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Thema: Wieso geht alles so schnell?

Wieso geht alles so schnell?
Stellchen
25.08.2020 10:30:43
Hallo liebe Betroffene,

mein Mann, bei dem erst letztes Jahr im März ein Astrozytom und Anfang diesen Jahres bereits ein Glioblastom diagnostiziert wurde, kann und will nicht mehr...

Vor zwei Wochen sind wir noch ein paar Schritte um unser Dorf herum spazieren gegangen. Von jetzt auf gleich konnte er seine Beine nicht mehr koordinieren und seine rechte Hand ist völlig schlapp. Er liegt seit ein paar Tagen nur noch im Bett, stöhnt und weint oft und kann sich kaum noch äußern.

Ich bin so unsagbar traurig... Wieso ging das jetzt alles so schnell? Es ist alles so furchtbar, und mein jüngster Sohn hat heute morgen beim Frühstück so bitterlich geweint...

Wie steht man das durch und wie begleite ich meine Kinder am besten?

Ich würde mich wirklich sehr über ein paar Antworten freuen.

Eine tieftraurige Stellchen
Stellchen
suace
25.08.2020 12:15:04
Liebes Stellchen,
Ja, es kann schrecklich schnell gehen und es ist ganz furchtbar. Wir hatten insgesamt mehr Zeit - aber am Ende war es auch schnell.
Alleine kannst Du das nicht durchstehen. Hol Dir Hilfe! Pflegedienst natürlich um Dich praktisch zu entlasten. Und SAVP : Palliativdienst, die sind zu jeder Tages und Nachtzeit ansprechbar und kommen bei Bedarf sofort. Gibt es einen Hospizverein bei Euch? Da gibt es Begleitung und auch Hilfe.
Kannst Du für die Kinder Tanten/Onkel/Paten aktivieren?
Es gibt richtig tolle Bücher zu dem Thema - die sollte vielleicht jemand Liebes der nicht so GANZ doll dicht dran ist mit ihnen lesen( Wir fanden Und was kommt dann? das Kinderbuch vom Tod von Pernilla Stalfelt ziemlich gut) und ihre Fragen beantworten.
Mit dem behandelnden Arzt kannst Du besprechen, was ggf. auf Dich zukommt. Mir war es eine große Beruhigung zu wissen, daß mein Liebster wahrscheinlich keine Schmerzen haben wird. Das war dann auch so. Er konnte hier Zuhause im Beisein der Familie ganz ruhig gehen. Du kannst mir gerne Fragen stellen.
Viel Kraft !!!
suace
Mani53
25.08.2020 14:23:49
Liebes Stellchen,
ich kann suace nur beipflichten. Hole Dir unbedingt das Palliativteam an Deine Seite.

Am 8.2. durfte mein Mann noch an der Hochzeit unseres Sohnes teilnehmen und am Tag darauf haben ihn schwere epileptische Anfälle bei vollem Bewußtsein aus der Bahn geworfen. Ich war überaus froh, das Team an meiner Seite zu haben. Sind trotz Sonntag sofort gekommen und haben alles in die Wege geleitet ihn in die operierende Klinik zu bringen, denn normalerweise darf die 112 nur das nächstgelegene KH anfahren.
1 Woche Neurologie, 3 Wochen Palliativ und 2 Wochen Hospiz.

Die letzten 6 Wochen waren bei uns so, wie du es beschreibst.Immer mehr Bewegungseinschränkungen bis zu vollständigen Bewegungsunfähigkeit.
Kommunikation sukzessive schlechter bis zur Sprachlosigkeit. Die Pflege hätte ich nicht mehr alleine bewerkstelligen können und war unendlich dankbar für die Hilfe. Damit konnte ich mich ihm 100 % widmen.
Mein Mann hat auch viel geweint und mich immer nur noch mit seinen großen blauen Augen hilfeschreiend angesehen.

Ich habe meinen lieben Mann am 20.3. dieses Jahres nach 15 Monaten langen Kampf und immerwährender Hoffnung an das Glioblastom verloren.

Tipps, wie du das durchstehen kannst, habe ich leider nicht, denn ich habe den Verlust immer noch nicht verkraftet. Die Seele ist einfach krank.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen Kraft. Vielleicht bist du stärker als ich.
Und die Kinder werden dich fordern und evtl. auch ablenken. Ich hoffe es für dich.

