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Thema: Wie oft kann man bestrahlt werden ?

Wie oft kann man bestrahlt werden ?
moodi
29.07.2019 21:20:29
Hallo,
meine Frage: Wie oft kann man bestrahlt werden, bzw wieviele Gray verträgt ein Mensch im Leben ? Habe heute beim Arzt gehört, dass 50 Gray die Obergrenze wären. Da hätten ich und viele von Euch doch schon mehr.
Was stimmt ?
moodi
moodi
SpinEcho
29.07.2019 21:31:52
> meine Frage: Wie oft kann man bestrahlt werden, bzw wieviele Gray verträgt ein Mensch im Leben ?

Ganzkörper? Vier sind genug für eine tödliche Strahlenvergiftung. Aber darum geht es hier nicht.

Die Bei der Strahlentherapie angegebenen Dosismengen beziehen sich aber auf winzige Gewebemengen (d.h. den Tumor). Die Einheit von Gray bzw. Siever ist Energiemenge pro Masseneinheit Gewebe, normalerweise Joule pro Kilogramm. Deswegen kann man selbst zwei Bestrahlungen mit der selben Zahl von Gray nicht vergleichen - wenn im einen Fall zehn Gramm Tumorgewebe bestrahlt werden und im anderen Fall vierzig Gramm, dann liegt zwischen der insgesamt im Tumor landenden Energie der Faktor vier.
SpinEcho
KaSy
30.07.2019 01:56:31
Liebe moodi,
wenn Dein Strahlenarzt für Dein Akustikusneurinom eine maximale Strahlendosis von bis zu 50 Gy festlegt, weil an dieser Stelle riskante Bereiche sind, die keine höhere Dosis erhalten dürfen, dann gilt das für diesen Tumor.

Sollte an einer anderen Stelle später etwas bestrahlt werden müssen, dann ist die gleiche Dosis (bei Hirntumoren oft bis zu 60 Gy) möglich, aber die Strahlenärzte sollten aufpassen, dass sich die beiden Bereiche nicht überlagern.

Es gibt auch Ärzte, die (im Rezidivfall bei höhergradigen Hirntumoren) mehrfach die gleiche Stelle bestrahlen würden. Sie sagen, es sollte möglichst viel Zeit seit der vorigen Bestrahlung vergangen sein und reden von mindestens 6 Monaten.

Das Problem ist die Schädigung des umliegenden gesunden Gewebes, wo sich bei Mehrfachbestrahlung die Dosis aufsummiert. Dann gelingt es den gesunden Zellen nicht mehr so gut, sich zu regenerieren.

Das muss bedacht werden und in Zusammenhang mit der lebenswerten Überlebenszeit gebracht werden.

Bei Akustikusneurinomen und z.B. Meningeomen und niedriggradigen hirneigenen Tumoren geht man von einer sehr langen Lebenszeit aus. Da sollte die gleiche Stelle nicht unbedingt mehrfach bestrahlt werden.

Bei mir wurden gegen WHO-III-Meningeomrezidive drei Strahlentherapien durchgeführt, aber es wurde penibel darauf geachtet, dass sich die Strahlenfelder nicht überschneiden. Es waren 60 Gy; 60 Gy; 54 Gy (nahe einer Risikostruktur).

KaSy
KaSy
moodi
30.07.2019 18:14:26
Danke für die Antworten,

ich wurde mit einer erneuten Bestrahlung konfrontiert ( vom NC), die aber erst in ein paar Jahren statt finden würde, da mein Tumor jetzt zu groß ( ?) schon wäre und erst ein Teil entfernt werden müsse. Bald. Da er ( wahrscheinlich) die Trigeminusneuralgie auslöse. Wegen Sehstörungen war ich beim Augenazt, die dieser auf das Medikament Pregabalin zurückführte . Und er hat etwas von 50 Gray gesprochen und ist sicher nicht Experte für Betrahlungen. Aber es gab mir zu denken.
Aber jetzt verstehe ich einfach mehr. Ich glaube, dass eine weitere Bestrahlung wohl eher zu vermeiden ist, sollte man den Tumor mittles OP entfernen können...
Es grüßt eine nachdenkliche
moodi
moodi
Lissie38
30.07.2019 19:57:51
So oft es dein Strahlentherapeut berechnet und verantwortet. Es gibt keine allgemeine Gültigkeit

