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Thema: Welche Schwankungen bei Genesung sind normal?

Welche Schwankungen bei Genesung sind normal?
crefelder
08.05.2024 17:24:55
Hallo,

Dass so eine Kopf-OP ein großer Eingriff bedeutet, ist unbestritten. Leider findet man so wenig über die Heilungsprozesse und welche Auffälligkeiten noch normal sind und ab wo man sich Sorgen machen sollte.
Wenn das mehr geschwollene Auge nach 3 Wochen dann leicht mehr Druck hat und gefühlt dadurch weniger Sicht hat, läuft das unter normal und hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen?
Es gab noch Nachblutungen nach der OP. Das war vor 2 Wochen. Für die Ärzte da dann soweit gut, dass man nichts machen muss. Würden diese Blutungen anhalten, müssten dann nicht schon was an anderen Symptomen auftreten?

Es gibt wohl soviel unterschiedliche Verläufe wie Anzahl an OPs. Gibt es nach der OP anfängliche Stillstand oder leichte Rückschritte, bevor es echte Besserungen gibt?

Klar habe ich schon hier und bei Freund Google gesucht, aber so wirklich was zu den Auf- und Ab der Heilung.

Lieben Dank für Infos.

LG
Crefelder
crefelder
KaSy
08.05.2024 21:18:00
Hallo, crefelder,

"Google" ist nicht "Dr. Google" und schon gar nicht Dein "Freund", zumindest nicht, wenn Du derart spezielle Fragen für Deine Frau hast.

Ich fand es ganz amüsant, als meine Krankenkasse online medizinische Beratung anbot und gab spaßeshalber lauter Begriffe ein, die mit Hirntumoren zu tun haben. Natürlich gab es nichts. Und das ist eine Krankenkasse, die alle Therapien bezahlt, die mit Hirntumoren zu tun haben. Glaubst Du wirklich, dass "Dr. Google" gesamnelte medizinische Erfahrungsschätze verwaltet?

Die "Nachblutungen" hast Du in diesem Forum schon einmal genannt, es wäre schön, wenn Du mitgeteilt hättest, wo es nachgeblutet hat.
Wenn Du es gesehen hast, dann hätte es aus dem OP-Zugang bluten müssen, dann hätten die Ärzte es steril versorgt und gegebenenfalls Antibiotika gegeben, jedoch ist man heutzutage damit nicht so schnell, wegen der Antibiotika-Intoleranzen.
Wenn die Aussage über die "Nachblutungen" von den Ärzten stammt, dann war es im postoperativen MRT oder CT zu sehen gewesen. Es ist möglich, dass nach OPs, bei denen die Neurochirurgen durch die Kopfhaut, den Schädelknochen, die äußere und dann die innere Hirnhaut und weiter sinnvoll durch das gefäß- und nervenreiche Gehirn zum Tumor vordringen müssen, um ihn mühselig von den Hirnhäuten zu entfernen, beim "Rückweg" winzigste Blutgefäße nicht völlig "flüssigkeitsdicht" verschlossen haben. Dann sind im MRT oder CT "Nachblutungen" zu sehen. Diese werden bezüglich ihrer Menge, der Stellen im Gehirn und der Gefahren, die von ihnen ausgehen könnten, von den Ärzten besprochen und eingeschätzt.
Meist werden diese Blutmengen vom Stoffwechsel des Gehirns mit aufgenommen und stören schon bald nicht mehr.
Möglich ist, dass Blut im Gehirn dort verbleibt, wo es epileptische Anfälle auslösen könnte. In dem Fall würde abgewartet werden, ob sich das Blut rasch genug "auflöst", bevor es zu solchen Krampfanfällen kommt. Sollte das geschehen, würden die Ärzte die Ursache kennen und mit einer medikamentösen Therapie nur dann beginnen, wenn sie wirklich unabwendbar ist. Ein Anfall innerhalb von 3-4 Wochen muss noch nicht behandelt werden. Mehrere schon.
Sollten diese "Nachblutungen" wirklich schwerwiegende Folgen für Deine Frau erwarten lassen oder sie bereits Symptome haben, dann hätten die Neurochirurgen eine weitere OP durchführen müssen.

Übrigens kommt es häufiger vor, dass die Hirnhäute nach einer Hirntumor-OP nicht völlig "flüssigkeitsdicht" verschlossen werden können. Durch das "Loch" kann das Hirnwasser = der Liquor unter die Kopfhaut dringen und dort eine "Beule" verursachen. Selbst diese völlig ungewöhnliche Situation verheilt fast immer von selbst.

