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Thema: Welche Defizite, rechtfertigen denn eine Rente?

Welche Defizite, rechtfertigen denn eine Rente?
Paeris
02.11.2018 18:37:51
Hallo an alle,
ich komme aus Berlin und habe ein Anaplastiches Oligodendrogliom WHO III (gehabt?) rechts frontal sitzend. IDH1q19 mutiert, also besser behandelbar,
entdeckt Heiligabend 2014 nach Epi-anfall.
2015 OP-(alles sichtbare konnte entfernt werden) und da infiltriert gewachsen folgten Strahlen-Chemotherapie 2015-Reha berentet entlassen.
Schwerbehindertenausweis beantragt 100% bekommen!
Mir geht es ähnlich so ( vorher Ferrari, jetzt Trecker)
Wie geht es in Zukunft weiter?
ich habe vorher 12 h und mehr geackert LKW-Fahrer mit Ausliefern von Waren und Getränken (in Berlin) war für mich normal und kein Problem. Meinen Job habe ich an den Nagel gehängt LKW-Fahrverbot(verständlicher Weise)
und in der Firma war es so, du hattest erst Feierabend wenn alles abgearbeitet war (auch auf anderen Positionen wie Lager und Fakturierung) auch sonst bin ich nur auf Unverständnis gestoßen, besonders bei meinem Chef(sehr Rauhes Arbeitsklima). Ich habe dann eine Arbeitserprobung gemacht, nachdem meine Onkologin gesagt hatte:"Sie können ja wohl Laub harken". Mehr
als 1 - 2h ging nicht war trotz mehrer Pausen völlig im Eimer. Ich bin Jetzt im 3 Jahr (Rezidivfrei) seid Ende 2017alle 6 Monate Kontroll-MRT( vorher alle 3Monate)Folgende Einschränkungen sind immer noch vorhanden(Tagesabhängig): längeres Konzentrieren, merken von mehreren Sachen (vergeßlichkeit) und längeres lesen sowie körperliche Belastungen fallen mir immer noch sehr schwer.Wetterfühligkeit und impulsartige Kopfschmerzen, schlechter Schlaf, psychische Niedergeschlagenheit besonders auch nach Belastungen(nächster Tag wie ausgenockt als wäre man nicht selbst) alleine sich zu etwas aufraffen. Man war ich früher spontan. Gespräche in Gruppen(mehrere gleichzeitig). sowie Menschenansammlungen grausam, schnell mal eben Bäume ausreißen, fast unmöglich Bin seid 2Jahren in Psychoonkologischer Betreuung und dann?
(so langsam müsste aber mal!) Kennt Ihr sowas auch?
Ich würde gerne mal wissen, wer Betreut euch(Verlaufskontrollen) ? Onkologe oder Neurochirurg?
Welche Defizite, rechtfertigen denn eine Rente?
Man ist ja keine Maschine, wo man repariert wird und dann geht man wieder. Oder?
Medikamente: Leviteracetam 500-0-500mg gegen Epilepsie
Candesartan 12-0-4mg Bluthochdruck
Myrthazapin 15mg zum Durchschlafen
Die Medikamente machen ja auch zum Teil benommen im Kopf und die Leberwerte? schön kontrollieren. Trinken sie viel Bier? Wurde ich schon gefragt vom Arzt.
Ich stecke deshalb nicht den Kopf in den Sand und versuche auch das Beste aus der Situation zu machen. Viele Dinge gelassener zu sehen.
Ich hoffe und wünsche euch, von allem nur das Beste.
LG
PS: Man sieht uns diese Krankheit ja nicht unbedingt an und ich verharmlose sie aber auch nicht, auch wenn auf den MRT-Bildern nichts zu sehen ist. Eine Erkältung wäre mir auch lieber gewesen.
Paeris
ahnungslos
03.11.2018 06:08:50
Hallo Paeris,
ich wurde vom Jobcenter aufgefordert Rente zu beantragen (anderer Grund). Der erste Antrag wurde abgewiesen, dann kam meine erste Op und beim zweiten Antrag wurde mir eine befristete Rente bewilligt. Vorab musst ich noch zu einem Gutachter der einige Test gemacht hat und mit mir gesprochen hat. In dem Zusammenhang kam dann die Bewilligung. Ich denke, beantragen und versuchen kann nicht schaden. Bei Ablehnung gleich Widerspruch schreiben. Es wird ja auch nicht nur der Antrag berücksichtigt, sondern auch behandelnde Ärzte.

