Hallo Zusammen!
Mein Lebensgefährte hat seit nun 10 Jahren ein Oligodendrogliom Grad 3 im Frontallappen.
Ich erspare euch die ganze Krankheitsgeschichte. Hier nur die Kurzfassung: Diagnose 2015 + OP, Chemo und Bestrahlung. 1. Rezidiv 2022 + Bestrahlung, Chemo und später 2. OP.
Seit der 2. OP (Dez.2022) fehlt ihm komplett der Antrieb. D.h. er verbringt fast den ganzen Tag schlafend oder dösend im Bett. Nur wenn er Termine hat (Ergo usw.) kann er sich aufraffen und fährt dann sogar mit dem Bus zum Termin. Sobald er wieder zu Hause ist, legt er sich ins Bett. Essen und trinken wird sehr vernachlässigt. Wenn ich mal länger nicht zu Hause bin (meine Mutter ist 89) dann isst er eigentlich nie, nur ein par Chips. Nur für einen Restaurantbesuch kann ich ihn aus dem Bett locken. Wir fahren auch noch hin und wieder in den Urlaub. Das klappt, ist für mich aber sehr anstrengend.
Der Pflegedienst kommt morgens und abends zur Tabletteneinnahme, da wir uns da sonst ziemlich in die Haare kriegen würden. Er besteht immer darauf, sie schon genommen zu haben usw. Beim Pflegedienst meckert er nicht.
Die Hygiene hat stark nachgelassen. Soziale Kontakte hat er von sich aus nicht mehr. Nichts interessiert ihn mehr.
Ich betreue ihn nun seit 2018 und erledige ALLE Angelegenheiten für ihn, Haushalt (wir haben eine Haushaltshilfe über den Pflegedienst), Papiere, kochen, einkaufen etc.
Lange Zeit bin ich sehr wütend gewesen, da ich einfach zu viel erwartet habe. Noch nicht einmal seinen Teller stellt er in die Spülmaschine (obwohl "Mann" dazu nicht unbedingt einen Hirntumor braucht :). Seit dem letzten Besuch in der UK BN habe ich aber verstanden, dass er absolut nicht anders kann, eine komplette andere Wahrnehmung hat als ich. Er merkt nicht wenn er sieben Stunden Mittagsschlaf hält usw.
Seitdem habe ich meinen Frieden mehr oder weniger gefunden. Da ich jetzt weiß, dass er absolut nichts mehr leisten kann, habe ich auch keine Erwartungen mehr, werde also auch nicht mehr enttäuscht.
Ich muss noch einfügen, dass mein französischer Ex-Mann (wir haben vier erwachsene Kinder, haben uns 2018 getrennt, nicht geschieden) leider 2023 an einem Glioblastom erkrankt und letztes Jahr gestorben ist. Meine Kinder und ich haben ihn zum Schluss gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin zu Hause in Frankreich bis zu seinem Tod gepflegt. Das war eine sehr harte Zeit, die mich zusätzlich enorm Kraft gekostet hat. Aber so ist das Leben halt.
Ich würde mich über eure Erfahrungen mit Lebenspartner:innen mit so starken Antriebsstörungen freuen.
Viele liebe Grüße