde jedenfalls immer wieder fragen. Warum ich solche Sorgen mal wieder entwickelt habe - mein PTV ist sehr groß - locker 1/3 des gesamten Gehirns. Ich würde mich schon über die Erklärung der Verteilung der Dosis freuen. In meiner Klinik ist allerdings jeder in Eile und diejenigen, die das ganze geplant haben, sind schwer zu finden.

Liebe Grüße
Marie
Oligohui80
himbeere.
16.05.2024 09:54:21 Neu
Man würde meinen, solche Grenzwerte sind irgendwie sehr Grundlegend erforscht und genau exakt festgelegt. Aber meines Wissens nach, ist das eher empirisch ermittelt. Also durch probieren.

Ionisierende Strahlung ist die einzige derzeit bekannte Quelle, welche Gliome verursachen können. Es ist also von daher ein bisschen paradox, dass man dann trotzdem das Gehirn damit bestrahlt. Ist halt ein Mangel als Möglichkeiten.

Mit der festgelegten Dosis von 60 Gray hat man zeigen können, dass diese kurzfristig im Anbetracht der verfügbaren Behandlungsmethoden keine fatalen Auswirkungen meistens hat und eine Besserung der Krankheit bewirkt.

Es gibt derzeit ein paar Studien, die beim Glioblastom eine Erhöhung der Dosis auf 80 Gray untersuchen und scheinbar ein paar Vorteile dabei finden.
himbeere.
KaSy
16.05.2024 10:33:41 Neu
Hallo, Oligohui80
Du wirst jetzt bestrahlt, dann hast Du doch an jedem Tag bei der Anmeldung die Möglichkeit, ein Gespräch mit dem für Dich zuständigen Arzt für denselben Tag zu beantragen. Die Ärzte sind verpflichtet, bei Problemen mit Dir zu sprechen. Die Strahlentherapie kann jederzeit, auch während der kurzen Bestrahlungszeit, zu Risiken führen. Dann muss ein Arzt sofort verfügbar sein!

Das Personal, das die Bestrahlung und die Blutabnahmen durchführt, handelt sehr sorgsam, aber für konkrete Fragen, Gespräche und Entscheidungen sind nur die Ärzte berechtigt und verpflichtet.

Die "Planer der Bestrahlung", die Laboranten, die Radiologen arbeiten enorm exakt, sie leisten "aber auch nur" Zuarbeiten für die behandelnden Ärzte.

Bitte beim nächsten Bestrahlungstag zuerst um ein Gespräch mit dem Arzt. Dem Anmeldepersonal musst Du nicht sagen, worum es geht, wenn Du es nicht möchtest. Du hast jederzrit ein Recht auf das Gespräch und auch auf die Aushändigung der Dokumente, die für Dich bereits vorliegen. Nimm Dir etwas Zeit mit, denn es könnte ja sein, dass andere Strahlenpatienten auch um Gespräche bitten.

Ich sehe es so, dass ein Patient, der sich lange vorher mit der Frage gequält hat, ob er sich überhaupt bestrahlen lässt und sich dann an mehreren Stellen beraten ließ, welche Art der Bestrahlung in Frage kommt und sich dazwischen immer wieder voller zunehmender Sorge auf Wartezeiten einlassen musste, der hat starke psychische Probleme auch während der gesamten Strahlentherapie. Diesem Patienten muss der Arzt mit mehr Fürsorge entgegenkommen, erst recht, wenn immer wieder gefragt wird. Es geht schließlich um eine sehr "krasse" Gesamttherapie, die Nebenwirkungen und Spätfolgen haben kann.

Deine Aufregung fördert das Ziel der Bestrahlung nicht, denn wenn Du ständig zweifelst, Dir kein Arzt zuhört und Du Fragen ins Forum stellst, die Du selbst als "vielleicht naiv" bezeichnest, dann hast Du jetzt große Probleme und nach dem Abschluss der Bestrahlungswochen werden diese Probleme größer, weil Du die Folgen möglicherweise als gegeben hinnimmst ("Ich habe es doch gewusst und keiner hat mir zugehört, ich war ganz alleine!") und noch mehr zweifelst ("Warum habe ich mir das bloß antun lassen?!?'). Das kann Dich mehr zurückwerfen ...

Ich habe das jedesmal so erlebt, also etwas anders als Du, aber vielleicht ist es vergleichbar.
Während der OP-Klinikaufenthalte und während der Wochen der Strahlentherapie fühlte ich mich gut. Das scheint widersinnig zu sein, aber ich fühlte mich sicher und gut aufgehoben, konnte jederzeit fragen und erhielt Antworten. So lernten mich die Ärzte und das weitere Personal kennen.
Als ich zu den ersten Nachsorgegesprächen in das Strahlenzentrum "meiner" Klinik kam, fiel meiner Oberärztin meine Bedrücktheit auf.
Bei mir war die depressive Persönlichkeitsveränderung wieder in den Vordergrund getreten, aber vielleicht war das auch nur meine Ausrede für mich.
Ich habe das häufiger erlebt, dass ich nicht - wie viele hier - vor MRTs zitternd bange, sondern erst danach einen "psychischen Absturz: durchmache". Besonders deutlich war das, nachdem die Bestrahlungen abgeschlossen waren.
Ich weiß nicht, ob oder wie viele andere danach froh sind, es geschafft zu haben und nun ins Leben starten.
Ich ""fiel in mir zusamnen" und diese sichtbare "unpassende" Stimmung war es der Ärztin wert, mit mir auch darüber zu sprechen.
Vielleicht habe ich mit meinen mittlerweile vielen Ärzten das Glück, dass sie Stimmungen erkennen und sie Ernst nehmen.
Denn die Psyche hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Leben und besonders bei der Bewältigung von Krankheiten während der und über die akuten Therapien hinaus.