Mein Meningeom könnte zb probemlos zum 2. Mal mit Cyberknife bestrahlt werden, falls nötig...
und davon würde ich auch jederzeit Gebrauch machen - ich hatte eine Einzeitbestrahlung am Auge.
Lissie38
KaSy
30.07.2019 20:31:31
Hallo, moodi,
Ist Dein Akustikusneurinom bereits bestrahlt worden? Wenn ja, wann und mit welcher Methode?

Gab es bereits eine OP?

Dieser Tumor sollte eigentlich keine Sehstörungen auslösen, da er nicht an den Sehnerven und der Sehnervenkreuzung (optisches Chiasma) liegt.

Der Augenarzt kann trotzdem Recht mit den 50 Gy haben. Dein Tumor liegt ja an/in einer riskanten Stelle, wo die gesunden Zellen mehr geschont werden sollten. Der Arzt weiß sicher, dass die übliche Strahlendosis 60 Gy beträgt. Als Augenarzt weiß er sicher auch, dass Sehnerven bis zu 54 Gy aushalten. Dann könnte er durchaus auch die maximale Strahlendosis für Deinen Tumor kennen.
(Sonst würde er sich dazu gar nicht äußern.)

Die Strahlendosis würde aber von den Strahlenärzten festgelegt werden, wenn es irgendwann so weit sein sollte.

Dass Dein Tumor zu groß für eine Bestrahlung ist, glaube ich dem NC. Ansonsten hätte er für eine Bestrahlung plädiert. Durch die Größe ist es jedoch zu riskant, dass gesunde Zellen, die für Deine Lebensqualität wichtig sind, durch die Strahlen zu sehr leiden und ihre Funktion nicht mehr erfüllen können.

Demzufolge würde Dein NC wegen Deiner aktuellen Symptome* zunächst den Tumor teilentfernen. Er soll kleiner werden, damit Deine Symptome verringert werden oder verschwinden. Außerdem werden dadurch bessere Voraussetzungen dafür geschaffen, falls der Tumor größer wird und dann bestrahlt werden muss.

Die "nur" Teilentfernung scheint damit zusammenzuhängen, dass der NC nicht an die riskanten Stellen heran will, um möglichst wenig Schaden anzurichten.


Ich hatte bei einem Rezidiv nahe eines Sehnerven einen vergleichbaren Verlauf. Das Meningeom konnte nur teilentfernt werden, um den Sehnerv keinesfalls zu schädigen. Später erfolgte die geplante Bestrahlung des Resttumors mit nur bis zu 54 Gy, da der Sehnerv nicht mehr aushält. Zusätzlich wurde, um ihn zu schonen, der übliche Sicherheitsbereich um den Tumor herum, in dem sich Tumorzellen befinden können, in Richtung Sehnerv so weit wie möglich verringert.


Die Teil-OP würde bei Dir auch erfolgen.

Die Bestrahlung wohl nur, falls Dein Tumor wächst.
* Durch Deine Symptome ist eine alleinige Bestrahlung vermutlich auch nicht ratsam, denn der Tumor bleibt ja an dieser Stelle und verkleinert sich erst im Laufe von wenigen Monaten. Deine Symptome, um die es bei Dir vorrangig geht, würden lange bestehen bleiben.

Durch die OP wird eine sofortige Entlastung und baldige Besserung für Dich erfolgen.

Ob das gelingt, sieht man erst nach dieser OP, aber es scheint derzeit die einzige Möglichkeit eines Heilungsversuchs gegen Deine Beschwerden zu sein.

Es ist wirklich nicht einfach ...
Beste Grüße
KaSy
KaSy
moodi
01.08.2019 12:53:50
Hallo, ja es ist wirklich nicht einfach.

Ich habe hier im Forum schon öfter berichtet.
Teilresektion des AKN 2014.
Photonenbestrahlung 2015.