Liebe Grüße und fühle dich umarmt.
Mani 53
Mani53
wercasa
28.08.2020 14:42:42
Liebe Stellchen,
ich kann mich den anderen Betroffenen nur anschliessen. Auch meine Frau hatte zunächst ein anaplastisches Astrozytom und dann nach der zweiten OP ein sekundäres Glioblastom. Von den insgesamt 37 Krankheitsmonaten waren 35 Monate gut bis ganz okay. Die letzten beiden Monate waren der freie Fall mit den von dir beschriebenen Einschränkungen. Auch wir haben den SAPV und den örtlichen Hospizverein ins Boot geholt. So konnte meine Frau bis zuletzt zuhause bleiben und hat bis ca. anderthalb Wochen vor ihrem Tod noch "bei uns auf der Couch gesessen". Wir wurden auch von einer Psychoonkologin des SAPV betreut, die im Fall der Fälle auch unsere 14 Jahre alte Tochter betreut hätte. Diese Betreuung war aber bislang, auch über ein halbes Jahr nach dem Tod meiner Frau, nicht notwendig. Meine Tochter hält sich wider Erwarten extrem wacker und wir bilden ein gutes Team. Ich bin zuversichtlich, dass es auch so bleibt. Im Nachgang bin ich froh, dass meine Frau wahrscheinlich nicht lange leiden musste und es ihr vergönnt war, zuhause zu sterben und die Einschränkungen nicht lange erleben zu müssen.
Viel Kraft wünscht dir
Carsten
wercasa
cs66
06.09.2020 17:15:31
Liebe Stellchen,

hol Dir alle Hilfe, die Du bekommen kannst. Es gibt auch SPAV Teams, die Euch betreuen, falls Dein Mann noch therapiert wird. In meiner jetzigen Situation habe ich auch noch Behandlungspflege und Betreuungspflege an Bord. Daneben noch die Psycho-Onkologie der Uni-Klinik.

Ansonsten ist der Verlauf leider typisch. Auch bei meiner Frau, wie bei Carsten, waren ca. 36 Monate nach ED des Glioblastoms ganz in Ordnung. Danach schwerer Krampfanfall nach Tumorprogress, 3 Wochen Krankenhaus, direkt von Null in Pflegestufe 4.

Auch wir haben eine Tochter, 15 Jahre jetzt alt. Ich habe sie in den ganzen drei Jahren und speziell in den letzten Monaten nicht mit Hilfsangeboten genervt. Bei passender Gelegenheit habe ich darauf hingewiesen, daß diese existieren. Und vor einigen Wochen hat Sie dann auch Hilfe in Anspruch genommen. Kinder haben ein eigenes Umgehen mit solchen Situationen - das habe ich aus den Gesprächen mit Psychologen gelernt. Es hilft nichts, Ihnen Hilfe aufzunötigen. Aber man benötigt Nerven aus Stahl.

Leider kann ich Dir ansonsten zum Durchstehen konkret nicht mehr mit auf den Weg geben. Dazu sind wir alle hier zu unterschiedlich. Mir hilft es in der jetzigen Situation dafür zu sorgen, daß der Wille meiner Frau, auch wenn sie ihn nicht mehr artikulieren kann, umgesetzt wird.

Liebe Grüße
cs66
Stellchen
13.09.2020 22:31:49Neu
Ihr Lieben,
"wieso geht alles so schnell" habe ich Ende August hier im Forum noch gefragt... Jetzt ist es vorbei... Am 11. September (welch denkwürdiger Tag...) ist mein wunderbarer Ehemann nach zwei Wochen bester Versorgung auf einer Palliativstation verstorben. Und wieder sind wir hier fassungslos und denken: "Wieso so schnell..."

Ich wünsche allen Betroffenen aber auch den Angehörigen viel, viel Kraft für all das, was auf Euch zukommt! Fühlt Euch herzlich gedrückt von einer

tieftraurigen Stellchen
Stellchen
Milma9904
13.09.2020 22:51:05Neu
Hallo Stellchen,

mein tiefstes Mitgefühl und viel Kraft!

Liebe Grüße
Ria
Milma9904
Januar2017
14.09.2020 08:29:45Neu
Liebe Stellchen,

mein herzliches Beileid, dir und deiner Familie.
Ich habe deine Posts hier verfolgt.