KaSy
KaSy
Oligohui80
16.05.2024 10:57:43 Neu
Liebe KaSy,

Du hast vollkommen Recht. Man hat bloß ständig das Gefühl, dass alle in dieser Klinik gehetzt sind und die „Gespräche“ häufig einfach in der Umkleidekabine geführt werden. Ich weiß, wer für mich „zuständig“ ist - warum war diese Person nicht an der Planung beteiligt -‚zumindest soll sie in der Lage sein, den Plan anhand der unterschiedlichen Farben zu erklären… das ist für uns relativ einfach - warum denn nicht für einen Strahlentherapeuten. Du scheinst sehr viel Glück mit deinen Ärzten gehabt zu haben, Mego auch. Mein Eindruck von dem Krankenhaus ist dass sie völlig überlaufen und dadurch überfordert sind. Ich bitte heute erneut um ein Gespräch.
Danke und liebe Grüße
Marie
Oligohui80
Nessis
16.05.2024 11:07:07 Neu
Hallo Marie,ja genau heut Versuchs nicht nur ,nein du hast das Recht aufs Gespräch da es um dein weiteres Leben ja geht..
Meine steteotaxie ist ü zwanzig Jahre her und noch heut bin ich in der Uniklinik köxxx in der Nachsorge ,dazu dank an die docs dort ,ruft ein doc zurück wenn zwischendurch Fragen bestehen.zudem gibts ne Notfall Nummer für rund um die Uhr wen zu erreichen..ja irgendwie macht’s den Eindruck das egal welche Behandlung Düse doch auch etwas mit den jeweiligen doc-Doktorinnen steht und fällt..fühlt Mensch sich gitbaufgehoben,angenommen dann ist’s be-ruhigender in einem selbst .ich wünsch dir fürs Gespräch viel Klärung,schreib dir bitte alle Fragen auf,es gibt keine unnötigen Fragen,nöööö,glg nessis
Nessis
MaxAlex
16.05.2024 14:29:04 Neu
Hallo Marie,

interessant zur Aufklärung deiner ursprünglichen Frage könnten die Guidelines sein, die die neuroonkologischen Fachgesellschaften SNO (USA) und EANO (EU) regelmäßig rausgeben, unter anderem auch zu Radiotherapie bei verschiedenen Hirntumoren (1) (2) (3), in deinem Fall besonders Quelle (1). Dort findest du in Tabelle 4 die Einschätzungen und Empfehlungen zur Strahlendosis bei der Therapie der IDH-mutiert diffusen Gliome von Grad 2 und 3. Und auch zusätzlich Angaben dazu, als wie wahrscheinlich zutreffend die Einschätzung gesehen wird mit jeweiligen Verweisen auf Quellen. Wie die Einschätzung zustande kommt, wird in Tabelle 1 erklärt.
Das ist jetzt mal eine grobe Orientierung, wie diese Werte zustande kommen.

Liebe Grüße
Max

Quellen
(1) Halasz LM, Attia A, Bradfield L, Brat DJ, Kirkpatrick JP, Laack NN, Lalani N, Lebow ES, Liu AK, Niemeier HM, Palmer JD, Peters KB, Sheehan J, Thomas RP, Vora SA, Wahl DR, Weiss SE, Yeboa DN, Zhong J, Shih HA. Radiation Therapy for IDH-Mutant Grade 2 and Grade 3 Diffuse Glioma: An ASTRO Clinical Practice Guideline. Pract Radiat Oncol. 2022 Sep-Oct;12(5):370-386. https://doi.org/10.1016/j.prro.2022.05.004
(2) Gondi V, Bauman G, Bradfield L, Burri SH, Cabrera AR, Cunningham DA, Eaton BR, Hattangadi-Gluth JA, Kim MM, Kotecha R, Kraemer L, Li J, Nagpal S, Rusthoven CG, Suh JH, Tomé WA, Wang TJC, Zimmer AS, Ziu M, Brown PD. Radiation Therapy for Brain Metastases: An ASTRO Clinical Practice Guideline. Pract Radiat Oncol. 2022 Jul-Aug;12(4):265-282. https://doi.org/10.1016/j.prro.2022.02.003
(3) Niyazi M, Andratschke N, Bendszus M, Chalmers AJ, Erridge SC, Galldiks N, Lagerwaard FJ, Navarria P, Munck Af Rosenschöld P, Ricardi U, van den Bent MJ, Weller M, Belka C, Minniti G. ESTRO-EANO guideline on target delineation and radiotherapy details for glioblastoma. Radiother Oncol. 2023 Jul;184:109663. https://doi.org/10.1016/j.radonc.2023.109663
MaxAlex
Oligohui80
16.05.2024 17:44:02 Neu
Vielen lieben Dank für Eure Tipps und Dir MaxAlex für die Literatur. Dann habe ich heute etwas zu tun:)
Oligohui80
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