Du fragst: "Wenn das mehr geschwollene Auge nach 3 Wochen dann leicht mehr Druck hat und gefühlt dadurch weniger Sicht hat ..."
Direkt nach einer Hirntumor-OP, die im Bereich eines Auges erfolgen musste, ist noch keine Schwellung eingetreten. Falls es um das Sehen ging, können die Neurochirurgen in der ITS erfragen, ob das Auge sieht. Innerhalb von Stunden schwillt dieser Bereich an, weil sich dort Blut ansammelt. (Bekannt ist das jedem, der sich mal in den Weichteilen stark gestoßen hat oder (als Mann morgen hoffentlich nicht) mit der Faust "eine aufs Auge bekommen hat". Es entsteht der bekannte blaue Fleck, dessen Zunahme man mit "ab und zu" Kühlen verlangsamen kann. Dieses "Boxerauge" wird nach und nach abschwellen, grün, gelb werden und irgendwann wieder den Normalzustand erreichen.

Ich kenne das aus mehreren OPs, es dauerte wenige Wochen. Bei mir war anfangs häufige und jeweils kurze Kühlung angesagt, bis die Stelle nicht mehr heiß war. Dann blieb es bei der Normaltemperatur, ich musste nicht mehr kühlen. Die Schwellung betraf das Augenlid und ich bekam 2 Wochen das Auge nicht allein auf. Die Schwellung hatte sich zu einem Lymphödem gewandelt. Sie ging dann kaum noch zurück, nun musste eine Lymphdrainage erfolgen. Ich lernte das von meiner Ergotherapeutin selbst und wandte sie täglich 1-2 Mal für etwa 10 min an. Sie kann auch sehr viel später noch begonnen werden, Monate, Jahre, dann wirkt sie auch noch leicht abschwellend.

Diese Schwellung nimmt postoperativ rasch zu und sehr langsam wieder ab. Abhängig ist das vom OP-Gebiet, von allem, was an Blutgefäßen, Lymphgefäßen "im Wege" war sowie von der "Selbstheilungskraft". Diese Schwellung kann sich also etwas verlagern. Wenn das in Richtung Auge geschieht, genügen geringste Zunahmen dieser Flüssigkeiten, um ein wenig Druck auf das Auge auszuüben, das darauf sehr sensibel mit einer Verschlechterung der Sehfähigkeit reagiert. Die Ursache ist bekannt und es wird wieder besser werden.
Bei Unsicherheit ist eine Untersuchung beim Augenarzt (mit allen Vorbefunden) anzuraten.

Da Deine Frau weitere Vorerkrankungen hat, sind Ihre Selbstheilungskräfte weniger gut und da kann alles etwas länger dauern. Ein "Auf und Ab" ist normal! Der Heilungsprozess hängt vom Zusammenwirken vieler Faktoren ab, die sich gegenseitig mal befördern und mal behindern. Insgesamt sollte sich diese "Sinuskurve" im Laufe der Zeit "nach oben" bewegen. Dazu gibt es den Hausarzt, der sinnvolle Unterstützungen verordnen kann und mit der Patientin außerdem über ihre Lebensweise spricht, wie sie selbst aktiv zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen könnte.

Lass Ihr Zeit, gönne ihr zielgerichtete Hilfe und sehr viel Geduld! Letzteres gilt, glaube ich beinahe, mehr für Dich als für sie - und "Dr. Google" kennt diese Art der Genesungshilfe gar nicht.