Mein Verlobter Stephan bekam die Diagnose Multilokaläres Glioblastom im März diesen Jahres. Nach 2 ops und Stupp, sind wir jetzt nach 6 Monaten bei Avastin....

Alles gute für dich,
Ela
Januar2017
Mummel
14.09.2020 12:01:12Neu
Liebes Stellchen
Mein herzliches Beileid möchte ich dir und deiner Familie auf diesem Weg übermitteln. Ich wünsche euch viel Kraft für die kommende Zeit.....
Liebe Grüße
Mummel
Minimo
14.09.2020 12:47:03Neu
Liebes Stellchen,
mein tiefstes Mitgefühl für dich und deine Lieben! Es macht mich immer so traurig, wenn hier jemand schreibt, dass ein Angehöriger gegangen ist. Diese Krankheit ist so furchtbar und unbarmherzig.
Ich wünsche euch viel Kraft und alles Gute
Minimo
Minimo
Berberine
14.09.2020 15:03:09Neu
Liebe Stellchen

Auch ich kondoliere von ganzem Herzen und wünsche Dir viel Kraft und alles Gute in dieser schweren Zeit.
Berberine
Stellchen
14.09.2020 17:42:48Neu
Ihr Lieben,
ich danke Euch von Herzen für Eure lieben Worte. Es ist wirklich tröstlich, da ihr genau wisst, was "Tod durch Hirntumor" bedeutet... Die meisten Menschen können sich ja nicht ansatzweise vorstellen, was die Krankheit im Laufe der Zeit mit den Betroffenen und Angehörigen macht...

Herzliche Grüße von einer tief-traurigen Stellchen
Stellchen
Ames19
14.09.2020 19:52:14Neu
Hallo Stellchen, Hallo liebe Betroffene und Angehörige,
bisher habe ich still mitgelesen, mich aber nun angemeldet um zu allererst Stellchen mein herzliches Beileid zu übermitteln.

Ich bin im Moment als Schwiegertochter in der selben Situation und habe mich mit der Frage "warum geht alles so schnell" konfrontiert gesehen.
im Dezember 2019 wurde bei meiner lieben Schwiegermutter ein Glioblastom diagnostiziert. Mit riesiger Tapferkeit, Mut und Zuversicht hat sie sich Op, Bestrahlung und Chemo gestellt und niemals großartig geklagt.

Im August dann das Rezidiv, und auf einmal ging alles unvorhergesehen schnell. Die Ärzte rechneten mit einer weiteren Lebenszeit von 6 Monaten. Es wurden 2.5 Wochen. 

Uns war bewusst, was die Diagnose bedeutet. Aber das Ende kam dann zu schnell. So ist sie am 31.8. gut betreut auf der Palliativstation im Alter von nur 65 Jahren verstorben. Wir wissen, dass ihr einiges erspart geblieben ist. Sie hat sich nicht gequält und keine Schmerzen gehabt. Aber sie fehlt an allen Ecken und Enden.

Ich bin berührt, wie viele direkt Betroffene und Angehörige hier "herumschwirren" und sende jedem ein dickes Kraftpaket und dir, Stellchen, viel Geduld, Zeit und Kraft für das kennen lernen deines neuen Lebens.

Alles Liebe!
Ames19
Marian 2001
24.09.2020 12:36:31Neu
Liebes Stellchen! Du hast mein ganzes Mitgefühl! Mein herzlichstes Beileid!
Ich befinde mich in derselben Situation wie du vor 1 Monat. Mein Mann liegt im Bett und schläft die meiste Zeit. Alles strengt ihn an und die Ärzte machen nichts mehr. Ich schaffe es gerade gar nicht mehr. Gestern habe ich mit unseren Töchtern (9 und 11 Jahre) gesprochen. Dann haben wir zu 3.geweint!
Wie schafft ihr die Tage ohne deinen geliebten Ehemann und Vater?
Alles Liebe Marian
Marian 2001
Fusel123
26.09.2020 17:49:41Neu
Liebe Stellchen und liebe Marian.

Ich wünsche euch beiden alle Kraft der Welt und mein grösstes Mitgefühl..
ihr seit so tapfer!! Meine Mutter hat im August die Diagnose Glioblastom IV erhalten und habe jeden Tag Angst es könnte bergab gehen..
wie schafft ihr das?
Fusel123
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