Grüße,
ahnungslos
ahnungslos
Paeris
03.11.2018 06:56:09
Hallo Ahnungslos,
danke für die Vorschläge.
Du hast ja auch schon ganz schön was durch gemacht 3 OP's. Wie geht es dir und arbeitest du noch in der Behindertenwerkstatt nach der Reha?
Was hast du für Defizite (Einschränkungen).
Ist es bei dir ein Grad2 geblieben?
Mußt du Medikamente nehmen (Epilepsie)
Verlaufskontrolle durch Neurochirurgen oder Onkologen?
LG Paeris
Paeris
Marsupilami
03.11.2018 10:16:43
Hallo Paeris,

Du hast geschrieben:"Man ist ja keine Maschine, wo man repariert wird und dann geht man wieder. Oder? "

Genau das scheinen einigeÄrzte oftmals zu meinen.Leider.

Entweder "hat man gesund zu werden", oderman ist totkrank, dann gehts um Schadensbegrenzung. Und sogar dann lese ich hier regelmäßig Beiträge im Forum, wo es mir die Zehennägel aufkräuselt,weil ich denke: wie können so viele Mediziner dermaßen überfordert sein.

Ärzte sind für den Umgang mit den bleibenden Schäden ausmeiner Erfahrung nicht geeignet.
Ich habe jetzt einen Neurologen,der für mich gút erreichbar ist und der michnicht anschnauzt.

Glücklicherweise habe ich inzwischen einen Neuro-psychologen gefunden (das sind Psychologen, die sich darauf spezialisiert haben, mit Menschen mit neurologischen Einschränkungen durch Krankheit oder Unfall zu arbeiten)
Der hat mir meine Schwierigkeiten tatsächlich ein wenig erklären können.
Diese andauernde Müdigkeit, Schwierigkeiten, wenn ummich herunmehr Menschen sind...zB.

Und ganz wertvoll: ihm ist klar, dass dieSchwierigkeiten, die ich schildere, einfach da sind und hilft mir, dass ich nicht ständig den Druck spüre wieder so zu funktionieren wie vorher. Es geht halt leider nicht darum, ob ich etwas will, sondern häufig darum,dass ich ganz vieles nicht mehr so kann wie vorher.
Wenn ich das anfange zu akzeptieren, werde ich offen dafür zu entdecken, was geht.

Das ist ein lange Reise, die braucht die Offenheit zu sehen, wer ich geworden bin.

toi-toi-toi
.
Gruß vom Marsupilami
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"Don´t feed the troll"

„Trollen ist ein Spiel um das Verschleiern der Identität, das aber ohne das Einverständnis der meisten Mitspieler gespielt wird.“
– Judith Donath: Identity and Deception in the virtual Community
(Wikipedia)
Marsupilami
mona
03.11.2018 11:51:13
Hallo,
diese Schwierigkeiten die du schilderst habe ich auch...meine Rente bekam ich 2014...ich habe ehrenamtlich gearbeietet da fühlte ich mich wohl und ausgeglichen...mit Rente darf man ja noch eine tätigkeit ausführen...

Lg mona

ALLES ist positiv und negativ....
mona
ahnungslos
04.11.2018 04:44:13Neu
Mir geht es soweit gut. Einschränkungen sind kaum merkbar, bzw. nicht vorhanden. Aufällig ist nur Dauer der Konzentration und gelegentlich Schwierigkeiten beim nachdenken. In der WfbM bin ich noch. Läuft jetzt auch wieder halbwegs. Der Tumor Grad ist geblieben und die Kontrolle, erhöht auf 6 Monate, läuft weiter über die Neurochirugie. Diverse Medikamente brauche ich noch nicht. Ich hoffe auch das es so bleibt.