KaSy

PS: Meine Kinder fragten mich nach diesen OPs, mit wem ich denn geboxt hätte. Ich sagte: "Mit dem Neurochirurgen und wir haben beide gewonnen."
KaSy
Arwin
08.05.2024 21:24:50
Hallo crefelder
ich habe jetzt nach 3 Jahren noch meine Auf und Abs.
DA hat jeder so seine Baustellen.Ich kann mal besser und mal schlechter laufen, habe meine psychischen Probleme. Im Moment kann ich mich schlecht konzentrieren und habe wieder Rechtschreibe Probleme, wie du sicher siehst.
Denk dran so eine OP ist kein Zuckerschlecken, das Gehirn wurde zurückgetrengt und braucht Zeit sich wieder auszudehnen, manchmal macht es das auch nicht mehr ganz und Gehirnwasser muß das übernehmen..
Bei uns gag es auch Rückschritte, das sind bei allen andere, einer hat Kopfweh, ich merke es an der Hemiparese links und andere können schlechter sehen.
Schau nicht so viel bei GOOGLE nach.
Ich hatte letztens einen Spruch zugeschicktbekommen: Ich bin krank, habe GEGOOGELT.
Ich habe wahrscheinlich
die Pest
Borkenkäfer
oder Zylinderkopf.
Bei dir müssen nicht die gleichen Symtome wie bei unsereiner auftreten
Sei froh wenn nicht mehr auftreten.
Glaube mir ich habe auch immer mehr in mich reingehört und tue es auch noch, und denke manchmal das der eingewachsene Zehennagel (grinz) auch von dem Tumor kommt.
Auch wenn es einen Schritt zuurück gibt dann gibt es 2 wieder vor.
Gib dienen Gehirn zeit.
VG Arwin
Arwin
crefelder
08.05.2024 22:48:42
Hallo KaSy,

hatte zwar mal was vorformuliert, um es hier zu posten, wo ich auf auf die Frage von dir eingegangen bin mit den Nachblutungen. Wie das oft so ist, es kommen 1000 Dinge auf einen zu, da wird man vergesslicher...
Diese Blutungen sind dort entstanden, wo das Meningeom gesessen hat. Vier Tage nach der OP wurde wurde das mittels CT verifiziert. Von den 2,5 cm waren 1,7 auf 1,8 wieder gefüllt.
Von möglichen Anfällen hatte uns bislang niemand was gesagt. Es war die Aussage, dass man erstmal nicht operieren wollte, nur wenn es schlimmer werden würde.
Mit der Zeit baut sich das von selbst ab, hieß es. Wurde jetzt auch von anderer Hausärztlicher Seite bestätigt, mit einer Vermutung auf lange Sicht. Also Monate.
Es ist nicht so, dass wir zu schnell zu viel wollen. Es ist eher so, dass wir aufgrund der bisherigen Erfahrungen eher unruhig werden, wenn nicht einsoftierbare Ereignisse auftauchen. Die "Gelassenheit" die Dinge ruhiger und überlegten zu betrachten und anzugehen müssen wir uns erstmal wieder zurück erobern.

Ansonsten schon mal wirklich vielen Dank an Dich und auch an Arwin für die Ein- und Ausblicke. Wir wissen, es ist ein sehr langer und steiniger Weg, wäre halt nur schön, den Weg dann auch zu verstehen.
Und Arwin, den Spruch mit Google habe ich schon etwas anders gelesen. Hat mir wieder gefallen und passt ja auch ganz gut. DANKE!!

LG

Crefelder
crefelder
Montemore
09.05.2024 14:40:30 Neu
Hallo Crefelder,

Ich hatte nach meiner OP auch Nachbluten, dadurch wurde das Sehzentrum im Gehirn gequetscht und ich hatte Sehfeldausfälle. Sie wollten mich nach 2 Tagen nochmal operieren, aber ich hab das damals abgelehnt, mir ging es einfach so elend. Heute denke ich, ich hätte es vielleicht gemacht, wenn mir ein Arzt alles in Ruhe erklärt hätte. Wie dem auch sei, man sagte mir dann auch, dass der Körper das auch von selbst abbauen würde.
Da ich die OP abgelehnt habe, musste ich aber nochmal zur Überwachung auf die ITS. Dort versuchte man, mir so eine lange Blutdruckmesssonde in die Arterie zu basteln, das machen sie normalerweise zur OP wenn man schon in Narkose ist. War ich ja nun aber nicht und es war ziemlich unangenehm und im Endeffekt hatte ich einen riesigen Bluterguss am ganzen inneren Unterarm.
Als ich dann später zu Hause war und verzweifelte, weil ich immernoch nicht richtig sehen konnte, sagte mir eine Freundin: Schau mal Deinen Arm an, in Deinem Kopf sieht es genauso aus. Wenn der Bluterguss am Arm verblasst, wird auch der im Kopf abgebaut.
Das hat mich getröstet und so war es auch wirklich. Ich glaube, nach 4-6 Wochen hab ich wieder richtig gesehen und der Arm war auch nicht mehr lila-braun-grün.
Habt noch Geduld. Ich weiß, dass das sehr schwer ist, vor allem da man ja nie sicher weiß, was wieder weggeht und was vielleicht so bleibt.
Courage!
Montemore
Montemore
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