Ständige Kontrolle des Restumors. Mal hieß es er sei größer geworden, dann Stillstand. Jetzt sogar einmal die Aussage er sei kleiner geworden. Dann eine Woche später hieß es, ich müsse doch an eine OP denken, da Trigeminusneuralgie. Die habe ich jetzt medikamentös so ziemlich im Griff. Da das AKN in den letzen Jahren sich doch fortlaufend vergrößert habe ( von ca 1,7 cm auf ca. 2,6 cm an der "längsten" Stelle mit Stammhirnkompression etc... Dann in ein paar Jahren wieder Bestrahlung und später dann vielleicht doch Komplettentfernung. Mir schwirrt der Kopf !

Soll ich jetzt einen Teil entfernen lassen, mich wieder der Bestrahlung aussetzen und dann noch ein drittes oder viertes Mal operieren lassen ? Oder jetzt alles raus mit kompetter Facialisparese, die ich zu hundert Prozent haben werde, das AKN mit Facialis verwachsen . Ich warte derzeit noch auf den Arztbrief, dann werde ich wahrscheinlich eine neuen Thread hier beginnen, da alles so verworren für mich ( und vieleicht Euch auch ) ist.
LG moodi
moodi
moodi
01.08.2019 16:51:09
Hallo, KaSy
das hast Du recht gut erklärt.
Ja es muss wohl erst mal "ein Stück" weg, um den Druck vom Trigeminusnerv zu nehmen. Ich frage mich nur, wenn schon OP dann vielleicht alles entfernen, mit allen Konsequenzen, als noch einmal den Schädel öffnen ?
Es ist wirklich schwer. Ich bin erst Anfang 50.
Lg moodi
moodi
Efeu
01.08.2019 18:02:19
Hallo Moodi,

ja, das sind schwere Entscheidungen für dich. Welchen Weg gehen - noch dazu, du weisst ja nie, wie dein Körper, dein Gehirn, tatsächlich reagiert auf die OP und Bestrahlung. Was sich auch wieder erholt, Nerven heilen langsam, das ist auch eine grosse Chance.

Für mich ist es immer wichtig, dass ich den Ärzten 100% vertrauen kann, sonst würde ich mich nicht behandeln lassen, grad im Kopf.

Eine komplette Fazialisparese, von vorne herein geplant, würde ich persönlich nicht in Kauf nehmen (ich habe eine teilweiseFazialisparese, nach anfänglich gänzlicher, einschliesslich Schlucklähmung).
Aber das ist so individuell, das muss jeder für sich selber entscheiden, letztlich.

Für mich: Lieber nach einigen Jahren, eventuell, erneut operieren.
Bei mir sind alle rechtsseitigen Nerven ummauert und der Tumor ist an Stammhirn und Hauptschlagader angewachsen. Es konnte nur ein Teil entfernt werden und auch nicht alles bestrahlt werden.
.......

Vielleicht ist es hilfreich, in kleinen Schritten zu überlegen für dich? Nicht, was evt in 5 Jahren ist, in 10? Vielleicht hält der Tumor noch ganz lange still, grad wenn er auch wieder bestrahlt wird?

Ich wünsche dir viel Kraft und Ruhe,
ein Schritt nach dem anderen,

Efeu
Efeu
moodi
02.08.2019 20:25:33
Hallo Efeu,

das hast Du auch gut geschrieben.
Ich bin so froh, dass es dieses Forum gibt !

Also, soll man nicht bewusst eine Facialisparese in Kauf nehmen, meinst Du ?
Du hast es erlebt und nicht nur eine Schluckstörung ist heftig.
Du musst auch anscheinend damit leben, dass nicht der komplette Tumor entfernt werden kann. Das ist auch hart.

Der NC wirkte auch etwas "geschockt", als ich vorschlug, die Parese in Kauf zu nehmen und endlich alles zu entfernen. Es ist eben nicht nur etwas Optisches, sondern viel mehr...

Ja, ich werde mich wohl auf die Ärzte verlassen müssen. Aber das Gedankenkarusell geht weiter....
Alles Gute !
LG moodi
moodi
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