Viele Grüße
ahnungslos
ahnungslos
Paeris
05.11.2018 14:15:21Neu
Hallo Marsupilami,
da gebe ich dir voll Recht, ich fühle mich bei meinem Neurologen auch gut aufehoben.
Verläßt sich der Neurochirurg eigenetlich auf den Bericht vom Radiologen, oder wirft er auch in eurem Beisein nochmal einen Blick au die Bilder und bespricht mit euch den Befund?
Bei mir habe ich den Verdacht das mein Onkologe( schon der dritte Onkolgogenwechsel) sich auf den Bericht vom Radiologen verläßt. Es ist immer komisch wenn man reinkommt und der Befund liegt vorne auf der Tischecke und es wird einem mitgeteilt woran man ist. Blöderweise weiß ich nicht wieviel Erfahrung mein Onkologe mit Gehirntumoren hat. Ich möchte seine Kompetenz auch nicht in Frage stellen, anderseits möchte ich fachlich und nach besten Wissen beraten werden.

Hallo Mona,
auch ich habe ein Ehrenamt 3Monate gemacht in einer Diakonie ist mir aber alles zuviel geworden. (vom Laub harken bis Keller entrümpeln, Kirche sauber machen, besorgungen machen (Körperlich und Kozentrationsmässig)eigentlich Aufgaben eines Hausmeisters. Erstmal rauszufinden was mit einem noch geht und wie lange. Obwohl alle sehr nett dort waren, war mir immer unangenehm wenn es dann nicht mehr ging. Wußten aber auch Bescheid im Bezug auf meine Erkrankung.

Hallo Ahnungslos,
kommt mir bekannt vor, wie ist er bei dir entdeckt worden? Zufallsbefund?
meine Therapeutin hatte mir auch den Vorschlag gemacht in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten. War auch da und habe es mir angesehen. Ich konnte es mir aber nicht vorstellen dort tätig zu werden zumahl ich mit mir selber schon genug zutun hatte(eine sehr verantwortungsvolle Tätikeit).
Was musst du da für Aufgaben verrichten und wie kommst du mit dem Lärm klar? Mußt du da alleine arbeiten oder in einer Gruppe?
Wer hat dich auf die Idee gebracht, das zutun und zu erproben?

LG an euch alle
und "Enjoy the little Things". Paeris
Paeris
ahnungslos
07.11.2018 04:16:29Neu
Hallo Paeris,
mein Tumor wurde per Zufall endeckt. Mit der Werkstatt, das hat sich so ergeben. Ursprünglich wollte ich einen Minijob, fand da aber nichts. Danach suchte ich nach einem Ehrenamt, hatte zu der Zeit einen Betreuer und bevor ich mich für ein Ehrenamt entschieden hatte drängelte er mich in die Werkstatt. Die stand zwar auch auf meinem Plan, aber erst falls das mit dem Ehrenamt nicht klappen sollte. Wir haben hier mehrere Werkstätten. Die erste die ich mir angeschaut hatte war auch, auf Grund der Bauweise (keine Türen zwischen den Abteilungen), eher laut. Die andere, wo ich jetzt bin, da habe ich mir nur die Außenstelle angeschaut. Da ist es eher ruhig, da dort eher die fiteren eingesetzt werden. Im Haupthaus ist eher Wuhling, aber da die Gruppen in einzelnen Räumen sind hält sich die Lautstärke während der Arbeit in Grenzen. Meine BerufsBildungsBereichsgruppe ist noch relativ neu. Wir bekommen meist Arbeit mit aus den anderen Gruppen. Die arbeiten bei uns geht von einfach bis zu Richtung anspruchsvoll.

Viele Grüße,
ahnungslos
ahnungslos
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